[Rezension] Katelyn Erikson – Meeresgold. Versprechen der See | historische Abenteuerromanze

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„Der Duft von Meerwasser stieg mir in die Nase. Warmer Atem strich über meinen Nacken (…). Zitternd schloss ich meine Augen und wusste, dass es vorbei war. Mein Leben war zu Ende, noch ehe es richtig beginnen konnte.“ 

(Katelyn Erikson, Meeresgold, Ebook S.16)

Piraten, der Ozean, Abenteuer und Romantik – all das sind die Zutaten, aus denen Katelyn Erikson ihren Roman Meeresgold. Versprechen der See strickt.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Meeresgold. Versprechen der See
Autorin: Katelyn Erikson
Verlag: Eisermann Verlag
Seiten: 320
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12,90 €/ 3, 99€
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2018
Genre: historischer Liebesroman

 

Darum geht’s

Heiraten, Kinder kriegen und die brave Gattin spielen – unter der strengen Hand ihrer Eltern hat Lucia es nicht leicht. Gefangen in den Zwängen der Gesellschaft soll sie einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Als mitten in der Zeremonie Piraten die Hochzeit überfallen, findet die junge Braut sich im Auge des Sturmes wieder.

Entführt von den Feinden ihres Vaters steht Lucia nur der Sohn des Käptn’s zur Seite. Benjamin soll ihr Leben schützen, während er zwischen blutigen Kämpfen und der tosenden See seine eigenen Pläne verfolgt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Schlüssel zu seiner Rache sein Herz im Sturm erobert …

(Quelle: Eisermann Verlag)

Das Buch

Wenn ich Katelyn Eriksons Schreibstil beschreiben sollte, dann würde ich ihn am ehesten als locker, gefällig und humorvoll beschreiben. Genau richtig also für eine Abenteuerromanze, wie sie sie in Meeresgold erzählt.

Im Fokus des Romans steht die Ich-Erzählerin Lucia. Sie ist die Tochter eines einflussreichen Gouverneurs, doch ihr Leben ist nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Zu ihren Eltern pflegt sie ein schwieriges, unterkühltes Verhältnis, fühlt sich von ihren Erwartungen unter Druck gesetzte und in einen goldenen Käfig gesperrt. Da kommt es ihr eigentlich gar nicht so ungelegen, dass sie ausgerechnet am Tag ihrer arrangierten Hochzeit von Piraten entführt wird.

„Es war ihnen schwer gefallen, einen Mann zu finden, der auf eine Mitgift verzichtete und stattdessen gewillt war, eine angemessene Brautgabe für mich zu leisten. Alles andere hatte keine Relevanz, schließlich wollte der hohe Lebensstandard meiner Eltern bezahlt werden.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.5)

Unter ihnen ist auch Ben, der Sohn des Kapitäns und weiterer Perspektivträger. Dass er dazu verdonnert wird, auf Lucia aufzupassen, schmeckt ihm ganz und gar nicht. Mit ihm stellt die Autorin ein Love Interest vor, bei dem schmachtende Leserinnen garantiert sind. Daher braucht es gar nicht viele Seiten bis klar wird: Zwischen Ben und Lucia wird es ordentlich funken.

Und das tut es auch – aber nicht nur im romantischen Sinne. Mit der Zeit an Deck entwickelt sich Lucia mehr und mehr zu einer toughen, selbstbewussten Frau. Zu einer Piratin, die auch unter der Crew Anerkennung findet – und Ben Paroli bietet. Wie es sich für eine gute Romanze gehört, brauchen Ben und Lucia ewig bis sie sich eingestehen können, dass sie für den anderen mehr empfinden als gut für sie und ihnen lieb ist. Es knistert und funkt. Man hasst sich, zankt sich und kommt sich näher. Das alles schildert die Autorin zwar charmant, aber das ein oder andere Geplänkel wirkt dann doch etwas bemüht.

„Ich bin ein Pirat, ein Freibeuter. Mein Herz gehört der See und nicht irgendeinem dahergelaufenen Weib.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.70)

Bemüht wirken auch die Versuche, Lucias Lage vor allem am Anfang als besonders bedrohlich darzustellen. Erikson greift dabei auf einige altgediente Motive zurück, die man typischerweise mir Piraten verbindet. Da ist die Möglichkeit einer drohenden Vergewaltigung, die nahezu in jedem Kapitel angeschnitten wird und irgendwann ihren Schrecken verliert. Da sind die saufenden, raufenden, stinkenden und hurenden Piraten, die Lucia als bloßes Objekt ihrer Begierden betrachten. Außer Ben und seine Männer natürlich. Denn Ben ist es auch, der Lucia wie ein Held in strahlender Rüstung zu Hilfe eilt. Und das nicht nur einmal. Für meinen Geschmack auch etwas zu oft.

„Schwäche war mein Grab, Selbstmitleid der Untergang.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.43)

Die Charaktere bleiben – einschließlich Lucia – blass und agieren entweder schablonenhaft oder überzogen. Dennoch gelingt es dem Roman, einen Sog zu entwickeln, der mich nicht mehr losgelassen hat. Das Hin und Her der Gefühle und die Geschichte drumherum sind durchaus spannend, wenn auch absolut vorhersehbar. Die ein oder andere Kampfszene sorgt für Nervenkitzel.

Neben der Vorhersehbarkeit der Handlung gibt es für mich noch zwei weitere handwerkliche Schnitzer, die den Gesamteindruck des Romans für mich deutlich getrübt haben. Nicht nur, dass Motive  wiederholt werden, auch Begriffe oder ganze Sätze werden wiederholt. (Dabei sollte es auffallen, wenn binnen fünf Zeilen mindestens genau so oft das Wort „reißen“, „Arme“ und „Rücken“ wiederholt wird.) Ziemlich ermüdend.  Zudem scheint die Autorin den Wunsch verspürt zu haben, die Rauheit der Piraten an einigen Stellen durch besonders derbe Formulierungen und zu charakterisieren. Diese heben sich leider negativ ab, da sie absolut unpassend und gewollt scheinen.

„So ungern ich es auch zugab, so sehr sich dieses Verhalten auch nicht schickte, ich genoss es. Tatsächlich stellte dieses Neue und Unsittliche eine interessante Erfahrung dar.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, E-Book, S. 67)

Zum anderen nutzt die Autorin Begriffe, die aus der Zeit fallen. Vor allem im ersten Kapitel verwendet Erikson viel Mühe darauf, mittels Details und Wortwahl eine stimmige Atmosphäre zu kreieren, die den Geist der Zeit der Piraten wunderbar einfängt. Wenn dann Gefühle plötzlich „Achterbahn fahren“ oder jemand „trainiert“ ist, dann zerstört das die historische Illusion – und die Atmosphäre.

Für Atmosphäre sorgen jedoch die detailverliebten Zeichnungen, die in unregelmäßigen Abständen Szenen aus dem Roman in Bildern bannen. Und das so stimmungsvoll, dass das Herz jedes Bibliophilen höherschlägt. Stimmungsvoll ist auch die finale Szene des Romans. Ihre Magie und Poesie hätte ich mir für den ganzen Roman gewünscht.

Fazit

Meeresgold. Versprechen der See ist eine historische Abenteurromanze, die das Genre nicht neu erfindet. Ein blasses Heldenpaar zwischen dem die Chemie stimmt inmitten eines vorhersehbaren, oft uninspirierten Plots, der mit gängigen Piratenklischees gespickt ist. Dennoch unterhaltsam geschrieben.

 Vielen Dank an den Eisermann Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und mir die Teilnahme an der Leserunde auf Lovelybooks ermöglicht hat. :)

[Rezension] Lea Weisz – Die Bärenführerin

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 „‚Wird diese Grafentochter (…) etwas für Uriel tun können?‘
‚Ich bin kein Prophet, Kilian. Aber wenn jemand etwas für den Bären tun kann, dann sie.‘“

(Lea Weisz, Die Bärenführerin, S. 75)

Zum ersten Mal seit Langem habe ich mal wieder einen historischen Roman gelesen. Und zum ersten Mal seit Langem habe ich ein Buch abgebrochen. Warum ich mich so schwer mit der Bärenführerin getan habe, obwohl ich schon 2/3 der Erzählung gelesen hatte, werde ich euch gleich verraten.

Auf einen Blick:

 

Titel: Die Bärenführerin
Autorin: Lea Weisz
Verlag: Tinte und Feder
Seiten: 348
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 9,99 €/ 0,00 € (Kindle unlimited)
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2018
Genre: historischer Roman

 

 

Darum geht’s

Ein hinreißender historischer Mittelalter-Roman über Liebe, Hass, Intrigen und die Magie zwischen Mensch und Tier.

In der Eifel, 1347: Agnes, die siebzehnjährige Tochter des Grafen Werner von Langerode, ist mit Bernard von Hinzweiler verlobt. Doch bereits beim ersten gemeinsamen Ausritt stellt sich heraus, dass er eine hochmütige und brutale Ader hat. Ihre forsche Schwester Beth versucht vergeblich, ihr die Angst vor der Heirat zu nehmen.
Als ihr treuer Hund stirbt, engagiert der Graf eine Gauklergruppe, um seine Töchter aufzuheitern. Agnes hat von Kindheit an eine tiefe Verbundenheit zu Tieren sowie die Gabe, sich in deren Wesen hineinzuversetzen. Als der Tanzbär der Gauklergruppe schwer erkrankt, steht sie ihm in seinen letzten Stunden bei. Dabei knistert es gewaltig zwischen ihr und dem Bärenführer Kilian. Doch diese Verbindung wäre nicht standesgemäß, denn die Grafentochter würde unwiderruflich die Ehre der Familie zerstören, und auch für Kilian hätte es schlimme Folgen. Agnes muss eine Entscheidung treffen – soll sie dem Ruf Ihres Herzens folgen oder den Wünschen ihres geliebten Vaters gerecht werden?

(Quelle: Tinte und Feder)

Das Buch

Als ich die Bärenführerin bei Verena und ihrem Lieblingsleseplatz entdeckt habe, hatte ich das Gefühl, dass das Buch mit jeder Seite Lies mich! rief. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich den Roman beim Geburtstagsgewinnspiel von Verenas Blog gewonnen habe.

Weil ich schon länger keinen historischen Roman mehr gelesen habe und es in Lea Weisz‘ Vita heißt, dass sie unter anderem Namen bereits mehrere historische Romane erfolgreich veröffentlicht habe, musste es sich die Bärenführerin nicht lange auf meinem SuB gemütlich machen. Wäre auch schade für das wunderschöne Cover. Die Farbgebung, die an vergilbtes Pergament erinnert. Die Figuren – ein echter Hingucker. Nur die Unterschrift historischer Roman würde ich nach dem Lesen relativieren.

Klar, die Erzählung spielt in einem historischen, mittelalterlichen Setting. Auch die Sprache ist wunderbar alt gefärbt, ohne jedoch sperrig oder schwer lesbar zu sein. Die perfekte Illusion einer (literarischen) Zeitreise. Lea Weisz beweist oft ein feines Sprachgefühl:

„Es war ein frühlingsmilder Tag, schwerer Blütenduft hing in der Luft. Ein Tag wie gemacht für Verliebte, dachte Agnes in der Hoffnung, ebenfalls bald zu diesen glücklichen Menschen zu gehören.“

(Lea Weisz, Die Bärenführerin, S.10)

Allerdings beinhaltet der Roman auch phantastische Elemente in Form der besonderen Gabe der Protagonistin Agnes, auf die auch der Klappentext anspielt. Dadurch trägt die Geschichte er den Charakter eines Märchens – funktioniert als solches für mich aber nicht.

Trotz der gelungenen Sprache muss ich zugeben, dass ich mich schon zu Beginn schwer getan habe, mit dem Roman warm zu werden. Ich habe lange überlegt, woran das liegt, und glaube, nun den Finger auf die Punkte legen zu können, die Die Bärenführerin nicht zu meinem Roman gemacht haben.

In erster Linie liegt es daran, dass ich mit Agnes kaum etwas anfangen konnte. Sie ist zeitgemäß sittsam, aber irgendwie auch … langweilig. Im Gegensatz zu den Nebencharakteren, die auch eher schablonenhaft agieren, und ganz besonders neben ihrer toughen jüngeren Schwester bleibt sie blass. Dabei ist vieles in ihrem Charakter angelegt, das sie zu einer starken Figur machen könnte. Erfahrungsgemäß ist es allerdings schwer, ein Buch gut zu finden, wenn man die Protagonistin nicht mag.

„Agnes aber glaubte, gut zu wissen, was auf sie zukam, nämlich ein Leben an der Seite eines hochmütigen Mannes, der nur sich selbst zugetan war und sich wenig darum scherte, was in anderen Menschen vorging.“

(Lea Weisz, Die Bärenführerin, S. 140)

Aber: Ich gebe Büchern immer eine Chance, mich doch noch zu überzeugen. Und auch in diesem Fall lohnt sich das Durchhalten. Denn spätestens mit dem Auftauchen Kilians und seiner Gauklertruppe wird es spannend. Weisz gelingt es unglaublich gut, die Eigenheiten der Gaukler auszuloten und ihre Beziehung untereinander. Innerhalb ihrer Gruppe gibt es eine tolle Dynamik, so dass die Gaukler-Kapitel schnell zu meinen Favoriten wurden.

Bis … ja, bis Agnes und Kilian einander begegnen. Achtung, Klischee! Die reine, aufrichtige, eine, echte wahre Liebe, die jedes Hindernis überwindet, trifft beide wie ein Blitz – und mich beim Lesen fast der Schlag. Kitschalarm.

„Sie hatten sich geküsst, kurz nur, dann war sie fortgerannt, weil die verdammte Vernunft es ihr geraten hatte. (…) Sich in einen Gaukler zu verlieben, war an Unvernunft nicht zu überbieten.“

(Lea Weisz, Die Bärenführerin, S.119)

Trotzdem habe ich weiter gelesen. Schließlich ist Agnes verlobt, eine Verbindung mit einem Gaukler für eine Grafentochter undenkbar. Bis Seite 210 habe ich es noch geschafft. Und dann kam dieser eine Satz. Dieser eine Satz, in dem Kitsch, Altbackenheit und Klischees kulminieren und es mir so viel wurde, dass ich das Buch stöhnend zuschlug. (Keine Sorge, ich spoilere nicht.) Kitschige Liebesromane sind einfach nichts meins.

Auch wenn ich weiß, dass Geschmäcker verschieden sind und einem Leser nicht jeder Roman gefallen kann, scheu ich in der Regel davor zurück, ein Buch abzubrechen. Ich habe einfach zu viel Respekt vor der Arbeit, vor allem aber auch vor dem Herzblut, das in den Seiten, in jedem einzelnen Wort steckt. Dennoch fand ich die Handlung teilweise so … hanebüchen und vorhersehbar, dass ich den Rest grob überflogen habe, um herauszufinden, wie es mit meinen lieb gewonnenen Gauklern weitergeht und ob ich mit meinen Vermutungen richtig liege. Einem Roman, dessen Protagonistin nicht auf meiner Wellenlänge ist, gelingt es einfach nicht, mich zu überzeugen.

Fazit

Die Bärenführerin kann ich vor allem denen ans Herz legen, die gerne Liebesromane lesen. Denn als solcher in historischem Gewand kommt das Buch daher und bringt vor allem in Gestalt der Gaukler einige interessante Figuren mit. Diese agieren jedoch überwiegend schablonenhaft in einer teils hanebüchenen, teils vorhersehbaren Geschichte, die einiges an Kitsch und Klischees aufbietet.

[Rezension] Jörg Benne – Das Schicksal der Paladine. Verschollen

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„Mit noch immer klopfendem Herzen lehnte Tristan sich gegen den Fels und sah kopfschüttelnd über die Schulter zurück. Gerade hatte er mit einem zweiköpfigen Drachen gesprochen (…). Er konnte es immer noch nicht fassen.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paldine – Verschollen, E-Book S. 22)

Mit dem Jugendbuch Das Schicksal der Paladine – Verschollen entführt uns Jörg Benne zum ersten Mal in die phantastische Welt von Nuareth.

Auf einen Blick:

 

Titel: Das Schicksal der Paladine – Verschollen
Reihe: Band 1
Autor: Jörg Benne
Verlag: Papierverzierer Verlag
Seiten: 450
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: ??? €/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 15. März 2018 (Erstveröffentlichung 2012)
Genre: Jugendbuch, Fantasy

 

 

Darum geht’s

Als Tristans Schwester Svenja verunglückt, erfährt er, dass sein Vater gar nicht auf einer Ölbohrinsel arbeitet, sondern wie einige andere Menschen in der Parallelwelt Nuareth als Paladin für Recht und Ordnung sorgt. Sie verfügen dort über magische Kräfte, die sie auch noch eine Weile nach ihrer Rückkehr zur Erde einsetzen können. In dem Glauben, dass diese Kräfte der im Koma liegenden Svenja helfen können, betritt Tristan die fremde Welt. Doch dort muss er zunächst das ungewisse Schicksal der Paladine klären, denn seit einigen Tagen sind sie alle VERSCHOLLEN.

(Quelle: Papierverzierer Verlag)

Das Buch

Verschollen ist der Auftakt der Paladin-Trilogie, die zum ersten Mal 2012 im Koios Verlag erschien. 2016 wurde die Reihe im Prometheus Verlag veröffentlicht, bis sie nun schließlich ein neues Zuhause im Papierverzierer Verlag gefunden hat. Passend zur Neuauflage gab es eine Leserunde auf Lovelybooks, an der ich teilnehmen durfte.

Im Roman begleiten wir Tristan, der sich auf die gefährliche Reise in die Welt von Nuareth begibt, um seinen Vater und die verschollenen Paladine zu finden und so seiner älteren Schwester zu helfen, die im Koma liegt. Die Ausgangssituation – Junge begibt sich in Fantasywelt, um seine kranke Schwester zu retten – hat mich auf anhieb an Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein erinnert, aber das ist auch die einzige Ähnlichkeit zwischen beiden Geschichten. Eines vorweg: Auch wenn das erste Zitat und das Cover etwas anderes vermuten lassen, spielen Drachen kaum eine Rolle.

Tristan ist – wie es für Jugendbücher üblich ist – erst 16, erscheint aber gerade zu Beginn des Romans deutlich jünger. Er ist oft unreif und reagiert impulsiv, aber das kann man einem Jungen in der Pubertät wirklich nicht zum Vorwurf machen. :) Vielleicht liegt es auch daran, dass er seinen Vater so gut wie nie zu Gesicht bekommt.

„Er stierte auf den Linoleumboden und erinnerte sich an all die Enttäuschungen, die er mit seinem Vater schon erlebt hatte. Verdammte Bohrinsel! Warum konnte sein Vater nicht irgendwo im Büro arbeiten wie andere auch?“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S.7)

Sein Verhältnis zu seinem Vater ist nicht das beste. Tristan fühlt sich von Darius vernachlässigt, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit – und mehr gemeinsame Zeit. Doch schon im ersten Kapitel erfährt er, dass die Geschichte mit dem Job auf der Bohrinsel nur verschleiern sollte, was sein Vater tatsächlich macht.

„Eins musst du wissen, Junge. Dein Vater ist ein guter Mensch. Er hilft anderen in … sehr weit weg jedenfalls. Und wenn er nicht nach Hause kommt, dann muss es etwas sehr Wichtiges sein, was ihn davon abhält.“ 

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S. 8)

Jörg Benne hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, sondern wirft Tristan und seine Leser unmittelbar ins Geschehen. Rasch geht es nach Nuareth, in eine Parallelwelt, die der Menschenwelt sehr ähnlich ist, aber auch von vielen fremdartigen Geschöpfen bevölkert wird. Dort ist Tristan ebenso wie sein Vater ein Paladin, jemand, der unter anderem über magische Fähigkeiten verfügt. Doch der Frieden auf der Insel Nasgareth ist bedroht. Rasch wird klar: Wenn tatsächlich alle Paladine verschollen sind, muss das Ausmaß der Gefahr sehr groß sein. So beginnt für Tristan ein Wettlauf mit der Zeit, seinen Vater und die anderen rechtzeitig aufzuspüren, bevor es zu spät ist, seiner Schwester zu helfen.

Gemeinsam mit Tristan erkunden wir die Insel Nasgareth, einen Teil von Nuareth, der Welt, in der Jörg Benne die Handlung all seiner Romane ansiedelt. Nach und nach lernen wir mehr über die Paladine, ihre Magie, aber auch über die verschiedenen Wesen, die Nuareth bevölkern, ihre Gepflogenheiten und ihre Kultur. Dem Autor ist es gelungen, meinen Entdeckergeist nicht nur zu wecken, sondern so zu befeuern, dass ich immer mehr von Nuareth wollte. Mehr Orte entdecken, mehr über die Vergangenheit dieser faszinierenden Welt lernen. Für mich ist der bis ins letzte Detail ausgearbeitete, stimmige und zutiefst beeindruckende Weltenbau die größte Stärke des Romans. Da verzeihe ich auch längere Monologpassagen, in denen Tristan in bester Erklärbärmanier in den Kosmos Nuarehts eingeführt wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Erkundung der Welt mehr an den Roman gefesselt hat als die Geschichte an sich.

Die Handlung ist spannend, variiert einige klassische Motive phantastischer Jugendliteratur und gewinnt gegen Ende nochmal deutlich an Fahrt. Im Gegensatz zu einigen Nebenfiguren, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind, habe ich mich mit Tristan leider über weite Strecken schwer getan. Er ist neu in Nuareth, muss noch lernen, mit seinen Kräften umzugehen. Deshalb sind es meistens die anderen Charaktere, die ihm sagen, was er tun soll. Dennoch entwickelt er sich im Laufe des Romans weiter, reift deutlich.

„Wenn man bedenkt, dass du vor ein paar Wochen noch ein normaler Schüler warst, der in einem weichen Bett zu schlafen gewohnt war (…) und dessen größter Feind bislang sein Physiklehrer war: alle Achtung.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S.224)

Auch wenn es sich bei Verschollen um den Auftakt einer Trilogie handelt, ist der Roman rund und könnte für sich allein stehen. Trotz einiger kleinerer Schwächen glaube ich, dass mir das Buch noch besser gefiele, wenn ich um die 14 Jahre alt wäre und noch nicht so viele Romane gelesen hätte, die in eine ähnliche Richtung gehen. Dennoch wird dies nicht mein letzter Ausflug nach Nuareth gewesen sein. Der zweite Band erscheint bereits im Mai 2018.

Fazit

Mit Das Schicksal der Paladine – Verschollen legt Jörg Benne einen gelungenen Trilogieauftakt vor, der vor allem durch den gut ausgearbeiteten, detailverliebten Weltenbau zu beeindrucken und zu überzeugen weiß. Perfekt für jugendliche und jung gebliebene Entdecker.

Vielen Dank an den Papierverzierer Verlag, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte!

 

[Herzensbücher] Bernhard Hennen – Die Elfen

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Heute ist Freitag, doch statt euch wie sonst einen neuen kreativen Text zum #Writing Friday zu präsentieren, nehme ich heute an einer anderen tollen Blogaktion teil, die ich vor kurzem entdeckt habe. Die Rede ist von der Reihe Herzensbücher, die Janika (Zeilenwanderer) und Sabrina (Literally Sabrina) ins Leben gerufen haben. Immer am 20. eines Monats bekommen diese Bücher ihren großen Auftritt – in einem Beitrag, den man gestalten kann, wie man möchte, der aber nicht länger als 500 Worte sein sollte.

Damit ein Roman für mich zu einem Herzensbuch wird, muss vieles stimmen: Das Setting, die Figuren, der Schreibstil. Doch ein echtes Herzensbuch ist für mich nicht nur ein All-time-Favourite, sondern auch ein Roman, mit dem ich besondere Erinnerungen verbinde. So wie mit Bernhard Hennens Die Elfen. Mein erster Ausflug in die High-Fantasy (im zarten Alter von etwa 13 Jahren), durch den ich die Jugenbuchphase größtenteils übersprungen habe. Denn Hennens Roman entführte mich in Welten, die ich nicht wieder verlassen wollte. Aber lest selbst.


Bernhard Hennen – Die Elfen

Darum geht’s

Verborgen vor den Augen der Menschen, geschützt durch magische Pforten, liegt das Reich der Elfen: Albenmark. Doch ihre Welt ist bedroht, denn ein gefährlicher Feind schickt sich an, das Volk der Elfen für immer zu vernichten. Die Elfenkönigin Emerelle schickt Farodin und Nuramon — die kühnsten Krieger Albenmarks und Rivalen um die Gunst der Zauberin Noroelle — aus, um Albenmark zu retten. Vor ihnen liegt eine gefährliche Reise durch verschiedene Zeiten und Welten, an deren Ende sich das Schicksal eines ganzen Volkes entscheiden wird.

(Quelle: Heyne)

 

… dabei werden sie von Mandred, einem Menschen aus dem Fjordland, begleitet. Die drei Gefährten könnten unterschiedlicher nicht sein. Mandred ist ein raubeiniger Draufgänger. Farodin ein edler, unterkühlter Recke und Nuramon umgeben nicht weniger Geheimnisse als den anderen Elf. Auch wenn es den Dreien zunächst schwer fällt, sich zusammenzuraufen, sind sie doch ein unschlagbares Team. Mit ihren vielschichtigen Charakterzügen und Motiven sind sie mir so rasch ans Herz gewachsen, dass ich in den packenden, temporeichen Kampfszenen wirklich um sie gebangt habe.

Setting und Handlung des Romans sind komplex. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht verschiedener Perspektivträger erzählt, überwiegend jedoch aus der Perspektive von Farodin, Nuramon und Mandred. Hennen und sein Coautor James A. Sullivan (der gern mal vergessen wird – zu Unrecht! Auch sein Jahre später erschienener Nuramon ist eine klare Leseempfehlung) verstehen es meisterlich, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem dichten Gewebe zu fügen, das von der ersten Seite an fesselt. Die Elfen punkten zudem mit epischen Schlachten (in denen gern und viel Blut fließt) und einer tragischen Liebesgeschichte, die mehr als nur ein Opfer fordert und über Zeiten und Welten reicht.

Mit Versatzstücken aus Geschichte und Mythologie verschiedener Kulturkreise schafft Hennen eine imposante, detailverliebte Welt voller Wunder und magischer Geschöpfe. Ich kann die Stunden gar nicht mehr zählen, die ich im schneebedeckten Fjordland oder der Albenmark, dem Reich der Elfen, verbracht habe – auch dank der großen Zahl an Fortsetzungen, die zu den Elfen erschienen sind, sowie der Drachenelfen-Reihe, die tief in die Vorgeschichte der Albenmark eintaucht.

Bernhard Hennen versteht es wie kaum ein zweiter, mit seinen Worten beeindruckende Landschaften vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. Sein Stil ist … unglaublich und ich bin süchtig nach der Art, wie er seine Geschichten erzählt.

Die Elfen hat alles, was einen guten Roman für mich ausmacht: Eine komplexe Geschichte, die märchenhaft und zugleich temporeich erzählt wird, voller düsterer Bedrohungen, packender Kampfszenen, Magie und großen Gefühlen. Mit fein gezeichneten, vielschichtigen Charakteren und einem Schreibstil, der mich alles andere um mich herum vergessen lässt. Einer meiner absoluten Lieblingsromane, nach dem mich lange Zeit kein Buch mehr so begeistern konnte. <3

[Rezension] J. Vellguth – Das Päckchen

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„Wieso musste man bei Päckchen unbedingt wissen, was drinsteckte? War das ein Naturgesetz oder so?“ 

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.170)

Der Frühling lockt uns mit den ersten Sonnenstrahlen ins Freie und macht uns leicht ums Herz. Locker-fluffigen Lesestoff, der perfekt in diese Jahreszeit passt, liefert uns die Selfpublisherin Jacqueline Vellguth mit ihrem Roman Das Päckchen.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Das Päckchen
Autorin: J. Vellguth
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 330
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 99€/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 22. April 2017
Genre: Liebesroman

 

 

Darum geht’s

Emma liebt Bücher über alles. Gerade, als ihr ganzes Leben auseinanderzubrechen droht, trifft überraschend ein geheimnisvolles Päckchen ein. Es kommt ganz ohne Absender, dafür aber mit einem Brief und einem Plan, um ihr Leben vielleicht wieder auf die Reihe zu bekommen.

Wer verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Absender? Was steckt in dem Päckchen und kann man jemanden richtig kennen, den man nie wirklich getroffen hat?

Eine sommerlich-moderne Liebesgeschichte über digitale Freundschaften, alte Narben und echtes Vertrauen.

(Quelle: J. Vellguth)

Das Buch

Das Päckchen ist ein waschechter Liebesroman – sogar die „Schnulze des Jahres“ 2017 – und gehört damit zu einem Genre, zu dem ich eher selten greife. Anders als Erik von Zwischen Buchdeckeln, dem ich es zu verdanken habe, dass Das Päckchen ein neues Zuhause in meinem Bücherregal gefunden hat. Der Roman hat ihn so begeistert (Stichwort: Jahreshighlight), dass er ihn kurzerhand zum zweijährigen Bestehen seines Blogs letzten Sommer verlost hat. Schnuppert ruhig mal in seine ausführliche Rezension rein, wenn ihr noch eine zweite Meinung lesen wollt. :)

Emma ist eine Protagonistin, mit der sich wohl viele von uns identifizieren können: Ihr Herz schlägt für Bücher, die sie auf ihrem YouTube-Kanal einer überschaubaren Anzahl an Followern präsentiert, und arbeitet zudem in einer Bücherei für Kinder und Jugendliche.

„Emma wollte nach zwei Wochen Urlaub nichts lieber als zurück zu ihren Geschichten. Endlose Reihen aus unbekannten Welten und fremden Universen. Dazwischen eine Schar von Kindern auf der Suche nach ihrem nächsten großen Abenteuer.“

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.5)

Emma hat also beste Voraussetzungen, sich den ein oder anderen Sympathiepunkt zu verdienen. Und das tut sie auch. Sie ist tollpatschig und idealistisch. Deshalb setzt sie auch alle Hebel in Bewegung, als – oh Schreck – die Bücherei wegen eines Wasserschadens schließen muss. Ihre Idee: eine Spendenaktion. Doch was Emma anzubieten hat, ist … recht wenig. Bis ihr ein anonymer Absender ein Paket schickt – mitsamt eines Planes, wie man die Bücherei doch retten kann.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Der Inhalt des Päckchens kann sich wirklich sehen lassen. Und hat mit einem Autor zu tun – Richard Taylor – den Emma abgöttisch verehrt. (Hallo, Fangirl!)

Ich gebe offen zu: Nach dem ersten Kapitel war ich skeptisch. Dieses Art Skepsis, die man empfindet, wenn man schon nach den ersten Sätzen ahnt, in welche Richtung sich die Handlung des Romans entwickeln wird. Aber (und das hat mich wirklich überrascht) sobald Emma Kontakt zu Lucas, dem Absender des mysteriösen Päckchens, aufnimmt, entwickelt die Geschichte einen Charme, der mich um den kleinen Finger gewickelt hat. Daran ist auch das Einhorn Konrad nicht ganz unschuldig.

„Worüber hatten sie schon gesprochen?
Über Verlosungen, Probepäckchen und Einhörner.
Nicht gerade etwas, das man ein tiefschürfendes Gespräch nennen konnte.“

(J. Vellguth, Das Päckchen, S. 43)

Wie sich die beiden virtuell näher kommen, ist unterhaltsam geschrieben – und oft so witzig, dass ich laut lachen musste. Allerdings habe ich beim Lesen den gesamten Roman über ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Von Schmachten, weil einige Szenen wirklich toll waren, bis hin zu Augenrollen über so manche liebesromantypische, zuckergusstriefende Formulierung war alles dabei. Vellguths Stil ist locker-leicht und humorvoll – und Das Päckchen lässt sich rasch lesen.

„‚Vielleicht verstehst du jetzt, weshalb ich ein wenig skeptisch bin, wenn jemand zu gut ist, um wahr zu sein.‘
‚Ich bin also zu gut, um wahr zu sein?‘
‚Hey, du schickst mir Päckchen und behauptest, du willst mir helfen, da muss doch irgendwas faul sein.‘“ 

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.60)

Das Päckchen ist ein Wohlfühlroman, aber nicht zu 100% meins – daran konnte selbst Konrads Einhornzauber nichts ändern. Für meinen Geschmack war der Plot stellenweise zu vorhersehbar – und arg konstruiert. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autorin ein Potpourri verschiedener Liebesroman-Motive mischt, um eine möglichst eingängige, gut verkäufliche Geschichte zu erzählen. Das ist nicht negativ gemeint, denn es funktioniert. Das Päckchen wird sehr viele Leserinnen und Leser ansprechen, da bin ich mir sicher. Allein jeder, der Bücher liebt und sich in irgendeiner Form mit Literatur beschäftigt, wird sich in der BookTuberin Emma wiedererkennen.

Fazit

Wer Bücher liebt und auf der Suche nach locker-leichter Unterhaltung ist, dem kann ich Das Päckchen nur empfehlen. Perfekte Lektüre für einen Nachmittag in der Sonne – sei es am Strand oder im Park.

 Über die Autorin

Jacqueline Vellguth bzw. ihr Blog Schriftstellerwerden begleitet mich schon, seit ich meine eigenen ersten Schreibversuche unternommen habe. Viele ihrer Posts zum Handwerk, das hinter den Geschichten steckt, waren eine echte Offenbarung für mich – und sind es auch heute noch. Definitiv einen Klick wert!

[Rezension] J. R. R. Tolkien – Briefe vom Weihnachtsmann

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It’s beginning to look a lot like Christmas …

Um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen, habe ich euch heute ein ganz besonderes Buch mitgebracht.

Auf einen Blick:

 

Titel: Briefe vom Weihnachtsmann
Autor: J. R. R. Tolkien
Verlag: Hobbit Presse (Klett-Cotta)
Seiten: 192
Format: broschiert/E-Book
Preis: 12, 95€/9,99€
Erscheinungsdatum: Oktober 2016
Genre: weihnachtliche Briefsammlung

 

Klappentext

Jedes Jahr im Dezember traf für Tolkiens Kinder ein Umschlag mit einer Briefmarke vom Nordpol ein. Er enthielt einen handgeschriebenen Brief und eine schöne farbig ausgestaltete Zeichnung oder Skizzen.
Die Briefe kamen vom Weihnachtsmann und erzählten wunderbare Geschichten vom Leben am Nordpol: davon, wie sich auf einmal alle Rentiere losgerissen hatten und wild herumsprangen, wie der Polarbär auf die Spitze des Nordpols kletterte, um die Zipfelmütze des Weihnachtsmannes zu holen und schließlich durch das Hausdach vom Weihnachtsmann mitten ins Eßzimmer fiel …

(Quelle: Hobbit Press, Klett-Cotta)

Das Buch

Briefe vom Weihnachtsmann ist ein richtiges Herzensbuch für mich. Seit der Bücherwichtel mich letztes Jahr damit zu Nikolaus beschenkt hat, hüte ich es wie einen Schatz. Auch in diesem Jahr versüßen mir die Briefe, die Tolkien seinen Kindern in der Rolle des Weihnachtsmanns geschrieben hat, die Adventszeit. :)

Wie man es von den Büchern der Hobbit Presse gewohnt ist, sind auch die Briefe vom Weihnachtsmann ein richtiges Schmuckstück. Es enthält viele farbige Abbildungen der Bilder und Briefe, die selbst wie kleine Kunstwerke gestaltet sind.

Der Weihnachtsmann geht in seinen Briefen auf Tolkiens Kinder ein und erzählt Geschichten aus seinem Leben am Nordpol – und was er erlebt, ist abenteuerlich, anrührend und bezaubernd. Im Laufe der Jahre – die Briefe umfassen eine Zeitspanne von 1920 bis 1943 – finden sich immer mehr wundersame Geschöpfe am Nordpol ein, die dem Weihnachtsmann bei seiner Arbeit helfen, wie zum Beispiel das Elbchen Ilbereth (als Sekretär) oder der Polarbär, der allerdings fast nur Essen und Flausen im Kopf hat. Jedem dieser Geschöpfe haucht Tolkien Leben ein, indem er sie Randbemerkungen an die Briefe schreiben lässt – natürlich in unterschiedlichen Handschriften und Ausdrucksweisen. So entsteht für Tolkiens Kinder eine perfekte Illusion.

Mehr noch gewähren die Briefe auch Einblicke in ihre Entstehungszeit, so entschuldigt sich der Weihnachtsmann dafür, dass die Gaben während des Krieges geringer ausfallen werden als sonst. Der Schwung jedes Buchstabens, jeder Pinselstrich sprüht zudem vor Einfallsreichtum und Phantasie – und bezeugt die Liebe eines Vaters zu seinen Kindern.

Fazit

Briefe vom Weihnachtsmann ist rundum gelungen – auch wer nichts mit Tolkien anfangen kann, der kann mit diesem Büchlein den besonderen Zauber der Weihnacht für ein paar vergnügliche, gemütliche Lesestunden erleben.

[Rezension] Norman Doderer – Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn

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„Sie kommen zurück. Es hat bereits begonnen. Schwarze Wolken ziehen von Osten her auf und werden Tyr erneut in Dunkelheit hüllen“

(Norman Doderer, der Weg nach Aeswyn, S.26 E-Book )

Habt ihr Lust auf eine Reise durch eine epische Fantasywelt, bei der nicht weniger auf dem Spiel steht, als das Fortbestehen derselbigen? Ja? Dann begleitet mit mir den Elfenprinzen Aladriel auf seinem gefährlichen Weg nach Aeswyn.

Auf einen Blick:

Titel: Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn
Reihe: Ja, Band 1
Autor: Norman Doderer
Verlag: Talawah Verlag
Seiten: 268
Format: E-Book
Preis: 1,99€
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2017
Genre: High Fantasy

Bildrechte liegen beim Verlag

 

 

Klappentext
Tyr, das einst große und stolze Reich der Elfen, ist nach einem schrecklichen Krieg in drei Königreiche zerfallen und seither durch Mauern getrennt. Getrieben von Misstrauen und Argwohn haben die Könige von Mag Môr, Tawhar und Aeswyn jegliche Beziehungen zueinander abgebrochen. Doch ein alter gemeinsamer Feind wirft abermals seine dunklen Schatten gen Tyr..
Aladriel, der junge Prinz Tawhars, macht sich gegen den Willen seines Vaters auf, um in Aeswyn um Beistand zu bitten. Wird es dem jungen Waldelfen gelingen, das Reich gegen diese Bedrohung erneut zu einen? Oder besiegeln unüberwindbare Differenzen zwischen den drei Elfenvölkern ihr gemeinsames Schicksal? Eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse beginnt … (Quelle: Talawah Verlag)

Das Buch
Ich liebe High Fantasy. Egal ob Elfen, Zwerge oder Trolle: Von solchen Romanen kann ich nur schwer die Finger lassen. Kein Wunder also, dass mich der Klappentext von Die Legende von Tyr – der Weg nach Aeswyn sofort zum Kauf verführt hat.

Obwohl es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gelingt es Norman Doderer, den Leser behutsam in den Kosmos seiner Erzählung einzuführen. Der Weltenbau ist – ebenso wie die Geschichte des Elfenreiches – stimmig und gut durchdacht: Die drei Königreiche Mag Môr, Tawahr und Aeswyn unterscheiden sich ebenso wie die Bräuche und Lebensweise der verschiedenen Elfenvölker. Doch eines ist ihnen trotz ihrer tiefwurzelnden Feindschaft gemein: Sie alle werden durch eine alte Gefahr bedroht, die längst besiegt schien.

Für Aladriel, den Prinzen der Waldelfen, steht außer Frage, dass das Reich nur durch eine Allianz von Tawahr und Aeswyn geschützt werden kann – und so begibt er sich mit seinem Freund Lorin und seinem Wolfsgefährten auf den langen und beschwerlichen Weg nach Aeswyn.

Eine alte, fast vergessene Bedrohung, die verzweifelte Suche nach Hilfe und eine Reise – das alles sind Zutaten, die viele High Fantasy-Romane beinhalten. Insbesondere die lange Reise eröffnet dem Leser die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Erzählung einzutauchen – so auch hier. Der Autor nutzt nahezu jede sich bietende Gelegenheit, neue Details und Charakteristika der Romanwelt vorzustellen. Besonders die Erklärungen über Religion und Gesellschaftsordnung haben es mir angetan. Solche Exkurse sind faszinierend und tragen dazu bei, dass die Welt plastisch und authentisch wirkt, sie geraten allerdings oft etwas ausufernd und scheinen manchmal fehl am Platze.

Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Aladriels Begleiter Lorin hat es mir angetan. Er ist sarkastisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und erinnert seinen Freund immer wieder daran, dass es manchmal besser ist, erst nachzudenken und dann zu handeln.

Mit Aladriel, dem Perspektivträger, habe ich mich etwas schwerer getan. Ohne Frage ist er sympathisch und folgt seinen Idealen. Aber in manchen Situationen kommt er auf seltsame Ideen, die er erst nach Lorins Mahnung verwirft und dann erst seine vorherige Entscheidung überdenkt. Mich hat es gerade zu Anfang ungemein gestört, dass Aladriel das Denken Lorin zu überlassen scheint. Viele Konflikte zwischen den beiden entwickeln sich sprunghaft oder Interessantes wird nur angedeutet. So hat Lorin zum Beispiel dem alten Glauben abgeschworen, dies wird jedoch nicht weiter thematisiert und bleibt auch im weiteren Verlauf der Handlung ohne Konsequenzen.

Natürlich werden die beiden auf ihrer Reise verfolgt, müssen sich gegen die Witterung, ein Gebirge und zahllose wilde Tiere behaupten. Einige dieser Szenen wirken wie Lückenfüller und bringen den Plot kaum voran. Wieder andere Szenen – insbesondere die Kampfszenen, wenn Aladriel gegen andere Elfen antritt – konnten mich packen. Das waren die Momente, in denen ich wirklich mit dem Elfen mitgefiebert habe.

Sprachlich stechen einige Bilder und Vergleiche wirklich heraus, weil sie farbig und neu sind. Sehr oft werden allerdings auch ganze Formulierungen wiederholt und ich hatte das Gefühl, dass sich Dinge gedoppelt haben.

Während manche Passagen der Reise nur so dahinplätschern, endet der Roman jedoch mit einem wahren Paukenschlag – und einem Cliffhanger, der mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.

Fazit
Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn ist ein solider Auftaktroman. Obwohl sich das Buch eher wie ein Prolog liest, liegt seine Stärke dennoch in der sehr gut ausgearbeiteten Welt, die mich komplett überzeugt hat.

[Rezension] Angela Stoll – Tante Hetty. Ingwer und Intrige

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„Was sollte nur aus ihm werden, mutterlos und ohne Vater? Nun hatte er nur noch diese Tante, die ihm ziemliche Angst einjagte.“

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.8)

Tante Hetty konnte mich schon auf den ersten Blick von sich überzeugen. Das Cover ist wunderbar stimmungsvoll, die Frauensilhouette elegant und eine Spur arrogant zugleich. Als ich dann noch den Klappentext gelesen habe, wusste ich es: Diesen Roman muss ich unbedingt lesen.

Auf einen Blick:

Titel: Tante Hetty. Ingwer und Intrige
Autorin: Angela Stoll
Verlag: Verlag ohneohren
Seiten: 80
Format: E-Book
Preis: 1,49€
Erscheinungsdatum: 24. Juni 2017
Genre: Steampunk
Bildrechte liegen beim Verlag

 

 

 

Klappentext
Rauch aus den Schornsteinen der Eisenhütten verfinstern die Stadt. Ebenfalls düster sieht es für einen ihrer Bewohner aus. Rupert ist zehn Jahre alt und allein. Als unehelich geborenes Kind vertraut er auf die Fürsorge von Tante Hetty, einer Frau, die seiner kürzlich verstorbenen Mutter sehr nahestand. Ihm bleibt keine Zeit zum Trauern, denn die Tante entpuppt sich als perfide Betrügerin.

Als der verlassene Junge einsam durch die Straßen stolpert und einer Geisterfrau begegnet, eröffnen sich für Rupert neue Welten: die Bedrohung durch mechanische Wächter, der Ruß der Stadt und die Obhut einer starken Frau. All dies vermischt sich mit dem allgegenwärtigen Geschmack von Tantes Hettys Ingwerbonbons – und dem einer Intrige. (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Die Zahnräder auf dem Cover verraten es schon: Tante Hetty ist ein Steampunk-Kurzroman. Wer nichts mit dem Begriff Steampunk anfangen kann, den kann ich beruhigen: Die Elemente sind sparsam eingesetzt und tragen dazu bei, die besondere Atmosphäre des Romans zu vertiefen.

Schon auf den ersten Seiten konnte Tante Hetty mich für sich gewinnen – das liegt nicht allein an ihrem einnehmenden Wesen, vielmehr an der Erzählstimme. Mit unvergleichlichem Charme, süffisanten, bitterbösen und amüsanten Kommentaren hat mich die Erzählung langsam in ihre Welt eintauchen lassen, beinahe als lausche man einem Geschichtenerzähler.

Im Zentrum des Romans steht der Zehnjährige Rupert, der sich nach dem Tod seiner Mutter in Tante Hettys Obhut befindet. Das währt allerdings nur so lange, bis Ruperts Mutter unter der Erde ist und die vermeintliche Hetty sich mit den Ersparnissen der Toten über alle Berge machen kann.

Der Junge hat Glück im Unglück, denn Bella, eine junge Lady, die das Sonnenlicht aufgrund einer Krankheit meiden muss, findet ihn. Auf ihrem Anwesen in der Stadt nimmt sie sich der Kinder an, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, weil sie äußerlich anders sind. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich ein bisschen an Ransom Riggs Insel der besonderen Kinder erinnert, obwohl die Kinder in Tante Hetty nichts mit dem Übernatürlichen am Hut haben.

Angela Stoll beweist ein Händchen für ihre Figuren. Die Charaktere sind allesamt unverwechselbar und gut ausgearbeitet. Sie alle sind skurril bis kauzig – und Kochen ihr eigenes Süppchen. Am meisten hat mich Tante Hetty fasziniert. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Ingwer und Intrigen, die im Untertitel erwähnt werden. Munter wechselt sie ihre Tarnidentitäten, ist gierig, gerissen und skrupellos.

„Liebe gab es nicht. Das war nur eine Lüge, mit der den Dummen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.“ 

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.48)

Hetty geht über Leichen – am liebsten über die ihrer betagten, gut betuchten und plötzlich verstorbenen Gatten, denn sie ist hinter Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es macht großen Spaß, von solch einer Figur zu lesen – ihre Selbstgefälligkeit ist einfach herrlich. :)

Rupert verbringt einige glückliche Jahre auf dem Anwesen – doch dann droht eine neue Intrige Tante Hettys Bellas Lebenstraum zu zerstören. Die Kinder wollen das um alles in der Welt verhindern und versuchen, Tante Hetty auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass alles und jeder in dieser Geschichte irgendwie miteinander verbunden sind.

Wenn der Roman ein Manko hat, dann seine Kürze. Ich hätte gern noch mehr Zeit auf Bellas Anwesen verbracht und in der wundervollen Sprache geschwelgt. Für eine Bus-/Zugfahrt ist das Buch aber perfekt.

Fazit
Mit einer unterhaltsamen, spannenden Erzählung voller skurriler Charaktere, einer ungleich charmanten Erzählstimme und einer Tante Hetty, die ihresgleichen sucht, bietet der Roman ein kurzes, aber großes Lesevergnügen. Perfekt geeignet für den kleinen Lesehunger zwischendurch – und macht Lust auf kandierten Ingwer. :)

Follow Friday #49 – Sternevergabe bei Rezensionen

Hallo Buchperlentaucher,
als ich vor zwei Monaten mit dem Bloggen begonnen habe, hat mich die schiere Anzahl an Blogaktionen ganz schön verwirrt. Mit Begriffen wie der Montagsfrage oder dem Mittendrin Mittwoch konnte ich ehrlich gesagt wenig anfangen. Höchste Zeit also, das zu ändern und etwas Neues auzuprobieren. Wie an jedem Freitag hat FiktiveWelten  auch heute wieder eine Frage für den Follow Friday gestellt:

Sternenvergabe bei Rezensionen – Sinn oder Unsinn?

Es ist gar nicht so lange her, dass ich mir diese Frage selbst gestellt habe. Als ich mir überlegt habe, wie ich meine Rezensionen gestalten möchte, ging es mit vor allem um eines:

Wie hilft mir die Vergabe von Sternen (oder Punkten) als Leserin bei der Entscheidung für oder gegen ein Buch?

Sternebewertungen auf Plattformen wie Lovelybooks oder Goodreads oder auch in den Onlineshops haben einen klaren Vorteil: Ich kann auf einen Blick erkennen, wie beliebt ein Buch ist – und wie breit gefächert die Reaktionen sind, die es hervorruft.

Da wären wir auch schon beim ersten Problem der kleinen, gelben Sterne: Ihre Vergabe ist absolut subjektiv. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Nur weil ein Buch einen wahren Berg an Fünf-Sterne-Bewertungen bekommen hat, heißt das noch lange nicht, dass es mir auch gefallen muss.

Sehe ich nur die Sternebewertung, kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen, welche ein Rezensent bei der Vergabe der Sterne angelegt hat. Die Bewertung eines Buches mit solch einem System setzt immer voraus, dass es schon ein anderes Buch gibt, verglichen mit dem der aktuelle Lesestoff besser oder schlechter ist. Das heißt auch, dass ich mindestens zwei oder drei andere Rezensionen des Bewertenden gelesen haben sollte, um die Bewertung in ein Verhältnis setzen zu können.

Genauso wenig kann ich auf den ersten Blick erkennen, welche Bedeutung eine bestimmte Sternenanzahl für den jeweiligen Rezensenten hat (es sei denn,

Für gute Bücher soll es Sterne regnen? (Quelle: geralt/Pixabay)

es gibt irgendwo eine Legende, die das aufdröselt, so wie sie einige Blogger haben). Manche sind sparsamer mit ihren Fünf-Sterne-Bewertungen als andere. (Obwohl ich in letzter Zeit immer wieder das Gefühl habe, dass alle Bewertungen unter fünf Sternen von Verlagen oder Autoren als schlecht empfunden werden. Und dass viele Rezensenten generell davor zurückschrecken, „schlechte“ Sternebewertungen zu vergeben, aber das ist ein anderes Thema).

Solche Bewertungssysteme empfinde ich eher als starres Korsett. Um die Wirkung, die eine Geschichte auf mich hatte, in einer Bewertung einfangen zu können, brauche ich eine breitere und vor allem viel differenziertere Skala. Sobald es aber an die ,5 oder ,025 Sterne geht, wird das ganze wieder unübersichtlich. Ein schriftliches Fazit bietet mir viel mehr Möglichkeiten, eine begründete Empfehlung auszusprechen.

Wichtiger als die Sternenvergabe ist für mich der Inhalt der Rezension. Wenn ein Buch ausführlich besprochen wird und der Rezensent seine Meinung gut begründet, hilft mir das am meisten. Die Sterne/Punkte/was-auch-immer schaue ich mir oft gar nicht mehr an. Deshalb habe ich mich (für den Moment) dagegen entschieden, Sterne auf meinem Blog zu vergeben (obwohl ich es auf Lovelybooks tue).

Bloggen ist ja auch ein bisschen so, wie mit Freunden über Bücher plaudern. Und wer würde seinen Freunden schon ein Buch empfehlen mit den Worten: „Das musst du unbedingt lesen, dem habe ich fünf Sterne gegeben“?