Tintenfässchen | Kann ein Roman ohne Liebe funktionieren?

 

Meine lieben Weltenbummler,
heute möchte ich mich im Tintenfässchen einem Phänomen bzw. einer Emotion widmen, die die Literatur wie kaum eine zweite durchzieht: der Liebe. Geliebt zu werden ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Vielleicht gibt es deshalb so viele begeisterte Liebesromanleserinnen und -Leser, die sich auch gern sonntagabendlich in bester pilchermanier für eineinhalb Stunden aus ihrem Alltag in eine heile Welt entführen lassen.

Eines vorweg: Ich habe nichts gegen Romanzen und Liebe in Büchern, sofern sie nicht den Kern der Handlung bilden. Wenn es von Seite 1 an nur darum geht, wann sich die Charaktere endlich kriegen (am besten noch in einer klassischen Dreiecksbeziehung mit einem glitzernden Vampir), dann kann ich damit wenig anfangen. Genau so wenig wie mit vor Zuckerguss triefenden „Schnulzen“. Dabei möchte ich diese Art der Literatur gar nicht abwerten. Jedes Genre hat seine Berechtigung und seine Fans. Es ist eher so, dass ich gerade Liebesromanautorinnen und – autoren dafür bewundere, dass sie so federleicht erzählen, dass man sich über das ganze Buch hinweg einfach wohlfühlen muss. Ein gutes Beispiel ist hierfür sicherlich Das Päckchen von J. Vellguth.

Aber wie viel Liebe braucht ein Roman? Kann ein Roman überhaupt ohne Liebe funktionieren? Um diese Frage zu beantworten, nehme ich euch mit auf einen Streifzug durch die Welt aus Tinte und Papier – und zeige euch verschiedene Formen der Liebe.

All you need is love?! Über die Liebe in der Literatur

Was ist Liebe? Auf den ersten Blick scheint diese Frage leicht zu beantworten zu sein: Liebe ist, sich zu jemanden hingezogen zu fühlen. Auf den zweiten Blick, ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Was steckt denn überhaupt hinter diesem Gefühl? Bloße Chemie bzw. Biologie? Oder doch mehr, etwas, das wir vielleicht gar nicht erklären und schon gar nicht verstehen können?

In „Nevernight“ erzählt Jay Kristoff eine fesselnde Rachegeschichte in einem epischen Fantasy-Setting.

Liebe ist jedenfalls eine starke Empfindung – und ein starker Antrieb. Sie bringt Menschen dazu, zu agieren, und kann damit auch als Motor für den Plot fungieren.

Darauf beruhen auch die Anfänge der westeuropäischen Literatur um 750 v. Chr. In der Ilias schildert Homer den Kampf um Troja. Nachdem Paris die schöne Helena entführte, will deren Ehemann sie natürlich zurückholen und bricht mit einer gewaltigen Flotte gen Troja auf. Unter den Kriegern ist auch Achill, der im Fokus der Erzählung steht. Besser gesagt: Es ist sein Zorn, um den sich alles dreht. Denn Achill ist wütend und gekränkt, dass sein Heerführer ihm seine Beutefrau streitig gemacht hat. Aber nicht, weil er sie liebt. Sondern weil sein übergroßes Ego (Selbstliebe) verletzt ist. Schmollend zieht er sich aus dem Kampfgeschehen zurück – und bringt seine eigenen Leute so in große Gefahr.

Liebe kann also in eine Reihe negativer Emotionen umschlagen. Zuneigung, die nicht erwidert wird, kann sich nicht nur in Liebeskummer, sondern auch in Wahn verwandeln. Der Tod eines geliebten Menschen kann den Wunsch entfachen, Rache zu nehmen, so wie in Jay Kristoffs Nevernight.

Wenn der andere das Wichtigste ist

Liebe bringt Menschen auch dazu, sich für etwas einzusetzen. Manchmal treibt sie jemanden sogar so weit, sich für einen anderen, für andere oder für eine Sache zu opfern.

Ein klassisches Beispiel ist hier sicherlich der Krieger aus unzähligen High Fantasy Epen, der sich – das Schwert in der Hand – aufmacht, seine Heimat und seine Lieben gegen den Antagonisten zu verteidigen. Dabei wird der Kampf gegen die Unterdrückung, für die Freiheit und seine Mitmenschen oft als ehrenvolles Ziel stilisiert.

Zum Stichwort Aufopferungsbereitschaft fällt mir sofort auch Harry Potter von Joanne K. Rowling ein. Die Liebe seiner Eltern, die sich gegen Voldemort stellen, um ihren Sohn zu schützen, rettet Harry das Leben – und führt wiederum dazu, dass sich unser Lieblingszauberlehrling dem Kampf gegen die dunklen Mächte stellen kann.

Doch Harry wird während seines gesamten Abenteuers noch eine andere Form der Liebe zuteil: Freundschaft. Egal, wie gefährlich und aussichtslos die Lage auch sein mag: Immer weiß er Ron und Hermine an seiner Seite. Die drei stehen zueinander, wissen, dass sie sich blind auf den anderen verlassen können.

Eines der schönsten Beispiele einer Spielart der Liebe findet sich meiner Meinung nach in Tolkiens der Herr der Ringe. Sam, der die meiste Zeit über eher wie ein Anhängsel des Fellowship wirkt, mausert sich nach und nach zum heimlichen Helden der Reihe. Frodo und ihn verbindet eine tiefe Freundschaft, die sich von Sams Seite aus vor allem auch durch Loyalität und Bewunderung auszeichnet. Er würde alles für den anderen Hobbit tun, sich für ihn aufopfern und ihn sogar den Schicksalsberg herauftragen, damit der andere seine Aufgabe erfüllen kann. Wenn das kein Beweis für Liebe ist, dann weiß ich auch nicht.

Sam und Frodo aus dem Herrn der Ringe verbindet eine besondere Form der Liebe

Ein Roman ohne Liebe – geht das?

Meiner Meinung nach kann es keinen Roman ohne Liebe geben. Damit ist nicht zwingend eine romantische Liebe gemeint, die auch nicht zwingend im Fokus der Handlung stehen muss. Doch Liebe und ihre unterschiedlichen Formen – sei es im positiven wie im negativen – sind solch starke Emotionen, dass sie gut geeignet sind, eine Handlung zu initiieren oder dem Plot eine entscheidende Wendung zu geben. Die oben angeführten Beispiele zeigen das ganz gut.

Dabei bietet das Thema noch einen weiteren Vorteil: Liebe, Empfindungen generell sind Erfahrungen, die alle Menschen teilen. Sie bereichern eine Erzählung, denn sie machen sie lebendig und echt.

Sicherlich kann man das Themenfeld „Liebe“ noch aus weiteren Perspektiven betrachten und viel mehr darüber schreiben. Das würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Welche Form der Liebe, die euch in Büchern begegnet ist, ist euch besonders im Gedächtnis geblieben? Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare. :)

Wir lesen uns,
Eure Anna


Das Tintenfässchen ist die Beitragsreihe rund ums Schreiben. Hier findet ihr nicht nur Handwerkszeug und Tipps, sondern erhaltet auch einen Einblick in mein persönliches Tintenfässchen. Alle Beiträge sind als Anregungen gedacht. Vielleicht könnt ihr aus ihnen ja auch etwas für euren eigenen Schreibprozess und eure Geschichten mitnehmen. :)

[Rezension] Katelyn Erikson – Meeresgold. Versprechen der See | historische Abenteuerromanze

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„Der Duft von Meerwasser stieg mir in die Nase. Warmer Atem strich über meinen Nacken (…). Zitternd schloss ich meine Augen und wusste, dass es vorbei war. Mein Leben war zu Ende, noch ehe es richtig beginnen konnte.“ 

(Katelyn Erikson, Meeresgold, Ebook S.16)

Piraten, der Ozean, Abenteuer und Romantik – all das sind die Zutaten, aus denen Katelyn Erikson ihren Roman Meeresgold. Versprechen der See strickt.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Meeresgold. Versprechen der See
Autorin: Katelyn Erikson
Verlag: Eisermann Verlag
Seiten: 320
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12,90 €/ 3, 99€
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2018
Genre: historischer Liebesroman

 

Darum geht’s

Heiraten, Kinder kriegen und die brave Gattin spielen – unter der strengen Hand ihrer Eltern hat Lucia es nicht leicht. Gefangen in den Zwängen der Gesellschaft soll sie einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Als mitten in der Zeremonie Piraten die Hochzeit überfallen, findet die junge Braut sich im Auge des Sturmes wieder.

Entführt von den Feinden ihres Vaters steht Lucia nur der Sohn des Käptn’s zur Seite. Benjamin soll ihr Leben schützen, während er zwischen blutigen Kämpfen und der tosenden See seine eigenen Pläne verfolgt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Schlüssel zu seiner Rache sein Herz im Sturm erobert …

(Quelle: Eisermann Verlag)

Das Buch

Wenn ich Katelyn Eriksons Schreibstil beschreiben sollte, dann würde ich ihn am ehesten als locker, gefällig und humorvoll beschreiben. Genau richtig also für eine Abenteuerromanze, wie sie sie in Meeresgold erzählt.

Im Fokus des Romans steht die Ich-Erzählerin Lucia. Sie ist die Tochter eines einflussreichen Gouverneurs, doch ihr Leben ist nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Zu ihren Eltern pflegt sie ein schwieriges, unterkühltes Verhältnis, fühlt sich von ihren Erwartungen unter Druck gesetzte und in einen goldenen Käfig gesperrt. Da kommt es ihr eigentlich gar nicht so ungelegen, dass sie ausgerechnet am Tag ihrer arrangierten Hochzeit von Piraten entführt wird.

„Es war ihnen schwer gefallen, einen Mann zu finden, der auf eine Mitgift verzichtete und stattdessen gewillt war, eine angemessene Brautgabe für mich zu leisten. Alles andere hatte keine Relevanz, schließlich wollte der hohe Lebensstandard meiner Eltern bezahlt werden.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.5)

Unter ihnen ist auch Ben, der Sohn des Kapitäns und weiterer Perspektivträger. Dass er dazu verdonnert wird, auf Lucia aufzupassen, schmeckt ihm ganz und gar nicht. Mit ihm stellt die Autorin ein Love Interest vor, bei dem schmachtende Leserinnen garantiert sind. Daher braucht es gar nicht viele Seiten bis klar wird: Zwischen Ben und Lucia wird es ordentlich funken.

Und das tut es auch – aber nicht nur im romantischen Sinne. Mit der Zeit an Deck entwickelt sich Lucia mehr und mehr zu einer toughen, selbstbewussten Frau. Zu einer Piratin, die auch unter der Crew Anerkennung findet – und Ben Paroli bietet. Wie es sich für eine gute Romanze gehört, brauchen Ben und Lucia ewig bis sie sich eingestehen können, dass sie für den anderen mehr empfinden als gut für sie und ihnen lieb ist. Es knistert und funkt. Man hasst sich, zankt sich und kommt sich näher. Das alles schildert die Autorin zwar charmant, aber das ein oder andere Geplänkel wirkt dann doch etwas bemüht.

„Ich bin ein Pirat, ein Freibeuter. Mein Herz gehört der See und nicht irgendeinem dahergelaufenen Weib.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.70)

Bemüht wirken auch die Versuche, Lucias Lage vor allem am Anfang als besonders bedrohlich darzustellen. Erikson greift dabei auf einige altgediente Motive zurück, die man typischerweise mir Piraten verbindet. Da ist die Möglichkeit einer drohenden Vergewaltigung, die nahezu in jedem Kapitel angeschnitten wird und irgendwann ihren Schrecken verliert. Da sind die saufenden, raufenden, stinkenden und hurenden Piraten, die Lucia als bloßes Objekt ihrer Begierden betrachten. Außer Ben und seine Männer natürlich. Denn Ben ist es auch, der Lucia wie ein Held in strahlender Rüstung zu Hilfe eilt. Und das nicht nur einmal. Für meinen Geschmack auch etwas zu oft.

„Schwäche war mein Grab, Selbstmitleid der Untergang.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.43)

Die Charaktere bleiben – einschließlich Lucia – blass und agieren entweder schablonenhaft oder überzogen. Dennoch gelingt es dem Roman, einen Sog zu entwickeln, der mich nicht mehr losgelassen hat. Das Hin und Her der Gefühle und die Geschichte drumherum sind durchaus spannend, wenn auch absolut vorhersehbar. Die ein oder andere Kampfszene sorgt für Nervenkitzel.

Neben der Vorhersehbarkeit der Handlung gibt es für mich noch zwei weitere handwerkliche Schnitzer, die den Gesamteindruck des Romans für mich deutlich getrübt haben. Nicht nur, dass Motive  wiederholt werden, auch Begriffe oder ganze Sätze werden wiederholt. (Dabei sollte es auffallen, wenn binnen fünf Zeilen mindestens genau so oft das Wort „reißen“, „Arme“ und „Rücken“ wiederholt wird.) Ziemlich ermüdend.  Zudem scheint die Autorin den Wunsch verspürt zu haben, die Rauheit der Piraten an einigen Stellen durch besonders derbe Formulierungen und zu charakterisieren. Diese heben sich leider negativ ab, da sie absolut unpassend und gewollt scheinen.

„So ungern ich es auch zugab, so sehr sich dieses Verhalten auch nicht schickte, ich genoss es. Tatsächlich stellte dieses Neue und Unsittliche eine interessante Erfahrung dar.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, E-Book, S. 67)

Zum anderen nutzt die Autorin Begriffe, die aus der Zeit fallen. Vor allem im ersten Kapitel verwendet Erikson viel Mühe darauf, mittels Details und Wortwahl eine stimmige Atmosphäre zu kreieren, die den Geist der Zeit der Piraten wunderbar einfängt. Wenn dann Gefühle plötzlich „Achterbahn fahren“ oder jemand „trainiert“ ist, dann zerstört das die historische Illusion – und die Atmosphäre.

Für Atmosphäre sorgen jedoch die detailverliebten Zeichnungen, die in unregelmäßigen Abständen Szenen aus dem Roman in Bildern bannen. Und das so stimmungsvoll, dass das Herz jedes Bibliophilen höherschlägt. Stimmungsvoll ist auch die finale Szene des Romans. Ihre Magie und Poesie hätte ich mir für den ganzen Roman gewünscht.

Fazit

Meeresgold. Versprechen der See ist eine historische Abenteurromanze, die das Genre nicht neu erfindet. Ein blasses Heldenpaar zwischen dem die Chemie stimmt inmitten eines vorhersehbaren, oft uninspirierten Plots, der mit gängigen Piratenklischees gespickt ist. Dennoch unterhaltsam geschrieben.

 Vielen Dank an den Eisermann Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und mir die Teilnahme an der Leserunde auf Lovelybooks ermöglicht hat. :)

[Rezension] J. Vellguth – Das Päckchen

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„Wieso musste man bei Päckchen unbedingt wissen, was drinsteckte? War das ein Naturgesetz oder so?“ 

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.170)

Der Frühling lockt uns mit den ersten Sonnenstrahlen ins Freie und macht uns leicht ums Herz. Locker-fluffigen Lesestoff, der perfekt in diese Jahreszeit passt, liefert uns die Selfpublisherin Jacqueline Vellguth mit ihrem Roman Das Päckchen.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Das Päckchen
Autorin: J. Vellguth
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 330
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 99€/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 22. April 2017
Genre: Liebesroman

 

 

Darum geht’s

Emma liebt Bücher über alles. Gerade, als ihr ganzes Leben auseinanderzubrechen droht, trifft überraschend ein geheimnisvolles Päckchen ein. Es kommt ganz ohne Absender, dafür aber mit einem Brief und einem Plan, um ihr Leben vielleicht wieder auf die Reihe zu bekommen.

Wer verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Absender? Was steckt in dem Päckchen und kann man jemanden richtig kennen, den man nie wirklich getroffen hat?

Eine sommerlich-moderne Liebesgeschichte über digitale Freundschaften, alte Narben und echtes Vertrauen.

(Quelle: J. Vellguth)

Das Buch

Das Päckchen ist ein waschechter Liebesroman – sogar die „Schnulze des Jahres“ 2017 – und gehört damit zu einem Genre, zu dem ich eher selten greife. Anders als Erik von Zwischen Buchdeckeln, dem ich es zu verdanken habe, dass Das Päckchen ein neues Zuhause in meinem Bücherregal gefunden hat. Der Roman hat ihn so begeistert (Stichwort: Jahreshighlight), dass er ihn kurzerhand zum zweijährigen Bestehen seines Blogs letzten Sommer verlost hat. Schnuppert ruhig mal in seine ausführliche Rezension rein, wenn ihr noch eine zweite Meinung lesen wollt. :)

Emma ist eine Protagonistin, mit der sich wohl viele von uns identifizieren können: Ihr Herz schlägt für Bücher, die sie auf ihrem YouTube-Kanal einer überschaubaren Anzahl an Followern präsentiert, und arbeitet zudem in einer Bücherei für Kinder und Jugendliche.

„Emma wollte nach zwei Wochen Urlaub nichts lieber als zurück zu ihren Geschichten. Endlose Reihen aus unbekannten Welten und fremden Universen. Dazwischen eine Schar von Kindern auf der Suche nach ihrem nächsten großen Abenteuer.“

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.5)

Emma hat also beste Voraussetzungen, sich den ein oder anderen Sympathiepunkt zu verdienen. Und das tut sie auch. Sie ist tollpatschig und idealistisch. Deshalb setzt sie auch alle Hebel in Bewegung, als – oh Schreck – die Bücherei wegen eines Wasserschadens schließen muss. Ihre Idee: eine Spendenaktion. Doch was Emma anzubieten hat, ist … recht wenig. Bis ihr ein anonymer Absender ein Paket schickt – mitsamt eines Planes, wie man die Bücherei doch retten kann.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Der Inhalt des Päckchens kann sich wirklich sehen lassen. Und hat mit einem Autor zu tun – Richard Taylor – den Emma abgöttisch verehrt. (Hallo, Fangirl!)

Ich gebe offen zu: Nach dem ersten Kapitel war ich skeptisch. Dieses Art Skepsis, die man empfindet, wenn man schon nach den ersten Sätzen ahnt, in welche Richtung sich die Handlung des Romans entwickeln wird. Aber (und das hat mich wirklich überrascht) sobald Emma Kontakt zu Lucas, dem Absender des mysteriösen Päckchens, aufnimmt, entwickelt die Geschichte einen Charme, der mich um den kleinen Finger gewickelt hat. Daran ist auch das Einhorn Konrad nicht ganz unschuldig.

„Worüber hatten sie schon gesprochen?
Über Verlosungen, Probepäckchen und Einhörner.
Nicht gerade etwas, das man ein tiefschürfendes Gespräch nennen konnte.“

(J. Vellguth, Das Päckchen, S. 43)

Wie sich die beiden virtuell näher kommen, ist unterhaltsam geschrieben – und oft so witzig, dass ich laut lachen musste. Allerdings habe ich beim Lesen den gesamten Roman über ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Von Schmachten, weil einige Szenen wirklich toll waren, bis hin zu Augenrollen über so manche liebesromantypische, zuckergusstriefende Formulierung war alles dabei. Vellguths Stil ist locker-leicht und humorvoll – und Das Päckchen lässt sich rasch lesen.

„‚Vielleicht verstehst du jetzt, weshalb ich ein wenig skeptisch bin, wenn jemand zu gut ist, um wahr zu sein.‘
‚Ich bin also zu gut, um wahr zu sein?‘
‚Hey, du schickst mir Päckchen und behauptest, du willst mir helfen, da muss doch irgendwas faul sein.‘“ 

(J. Vellguth, Das Päckchen, S.60)

Das Päckchen ist ein Wohlfühlroman, aber nicht zu 100% meins – daran konnte selbst Konrads Einhornzauber nichts ändern. Für meinen Geschmack war der Plot stellenweise zu vorhersehbar – und arg konstruiert. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autorin ein Potpourri verschiedener Liebesroman-Motive mischt, um eine möglichst eingängige, gut verkäufliche Geschichte zu erzählen. Das ist nicht negativ gemeint, denn es funktioniert. Das Päckchen wird sehr viele Leserinnen und Leser ansprechen, da bin ich mir sicher. Allein jeder, der Bücher liebt und sich in irgendeiner Form mit Literatur beschäftigt, wird sich in der BookTuberin Emma wiedererkennen.

Fazit

Wer Bücher liebt und auf der Suche nach locker-leichter Unterhaltung ist, dem kann ich Das Päckchen nur empfehlen. Perfekte Lektüre für einen Nachmittag in der Sonne – sei es am Strand oder im Park.

 Über die Autorin

Jacqueline Vellguth bzw. ihr Blog Schriftstellerwerden begleitet mich schon, seit ich meine eigenen ersten Schreibversuche unternommen habe. Viele ihrer Posts zum Handwerk, das hinter den Geschichten steckt, waren eine echte Offenbarung für mich – und sind es auch heute noch. Definitiv einen Klick wert!