[Monatsrückblick] Die Buchwelt im Messefieber – und unerwartetes Feedback

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Hallo Weltenbummler,
wenn es ein Thema gab, das den März beherrscht hat, wie kein zweites, dann war es wohl die Leipziger Buchmesse. Twitter, Facebook, Instagram – überall Fotos von Büchern, fröhlichen Buchmenschen und … einer Menge Schnee. Mittlerweile habe ich so viele gelungene und zum Teil auch sehr ausführliche Berichte von der Messe gelesen, dass ich selbst das Gefühl habe, dort gewesen zu sein und den ganzen Trubel nicht nur aus der Ferne beobachtet zu haben. Was ich aus der Vielzahl an Messeposts – egal, auf welchem Kanal – mitnehme, ist, dass Lesen verbindet. So viele Menschen, die sich nur übers Internet kennen, sich auf der Messe in den Armen liegen wie alte Freunde … wundervoll. <3

Preise über Preise

Spannung habe ich auch auf Twitter die Verleihung des SERAPH, des Preises der Phantastischen Akademie im Rahmen der Messe auf Twitter verfolgt. Ausgezeichnet wurden Der Kanon mechanischer Seelen von Michael Marrak als bester Roman sowie Theresa Hannigs Die Optimierer als bestes Debüt. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr auch ein Preis in der Kategorie bester Independent-Titel verliehen, den Janna Ruth mit nach Hause nehmen durfte. Ihre moderne Märchenadaption Im Bann der zertanzten Schuhe, die ich *** hier *** bereits im vergangenen Monat besprochen habe, hat die Auszeichnung redlich verdient. Die Geschichte von Sophie und Jonas ist einfach nur zauberhaft. :)

Zauberhaft ist auch Die silberne Königin von Katharina Seck, der 2017 mit dem SERAPH als bester Roman ausgezeichnet wurde. Eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Und das alles in einem wunderbaren Stil geschrieben, mit Formulierungen, die funkeln und blitzen wie Eiskristalle. Na, neugierig? Hier geht es zur *** Rezension ***

Nach dem SERAPH schließt sich bereits der nächste Preis an: Im März wurde die * Longlist des Deutschen Phantastik Preises * präsentiert. Noch bis zum 15. April könnt ihr für eure Favoriten abstimmen – oder Titel nachnominieren, die eurer Meinung nach einen Platz auf der Shortlist verdient hätten.

Sonnenschein in den Alltag …

bringen ganz viele wundervolle Buchblogger. Eine von ihnen ist Ida von Ida’s Bookshelf. Ihr verdanke ich auch meine Nominierung für den Sunshine Blogger Award. Wer immer schon mal wissen wollte, welches Buch ich jedem empfehlen würde oder ob ich mich beim Bücherkauf zügeln kann, der kann meine Antworten *** hier *** entdecken.

Leider war diesen Monat nicht alles Friede, Freude, Sonnenschein. Mein persönlicher Aufreger des Monats heißt Deno Licina, besser bekannt als „Der Poet“. Schon seit Beginn des Jahres schlug der Fall dieses Möchtegern-Poeten hohe Wellen auf Twitter. Denn Licina hat ganz dreist Tweets anderer Nutzer kopiert und sie als die seinen ausgegeben – natürlich ganz stilecht mit Rechtschreibfehlern. Ist ja schon schwierig genug, überhaupt einen Text zu finden, der tiefgründig genug ist, um ihn zu plagiieren. * schnaub *
So was regt mich wirklich auf. Und genau wie alle anderen Plagiatoren wird er ungeschoren davonkommen. Zeigt er wenigstens einen Anflug von Reue? Fehlanzeige. Immerhin hat sich sein Verlag von ihm distanziert …

Unerwartetes Feedback

Während sich gefühlt die halbe Buchwelt in Leipzig getummelt hat, habe ich die Zeit genutz, und geschrieben. Nicht nur im Rahmen des #Writing Friday, wo ich * in die Haut eines Obdachlosen geschlüpft bin *, mir * Gedanken über die Zukunft des Buches * gemacht und meinem * ersten Auto einen Liebesbrief * geschrieben habe. Im März habe ich eine Kurzgeschichte (für eine Anthologieausschreibung) zu Papier gebracht – in einem Genre, mit dem ich bisher noch keinerlei Erfahrungen hatte. Nach der Hälfte der Erzählung habe ich bemerkt, dass mir der rote Faden fehlt, und kurz vor der Deadline noch mal von vorn begonnen.

Dabei habe ich wieder gemerkt, welche Emotionen das Schreiben mit sich bringt. Geschichtenerzählen ist Spaß, eine Obsession – und ja, wie jede Leidenschaft lässt es mich manchmal auch leiden. Vielleicht sollte ich dem Thema mal einen eigenen Beitrag widmen …

Besondere Schreibmotivation habe ich schon zu Beginn des Monats bekommen. Meine Kurzgeschichte von Bauern, Ochsen und einem Schwan wurde von einem Leser in einer Rezension zur Luther– Anthologie erwähnt. :) Rückmeldungen sind immer dann ganz besonders schön, wenn sie so unverhofft kommen wie diese. Auch die Anthologie Auf düsteren Wegen, die im Dezember erschienen ist und zu der ich auch eine Geschichte beigestiert habe, hat eine sehr wohlwollende Rezension im Sonic Seducer (April-Ausgabe) erhalten. Und dann konnte ich bei der Storyolympiade 2017/2018 tatsächlich einen Platz in der Hauptrunde ergattern. Autorenherz, was willst du mehr?! ;)

Was euch im April erwartet …

… weiß ich selbst noch nicht genau. :) Aber ich habe Lust auf Veränderungen, auf was Neues. Auf jeden Fall habe ich im März endlich wieder mehr gelesen. Das heißt auch, dass es noch einige Bücher gibt, die ich euch vorstellen kann – wenn ich Zeit und Lust für eine Rezension finde. Da sind wirklich einige tolle Romane dabei. Ihr dürft auf jeden Fall gespannt sein. :)

Liebe Grüße,
Anna

[Rezension] Katharina Seck – Die silberne Königin

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Geschichten konnten einen direkt ins Herz treffen, selbst wenn man nicht wusste, wie viel Wirklichkeit tatsächlich in ihnen steckte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.13)

Mit Die silberne Königin entführt Katharina Seck ihre Leser in das märchenhafte Glanzvoll – und spinnt eine Erzählung so hauchzart und zerbrechlich wie Eiskristalle.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Die silberne Königin
Autorin: Katharina Seck
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 366
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 00€/ 9,99€
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2016
Genre: Fantasy

 

 

Darum geht’s

Silberglanz ist eine beschauliche Stadt in einer winterlichen Welt. Doch die Schönheit der von glitzerndem Schnee bedeckten Landschaft ist trügerisch. Seit Jahrzehnten ist das Land im ewigen Winter gefangen, es droht unter den Schneemassen zu ersticken. Alles ändert sich, als die 24-jährige Emma in die Chocolaterie von Madame Weltfremd kommt und diese ihr ein Märchen erzählt, das Märchen der silbernen Königin. Denn darin verborgen liegt die Wahrheit – über den Winterfluch, über den kaltherzigen König und über Emma selbst …

Ein atemberaubender Roman voller Spannung und Romantik – ausgezeichnet mit dem Seraph Literaturpreis als Bestes Fantasy-Buch des Jahres!

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch

Schon der Prolog bildet einen Einstieg in die Geschichte, den man nur als magisch bezeichnen kann. Madame Weltfremd hat in ihre Chocolaterie – das Schokoladengold – zu einer Geschichtennacht geladen. Was sie zu erzählen hat, ist wahrlich märchenhaft – und verhängnisvoll. Denn etwas Dunkles, Bedrohliches lauert außerhalb der wohligen Wärme innerhalb des Ladens. Etwas, das Geschichten zu erzählen zu einem gefährlichen Unterfangen macht.

„Beinahe kam es Emma vor, als würde das Vortragen des Märchens der Madame Schmerzen verursachen, seelisch wie körperlich. Dabei war es doch nur eine Geschichte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.92)

In Die silberne Königin betreten wir eine Welt ganz aus Schnee und Eis. Frost, ein nie enden wollender Winter setzen dem Land und seinen Bewohnern zu. Und über all das wacht das Eisschloss, sitz der gefürchteten Herrscherfamilie. Eine kaum greifbare Bedrohung geht von diesem Ort und seinen Bewohner aus, den die Städter meiden.

Wir begleiten die 24-jährige Emma, die unermüdlich in den Silberminen arbeitet. Das Schokoladengold ist ein Sehnsuchtsort für sie, ein Traum, den sie gern leben würde – doch der ihr unerreichbar scheint. Zu ihrem Vater pflegt sie ein schwieriges Verhältnis. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, auch wenn er sie oft von sich stößt.

Emma wirkt den ganzen Roman über zart und irgendwie zerbrechlich. Doch tief in ihrem Innern trägt sie auch eine unglaubliche Stärke, die es ihr nicht erlaubt, sich oder ihre Hoffnung aufzugeben. Katharina Seck zeichnet ihren Charakter fein. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um richtig warm mit Emma zu werden.

Als Emma schließlich eine Anstellung in Madame Weltfremds Schokoladengold erhält, konnte mich der Roman vollends in seinen Bann ziehen. Denn nach der Arbeit beginnt die Madame Emma und Ophelia ein ganz besonderes Märchen zu erzählen.

„Ihr müsst gut zuhören. Bei Geschichten weiß man nie, ob sie einem im Leben nicht noch einmal helfen können.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 60)

Die Rede ist vom Märchen von der titelgebenden silbernen Königin, das passagenweise in die Erzählung eingeflochten wird. Das Reich der silbernen Königin ist in großer Gefahr: Der Frostprinz erobert ein Herrschaftsgebiet nach dem anderen, lässt es in ewigem Winter versinken. Gemeinsam mit dem Kristallmädchen macht sich die silberne Königin auf die beschwerliche Reise, den Frostprinzen aufzuhalten.

Diese Erzählung innerhalb der Erzählung hat mich wirklich verzaubert. Die Einfälle, die Welt und nicht zuletzt die Figuren. Vor allem die silberne Königin ist märchentypisch naiv, gutmütig und im besten Sinne des Wortes weltfremd.

Nach und nach entdeckt Emma immer mehr Prallelen zwischen der Geschichte der Madame und ihrem eigenen Leben – und schließlich treibt sie die Erzählung direkt in die Arme des Königs.

„Der Eiskönig, wie ihn manche nannten. Der unsichtbare König, wie ihn andere nannten. Er war irgendwie … beides.“ 

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.118)

Als Emma in seine Fänge gerät, bliebt ihr nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu erzählen. Und es ist das Märchen von der silbernen Königin, das über ihre Schicksal entscheidet. Casper, der junge, grausame König ist ein faszinierender Charakter. Dunkel und frostig, kälter als das Eis, aus dem sein Palast besteht. Grausam und abweisend – mit einem Herz aus Eis.

„Vielleicht ist ein Eisherz nicht so schlimm, wenn man nichts anderes kennt. Vielleicht ist der König schon so auf die Welt gekommen.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 112)

Was mich neben der wundervollen Geschichte und dem Märchen um die silberne Königin am meisten begeistern konnte, war Katharina Secks unvergleichliche Art zu schreiben. Ihre Formulierungen sind geschliffen. Sie funkeln und blitzen wie Eiskristalle, doch sind zugleich so scharf, dass sie tief ins Herz dringen. All dem liegt eine bittersüße Note von Melancholie zu Grunde, die ebenso auf der Zunge zerschmilzt wie Madame Weltfremds Schokoladenkreationen.

Fazit

Die silberne Königin ist eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Bezaubernd melancholisch. Fragil, doch zugleich stark und mitreißend. Eine klare Empfehlung.

 Über die Autorin

2017 wurde Katharina Seck für Die silberne Königin mit dem SERAPH, dem Preis der phantastischen Akademie in der Kategorie „Bester Roman“ ausgezeichnet, der auf der Leipziger Buchmesse verliehen wird. Vor kurzem erschien mit Tochter des dunklen Waldes ein weiterer Fantasy-Roman aus ihrer Feder bei Bastei Lübbe, sowie Die Stille zwischen Himmel und Meer als Kati Seck.