[Monatsrückblick] März 2019 | Auf Hochglanz poliert

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Meine lieben Weltenbummler,
verdammt wenig los hier in der Welt aus Tinte und Papier im letzten Monat, obwohl ich in meinem letzten Rückblick doch versprochen hatte, dass sich das im März ändern würde. Doch neben einem Schauermärchen für den Writing Friday habe ich tatsächlich nichts gepostet. Dass es hier so ruhig geblieben ist, hatte einen guten Grund.

Auf Hochglanz poliert

Wie schon der Februar stand auch der vergangene Monat ganz im Zeichen des Lektorats von Wellensang. Der zweite und finale Durchgang war wieder sehr intensiv, aber ich habe das Gefühl, dass meine Lektorin mir wirklich großartig dabei geholfen hat, das Manuskript auf Hochglanz zu polieren. Ihretwegen habe ich mich auch an meinem ersten historischen Nachwort versucht – und wäre beinahe daran verzweifelt. *lach*

Aus der Uni bin ich es ja gewohnt, historische Sachverhalte in eher … wissenschaftlicher Form zu verpacken. Das Nachwort so zu gestalten, dass es sich eben nicht wie eine wissenschaftliche Abhandlung, sondern wie die perfekte Ergänzung zu einem (Unterhaltungs)Roman liest, war gar nicht so leicht. Zum Glück konnte ich mich auf die Hilfe meines kritischsten Betalesers verlassen, der eigentlich so gar nichts mit Geschichte am Hut hat. ^^ Jedenfalls konnte ich alles – Manuskript, Nachwort und sogar ein Glossar – gegen Ende des Monats abgeben. Die Sachen liegen nun wieder beim Verlag und ich fiebere schon den nächsten Schritten auf dem Weg bis zur Veröffentlichung im Herbst entgegen.

Der SERAPH und die Leipziger Buchmesse

Wie ihr seht hatte ich also ordentlich was zu tun, während sicher auch einige von euch in Leipzig auf der Buchmesse waren. Als Daheimgebliebene habe ich all die tollen Posts und Insta-Stories mit einem lachenden und einem weinenden Auge mitverfolgt. Und dank meines Autoren- und Bloggerkollegen Erik (Zwischen Buchdeckeln), der mal wieder sehr gelungene Messeberichte geschrieben hat, hatte ich beinahe das Gefühl, selbst in Leipzig zu sein.

Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

Besonders schade fand ich, dass ich die Releasepartys der beiden frisch erschienenen Anthologien vom Eridanus und Burgenwelt Verlag verpasst habe, zu denen ich auch eine Geschichte beisteuern durfte (weiter Infos folgen in Kürze *hüstel*). Die Fotos, die ich von beiden Veranstaltung gesehen habe, sprechen allerdings dafür, dass die anderen eine (feucht)fröhliche Zeit hatten. :)

 

Auf der Messe wurde auch der SERAPH, der Literaturpreis für Phantastik verliehen. Über die begehrten Auszeichnungen durften sich in diesem Jahr folgende Bücher freuen:

Die Chroniken von Azuhr – der Verfluchte von Bernhard Hennen als Bester Roman (der auch eines meines Jahreshighlights 2018 war. Eine Rezension findet ihr ***hier***.)

The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung von Kris Brynn als Bestes Debüt.

Das Erbe der Rauhnacht von Birgit Jaeckel als Bester Independent-Titel.

Auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch!

April-Ausblick | Camp NaNoWriMo 

Nach dem Lektorat juckt es mir in den Fingern, endlich wieder zu schreiben. Dass im April das Camp NaNoWriMo stattfindet, kommt mir daher wie gerufen. Anders als beim großen NaNo im November, kann man sich im Camp jedoch ein individuelles Wort- oder sogar Stundenziel setzen.

Ich hoffe, dass ich durch das Camp (trotz des Beginns des neuen Semesters) wieder in eine einigermaßen regelmäßige Schreibroutine finde. 10k Wörter an Sturmsang, meinem NaNo-Roman von 2018, zu schreiben, habe ich mir als Ziel gesetzt. Für manch einen mag das nicht viel sein, aber für mich ist das eine Menge, die ich selbst in guten Monaten nur selten schaffe.

Am Ende ist und bleibt das Wichtigste, Spaß an seinem Projekt und am Schreiben zu haben.

Jedes Wort, das man zu Papier bringt, bringt einen näher ans Ende der Geschichte.

In dem Sinne:
Wir lesen uns,
Eure Anna

[Monatsrückblick] Die Buchwelt im Messefieber – und unerwartetes Feedback

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Hallo Weltenbummler,
wenn es ein Thema gab, das den März beherrscht hat, wie kein zweites, dann war es wohl die Leipziger Buchmesse. Twitter, Facebook, Instagram – überall Fotos von Büchern, fröhlichen Buchmenschen und … einer Menge Schnee. Mittlerweile habe ich so viele gelungene und zum Teil auch sehr ausführliche Berichte von der Messe gelesen, dass ich selbst das Gefühl habe, dort gewesen zu sein und den ganzen Trubel nicht nur aus der Ferne beobachtet zu haben. Was ich aus der Vielzahl an Messeposts – egal, auf welchem Kanal – mitnehme, ist, dass Lesen verbindet. So viele Menschen, die sich nur übers Internet kennen, sich auf der Messe in den Armen liegen wie alte Freunde … wundervoll. <3

Preise über Preise

Spannung habe ich auch auf Twitter die Verleihung des SERAPH, des Preises der Phantastischen Akademie im Rahmen der Messe auf Twitter verfolgt. Ausgezeichnet wurden Der Kanon mechanischer Seelen von Michael Marrak als bester Roman sowie Theresa Hannigs Die Optimierer als bestes Debüt. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr auch ein Preis in der Kategorie bester Independent-Titel verliehen, den Janna Ruth mit nach Hause nehmen durfte. Ihre moderne Märchenadaption Im Bann der zertanzten Schuhe, die ich *** hier *** bereits im vergangenen Monat besprochen habe, hat die Auszeichnung redlich verdient. Die Geschichte von Sophie und Jonas ist einfach nur zauberhaft. :)

Zauberhaft ist auch Die silberne Königin von Katharina Seck, der 2017 mit dem SERAPH als bester Roman ausgezeichnet wurde. Eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Und das alles in einem wunderbaren Stil geschrieben, mit Formulierungen, die funkeln und blitzen wie Eiskristalle. Na, neugierig? Hier geht es zur *** Rezension ***

Nach dem SERAPH schließt sich bereits der nächste Preis an: Im März wurde die * Longlist des Deutschen Phantastik Preises * präsentiert. Noch bis zum 15. April könnt ihr für eure Favoriten abstimmen – oder Titel nachnominieren, die eurer Meinung nach einen Platz auf der Shortlist verdient hätten.

Sonnenschein in den Alltag …

bringen ganz viele wundervolle Buchblogger. Eine von ihnen ist Ida von Ida’s Bookshelf. Ihr verdanke ich auch meine Nominierung für den Sunshine Blogger Award. Wer immer schon mal wissen wollte, welches Buch ich jedem empfehlen würde oder ob ich mich beim Bücherkauf zügeln kann, der kann meine Antworten *** hier *** entdecken.

Leider war diesen Monat nicht alles Friede, Freude, Sonnenschein. Mein persönlicher Aufreger des Monats heißt Deno Licina, besser bekannt als „Der Poet“. Schon seit Beginn des Jahres schlug der Fall dieses Möchtegern-Poeten hohe Wellen auf Twitter. Denn Licina hat ganz dreist Tweets anderer Nutzer kopiert und sie als die seinen ausgegeben – natürlich ganz stilecht mit Rechtschreibfehlern. Ist ja schon schwierig genug, überhaupt einen Text zu finden, der tiefgründig genug ist, um ihn zu plagiieren. * schnaub *
So was regt mich wirklich auf. Und genau wie alle anderen Plagiatoren wird er ungeschoren davonkommen. Zeigt er wenigstens einen Anflug von Reue? Fehlanzeige. Immerhin hat sich sein Verlag von ihm distanziert …

Unerwartetes Feedback

Während sich gefühlt die halbe Buchwelt in Leipzig getummelt hat, habe ich die Zeit genutz, und geschrieben. Nicht nur im Rahmen des #Writing Friday, wo ich * in die Haut eines Obdachlosen geschlüpft bin *, mir * Gedanken über die Zukunft des Buches * gemacht und meinem * ersten Auto einen Liebesbrief * geschrieben habe. Im März habe ich eine Kurzgeschichte (für eine Anthologieausschreibung) zu Papier gebracht – in einem Genre, mit dem ich bisher noch keinerlei Erfahrungen hatte. Nach der Hälfte der Erzählung habe ich bemerkt, dass mir der rote Faden fehlt, und kurz vor der Deadline noch mal von vorn begonnen.

Dabei habe ich wieder gemerkt, welche Emotionen das Schreiben mit sich bringt. Geschichtenerzählen ist Spaß, eine Obsession – und ja, wie jede Leidenschaft lässt es mich manchmal auch leiden. Vielleicht sollte ich dem Thema mal einen eigenen Beitrag widmen …

Besondere Schreibmotivation habe ich schon zu Beginn des Monats bekommen. Meine Kurzgeschichte von Bauern, Ochsen und einem Schwan wurde von einem Leser in einer Rezension zur Luther– Anthologie erwähnt. :) Rückmeldungen sind immer dann ganz besonders schön, wenn sie so unverhofft kommen wie diese. Auch die Anthologie Auf düsteren Wegen, die im Dezember erschienen ist und zu der ich auch eine Geschichte beigestiert habe, hat eine sehr wohlwollende Rezension im Sonic Seducer (April-Ausgabe) erhalten. Und dann konnte ich bei der Storyolympiade 2017/2018 tatsächlich einen Platz in der Hauptrunde ergattern. Autorenherz, was willst du mehr?! ;)

Was euch im April erwartet …

… weiß ich selbst noch nicht genau. :) Aber ich habe Lust auf Veränderungen, auf was Neues. Auf jeden Fall habe ich im März endlich wieder mehr gelesen. Das heißt auch, dass es noch einige Bücher gibt, die ich euch vorstellen kann – wenn ich Zeit und Lust für eine Rezension finde. Da sind wirklich einige tolle Romane dabei. Ihr dürft auf jeden Fall gespannt sein. :)

Liebe Grüße,
Anna

[Rezension] Katharina Seck – Die silberne Königin

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Geschichten konnten einen direkt ins Herz treffen, selbst wenn man nicht wusste, wie viel Wirklichkeit tatsächlich in ihnen steckte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.13)

Mit Die silberne Königin entführt Katharina Seck ihre Leser in das märchenhafte Glanzvoll – und spinnt eine Erzählung so hauchzart und zerbrechlich wie Eiskristalle.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Die silberne Königin
Autorin: Katharina Seck
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 366
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 00€/ 9,99€
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2016
Genre: Fantasy

 

 

Darum geht’s

Silberglanz ist eine beschauliche Stadt in einer winterlichen Welt. Doch die Schönheit der von glitzerndem Schnee bedeckten Landschaft ist trügerisch. Seit Jahrzehnten ist das Land im ewigen Winter gefangen, es droht unter den Schneemassen zu ersticken. Alles ändert sich, als die 24-jährige Emma in die Chocolaterie von Madame Weltfremd kommt und diese ihr ein Märchen erzählt, das Märchen der silbernen Königin. Denn darin verborgen liegt die Wahrheit – über den Winterfluch, über den kaltherzigen König und über Emma selbst …

Ein atemberaubender Roman voller Spannung und Romantik – ausgezeichnet mit dem Seraph Literaturpreis als Bestes Fantasy-Buch des Jahres!

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch

Schon der Prolog bildet einen Einstieg in die Geschichte, den man nur als magisch bezeichnen kann. Madame Weltfremd hat in ihre Chocolaterie – das Schokoladengold – zu einer Geschichtennacht geladen. Was sie zu erzählen hat, ist wahrlich märchenhaft – und verhängnisvoll. Denn etwas Dunkles, Bedrohliches lauert außerhalb der wohligen Wärme innerhalb des Ladens. Etwas, das Geschichten zu erzählen zu einem gefährlichen Unterfangen macht.

„Beinahe kam es Emma vor, als würde das Vortragen des Märchens der Madame Schmerzen verursachen, seelisch wie körperlich. Dabei war es doch nur eine Geschichte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.92)

In Die silberne Königin betreten wir eine Welt ganz aus Schnee und Eis. Frost, ein nie enden wollender Winter setzen dem Land und seinen Bewohnern zu. Und über all das wacht das Eisschloss, sitz der gefürchteten Herrscherfamilie. Eine kaum greifbare Bedrohung geht von diesem Ort und seinen Bewohner aus, den die Städter meiden.

Wir begleiten die 24-jährige Emma, die unermüdlich in den Silberminen arbeitet. Das Schokoladengold ist ein Sehnsuchtsort für sie, ein Traum, den sie gern leben würde – doch der ihr unerreichbar scheint. Zu ihrem Vater pflegt sie ein schwieriges Verhältnis. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, auch wenn er sie oft von sich stößt.

Emma wirkt den ganzen Roman über zart und irgendwie zerbrechlich. Doch tief in ihrem Innern trägt sie auch eine unglaubliche Stärke, die es ihr nicht erlaubt, sich oder ihre Hoffnung aufzugeben. Katharina Seck zeichnet ihren Charakter fein. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um richtig warm mit Emma zu werden.

Als Emma schließlich eine Anstellung in Madame Weltfremds Schokoladengold erhält, konnte mich der Roman vollends in seinen Bann ziehen. Denn nach der Arbeit beginnt die Madame Emma und Ophelia ein ganz besonderes Märchen zu erzählen.

„Ihr müsst gut zuhören. Bei Geschichten weiß man nie, ob sie einem im Leben nicht noch einmal helfen können.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 60)

Die Rede ist vom Märchen von der titelgebenden silbernen Königin, das passagenweise in die Erzählung eingeflochten wird. Das Reich der silbernen Königin ist in großer Gefahr: Der Frostprinz erobert ein Herrschaftsgebiet nach dem anderen, lässt es in ewigem Winter versinken. Gemeinsam mit dem Kristallmädchen macht sich die silberne Königin auf die beschwerliche Reise, den Frostprinzen aufzuhalten.

Diese Erzählung innerhalb der Erzählung hat mich wirklich verzaubert. Die Einfälle, die Welt und nicht zuletzt die Figuren. Vor allem die silberne Königin ist märchentypisch naiv, gutmütig und im besten Sinne des Wortes weltfremd.

Nach und nach entdeckt Emma immer mehr Prallelen zwischen der Geschichte der Madame und ihrem eigenen Leben – und schließlich treibt sie die Erzählung direkt in die Arme des Königs.

„Der Eiskönig, wie ihn manche nannten. Der unsichtbare König, wie ihn andere nannten. Er war irgendwie … beides.“ 

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.118)

Als Emma in seine Fänge gerät, bliebt ihr nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu erzählen. Und es ist das Märchen von der silbernen Königin, das über ihre Schicksal entscheidet. Casper, der junge, grausame König ist ein faszinierender Charakter. Dunkel und frostig, kälter als das Eis, aus dem sein Palast besteht. Grausam und abweisend – mit einem Herz aus Eis.

„Vielleicht ist ein Eisherz nicht so schlimm, wenn man nichts anderes kennt. Vielleicht ist der König schon so auf die Welt gekommen.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 112)

Was mich neben der wundervollen Geschichte und dem Märchen um die silberne Königin am meisten begeistern konnte, war Katharina Secks unvergleichliche Art zu schreiben. Ihre Formulierungen sind geschliffen. Sie funkeln und blitzen wie Eiskristalle, doch sind zugleich so scharf, dass sie tief ins Herz dringen. All dem liegt eine bittersüße Note von Melancholie zu Grunde, die ebenso auf der Zunge zerschmilzt wie Madame Weltfremds Schokoladenkreationen.

Fazit

Die silberne Königin ist eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Bezaubernd melancholisch. Fragil, doch zugleich stark und mitreißend. Eine klare Empfehlung.

 Über die Autorin

2017 wurde Katharina Seck für Die silberne Königin mit dem SERAPH, dem Preis der phantastischen Akademie in der Kategorie „Bester Roman“ ausgezeichnet, der auf der Leipziger Buchmesse verliehen wird. Vor kurzem erschien mit Tochter des dunklen Waldes ein weiterer Fantasy-Roman aus ihrer Feder bei Bastei Lübbe, sowie Die Stille zwischen Himmel und Meer als Kati Seck.

[Rezension] Janna Ruth – Im Bann der zertanzten Schuhe

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„Klar, du bist nur ein Prinz und eine Hexe hat dich verflucht. Und nun fesselt dich ein Turntable an einen Luxusschuppen. (…) Ich habe wirklich keine Ahnung, warum du mir solche Märchen auftischst.“

(Janna Ruth, Im bann der zertanzten schuhe, Ebook S.32)

Heute wird es märchenhaft: Mit Im Bann der zertanzten Schuhe legt Janna Ruth eine erfrischend moderne Märchenadaption vor. Treibende Bässe, der Zauber der Musik – und viel mehr Tiefe, als ich erwartet hätte.

Auf einen Blick:

 

Titel: Im Bann der zertanzten Schuhe
Autorin: Janna Ruth
Selfpublishing: Märchenspinnerei
Seiten: 316
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 95€/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2017
Genre: moderne Märchenadaption/Romance

Bildrechte liegen bei der Märchenspinnerei

 

Darum geht’s

Ein verborgener Hain
Ein verfluchter Prinz
Ein Paar zertanzter SchuheVor drei Jahren ist Jonas aus dem Krieg heimgekehrt und doch scheint es, als wäre er nie zuhause angekommen. Ziellos durch die Straßen schweifend, trifft er einen alten Mann, der ihm von den Wundern des DeModie erzählt, einem verwunschenen Reich im Herzen des Nachtlebens. Unzählige Reichtümer und Schätze erwarten ihn dort, doch, was Jonas wirklich verzaubert, ist die lebensfrohe Tänzerin Sophie, die ihn mit ihrem Lachen ansteckt. Jede Nacht tanzt Sophie mit ihrem Prinzen und jede Nacht zerreißen ihre Schuhe ein klein wenig mehr, und mit ihnen das Geheimnis, welches das DeModie und seine Bewohner umgibt.
Die zertanzten Schuhe mal anders. Im Bann eines verzauberten Tanzes spinnt die Autorin Janna Ruth märchenhafte Elemente der Brüder Grimm zu einer modernen Fabel über das glitzernde Nachtleben, zerbrochene Träume und verlorene Seelen.
5. Band der Märchenspinnerei

(Quelle: Märchenspinnerei)

Das Buch

Im Bann der zertanzten Schuhe ist ein Roman aus der Märchenspinnerei, einer Gruppe von Autorinnen, die sich zusammengetan und im vergangenen Jahr damit begonnen haben, nahezu monatlich eine neue Märchenadaption zu veröffentlichen. Vorlage für Janna Ruths Erzählung ist das Märchen von den zertanzten Schuhen, das ich bislang noch nicht kannte. Über die Herausforderungen, die eine Adaption eines solchen Stoffes mit sich bringt, und darüber, welche Elemente des Märchens es schließlich in den Roman geschafft haben, gibt die Autorin in * diesem Artikel * Auskunft.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt. Da ist zum einen Sophie, eine leidenschaftliche Balletttänzerin, die ihren Traum von der großen Bühne nach einem schweren Schicksalsschlag an den Nagel gehängt hat. Tanzen, sich völlig der Musik hinzugeben, ist ihre Leidenschaft – und ihr gehören auch die titelgebenden zertanzten Schuhe, zu denen sie eine ganz besondere Verbindung hat.

Zum anderen begleiten wir auch Jonas, einen ehemaligen Soldaten, dem nach seinem Einsatz in Afghanistan eine posttraumatische Belastungsstörung schwer zu schaffen macht. Da Sophie jede Nacht verschwindet, ist ihr Vater in großer Sorge. Deshalb beauftragt er Jonas damit, herauszufinden, wo sich seine Tochter nachts herumtreibt.

Und dem Ort, dessen besonderen Zauber Sophie erlegen ist, konnte auch ich mich nicht entziehen.

„‚Was ist das für ein Club?‘ (…)

‚Oh, der schönste Ort auf Erden, reicher als jede Schatzkammer und voller Freuden.‘ Sehnsüchtig sah der Mann zu dem Club, bevor er ihm den Blick wieder zuwandte. ‚Und der kälteste.‘“

(Janna Ruth, im bann der zertanzten schuhe, EBook S.10)

Die Rede ist vom DeModie, einem ganz besonderen und wahrhaft märchenhaften Club. In schwelgerischen Bildern gelingt es Janna Ruth, das DeModie vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Die Beschreibungen und die ganz besondere Atmosphäre, die dort herrscht, hat mich von der ersten Silbe an in ihren Bann geschlagen. Doch im Laufe der Erzählung wandelt sich der Eindruck, den das DeModie erweckt. Die Atmosphäre wird düsterer, bedrohlicher. Nach und nach beginnt der Club eine beinahe schon morbide Faszination auszustrahlen.

Dort begegnet Sophie einem waschechten verwunschenen Prinzen. Einem Prince Charming, wie er im Buche steht: Attraktiv und galant, der nur Augen für sie zu haben scheint.

„Ihre Liebe war das, wovon sie schon immer geträumt hatte: Die einzig wahre, für die es sich lohnte, alle Strapazen auf sich zu nehmen.“

(Janna Ruth, im bann der zertanzten schuhe, EBook S.84)

Sophie ist völlig hingerissen von ihrem Prinzen, mit dem sie die Nächte durchtanzt. Manchmal hätte ich sie gern packen und schütteln wollen, denn sie treibt nicht nur sich durch ihre Blindheit und Naivität bis zum Äußersten, sondern bemerkt nicht einmal, wie sehr sie die Menschen um sich herum mit ihrem Verhalten verletzt. Auch Jonas.

Einfühlsam und beklemmend zugleich schildert Janna Ruth, wie Jonas mit seiner Krankheit zu kämpfen hat und mit allem, was er aus dem Kriegseinsatz wieder mitbrachte. In diesen Szenen, den schrecklichen Visionen, den Erinnerungen, die ihn nicht mehr loslassen wollen, gewinnt der Roman eine Tiefe, mit der ich nicht gerechnet habe. Anfangs habe ich mir von dieser Märchenadaption nette Unterhaltung versprochen, etwas, das beim Lesen ein gutes Gefühl macht. Doch Im Bann der zertanzten Schuhe ist so viel mehr als nur eine nette Geschichte.

Die Figuren – allen voran Jonas – überzeugen durch ihre authentische Zeichnung. Ich war nicht die ganze Zeit über ein Fan von Sophie, habe aber immer darum gebangt, dass es wenigstens für Jonas gut ausgeht.

Auch sprachlich konnte mich der Roman auf ganzer Linie überzeugen. Die Autorin schreibt so schwärmerisch, so flüssig … vor allem die Beschreibungen der Klänge und Melodien sind so unglaublich gelungen, dass ich mich oft gefühlt habe, als spiele die Musik zwischen den Zeilen.

„Die Klänge waren nahezu ätherisch, aber jeder Ton schlug eine andere Saite in ihm an und brachte seine Nerven zum Vibrieren. Der Bass dröhnte in seinem Magen und er konnte sich kaum des Drangs erwehren mitzuwippen.“

(Janna Ruth, im Bann der zertanzten schuhe, EBook S.23)

Der Roman konnte mich wirklich begeistern. Er ist defintiv eine Empfehlung für Janna ruht und die Märchenspinnerei – und völlig zurecht auf der Longlist des Seraph, des Phantastikpreises der Leipziger Buchmesse, der in diesem Jahr zum ersten Mal auch in der Kategorie Bester Independent-Titel vergeben wird.

Fazit

Im Bann der zertanzten Schuhe ist eine zauberhafte moderne Märchenadaption. Eine Geschichte über die Liebe zur Musik und zum Tanzen, die nicht nur zum Träumen einlädt, sondern auch mit viel Tiefe und Fingerspitzengefühl überraschen kann.

 Über die Autorin

Im vergangenen Jahr ist neben Im Bann der zertanzten Schuhe auch Janna Ruths Debütroman Tanz der Feuerblüten erschienen. Mit diesem konnte sie bei der Übersinnlich-Ausschreibung des Ueberreuter Verlags einen Platz auf dem Siegertreppchen ergattern.