#Writing Friday – Eintrittskarte für den Nachtzirkus

 

Meine lieben Weltenbummler,
herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe des #Writing Friday. :) Heute geht es um ein Thema, das wohl jede*r Büchsüchtige kennt: Den Stapel ungelesener Bücher. Elizzy von Read Books and Fall in Love hat uns für den Mai unter anderem folgende Schreibaufgabe gestellt:

Welches ist das älteste Buch auf deinem Stapel ungelesener Bücher? Stell es uns vor, wieso hast du es noch nicht gelesen?

Zuerst muss ich euch gestehen: Ja, auch mein SuB ist groß – und ich habe sogar zwei davon. Einen in meinem Buchregal, den anderen auf meinem E-Reader. Dort schlummern so viele literarische Schätze, dass mir der Lesestoff in den nächsten Monaten gewiss nicht ausgehen wird. #bücherhamstern Wie hoch der Stapel genau ist (und ob es nicht an unverschämtest Glück grenzt, dass er mich noch nicht erschlagen hat), darüber breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Denn wie heiß es noch si schön: Ein Bücherwurm liest und schweigt … oder so ähnlich.

Ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, welches Buch nun schon am längsten ungelesen bei mir wohnt. Da es beim Writing Friday in erster Linie um Geschichten geht, habe ich euch daher einen Roman mitgebracht, den ich vor Jahren gekauft habe und zu dem ich euch auch eine kleine Geschichte erzählen kann. Nämlich darüber, warum er überhaupt zu mir gefunden hat. 

Darf ich vorstellen: The Night Circus von Erin Morgenstern.

Bildrechte liegen beim Verlag.

The circus arrives without warning. No announcements precede it. It is simply there, when yesterday it was not.

The black sign, painted in white letters that hangs upon the gates, reads:

Opens at Nightfalll

Closes at Dawn

As the sun disappears beyond the horizon, all over the tents small lights begin to flicker, as though the entirety of the circus is covered in particularly bright fireflies. When the tents are all aglow, sparkling against the night sky, the sign appears.

Le Cirque des Rêves

The Circus of Dreams.

Now the circus is open.

Now you may enter.

In diesen Roman, sein bezauberndes Cover und seine magische Geschichte habe ich mich 2012 verliebt – ebenso wie in den Ort, an dem ich ihm zum ersten Mal begegnet bin:  Der Buchhandlung Waterstone’s am Piccadilly Circus in London.

Im Oktober hat es mich damals gemeinsam mit meinem Geschichts-LK und dem Englisch-LK meiner besten Freundin für eine Woche auf Abschlussfahrt in die britische Hauptstadt verschlagen. Es war mein zweiter Besuch in London, einer Stadt, die definitiv einen Platz in meinem Herzen hat: Die Houses of Parliament, Westminster Abbey und und und. Jede Straße, jeder Platz atmet Geschichte. Die ganze Stadt durchweht die Aura der großen Schriftsteller, die sie hervorgebracht hat – der perfekte Ort also für eine Autorin wie mich. :)

Damals hatten wie jeden Tag straffes Programm, aber an einem Nachmittag auch ein paar Stunden, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Waterstone’s am Piccadilly ist ein Ort, den ich einfach nur als magisch bezeichnen kann. So viele Bücher, in denen man sich verlieren kann … Leider hatte ich nur eine knappe Viertelstunde Zeit, um mich umzusehen. Doch die hat genügt, um mich unter anderem in The Night Circus zu verlieben.

Der Roman ist damit gewissermaßen mein Souvenir, das mich an meine Abschlussfahrt erinnert – und an all die spannenden und z.T. nervenraufreibenden Momente, die ich dort erlebt habe. An den Besuch im Globe und ganz besonders auch an den Besuch der Leavesden Studios, in denen man durch die Filmkulissen von Harry Potter wandeln kann.


Der Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meinem letzten Beitrag zur Aktion ging es um eine Liebe, von der nur mehr Staub und Spinnweben blieben.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.

#Writing Friday – Nur mehr Staub und Spinnweben

Meine lieben Weltenbummler,
ganz gleich, ob ihr viel vom Valentinstag haltet oder nicht: ich wünsche euch einen wundervollen Writing Friday. Ich bin kein Fan von kitschigen Liebesgeschichten und habe deshalb schon vor einem Jahr einen Beitrag darüber geschrieben, ob ein Roman auch ohne Liebe funktionieren kann. Trotzdem hat mich von all den Schreibthemen, die Elizzy von Read Books and Fall in Love für den Februar vorgeschlagen hat, ein klassisches Valentinsthema am meisten angesprochen:

Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag. Berichte davon.

Meine Interpretation dieses Themas ist eher freier ausgefallen – und eher bittersüß denn kitschig. Viel Freude mit meiner roten Rose. Seid heute gut zu euch selbst. :*

Nur mehr Staub und Spinnweben

A Tale as old as time … Eine Geschichte, so alt wie die Zeit. Die durch die Jahrhunderte geht, doch zeitlos ist – und immerfort bleibt. Erzählt in einer Sprache, die ein jedes Herz versteht.

Diese Geschichte, so alt wie die Zeit, handelt von der Liebe. Der wilden, stürmischen, bittersüßen und dornenscharfen Liebe – und ich bin ein Teil von ihr. Doch anders als meinen Schwestern, deren Schönheit nach Tagen vergeht und die langsam, Blütenblatt für Blütenblatt aus dem Leben weichen, dauert meine Geschichte an. Sie beginnt da, wo so viele andere Geschichten beginnen: am Anfang. Und mein Anfang war, als ich sie zum ersten Mal sah.

Ich war nicht die erste meiner Art, die man ihr schenkte. Doch ich war die erste, die ihr jemand schenkte, der ihr so viel bedeutete. Mehr als jeder vor ihm. Der ihr Herz höher schlagen ließ. Höher als jeder vor ihm. Mit dem sich alles so leicht, doch manchmal auch so schwer anfühlte. Leichter als mit jedem anderen. Schwerer als sie auf ihren Schultern zu tragen vermochte.

Es gab keinen Grund dafür, warum er mich kaufte. Keinen besonderen Anlass. Nur den, dass sie so besonders für ihn war.

Ihr Lächeln, als sie mich sah! Ihr hättet ihr Lächeln sehen sollen. Hach, so zart wie eines meiner Blätter. Rührung schimmerte in ihren Augen. In ihren Augen, die mich ansahen, als wäre auch ich etwas Besonderes, obwohl es Milliarden meiner Art gibt, die einander – und mir – gleichen.

Doch für sie war ich es: besonders. Ich brachte sie zum Lächeln, wenn er fort war und sie mich ansah. Erinnerte sie an die zärtlichen Küsse. An drei Worte, gehaucht nur, doch erschütterten sie ihre Welt. An die Wärme und Geborgenheit, die sie empfand, die Wange an seine Brust geschmiegt.

Meine Schwestern vergingen. Doch sie pflegte mich. Trocknete mich. Wollte mich und die Erinnerungen, die ich ihr schenkte, bewahren. Auf immer. Selbst dann noch, als das Glück, das sie dereinst empfand, im Herbststurm entschwand. Als mein Anblick sie gleich Dornenstichen ins Herz traf.

Doch sie behielt mich bei sich. Stellte mich an einen Ort, an dem sie mich nicht mehr so oft zu Gesicht bekam. An dem ich sie nicht immerzu daran erinnerte, was gewesen war: an die Küsse, die gehauchten Worte, die Wärme und Geborgenheit. An all das, was sie verloren hatte.

Sie hat ihren Frieden gemacht. Mit sich. Mit mir.

Hat losgelassen.

Ihr Herz geöffnet. Geöffnet für die Liebe und den bittersüßen Schmerz, den sie mit sich bringt.

Und ich? Ich bin noch immer bei ihr. Eine stumme Erinnerung an damals.

An eine Liebe, die verging.

An eine Liebe, von der nur mehr Staub und Spinnweben blieben.


Der Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Thema heute: Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag. Berichte davon.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meinem letzten Beitrag zur Aktion ging es um meinen Vorsatz für 2020 – mir mehr Zeit für das zu nehmen, das mich glücklich macht.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.

Mini Buchtraum Award

[Der folgende Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Liebe Weltenbummler,
vor einigen Tagen hat mich die liebe Suse von Suses Buchtraum zum Mini Buchtraum Award nominiert.  Was? Ihr habt noch gar nicht von diesem Award gehört? Das muss wohl daran liegen, dass Suse ihn eben erst ins Leben gerufen hat. Zu den ersten Bloggern zu gehören, die sich ihren Fragen stellen, ist mir eine Ehre und Freude. Danke, dass du an mich gedacht hast, Suse! :)

Die Regeln

  • Nenne den Schöpfer des Awards und setze einen Link auf den Blog.
  • Platziere das Award Logo oder Bild in Deinen Post.
  • Danke der Person, die Dich nominiert hat und verlinke ihren Blog in Deinem Post.
  • Beantworte die Fragen.
  • Nominiere selbst 5-10 Blogger.
  • Vor allem, hab Spaß daran mitzumachen

Dann mal nichts wie her mit den Fragen. :)


1. Hast du schon mal von einem deiner gelesenen Bücher oder von einem Autor/einer Autorin geträumt? Beschreibe, wie der Traum war.

Ach du meine Güte, wo soll ich da bloß anfangen?! *lach* dass ich von Büchern träume, passiert mir regelmäßig. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass mich eine Geschichte in ihren Bann gezogen und der Autor/die Autorin etwas verdammt richtig gemacht hat, wenn seine/ihre fiktiven Charaktere so authentisch gezeichnet sind, dass sie in meinen Träumen tatsächlich zum Leben erwachen.

Erzählen möchte ich euch aber von einem anderen Traum. Ich hatte einen Schreibworkshop gewonnen, den Wolfgang Hohlbein geleitet hat. (Fragt mich bitte nicht, warum ausgerechnet er. Wenn es hochkommt, habe ich drei seiner Romane gelesen – und mein Lieblingsautor ist er auch nicht. ^^) Jedenfalls wollte er Nachwuchsautoren mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die anderen Gewinner und ich sollten deshalb unsere Romanidee pitchen und ihm eine Leseprobe geben. Und wisst ihr, was dann passiert ist? Wolfgang Hohlbein hat mir einfach meine Romanidee geklaut! Als ob er selbst nicht tausend davon hätte – und vor allem tausend um Welten bessere. Das war schon seltsam.

 

2. Welches ist dein Traum-Buch-Cover?

Unsagbar cool und episch finde ich das Cover zu das Lied des Blutes von Anthony Ryan. Es ist ein bisschen martialisch, strahlt aber auch etwas Edles und Starkes aus. Seine Reihe, die bei Klett-Cotta erschienen ist, steht schon ewig auf meiner Wunschliste.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich nahezu jedes Cover, das Alexander Kopainski entwirft (u. a. Mondprinzessin) zum dahinschmelzen schön finde.

 

3. Wenn du dein eigenes Traumbuch schreiben könntest, um was würde es in dem Buch gehen?

Ganz klar: Mein Traumbuch ist ein historischer Roman in einem mittelalterlichen Setting. Er spielt zur Wikingerzeit mit ihren prächtigen Schiffen und enthält Elemente aus der nordischen Mythologie. Darin geht es um Abenteuer, Freiheit, Liebe, Freundschaft und Hass, das ganze gewürzt mit einer Prise Wahnsinn und der ein oder anderen Víking.

Das beste daran: Diesen Roman habe ich tatsächlich geschrieben. Und schon im Herbst wird er im Burgenwelt Verlag erscheinen. :)

 

4. Welches Buch war dein schlimmster Albtraum?

Puh, Bücher, mit denen ich nichts anfangen konnte, habe ich einige gelesen. Am schlimmsten war wohl tatsächlich die Biss-Reihe. Jugendbücher lese ich tendenziell eher weniger und mit Liebesgeschichten kann ich meist auch nichts anfangen. Von Biss mochte ich eigentlich nur den ersten Band, der Rest war, na ja … nicht so meins.

 

5. Top oder Flopp: Das Buch, das du gerade liest, ist bis jetzt Top oder Flopp?

Momentan lese ich zwei Romane parallel. Der erste ist Die Gabel, die Hexe und der Wurm von Christopher Paolini. Als waschechter Eragon-Fan genieße ich es in vollen Zügen, wieder in die Welt der Buchreihe eintauchen zu können. Allerdings gibt es auch einige Dinge, die mir sauer aufstoßen. Bislang bin ich noch unschlüssig.

Beim anderen handelt es sich um Die weiße Königin, den zweiten Teil der Chroniken von Azuhr von Bernhard Hennen. Hennen ist mein absoluter Lieblingsautor, deshalb musste ich mir den Roman sofort nach der Veröffentlichung kaufen. Über die ersten 150 Seiten bin ich seit Herbst allerdings noch nicht hinaus gekommen, weil ich meine Zeit eher in meine eigenen Geschichten und ins Lernen investiert habe. In den Semesterferien will ich das Buch unbedingt lesen, denn bis jetzt ist es definitiv top.


So, jetzt bleibt mir nur noch übrig, einige Blogger für den Mini Buchtraum Award zu nominieren. Falls jemand schon war oder sich jemand vergessen fühlt: Verzeihung!

Die Nominierten

Sarah von Sarah’s Book Blog xo
Erik von Zwischen Buchdeckeln
Ida von Ida’s Bookshelf
Jasper von Jaspers Buchblog
Melanie Carafa
Elizzy von Read Books and Fall in Love
Janika von Zeilenwanderer

Ich hoffe, ihr habt genau so große Freude daran, Suses Fragen zu beantworten, wie ich. :)

Genug aus dem Tintenfässchen geplaudert – oder etwa nicht? Wenn ihr noch mehr über mich erfahren möchtet, dann stöbert ruhig durch meine Antworten zu den anderen beiden Bloggerawards, zu denen ich bis jetzt nominiert wurde:

Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – Tand

Willkommen zur nächsten Ausgabe des #Writing Friday daher. Heute habe ich dir einen Text zu folgender Aufgabe mitgebracht: Du findest auf der Straße ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht. Plötzlich fängt es an, mit dir zu sprechen …

Als ich mich an den Laptop gesetzt habe, ist der Text einfach aus mir herausgeflossen. Das Schreiben war seit langem mal wieder … irgendwie meditativ und hat mich alles um mich herum vergessen lassen. Dabei ist das Gespräch mit dem Buch auch etwas kurz geraten – es sei mir bitte verziehen. :)

Wegen der DSGVO musste ich ja leider mein Kommentarfeld schließen. Falls dir mein Text gefallen hat, würde ich mich trotzdem über eine kurze Nachricht via Mail freuen :)


Tand

Gedankenversunken schlenderte Evelyn durch den Stadtpark, ließ die kleine Gruppe ihrer Kommilitoninnen, die es sich in der Abenddämmerung auf einer Decke gemütlich gemacht hatte, hinter sich. Der weiße Kies auf den verschlungen angelegten Wegen knirschte leise unter ihren Schritten, verschmolz mit dem Säuseln des Windes in den Baumkronen zu einem angenehmen Hintergrundgeräusch. Sie hatte es nicht eilig, nach Hause zu kommen. In ihrer Einzimmerwohnung erwarteten sie bloß Stille – und ihre Bücher, die sich dicht an dicht in dem großen Regal drängten, das ihr Vater selbst zusammengezimmert hatte, als Evelyn mit Beginn des Studiums hierhergezogen war.
Normalerweise machte ihr die Stille nichts aus. Ihre Bücher genügten ihr. Waren ihr genug. Ihre engsten, vertrautesten Freunde. Nahmen sie so an, wie sie war – und verwandelten sie in das, was sie gern wäre – zumindest für eine Weile. Aber gerade jetzt, wo sich alle nach den Seminaren verabredeten, um am See oder im Park zu chillen oder zu grillen, kam ihr die Stille daheim umso bedrückender vor. Einsamer. Deshalb blieb sie länger in der Uni. Sie liebte die Ruhe in der Bibliothek. Zwischen den hohen Regalen neben anderen Studenten zu sitzen, war genau die richtige Dosis an sozialen Kontakten, die sie brauchte. Sie arbeiteten nebeneinander, aber an einander vorbei. Anonym. Nach wenigen Augenblicken wieder vergessen. Niemand sprach sie an. Kein lästiger Smalltalk. Niemand, der sich eh nicht dafür interessierte, was sie tat, dachte, sagte. Der nur aus Höflichkeit …

Evelyn überstolperte einen Schritt. Auf ihrer Lieblingsparkbank, von der die weiße Farbe in Flocken abblätterte, stand ein Karton im Schatten der alten Kastanie. Groß und an den Rändern gewellt, aber ohne Deckel, störte er den vertraut-gewohnten Anblick. Zum Mitnehmen, erklärte ein Zettel, der daran befestigt war.
Neugierig trat Evelyn näher. Ein ausgefranster Schal. Ein Porzellangeiger, die Wangen gerötet, das barocke Gewand aufgerüscht. Ein empörter Ausdruck auf seinem blassen Gesicht, als er den abgebrochenen Geigenbogen betrachtete.
Noch mehr Tand. Tand, der früher mal jemandem gehört hatte. Der früher mal jemandem etwas bedeutet hatte. Der Erinnerungen mit sich brachte – und eine Geschichte, die Evelyn niemals erfahren würde. Sie war schon an der Bank vorbei, als sie noch einmal umkehrte. Behutsam nahm sie den Geiger zur Hand, drehte ihn hin und her. Er war noch immer hübsch, befand sie. Vielleicht etwas kitschig, aber …

Da entdeckte sie ein Buch. Der Einband abgegriffenes Leinen, die Seiten zerknittert und vergilbt. Sie bettete den Geiger auf den Schal und barg ihren Fund. Das Papier schmiegte sich zart an ihre Finger, als sie das Buch aufschlug. Die Buchstaben verwischten zu einem druckergeschwärzten Strom, als sie durchblätterte, doch der etwa ab der Mitte des Buches abbrach. Leere Seiten. Bis sie auf eine Notiz in einer geraden, engen Schrift stieß:
Deine Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie das Buch an ihre Brust drückte und mit pochendem Herzen auf ihre Kommilitoninnen zuhielt.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday findet ihr* hier *. Darin verrate ich euch etwas über die Erfindung des Teefons, das ihr garantiert noch nicht wusstet.

Von der Magie der Worte – Ein Beitrag zum Vorlesetag

[unbezahlte Werbung]

Liebe Lesemäuse,
mein heutiger Beitrag dreht sich – wie könnte es am Vorlesetag* auch anders sein – um das Vorlesen, durch das viele von uns zum ersten Mal mit den schier unendlichen Welten aus Tinte und Papier in Berührung kamen.

Daher möchte ich mich zuallererst bei meiner liebsten Vorleserin bedanken: meiner Mama. Egal ob Märchen, Pixi-Bücher oder Harry Potter (zu Grundschulzeiten, als ich selbst noch nicht gut genug lesen konnte, um mich allein an ein dickes Buch zu wagen) – ohne meine Mama und die Zeit, die sie sich zum Vorlesen genommen hat, wäre aus mir wohl nie die Buchliebhaberin geworden, die ich heute bin. Ich hätte nie so viele Erfahrungen durch fremde Augen gemacht, so wundervolle Orte bereist und mich in den Klang unserer Sprache verliebt. Aus mir wäre eine andere – vielleicht sogar gar keine – Autorin geworden.

Doch im Vorlesen steckt noch so viel mehr als nur der Grundstein für eine Buchliebe, von der man sein Leben lang nicht mehr loskommt. Obwohl ich damals so jung war, gibt es immer noch bestimmte Vorlesemomente, an die ich mich erinnern kann. Da ist zum Beispiel mein liebstes Pixi-Buch, das ich so oft gehört habe, bis ich den Text auswendig kannte, genau wusste, wann man umblättern musste – und es meinem Papa „vorgelesen“ habe.  Da sind die gemütlichen Abende, wenn ich mich unter meine Decke gekuschelt habe und Mama mich im dämmrigen Licht der Schreibtischlampe in andere Welten entführt hat.

Buchliebe (Quelle: Pixabay)

Heute entführe ich mich selbst in diese und andere Welten – ein bisschen schade eigentlich. Ich mag es aber immer noch, vorgelesen zu bekommen. Zwar bin ich kein Typ für Hörbücher, aber dafür ein Fan von Autorenlesungen. Zu meinen bisherigen Lesungshighlights zählen die aus Bernhard Hennens zweitem Drachenelfen-Roman auf der Frankfurter Buchmesse 2013 sowie die beiden Lesungen, die ich in diesem Jahr auf der Phantastika besucht habe. (Tom Daut liest einfach so genial! Ich glaube, er könnte sogar das Telefonbuch spannend und unterhaltsam gestalten. * lach *)

Ich bin froh, dass es einen Tag wie den Vorlesetag gibt, der uns daran erinnert, wie schön Vorlesen ist und der auch dazu anregen möchte, selbst mehr zu lesen. Also, ganz egal ob man (den eigenen oder fremden) Kindern vorliest, seinen Großeltern, anderen oder wem auch immer: Man verbringt Zeit zusammen und schafft besondere Erinnerungen.

Eure Anna :)

Nun bin ich auf eure Erfahrungen gespannt: Gibt es besondere Vorlesemomente, an die ihr immer wieder gern zurückdenkt?


*Der bundesweite Vorlesetag wurde bereits 2004 von der Stiftung Lesen ins Leben gerufen und findet immer am dritten Freitag im November statt. Mehr Informationen gibt es * hier *.