[Rezension] Alex M. Schwarze – Cróthpall. Glut der Schatten

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„Er war dabei, sich anzupassen. Warum konnten das die anderen Hexenmeister nicht? Warum trauerten sie immer noch den alten Zeiten hinterher? Ihr Abkommen war nichtig. Ein Versprechen aus vergangenen Tagen, um den Frieden zu wahren. Doch diese Zeiten waren vorbei …“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Im NaNoWriMo 2018 hatte ich das große Glück, durch einen Wink des Schicksals nicht nur die Selfpublisherin Alex M. Schwarze, sondern auch ihre faszinierenden Romanwelten kennenzulernen. Die Schnipsel aus ihrem damaligen Projekt waren so düster-romantisch und atmosphärisch, dass ich mich Ende November gar nicht mehr davon lösen mochte. Zum Glück für mich hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits Cróthpall – Glut der Schatten, veröffentlicht – den Auftakt zu einer düsteren Fantasy-Trilogie, der mit ebendieser Welt verknüpft ist, in die ich mich so verliebt habe.

Auf einen Blick:

 

Titel: Cróthpall – Glut der Schatten
Reihe: Cróthpall, Band 1 (von 3)
Autorin: Alex M. Schwarze
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 464
Format: E-Book
Preis: 4,99€
Erscheinungsdatum: 21.  März 2018
Genre: Dark Fantasy/Romantasy

 

Darum geht’s

Als das magische Zeitalter vorübergeht, schließen die letzten Hexenmeister einen Pakt, der sie am Leben hält, aber sie einen Teil ihrer Fähigkeiten beraubt. Seitdem leben sie unerkannt unter den Menschen. Erst wenn einer der Hexenmeister mit einem Kristallschwert getötet wird, bricht der Pakt und der Krieg entbrennt erneut. Und der Tag steht kurz bevor.

Das Buch

Dass ein Buch mit einem Prolog beginnt, ist nicht ungewöhnlich. Doch Alex M. Schwarze stellt Glut der Schatten gleich zwei Prologe voran: Im ersten erleben wir eine beklemmend düstere Vision. Im zweiten Lernen wir eine der Hauptfiguren kennen – und zumindest ich bin ihrem Charme prompt erlegen (dazu später mehr).

Die Handlung von Cróthpall spielt zu unserer Zeit, vornehmlich in den schottischen Highlands – ein wildromantisches Setting, in dem es gar nicht schwer fällt zu glauben, dass es Mächte auf der Welt gibt, die unsere bloße Vorstellungskraft übersteigen: die Welt der Magie. Und genau dort nimmt die Geschichte ihren Ausgang:

Catriona war eine Ordensschwester von Cróthpall, sie dienten der Zeit, dem Schicksal und dem Wohl aller.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Dieser Orden befindet sich abgeschieden von der Welt und vor den Blicken der Menschen verborgen in dichten Nebeln. Wer sich hier an Die Nebel von Avalon erinnert fühlt: Mir erging es da nicht anders. Doch die friedliche Idylle gerät spätestens dann ins Wanken, als Catriona auf einen verwundeten Mann stößt. Ihr gutes Herz (und ihr ausgeprägtes Helfersyndrom) lassen ihr keine andere Wahl, als sich um den Fremden zu kümmern, zumal sie sich zur Heilerin berufen fühlt. Sie verbirgt ihn vor ihren Schwestern, obwohl sie damit gegen die Regeln des Ordens verstößt, doch kümmert sich hingebungsvoll um ihn.

Zum Dank entführt er sie prompt aus Cróthpall, sobald er wieder bei Kräften ist. Denn eine Schwester wie Catriona könnte der Schlüssel zu dem sein, wonach er sich am meisten sehnt: Der Schlüssel zur Rache.

„Um endgültig frei zu sein, musste er den Pakt brechen, an den er gebunden war. (…) Er würde sich von den Hexenmeistern befreien und sich rächen. Und er würde sie töten, bevor sie ihn töteten.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Das Zitat verrät schon ziemlich gut, wonach unser Hexenmeister Kincaid strebt. Er ist machtgierig, gerissen und düster. Und ja, das macht ihn auf gewisse Weise auch unverschämt attraktiv. Die Passagen, die aus seiner Perspektive geschrieben waren, haben mir am allerbesten gefallen. Ich weiß auch nicht, irgendwie konnte ich mich seinem dunklen Bann nicht entziehen.

Ebenso erging es mir mit den meisten anderen männlichen Charakteren. Da hätten wir zum Beispiel noch den prinzipientreuen Raghnall, zu dem Catriona sich hingezogen fühlt, obwohl sie eine Schwester von Cróthpall ist und sich ihm eigentlich nicht hingeben darf und … seufz

Zwischen den beiden funkt es von ihrer ersten Begegnung an. Sie treiben das Spiel aus Nähe und Distanz zu wahrer Meisterschaft, bis man sich beim Lesen denkt: Mensch, wann kriegen sich die beiden denn endlich?

Und da liegt für mich eine Schwäche des Romans. Die Autorin erklärt in ihrer Vita düstere Geschichten mit einem Hauch Romantik zu schreiben, aber für meinen Geschmack steht das Wann-kriegen-sie-sich-endlich? zu stark im Fokus – und das nicht nur in Catrionas-Handlungsstrang. Dass Kincaid drauf und dran ist, die Welt ins Chaos zu stürzen, scheint da oft nebensächlich.

Alex M. Schwarze zeichnet ihre Charaktere plastisch und vor allem die männlichen Protagonisten waren mir sehr sympathisch. Nur mit den Frauen habe ich mich schwer getan – dabei erzählt der Roman überwiegend aus ihrer Sicht. Catriona ist für mich über weite Strecken einfach nur nervig und naiv gewesen. Klar, die Welt, aus der sie kommt, ist behütet und friedvoll. Ganz anders, als die Welt, in die Kincaid sie entführt. Aber … ich glaube ein Zitat illustriert besser, was ich meine:

„‚Du fürchtest dich scheinbar vor allem‘, bemerkte er abfällig. Und dann wollte sie die Welt sehen, in der es nichts als Grausamkeiten gab? Er schüttelte den Kopf. Was sollte er auch anderes von einer Schwester von Cróthpall erwarten? Sie waren hilflose, zerbrechliche Frauen.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Zu Catrionas Ehrenrettung muss ich sagen, dass sie sich im Verlauf der Handlung entwickelt und eine Stärke gewinnt, die ich ihr anfangs gar nicht zugetraut habe. Ganz anders als Kenzi, die tough und bisweilen rücksichtslos ist – und damit in gewisserweise der Gegenentwurf zu Catriona. Von dem, was Letzterer an Selbstbewusstsein und Stärke fehlte, hatte Kenzi manchmal etwas zu viel. Auch mit ihr bin ich nicht richtig warm geworden.

Trotzdem – und da dürfen die kleinen Kritikpunkte nicht drüber hinwegtäuschen – hat mir Glut der Schatten unheimlich gut gefallen. Der Roman ist unterhaltsam geschrieben und wirft einen bedrohlichen Konflikt auf, auf dessen Lösung ich wirklich gespannt bin. Zudem versteht es Alex M. Schwarze, ihre Leser*innen mit ihrer bildhaften Sprache in den Bann zu ziehen. Und zuletzt ist auch der düstere Charme des Antagonisten nicht ganz unschuldig daran, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Fazit

Cróthpall – Glut der Schatten ist ein gelungener Trilogieauftakt, in dem Alex M. Schwarze ihre Leser in die faszinierende Welt von Cróthpall entführt. Vor allem für Freunde dunkler Romantik bedenkenlos zu empfehlen.

 


Die Geschichte geht weiter …
  • Cróthpall – Flammen der Schatten (August 2018)
  • Cróthpall – Feuer der Schatten  (Januar 2018)

 

[Projekt] Darf ich vostellen? Projekt „Herbstie“ | herbstlich-verwunschene Fantasy

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Hallo Weltenbummler!
Bald ist wieder November – und damit bricht die Zeit des Jahres an, in der Autor*innen wie verrückt in die Tasten hauen, um einen Roman von 50k Wörtern innerhalb von 30 Tagen zu Papier zu bringen. Was die Faszination NaNoWriMo für mich ausmacht, erkläre ich euch im Tintenfässchen.

Obwohl ich Sturmsang, mein NaNoProjekt aus dem vergangenen Jahr, noch nicht beendet habe (die Rohfassung ist so gut wie fertig und hat deutlich mehr Wörter als die angepeilten 60.000), wage ich mich mit einer neuen Romanidee an meinen mittlerweile dritten NaNo. Na gut, ganz neu ist die Idee nicht. Vielmehr gebe ich meinem Projekt aus dem NaNo 2016 eine zweite Chance: Meinem „Herbstie“ – und kehre damit auch zu meinen literarischen Wurzeln, der Fantasy, zurück.

Das Projekt im Überblick:

Arbeitstitel: Herbstie
Genre: märchenhafte Fantasy mit einer Prise Romantik
Setting: ein herbstlich-verwunschener Wald
Geschätzter Umfang: 70.000 Wörter
Perspektive: Personaler Erzähler, 2 Persepektivträger

Darum geht es:

Ein Königreich gefangen in Trauer.
Ein verschollener Prinz, der zur Legende wurde.
Die einzige Hoffnung: Ein Mädchen mit einer besonderen Gabe.

Ja, ich weiß. Sonderlich viel verrate ich nicht grade über den Inhalt. Aber Geschichtenerzähler geben sich gern geheimniskrämerisch – da bilde ich keine Ausnahme. Vor allem dann nicht, wenn es um Romanprojekte geht. ^^

Eines kann ich euch aber verraten: 2016 war der Plot noch nicht ausgereift genug. Ich habe viel Zeit in die Ausarbeitung der Geschichte und des Settings gesteckt, die Figuren noch besser kennen gelernt. Durch die intensive Arbeit an Wellensang im Laufe des Jahres habe ich das Gefühl, mich als Autorin enorm weiterentwickelt zu haben. Das sind gute Voraussetzungen für meinen Herbstie und mich, es im November besser zu machen als damals. :)

Ich freue mich jetzt schon darauf, Ava und Owen wieder zu begegnen, ihnen auf neue Pfade zu folgen und wieder in die verwunschene, herbstliche Atmosphäre des Romans einzutauchen.

Wenn ihr wissen möchtet, wie es mir im NaNo ergeht, ob ich gut vorankomme oder schon am Rande der Verzweiflung tanze, schaut gern mal auf meinem Instagram-Account (@welt_aus_tinte_und_papier) vorbei. Dort werde ich euch regelmäßig auf dem Laufenden halten – und vielleicht sogar ein paar Schnipsel aus dem Manuskript mitbringen.

Nehmt ihr eigentlich auch am NaNo teil? Falls ja wünsche ich euch tolle kreative Momente und ganz viel Spaß mit euren Projekten!

Wir lesen uns,
Eure Anna

[Rezension] Christopher Paolini – Die Gabel, die Hexe und der Wurm

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„Bisweilen träumte er davon, sein Schwert Brisingr zu gürten, auf Saphira zu steigen und zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Aber das war eben nur ein Traum.“

(Christopher Paolini, Die Gabel, die Hexe und der Wurm, S. 18)

… und ein Traum, den zumindest auch die Fans von Paolinis Eragon-Reihe träumen (mich miteingeschlossen). Nun legt der Autor mit Die Gabel, die Hexe und der Wurm zumindest eine Kurzgeschichtensammlung vor, die uns wieder nach Alagaësia entführt.

Achtung: Wirkliche Freude an dem Buch werden nur diejenigen haben, die die vorangegangenen vier Bände von Eragon gelesen haben.

Auf einen Blick:

 

Titel: Die Gabel, die Hexe und der Wurm
Reihe: Geschichten aus Alagaësia 1
Autorin: Christopher Paolini
Verlag: cbj Verlag
Seiten: 304
Format: Hardcover
Preis: 18,00€
Erscheinungsdatum: 21.  Januar 2019
Genre: Fantasy/Jugendbuch

 

Darum geht’s

Ein Wanderer und ein verfluchtes Kind.
Zaubersprüche und Magie.
Und natürlich Drachen.
Willkommen zurück in Eragons Welt!

Es ist ein Jahr her, dass Eragon aus Alagaësia aufgebrochen ist auf der Suche nach dem geeigneten Ort, um eine neue Generation Drachenreiter auszubilden. Jetzt kämpft er mit unendlich vielen Aufgaben: Er muss einen riesigen Drachenhorst bauen, Dracheneier bewachen und mit kriegerischen Urgals, stolzen Elfen und eigensinnigen Zwergen zurechtkommen. Doch da eröffnen ihm eine Vision der Eldunarí, unerwartete Besucher und eine spannende Legende der Urgals neue Perspektiven.

Dieser Band enthält drei neue Geschichten aus Alagaësia und führt Eragon an den Beginn eines neuen Abenteuers. Außerdem enthüllt das Buch Auszüge aus der Biografie der unvergesslichen Kräuterhexe und Weissagerin Angela … geschrieben von Angela Paolini, der Schwester des Autors, die ihn zu dieser Figur inspiriert hat.

Illustriert mit vier neuen Originalzeichnungen des Autors!

(Quelle: cbj Verlag)

Das Buch

Lange Jahre habe ich auf neuen Lesestoff aus der Feder von Christopher Paolini gewartet. Oft hat er von einem fünften Band von Eragon gesprochen (mittlerweile ist sogar von einer Trilogie die Rede). Nun legt er stattdessen zunächst eine Kurzgeschichtensammlung mit einem – zugegeben – sperrigen Titel vor. Paolini gibt selbst zu, dass das Projekt mit heißer Nadel gestrickt wurde: Im Sommer 2018 schrieb er Eine Gabel und eine Weggabelung. Bereits Ende Dezember erschien das Buch im englischsprachigen Raum.

Eragon ist eine der Buchreihen, die mich durch meine Jugend begleitet haben. Auf jeden Band habe ich hingefiebert – und nun auch sehnlichst die Veröffentlichung der Kurzgeschichtensammlung erwartet. Allerdings war ich auch skeptisch, was den Mehrwert dieses Buches angeht – und bin es auch jetzt noch.

Die Gabel, die Hexe und der Wurm spielt etwa ein Jahr nach den Ereignissen des letzen Eragon-Bandes Das Erbe der Macht. Unser Held wirkt deutlich gereifter, erwachsener als früher. Kein Wunder, bedenkt man, was er bereits erlebt hat. Die Verantwortung, sich um die Eldunari und die Dracheneier – und somit um eine zukünftige Generation von Drachenreitern – zu kümmern, lastet schwer auf seinen Schultern. Gemeinsam mit Saphira nimmt sich der Aufgabe an, einen geeigneten Ort dafür zu schaffen.

In diese Rahmenhandlung, die uns bereits ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Figuren der Reihe beschert, bettet Paolini die drei Kurzgeschichten rund um die Gabel, die Hexe und den Wurm ein – und das auf sehr geschickte, kunstvolle Weise.

Die Gabel

Im Vorfeld der Veröffentlichung hat es besonders viele Spekulationen um den Inhalt dieser Kurzgeschichte und die Frage, was es mit der ominösen Gabel auf sich haben könnte, gegeben. Deshalb war ich auf diese Erzählung besonders gespannt. Tatsächlich nimmt Paolini sich hier eines schweren und wichtigen Themas an: Ausgrenzung.

„‚Manchmal‘, sagte er zu ihr, ‚muss man aufstehen und kämpfen. Manchmal kommt Weglaufen nicht infrage. Verstehst du das jetzt?‘
‚Ja‘, flüsterte Essie. “ 

(Christopher Paolini, Die Gabel, Die Hexe und der Wurm, S. 75)

Die kleine Essie, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, sieht sich mit einer Situation konfrontiert, in der es für sie nur einen Ausweg zu geben scheint, nämlich den, wegzulaufen. Doch dann trifft sie im Gasthaus ihres Vaters auf einen Fremden, der ihr Mut macht …

All das erzählt Paolini sehr feinfühlig und einfühlsam. Die Gabel ist eine sehr gelungene Geschichte. Vor allem die letzten Seiten, in denen sich der Fokus von Essie auf den Fremden verschiebt, behandeln genau das, was ich mir seit dem Ende von Eragon 4 (mit dem ich nicht in jeder Hinsicht zufrieden war) zu erfahren gewünscht habe. Gern hätte dieser Abschnitt noch etwas länger sein dürfen.

Geschickt streut der Autor zudem einige Hinweise auf eine neue Bedrohung ein, die vielleicht Dreh- und Angelpunkt für eine mögliche Fortsetzung werden könnte – und er lässt darauf hoffen, dass es doch noch eine versöhnliche Zukunft für einen meiner Lieblingscharaktere geben könnte.

Die Hexe

… ist die Geschichte, mit der ich leider am wenigsten anfangen konnte. Möglicherweise deshalb, weil sie nicht von Christopher, sondern von seiner Schwester Angela geschrieben wurde. Bei Über das Wesen der Sterne handelt sich sich um Auszüge aus der Autobiographie der Kräuterhexe Angela, für deren Figur Paolinis Schwester Vorbild stand.

„Strebt nach Weisheit! Oder zumindest nach einer Verringerung der Idiotie. – Angela, die Vielnamige

(Christopher Paolini, Die Gabel, Die Hexe und der Wurm, S. 109 )

An sich zeigt die Geschichte deutlich, wie viel Entwicklungspotential noch in einem bestimmten Charakter steckt. Insgesamt ist sie jedoch genau so konfus, verwirrend und geheimnisvoll geraten wie die Kräuterhexe selbst. Sprachlich leider deutlich schwächer als der Rest des Buches.

Der Wurm

Ist ein absolutes Highlight! Glaubt mir, allein für diese Erzählung einer alten Urgal-Legende lohnt es sich, das Buch in die Hand zu nehmen.

„Während er lauschte, fühlte er sich in eine andere Zeit und an einen anderen Ort versetzt, und die Ereignisse von Irks Geschichte erschienen ihm bald so real wie die Halle selbst.“

(Christopher Paolini, Die Gabel, die Hexe und der Wurm, S. 162)

Und genau wie Eragon erging es mir beim Lesen auch. Schon nach den ersten Worten verschwammen für mich die Grenzen zwischen der Geschichte und der Realität. Sie hatte mich vollkommen in den Bann gezogen. Der Wurm vom Kulkaras ist eine düstere, bedrohliche Erzählung von Verlust, Schmerz und Rache, die bild- und wortgewaltig geschildert werden. Wirklich genial!

Der Gesamteindruck

Die Gabel, die Hexe und der Wurm konnte bei mir vor allem mit einem punkten: der Nostalgie. Es brauchte gar nicht viele Seiten, um mir dieses nostalgisch-warme Gefühl zu geben, als käme ich nach Hause und träfe alte Freunde wieder. Allein das macht dieses Buch für mich unheimlich wertvoll und schön.

Hinzukommt, dass die Gabel und der Wurm auf ihre jeweils ganz eigene Weise sehr gut geschriebene Geschichten sind. Ich habe es wirklich genossen, wieder nach Alagaësia reisen zu dürfen – und würde es jederzeit wieder tun. Der Untertitel des Büchleins – Geschichten aus Alagaësia1 – lässt zumindest vermuten, dass noch mehr Kurzgeschichten in Planung sind. Und jetzt kommt das große ABER.

Wie eingangs erwähnt, bin ich immer noch unschlüssig, was ich von der Sammlung als Ganzes halten soll. Da gibt es einfach einige Punkte, die mir sauer aufstoßen. Vor allem das Layout: riesengroße Schrift, breite Seitenränder. Für den immerhin stolzen Preis von 18€ bekommt man sehr sehr wenig Text. So wenig, wie ich finde, dass ich mich wirklich frage, ob hier nicht jemand versucht, noch möglichst viel Geld aus der Marke Eragon rauszuholen (vor allem, da die Reihe auch neue Cover spendiert bekommen hat). Dass noch dazu eine Geschichte nicht von Paolini stammt, sondern von seiner Schwester – geschenkt.

Insgesamt wirkt Die Gabel, die Hexe und der Wurm auf mich, wie ein Versuch, die Begeisterung um Eragon neu anzufachen und die Reihe wieder ins Gespräch zu bringen. Das ganze Buch liest sich wie ein Teaser für den ominösen fünften Band von Eragon, der – Schreibgott bewahre! – hoffentlich nicht nur ein Aufguss altbekannter Ideen sein wird, wenn er denn mal veröffentlicht wird.

Fazit

Die Gabel, die Hexe und der Wurm beschert Fans ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren aus dem Eragon-Universum. Vor allem die Erzählung rund um den Wurm hebt sich deutlich von den anderen Geschichten ab. Ein kurzes Lesevergnügen, das jedes Fanherz höherschlagen lassen wird.

[Veröffentlichung] Feuerfunken | Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018

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Minh unterdrückte ein Gähnen, während sie mit einer langen Pinzette Steinsplitter aus einem Metallkasten fischte, der vor ihr auf dem Tisch stand. Über die Arbeitsfläche ergossen sich Schrauben und Zahnräder in allen nur erdenklichen Größen, lagen Skizzen und Pläne ausgebreitet. Es grenzte an ein Wunder, dass das Mädchen den Überblick in dem Chaos behielt.“

(aus: Anna Eichenbach, Feuerfunken, in: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018 (Verlag Torsten Low), S. 231)

Ihr Lieben,
bereits im Oktober wurden ihm Rahmen des BuCon in Dreieich nicht nur die Sieger der Storyolympiade 2017/2018 gekürt, sondern auch die Anthologie vorgestellt, in der die besten 25 Geschichten des Wettbewerbs versammelt sind. Darunter auch eine Kurzgeschichte aus meiner Feder.

Hier sind einmal die Eckdaten zur Anthologie auf einem Blick:

 

Titel: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018
Herausgeber: Martin Witzgall, Felix Woitkowski
Verlag: Verlag Torsten Low
Seiten: 306
Format: Taschenbuch
Preis: 13, 90€
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2018
Genre: Science Fiction/Fantasy Anthologie

Bildrechte liegen beim Verlag Torsten Low

Darum geht’s

Wenn die Antwort lautet: 0 oder 1. Was war die Frage?
Für Maschinen ist das einfach, entweder an oder aus. Doch ist das wirklich alles? – Sein oder nicht sein! Denn wie real ist unsere Gegenwart eigentlich? Oder könnte die von uns wahrgenommene Realität nur virtuell sein? Und wenn sie virtuell wäre, wer oder was lenkt und steuert uns? Wie fühlt sich wohl ein Bot im »Deathmatch«? Und was machen er und seine Kumpels, wenn kein Spieler mehr da ist? Was treibt die Welt an? Kernreaktionen, Strom oder Dampf? Und wer oder was wartet eigentlich die Mechanismen? Kann Bewusstsein transferiert werden? Und ist es dann Maschinenbewusstsein oder menschliches Bewusstsein? Was macht uns menschlich und ist das wirklich so erstrebenswert?

All diese Fragen und noch viel mehr beantworten die 25 von der Jury ausgewählten AutorInnen der Storyolympiade nicht nur mit 0 oder 1, sondern mit viel Phantasie, Philosophie, aber auch Horror und Mystik durch ihre Kurzgeschichten in diesem Buch.

(Quelle: Verlag Torsten Low)

Über die Storyolympiade

1999 ins Leben gerufen, richtet sich die Storyolympiade vorwiegend an junge Autorinnen und Autoren – also jung gemessen an der Dauer ihres Autorenlebens, nicht an ihrem biologischen Alter. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass man noch keinen Roman veröffentlicht hat. Neben der Nachwuchsförderung ist es aber vor allem ihr Auswertungssystem, das die Storyolympiade zu einer Ausschreibung macht, wie ich keine zweite kenne. Jeder eingereichte Beitrag erhält eine fortlaufende Nummer – und dann geht der Spaß erst richtig los. Denn währen sich eine Vorjury durch alle Geschichten schmökert, werden auf der Homepage des Wettbewerbs regelmäßig Zwischenstände veröffentlicht, wessen Geschichte sich Hoffnungen auf einen Sprung auf die Longlist machen kann. Dann auf die Shortlist – und schließlich auf einen Platz in der Siegeranthologie oder sogar auf dem Siegertreppchen.

Darauf haben es sich diesmal meine geschätzten Autorenkolleginnen und Kollegen Johannes Gebhardt (1. Platz), Thomas Heidemann (2. Platz) und Renée Engel (3. Platz) bequem gemacht. Zurecht, wie ich finde. Ihre Erzählungen kann ich euch allesamt nur wärmstens ans Herz legen.

Insgesamt 175 Autoren haben sich daran gewagt, das Thema Maschinen aus unterschiedlichen Perspektiven – sei es mit einer Prise Philosophie, Horror oder anderem gewürzt – anzunähern. 25 Erzählungen haben es schließlich zwischen zwei Buchdeckel geschafft – und ich bin unendlich stolz darauf, dass meine Kurzgeschichte Feuerfunken den 20. Platz erreicht hat.

Für mich war es nicht die erste Teilnahme an der Storyolympiade. Schon beim Durchgang 2015/2016 habe ich es zum Thema Labyrinthe versucht. Damals hatte ich das Gefühl, noch nie eine so gute Geschichte geschrieben zu haben. Dementsprechend enttäuscht war ich auch, dass mein Beitrag nicht einmal die Vorrunde überstanden hatte.

Diesmal wollte ich wenigstens das schaffen. Dass es für die Feuerfunken dann noch so viel weiter ginge, damit hatte ich im Leben nicht gerechnet. Ich bin unglaublich dankbar für die wundervolle Zusammenarbeit mit meiner Lektorin Tatjana Stöckler und dem Verleger Torsten Low. (Und ehrlich gesagt geht mit der Veröffentlichung in seinem Verlag ein lang gehegter Traum von mir in Erfüllung. :) )

Darum geht es in Feuerfunken

Die Idee zu Feuerfunken begleitete mich schon seit einer geraumen Weile. Ursprünglich hatte ich die Geschichte der jungen Ingenieurin Minh für eine andere Ausschreibung geplant. Damals war die Idee kaum ausgereift, sodass ich sie nicht zu Papier bekam. Die Storyolympiade war die perfekte Gelegenheit, sie endlich zu erzählen.

Anders als das Ausschreibungsthema nahelegen mag, habe ich mich bewusst dagegen entschieden, eine SciFi-Geschichte zu schreiben. Feuerfunken ist eine klassische Fantasy-Erzählung, die einige Steampunk-Elemente enthält (und für diese Genrewahl wurde ich sogar im Lektorat gelobt^^).

In der Kurzgeschichte begleiten wird Minh, eine junge Ingenieurin, die aufgrund ihrer geschickten Hände als Priesterin ausgewählt wird. Eigentlich eine Ehre, wäre sie als Einsame von Gon Da nicht dazu verpflichtet, allein in der Stille der Tempelanlage den Reparaturen nachzugehen, die sie für die Priesterschaft zu erledigen hat, ganz ohne Kontakt zur Außenwelt. Doch neben ihrem Schicksal gibt es noch mehr, mit dem Minh hadert …

„Ein Grollen wie Donner hallte von den Berghängen wider, als sich der Gott auf Drachenschwingen in die Dunkelheit erhob. Als die Flammen noch immer an den Sternen leckten, waren die Priester längst schon fortgezogen. Minh hatte auf dem Boden gesessen, von stummen Schluchzern geschüttelt in die flammende Nacht gestarrt, während sich der Klang der Gongschläge allmählich in der Ferne verlor.“

(aus: Anna Eichenbach, Feuerfunken, in: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018 (Verlag Torsten Low), S. 236)

Wer herausfinden möchte, was genau das ist, mit dem Minh hadert, der wird wohl einen Blick in die Anthologie werfen müssen. Freunde der Science Fiction werden unter den Beiträgen sicher Geschichten ganz nach ihrem Geschmack finden.

Vielleicht konnte ich euch ja ein bisschen neugierig auf die Anthologie machen.

Eure Anna :)

Der Junge, der überlebte – und mir die Welt der Magie zeigte

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„Setzt mich nur auf, ich sag euch genau,
wohin ihr gehört – denn ich bin schlau.
(…)
Nun los, so setzt mich auf, nur Mut,
habt nur Vertrauen zum Sprechenden Hut!“

(J. K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen, S. 130 f.)

20 Jahre Harry Potter – 20 Jahre voller Magie. Der wohl berühmteste Zauberlehrling feiert in diesem Jahr sein großes Jubiläum. Um das gebührend zu würdigen, hat der Carlsen Verlag der Romanreihe nicht nur ein wunderschönes neues Gewand spendiert, sondern auch zu einer Blogparade aufgerufen. (Weitere Infos findet ihr *hier*.)

Wenn ihr mögt, dann nehme ich euch mit auf eine Zeitreise in meine Kindheit. Zu dem Moment, in dem Harry mir zum ersten Mal begegnete. Muggel, seid gewarnt, denn ich werde euch das Tor zu einer magischen Welt öffnen, die ihr nie wieder verlassen wollt.

Alohomora!

Harry Potter. Kaum ein Name ist mit so vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden wie der des Zauberlehrlings mit der Blitznarbe. Ein Name, den wohl jeder schon mal gehört hat. Ich kenne kaum jemanden, der Harrys Geschichte nicht kennt – egal ob er sie durch die Bücher, Hörbücher oder Filme entdeckt hat und egal, wie alt er ist.

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit ihm. Es muss im Jahr 2002 gewesen sein, jedenfalls war ich in der Grundschule und alle meine Freunde redeten über Harry und seine magischen Abenteuer. Damals bin ich mit meinem hart zusammengesparten Taschengeld in den Buchladen gegangen. Wenn ich die Augen schließe sehe ich sie immer noch vor mir: Vier Bände neben Blöcken, Druckbleistiften und bunten Radiergummis. Die Buchliebhaberin in mir hat sofort zum Feuerkelch gegriffen – schließlich gab es da am meisten Buch fürs Geld. ^^

Weil ich nicht gut genug lesen konnte, um so einen Wälzer allein zu bewältigen hat, hat meine Mama mir vorgelesen. Natürlich haben wir rasch bemerkt, dass es keine gute Idee war, mit dem vierten Band einzusteigen. Deshalb kamen die anderen nach und nach zu mir – und konnten sogar meinen lesemuffeligen Vater begeistern. Harry Potter ist für mich dieses Gefühl, im Dämmerlicht der Schreibtischlampe und unter meine Bettdecke gekuschelt meiner Mama beim Vorlesen zu lauschen.

Harry Potter und der Stein der Weisen war auch der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. In einem kleinen, gemütlichen in der Nachbarstadt. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich die Titelmelodie der Filme höre.

Mein Grundschul-Ich war nicht weniger fasziniert von Harrys Welt als ich es heute bin.  Meine Liebe zu dieser ganz besonderen Geschichte ist ungebrochen, eher noch stärker geworden. Das Wutschen und Wedeln mit den Zauberstäben habe ich eifrig geübt, aber leider zu meinem 11. Geburtstag keine Einladung für die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei bekommen. Die Enttäuschung war groß, aber es gab ja immer noch die Bücher, meinen persönlichen Portschlüssel nach Hogwarts.

In einer Zeit, in der wir noch keinen Internetanschluss hatten (heute undenkbar) habe ich die Buchhändlerin meines Vertrauen regelmäßig damit gelöchert, wann denn endlich Harrys nächstes Abenteuer erscheint. Ich habe zwar nie vor dem Laden kampiert, aber vorbestellt, hingefiebert und in jeder freien Minute gelesen, wenn ich es endlich – endlich ! – in den Händen hielt. So eine Begeisterung konnte nur noch Christopher Paolinis Eragon bei mir auslösen.

Lumos!

Schlage ich heute einen Harry Potter-Band auf – egal welchen – und lese ein bisschen, fühlte es sich an, wie nach Hause zu kommen. Der Fuchsbau, Hogwarts und der Verbotene Wald sind mir so vertraut, als bräuchte ich nicht mal die Karte des Rumtreibers, um mich zurechtzufinden.

Harry, Ron und Hermine sind für mich mehr als Romanfiguren. Im Laufe der Jahre sind sie zu echten Freunden geworden. Mit ihnen bin ich groß geworden. Freundschaft, Mut und der Umgang mit Tod und Verlust – all das haben wir gemeinsam erlebt. Mit ihnen habe ich gelacht, geschwärmt und gebangt. An ihrer Seite habe ich Dinge fürs Leben gelernt. Dass es okay ist, anders zu sein. Dass jeder mit etwas Dunklem in sich kämpfen muss. Dass es Menschen gibt, die zu einem stehen.

Ich weiß noch, dass mich die Bücher regelmäßig zum Weinen gebracht haben. Nach dem Finale des Halbblutprinzen konnte ich mich kaum beruhigen. Es war so schlimm, dass mein Papa besorgt meinte, ich solle nicht mehr lesen, wenn mich das so aufwühlt.

Bei den Heiligtümern des Todes – dem allerletzten Abenteuer – musste ich ständig weinen. Vor allem als es zu Ende war, fühlte ich mich so … leer und gleichzeitig so erfüllt. Harrys Geschichte war auserzählt – und damit schloss sich auch ein Kapitel meines Lebens.

Expecto patronum!

Harry Potter ist eine Buchreihe, in die ich mich immer wieder aufs Neue verliebe. Schwer zu sagen, was die Magie von Harry Potter ausmacht, die Millionen von Lesern weltweit in ihren Bann schlägt. J. K. Rowling erzählt eine wundervolle, magische, fesselnde und auch düstere Geschichte, die voller Weisheit steckt. Was sie für mich zu etwas ganz Besonderem macht, sind die Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde.

Harry Potter ist mein Patronus gegen den tristen grauen Alltag. Ich glaube, selbst Menschen, die ungern lesen, werden irgendetwas in dieser Geschichte finden, mit dem sie sich identifizieren können, das sie tief berührt. Harrys Welt ist dabei so faszinierend, lebendig und stimmig ausgearbeitet, dass ich die Hoffnung nicht aufgebe, wirklich nur ein unwissender Muggel zu sein und all das – Hogwarts und die Magie – real sind.

Danke, Harry, dass ich an deiner Seite Abenteuer bestehen und erwachsen werden durfte.

Und ein noch größerer Dank an J. K. Rowling, dass ihre Geschichten seit mittlerweile 20 Jahren Magie in unser Leben bringen – und mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

[Rezension] Bernhard Hennen – Die Chroniken von Azuhr I: Der Verfluchte | Die Märengestalten erwachen

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„Und so ersann die Silberne Prinzessin ihr letztes Geschenk: die Mären. Geschichten von einer Welt voller Magie, voll dunkler Gestalten und strahlender Helden, von selbstloser Liebe und nie verlöschendem Zorn.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte S.273)

Im Auftakt seiner neuen Trilogie Die Chroniken von Azuhr entführt uns Bernhard Hennen in eine magische Welt voller Mären – und erzählt von der Macht der Worte und der Phantasie. Obwohl ich den Roman schon im Frühjahr verschlugen habe, bin ich erst jetzt dazu gekommen, ihn zu rezensieren.

Auf einen Blick:

Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

 

 

Titel: Der Verfluchte
Reihe: Die Chroniken von Azuhr, Band 1 (von 3)
Autor: Bernhard Hennen
Verlag: Fischer Tor
Seiten: 576
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 16,99 €/ 14, 99€
Erscheinungsdatum: 29. Dezember 2017
Genre: High Fantasy

 

Darum geht’s

Der Beginn eines neuen magischen Zeitalters – die neue Bestseller-Serie von Deutschlands Fantasy-Autor Nr. 1: Bernhard Hennen!

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

(Quelle: Fischer Tor)

Das Buch

Bernhard Hennen ist für mich ein unvergleichlicher Geschichtenerzähler. Es gibt wohl kaum einen Autor, dessen Erzählungen ich so begierig aufsauge wie die seinen. Nicht umsonst zählt sein Roman Die Elfen zu meinen allerliebsten *** Herzensbüchern ***. Dementsprechend neugierig war ich, als angekündigt wurde, dass er nicht nur von Heyne zu Fischer Tor wechselt, sondern auch den Elfen den Rücken kehrt, um seine Leser in eine völlig neue Welt zu entführen. Dementsprechend habe ich mir auch die limitierte, signierte Ausgabe mit dem wunderschönen blauen Schnitt besorgt, die sich in meinem Regal wirklich toll macht. :) Dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen.

„Er hatte die Mär vom Krähenmann erzählt. Eine wunderbare Geschichte darüber, wie am Ende stets die Gerechtigkeit über das Dunkel in der Welt obsiegte.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S.7)

Die ersten gut 80 Seiten nehmen sich Zeit für ein bisschen Vorgeschichte – und ein wichtiges Kapitel der Familiengeschichte des jugendlichen Protagonisten Milan Tormeno, die 53 Jahre vor der eigentlichen Handlung spielt. Vieles daran hat mir so gar nicht gefallen, mich sogar in eine echte Lesekrise gestürzt. Sollte Der Verfluchte tatsächlich der erste Roman aus Hennens Feder sein, den ich nicht gut finde?

Gestört hat mich vor allem, dass sich der Autor Motive bedient, die er schon in seinen anderen Romanen (hier vor allem der Elfenritter) benutzt hat. Zwar in einen anderen Kontext eingebettet, aber dennoch las es sich … aufgewärmt. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber gegen Ende der Vorgeschichte hat sie mich doch packen können – und daran ist eine kongeniale Anspielung auf Edgar Allan Poe nicht ganz unschuldig.

„Gradlinig und wagemutig, so waren die Helden in Mären. Und so musste auch er sein.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 530)

Die Erzählung, die sich danach entfaltet, hat meine kühnsten Erwartungen noch um Längen übertroffen. Ausgangspunkt ist ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt zwischen Milan und seinem Vater, dem er ins Amt des Erzpriesters nachfolgen soll. Das Verhältnis der beiden ist vor allem durch Strenge auf Seiten Nandus‘ und eine trotzige, ablehnende Haltung Milans gegenüber den Wünschen seines Vaters geprägt. Hennen gewinnt dem altbekannten Motiv kaum Neues ab, macht aber die Beweggründe beider Figuren nachvollziehbar.

Milan will sich unbedingt von seinem Vater emanzipieren und dem starren Korsett der hohen Erwartungen, die dieser an ihn stellt, entfliehen. Dabei geht er so weit, seinem Vater einen Streich zu spielen – mit ungeahnten Folgen.

„Dieses Streben nach Vollkommenheit war der Fluch, der auf Milans Leben lastete. (…) So sehr er sich auch anstrengte, immer fand Nandus etwas an ihm auszusetzen.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 81)

Unglaublich geschickt webt Hennen nach und nach immer mehr magische Elemente in den Plot ein. Mit großer Freude am Fabulieren spinnt er bezaubernde und zugleich erschreckende Mären, die dem Roman ein besonderes Flair verleihen. Da gibt es die weiße Königin oder den Krähenmann, der nachts durch die Gassen streift und Kinder raubt. Nach und nach stellt sich heraus, das hinter einiger dieser Geschichten, viel mehr steckt. Denn in Azuhr bricht ein Zeitalter an, in dem Märengestalten wieder lebendig werden.

Die Welt von Azuhr verbindet italienische und asiatische Elemente, ist komplex aufgebaut und detailliert ausgearbeitet. Mehrere Parteien kämpfen um die Macht – und ehe Milan sich versieht, findet er sich mitten in den verworrenen Machtkämpfen wieder und muss sich entscheiden, auf wessen Seite er sich stellt.

Neben Milan begleiten wir allerdings auch noch einige andere Figuren. Jede von ihnen hat eine eigene, unverwechselbare Erzählstimme. Da ist unter anderem Nok, die geheimnisvolle Konkubine, die voller (fernöstlicher) Weisheit steckt. Aber auch Felicia, die Diebin, die mehr ist, als sie zu sein vorgibt.

„’Warum folgen wir dem Jungen überhaupt?‘
‚Weil er ein Tormeno ist. Er wird mächtig werden. Jetzt kann ich Einfluss auf ihn nehmen. Das wird die Zukunft verändern.’“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 133)

Sie alle sind authentisch und facettenreich. Hennen braucht gar nicht viele Worte, um sie in meiner Vorstellung lebendig werden zu lassen. Einige sind sympathisch, andere gewollt abstoßend, doch sie alle tragen dazu bei, dass sich eine temporeiche, fesselnde Geschichte entspinnt – die nicht alle überleben. (Natürlich stirbt eine meiner Lieblingsfiguren, aber es besteht Hoffnung, dass sie irgendwie zurückkehren wird.)

Freunde epischer High-Fantasy werden mit Der Verfluchte voll auf ihre Kosten kommen – aber auch jeder, der Geschichten und vor allem Märchen liebt. Die Mischung aus Magie, Intrigen und packenden Kampfszenen versteht gleichermaßen zu fesseln und zu unterhalten. Ein sehr lesenswerter Roman, der für meinen Geschmack viel zu schnell vorbei war. Zum Glück erscheint die Fortsetzung schon im Herbst 2018.

Fazit

Bis auf den langatmig geratenen Beginn schafft Bernhard Hennen mit Der Verfluchte einen Roman, der mich auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte. Eine Geschichte über die Macht der Worte – und der Mären – voller Magie und Intrigen, grandios erzählt und mit toll ausgearbeiteten Figuren. Eine klare Empfehlung.

[Rezension] Elea Brandt – Sand & Wind | Seid ihr bereit für ein orientalisches Abenteuer?

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„Mein Vater sagt immer, die Wüste ist wie eine ylasische Frau. Wunderschön, aber sie bringt dich um, wenn du nicht mit ihr umzugehen weißt.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, Ebook S.168)

Die rote Wüste steckt voller Legenden und uralter Magie – und genau davon erzählt uns Elea Brandt in Sand & Wind, einem Fantasyabenteuer mit orientalischem Flair.

Auf einen Blick:

Sand & Wind

 

 

Titel: Sand & Wind
Reihe: Die Legende der roten Wüste, Band 1
Autorin: Elea Brandt
Verlag: Verlag ohneohren
Seiten: 250
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: ??? €/ 3, 49€
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2018
Genre: orientalische Fantasy

 

Darum geht’s

Tief in der Wüste regt sich uralte Magie. Mit dem roten Sand fegt sie durch die Gassen der Stadt Zarbahan und enthüllt ein lange gehütetes Geheimnis.

Während der vorlaute Gauner Quiro seinen Lebensunterhalt mit Taschenspielertricks verdient, versucht der junge Schah Elis, den brüchigen Frieden im Land zu bewahren. Eines Tages begegnen die beiden einander – und die Ereignisse überschlagen sich. Elis verschwindet unter mysteriösen Umständen und Quiro findet sich mitten in den Ränkespielen der Mächtigen wieder, wo ihn jeder Fehler den Kopf kosten kann. Denn dunkle Kräfte ruhen im Wüstensand – und nur Quiro kann sie aufhalten.

(Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch

Sand & Wind ist der erste Band der auf zwei Bände angelegten Legende der roten Wüste. Wie ich es von Elea Brandt gewohnt bin, braucht sie auch in ihrem mittlerweile dritten Roman nicht viele Worte, um mich nach Zarbahan und in den Palast des Schahs zu entführen. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass sie eine unglaublich talentierte Geschichtenerzählerin ist? Ihr Stil ist locker und gefällig, witzig und mit Vergleichen und Metaphern gespickt, die nur innerhalb der Romanwelt funktionieren. Dabei beweist sie auch ein feines Gespür für das Tempo ihrer Erzählung. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die die flirrende Hitze des Wüstensands, Gerüche und Farben einfängt und zu einem bezaubernden orientalischen Flair verwebt.

„Was gäbe sie darum, jetzt draußen vor den Mauern der Stadt durch den roten Sand reiten zu können? Zuzusehen, wie der Wind verschlungene Muster auf die Dünen zeichnete und wie die Sonne glühend rot hinter den Bergen im Westen verschwand?“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.22)

Unser erster ‚Reiseführer‘, der uns durch die Gassen Zarbahans begleitet, ist Quiro, seines Zeichens ein Dieb und Taugenichts – und mir auf Anhieb sympathisch. Er ist ein charmantes Schlitzohr, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat in Farzam und Barush zwei so treue Freunde gefunden, wie man sie sich nur wünschen kann. Die Dynamik innerhalb der Dreiergruppe, ihre kleinen Reibereien und Sticheleien haben mich oft schmunzeln lassen.

„Quiro schluckte. Es gab schon einen Grund, warum er nur ein räudiger Gauner geworden war – Denken war scheinbar nicht seine Stärke.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.181)

Dann ist da noch Elis, dessen Leben nicht verschiedener von dem Quiros sein könnte. Seit einem Jahr lenkt er als Schah die Geschicke Zarbahans – und weiß seinen Onkel Izafar als zuverlässigen Berater an seiner Seite. Die Fußstapfen, in die er

Prinzessin Arazin (Skizze von Elif Siebenpfeiffer)

zu treten hat, scheinen ihm an manchen Tagen zu groß. Vor allem deshalb, weil das Friedensabkommen zwischen Zarbahan und Ylas noch immer fragil ist.

Deshalb soll er Arazin, die Prinzessin von Ylas heiraten. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie von all den interessanten Figuren mein Liebling ist. (Eventuell bin ich auch voreingenommen, immerhin durfte ich Arazin im Rahmen der Releasewoche zu Sand & Wind interviewen. *** lest gern mal rein. ***)

 

„Sie war wirklich schön, seine Verlobte. Keine sanfte, zarbahanische Schönheit, aber geschmeidig, herb und wild, wie eine Gepardin, deren Krallen man lieber nicht zu nahe kam.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.44)

Die stolze, unbeugsame Wüstenprinzessin steckt jeden ihrer männlichen Romankollegen locker in die Tasche. :) Wunderbar treten hier auch die Unterschiede zwischen Zarbahan und Ylas zutage, zeigen das gewohnt detailreiche Setting, in dem Magie eine große Rolle spielt.

Alle Figuren sind beeindruckend authentisch, mit Eigenheiten, die sie unverwechselbar machen, und Zielen, die sie um jeden Preis erreichen wollen. Auch wenn Sand & Wind insgesamt eher einen lockeren Ton anschlägt, ein Abenteuerroman ist, der mit einem großen Augenzwinkern erzählt wird, bleibt dennoch Raum für ernste Themen, die unaufdringlich und mit Fingerspitzengefühl in die Erzählung eingebettet werden.

Trotz all des Lobes gibt es dennoch einige kleinere Kritikpunkte. Der Plot von Sand & Wind bedient sich eines Motivs mit einer langen literarischen Tradition. (Um euch nicht zu spoilern, bleibe ich an dieser Stelle bewusst wage.) Ein Motiv, das eigentlich gar nicht meins ist, weil es schon so ausgelutscht ist. Aber Elea Brandt gelingt es, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Umwege einzuschlagen, die überraschen und/oder amüsieren. Anfangs sind einige Aspekte der Handlung leider vorhersehbar, aber der Unterhaltungswert des Romans entschädigt mehr als genug dafür. Hinzu kommt noch ein packendes Finale, das Raum für Spekulationen lässt, wie es im nächsten Band weitergehen könnte.

Fazit

Flirrende Wüstenhitze, orientalisches Flair und ein augenzwinkernd erzähltes Fantasyabenteuer. Sand & Wind ist ein Roman, der gute Laune macht, mit gut ausgearbeiteten, sympathischen Figuren begeistert und mit einem detailreichen, durchdachten Setting überzeugt. Eine klare Empfehlung.

Vielen Dank an Elea Brandt und den Verlag ohneohren, die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. :)

 Über die Autorin

Wenn Elea Brandt eines ist, dann vielseitig – und produktiv. Ende 2017 erschien ihr Debütroman, der Dark-Fantasy Thriller Opfermond (Mantikore-Verlag, *** zur Rezension ***), der nicht nur auf der Phantastik-Bestenliste (Februar 2018), sondern auch auf der Longlist des Deutschen Phantastik Preises landetet.

Anfang 2018 entführte sie ihre Leser in Unter einem Banner (Dead Soft Verlag, *** zur Rezension ***) in eine packende Low Fantasy-Welt – und nun in Sand & Wind in ein orientalisches Fantasysetting.

Mehr über die Autorin, ihre aktuellen Projekte sowie spannende Beiträge rund um verschiedene literarische Themen findet ihr auch auf Eleas Blog – reinschnuppern lohnt sich!

[Rezension] Jörg Benne – Das Schicksal der Paladine. Verschollen

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„Mit noch immer klopfendem Herzen lehnte Tristan sich gegen den Fels und sah kopfschüttelnd über die Schulter zurück. Gerade hatte er mit einem zweiköpfigen Drachen gesprochen (…). Er konnte es immer noch nicht fassen.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paldine – Verschollen, E-Book S. 22)

Mit dem Jugendbuch Das Schicksal der Paladine – Verschollen entführt uns Jörg Benne zum ersten Mal in die phantastische Welt von Nuareth.

Auf einen Blick:

 

Titel: Das Schicksal der Paladine – Verschollen
Reihe: Band 1
Autor: Jörg Benne
Verlag: Papierverzierer Verlag
Seiten: 450
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: ??? €/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 15. März 2018 (Erstveröffentlichung 2012)
Genre: Jugendbuch, Fantasy

 

 

Darum geht’s

Als Tristans Schwester Svenja verunglückt, erfährt er, dass sein Vater gar nicht auf einer Ölbohrinsel arbeitet, sondern wie einige andere Menschen in der Parallelwelt Nuareth als Paladin für Recht und Ordnung sorgt. Sie verfügen dort über magische Kräfte, die sie auch noch eine Weile nach ihrer Rückkehr zur Erde einsetzen können. In dem Glauben, dass diese Kräfte der im Koma liegenden Svenja helfen können, betritt Tristan die fremde Welt. Doch dort muss er zunächst das ungewisse Schicksal der Paladine klären, denn seit einigen Tagen sind sie alle VERSCHOLLEN.

(Quelle: Papierverzierer Verlag)

Das Buch

Verschollen ist der Auftakt der Paladin-Trilogie, die zum ersten Mal 2012 im Koios Verlag erschien. 2016 wurde die Reihe im Prometheus Verlag veröffentlicht, bis sie nun schließlich ein neues Zuhause im Papierverzierer Verlag gefunden hat. Passend zur Neuauflage gab es eine Leserunde auf Lovelybooks, an der ich teilnehmen durfte.

Im Roman begleiten wir Tristan, der sich auf die gefährliche Reise in die Welt von Nuareth begibt, um seinen Vater und die verschollenen Paladine zu finden und so seiner älteren Schwester zu helfen, die im Koma liegt. Die Ausgangssituation – Junge begibt sich in Fantasywelt, um seine kranke Schwester zu retten – hat mich auf anhieb an Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein erinnert, aber das ist auch die einzige Ähnlichkeit zwischen beiden Geschichten. Eines vorweg: Auch wenn das erste Zitat und das Cover etwas anderes vermuten lassen, spielen Drachen kaum eine Rolle.

Tristan ist – wie es für Jugendbücher üblich ist – erst 16, erscheint aber gerade zu Beginn des Romans deutlich jünger. Er ist oft unreif und reagiert impulsiv, aber das kann man einem Jungen in der Pubertät wirklich nicht zum Vorwurf machen. :) Vielleicht liegt es auch daran, dass er seinen Vater so gut wie nie zu Gesicht bekommt.

„Er stierte auf den Linoleumboden und erinnerte sich an all die Enttäuschungen, die er mit seinem Vater schon erlebt hatte. Verdammte Bohrinsel! Warum konnte sein Vater nicht irgendwo im Büro arbeiten wie andere auch?“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S.7)

Sein Verhältnis zu seinem Vater ist nicht das beste. Tristan fühlt sich von Darius vernachlässigt, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit – und mehr gemeinsame Zeit. Doch schon im ersten Kapitel erfährt er, dass die Geschichte mit dem Job auf der Bohrinsel nur verschleiern sollte, was sein Vater tatsächlich macht.

„Eins musst du wissen, Junge. Dein Vater ist ein guter Mensch. Er hilft anderen in … sehr weit weg jedenfalls. Und wenn er nicht nach Hause kommt, dann muss es etwas sehr Wichtiges sein, was ihn davon abhält.“ 

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S. 8)

Jörg Benne hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, sondern wirft Tristan und seine Leser unmittelbar ins Geschehen. Rasch geht es nach Nuareth, in eine Parallelwelt, die der Menschenwelt sehr ähnlich ist, aber auch von vielen fremdartigen Geschöpfen bevölkert wird. Dort ist Tristan ebenso wie sein Vater ein Paladin, jemand, der unter anderem über magische Fähigkeiten verfügt. Doch der Frieden auf der Insel Nasgareth ist bedroht. Rasch wird klar: Wenn tatsächlich alle Paladine verschollen sind, muss das Ausmaß der Gefahr sehr groß sein. So beginnt für Tristan ein Wettlauf mit der Zeit, seinen Vater und die anderen rechtzeitig aufzuspüren, bevor es zu spät ist, seiner Schwester zu helfen.

Gemeinsam mit Tristan erkunden wir die Insel Nasgareth, einen Teil von Nuareth, der Welt, in der Jörg Benne die Handlung all seiner Romane ansiedelt. Nach und nach lernen wir mehr über die Paladine, ihre Magie, aber auch über die verschiedenen Wesen, die Nuareth bevölkern, ihre Gepflogenheiten und ihre Kultur. Dem Autor ist es gelungen, meinen Entdeckergeist nicht nur zu wecken, sondern so zu befeuern, dass ich immer mehr von Nuareth wollte. Mehr Orte entdecken, mehr über die Vergangenheit dieser faszinierenden Welt lernen. Für mich ist der bis ins letzte Detail ausgearbeitete, stimmige und zutiefst beeindruckende Weltenbau die größte Stärke des Romans. Da verzeihe ich auch längere Monologpassagen, in denen Tristan in bester Erklärbärmanier in den Kosmos Nuarehts eingeführt wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Erkundung der Welt mehr an den Roman gefesselt hat als die Geschichte an sich.

Die Handlung ist spannend, variiert einige klassische Motive phantastischer Jugendliteratur und gewinnt gegen Ende nochmal deutlich an Fahrt. Im Gegensatz zu einigen Nebenfiguren, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind, habe ich mich mit Tristan leider über weite Strecken schwer getan. Er ist neu in Nuareth, muss noch lernen, mit seinen Kräften umzugehen. Deshalb sind es meistens die anderen Charaktere, die ihm sagen, was er tun soll. Dennoch entwickelt er sich im Laufe des Romans weiter, reift deutlich.

„Wenn man bedenkt, dass du vor ein paar Wochen noch ein normaler Schüler warst, der in einem weichen Bett zu schlafen gewohnt war (…) und dessen größter Feind bislang sein Physiklehrer war: alle Achtung.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine – Verschollen, E-Book, S.224)

Auch wenn es sich bei Verschollen um den Auftakt einer Trilogie handelt, ist der Roman rund und könnte für sich allein stehen. Trotz einiger kleinerer Schwächen glaube ich, dass mir das Buch noch besser gefiele, wenn ich um die 14 Jahre alt wäre und noch nicht so viele Romane gelesen hätte, die in eine ähnliche Richtung gehen. Dennoch wird dies nicht mein letzter Ausflug nach Nuareth gewesen sein. Der zweite Band erscheint bereits im Mai 2018.

Fazit

Mit Das Schicksal der Paladine – Verschollen legt Jörg Benne einen gelungenen Trilogieauftakt vor, der vor allem durch den gut ausgearbeiteten, detailverliebten Weltenbau zu beeindrucken und zu überzeugen weiß. Perfekt für jugendliche und jung gebliebene Entdecker.

Vielen Dank an den Papierverzierer Verlag, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte!

 

[Rezension] Katharina Seck – Die silberne Königin

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Geschichten konnten einen direkt ins Herz treffen, selbst wenn man nicht wusste, wie viel Wirklichkeit tatsächlich in ihnen steckte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.13)

Mit Die silberne Königin entführt Katharina Seck ihre Leser in das märchenhafte Glanzvoll – und spinnt eine Erzählung so hauchzart und zerbrechlich wie Eiskristalle.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Die silberne Königin
Autorin: Katharina Seck
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 366
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 00€/ 9,99€
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2016
Genre: Fantasy

 

 

Darum geht’s

Silberglanz ist eine beschauliche Stadt in einer winterlichen Welt. Doch die Schönheit der von glitzerndem Schnee bedeckten Landschaft ist trügerisch. Seit Jahrzehnten ist das Land im ewigen Winter gefangen, es droht unter den Schneemassen zu ersticken. Alles ändert sich, als die 24-jährige Emma in die Chocolaterie von Madame Weltfremd kommt und diese ihr ein Märchen erzählt, das Märchen der silbernen Königin. Denn darin verborgen liegt die Wahrheit – über den Winterfluch, über den kaltherzigen König und über Emma selbst …

Ein atemberaubender Roman voller Spannung und Romantik – ausgezeichnet mit dem Seraph Literaturpreis als Bestes Fantasy-Buch des Jahres!

(Quelle: Bastei Lübbe)

Das Buch

Schon der Prolog bildet einen Einstieg in die Geschichte, den man nur als magisch bezeichnen kann. Madame Weltfremd hat in ihre Chocolaterie – das Schokoladengold – zu einer Geschichtennacht geladen. Was sie zu erzählen hat, ist wahrlich märchenhaft – und verhängnisvoll. Denn etwas Dunkles, Bedrohliches lauert außerhalb der wohligen Wärme innerhalb des Ladens. Etwas, das Geschichten zu erzählen zu einem gefährlichen Unterfangen macht.

„Beinahe kam es Emma vor, als würde das Vortragen des Märchens der Madame Schmerzen verursachen, seelisch wie körperlich. Dabei war es doch nur eine Geschichte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.92)

In Die silberne Königin betreten wir eine Welt ganz aus Schnee und Eis. Frost, ein nie enden wollender Winter setzen dem Land und seinen Bewohnern zu. Und über all das wacht das Eisschloss, sitz der gefürchteten Herrscherfamilie. Eine kaum greifbare Bedrohung geht von diesem Ort und seinen Bewohner aus, den die Städter meiden.

Wir begleiten die 24-jährige Emma, die unermüdlich in den Silberminen arbeitet. Das Schokoladengold ist ein Sehnsuchtsort für sie, ein Traum, den sie gern leben würde – doch der ihr unerreichbar scheint. Zu ihrem Vater pflegt sie ein schwieriges Verhältnis. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, auch wenn er sie oft von sich stößt.

Emma wirkt den ganzen Roman über zart und irgendwie zerbrechlich. Doch tief in ihrem Innern trägt sie auch eine unglaubliche Stärke, die es ihr nicht erlaubt, sich oder ihre Hoffnung aufzugeben. Katharina Seck zeichnet ihren Charakter fein. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um richtig warm mit Emma zu werden.

Als Emma schließlich eine Anstellung in Madame Weltfremds Schokoladengold erhält, konnte mich der Roman vollends in seinen Bann ziehen. Denn nach der Arbeit beginnt die Madame Emma und Ophelia ein ganz besonderes Märchen zu erzählen.

„Ihr müsst gut zuhören. Bei Geschichten weiß man nie, ob sie einem im Leben nicht noch einmal helfen können.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 60)

Die Rede ist vom Märchen von der titelgebenden silbernen Königin, das passagenweise in die Erzählung eingeflochten wird. Das Reich der silbernen Königin ist in großer Gefahr: Der Frostprinz erobert ein Herrschaftsgebiet nach dem anderen, lässt es in ewigem Winter versinken. Gemeinsam mit dem Kristallmädchen macht sich die silberne Königin auf die beschwerliche Reise, den Frostprinzen aufzuhalten.

Diese Erzählung innerhalb der Erzählung hat mich wirklich verzaubert. Die Einfälle, die Welt und nicht zuletzt die Figuren. Vor allem die silberne Königin ist märchentypisch naiv, gutmütig und im besten Sinne des Wortes weltfremd.

Nach und nach entdeckt Emma immer mehr Prallelen zwischen der Geschichte der Madame und ihrem eigenen Leben – und schließlich treibt sie die Erzählung direkt in die Arme des Königs.

„Der Eiskönig, wie ihn manche nannten. Der unsichtbare König, wie ihn andere nannten. Er war irgendwie … beides.“ 

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.118)

Als Emma in seine Fänge gerät, bliebt ihr nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu erzählen. Und es ist das Märchen von der silbernen Königin, das über ihre Schicksal entscheidet. Casper, der junge, grausame König ist ein faszinierender Charakter. Dunkel und frostig, kälter als das Eis, aus dem sein Palast besteht. Grausam und abweisend – mit einem Herz aus Eis.

„Vielleicht ist ein Eisherz nicht so schlimm, wenn man nichts anderes kennt. Vielleicht ist der König schon so auf die Welt gekommen.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 112)

Was mich neben der wundervollen Geschichte und dem Märchen um die silberne Königin am meisten begeistern konnte, war Katharina Secks unvergleichliche Art zu schreiben. Ihre Formulierungen sind geschliffen. Sie funkeln und blitzen wie Eiskristalle, doch sind zugleich so scharf, dass sie tief ins Herz dringen. All dem liegt eine bittersüße Note von Melancholie zu Grunde, die ebenso auf der Zunge zerschmilzt wie Madame Weltfremds Schokoladenkreationen.

Fazit

Die silberne Königin ist eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Bezaubernd melancholisch. Fragil, doch zugleich stark und mitreißend. Eine klare Empfehlung.

 Über die Autorin

2017 wurde Katharina Seck für Die silberne Königin mit dem SERAPH, dem Preis der phantastischen Akademie in der Kategorie „Bester Roman“ ausgezeichnet, der auf der Leipziger Buchmesse verliehen wird. Vor kurzem erschien mit Tochter des dunklen Waldes ein weiterer Fantasy-Roman aus ihrer Feder bei Bastei Lübbe, sowie Die Stille zwischen Himmel und Meer als Kati Seck.

[Rezension] Joanne K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind

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„Ich bin die neue Vergangenheit.
Ich bin die neue Zukunft.
Ich bin die Antwort, auf die
diese Welt gewartet hat.“

(Harry Potter und das verwunschene Kind, S. 236)

Der 26. Juni 1997 ist ein historisches Datum – zumindest für alle Bücherwürmer, denn mit dem Erscheinen des ersten Harry Potter-Bandes nahm ein Phänomen seinen Lauf, das Muggel auf der ganzen Welt verzauberte. 2016 folgte schließlich mit Das verwunschene Kind das lang ersehnte achte Abenteuer des wohl berühmtesten Zauberschülers der Welt – in Form eines Theaterstücks.

Auf einen Blick:
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Titel: Harry Potter und das verwunschene Kind. Special Rehearsal Edition Script
Autoren: Joanne K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne
Verlag: Carlsen
Seiten: 334
Format: Hardcover/E-Book
Preis: 19,99€/14,99€
Erscheinungsdatum: September 2016

Bildrechte liegen beim Verlag

Harry Potter. Es gibt kaum zwei Worte, die mir solch einen wohligen Schauder über den Rücken jagen wie dieser Name. Er steht für durchlesene Nächte. Kindheit. Für Figuren, mit denen man gemeinsam gewachsen und erwachsen geworden ist.

Das verwunschene Kind setzt neunzehn Jahre nach den Geschehnissen des letzten Harry Potter-Buches an und basiert auf einer Idee von Joanne K. Rowling. Im Fokus steht allerdings – anders als der Titel es vermuten lässt – kein weiteres Abenteuer von Harry, sondern sein Sohn Albus.

Das verwunschene Kind lässt sich rasch runterlesen, was vor allem daran liegt, dass es als Theaterstück natürlich vorwiegend aus Dialogen besteht. In den ersten Szenen weht einem das vertraute Flair und der besondere Zauber von Hogwarts entgegen. Es fühlt sich an wie eine Heimkehr, eine Begegnung mit alten Freunden, die man eine Weile lang aus den Augen verloren hatte, doch denen man sich noch immer verbunden fühlt. Die Regieanweisungen und kurzen Beschreibungen des Settings genügen, um das Kopfkino – auch dank der Filme – auf Hochtouren laufen zu lassen.

Albus hat es schwer, Harrys Sohn zu sein. Das Verhältnis der beiden ist schwierig, unterkühlt. Albus glaubt, es seinem Vater niemals recht machen zu können – und kommt auf die irrwitzige Idee, die Vergangenheit ändern zu wollen. Mit seinem Freund Scorpius (Malfoy wohlgemerkt^^) im Schlepptau und einem Zeitumkehrer verschlimmbessert er jedoch alles. Und mit jeder weiteren Reise in die Vergangenheit droht der dunkle Lord stärker und stärker zu werden.

Die Handlung ist insgesamt kurzweilig und unterhaltsam, sofern man über das ein oder andere Logikloch hinwegsieht und sich tatsächlich auf die Skriptform einlässt. Auf der Bühne muss das Stück wirklich atemberaubend sein – schade, dass es zurzeit nur in London läuft.

Am besten hat mir gefallen, wie die Freundschaft zwischen Albus und Scorpius dargestellt wird. Die beiden sind wirklich herzerwärmend, wobei Scorpius für mich definitiv der heimliche Held der Geschichte ist. :)
Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit anderen Charakteren, die man aus der Harry-Potter-Reihe kennt und lieb gewonnen hat – auch wenn sich einige von ihnen ganz schön verändert haben.

Fazit

Das verwunschene Kind wird für viele eine nostalgische Zeitreise in die eigene Kindheit sein. Obwohl das Skript nicht an die heimelige Atmosphäre der Romane herankommt, weil dazu schlichtweg die Beschreibungen fehlen, kann ich das Buch dennoch jedem Potterhead ans Herz legen.

Was halter ihr von Harrys achtem Abenteuer? Konnte euch Das verwunschene Kind überzeugen – oder lasst ihr lieber die Finger von dem Skript?