Tintenfässchen | Vom Gefühl, den ersten Roman zu veröffentlichen

 

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Meine lieben Weltenbummler,
es wird Zeit für ein neues Tintenfässchen. Beim letzten Mal habe ich euch gestanden, dass ich Erzählungen aus Worten webe, weil ich nicht anders kann. Habe euch von diesem unbändigen Drang, Geschichten zu erzählen, berichtet und von meiner Liebe zum Schreiben.

Heute möchte ich einen besonderen Augenblick, vielmehr noch ein besonderes Gefühl meines Autorenlebens mit euch teilen. Denn heute ist der Tag, an dem der Traum, den ich seit nunmehr 10 Jahren träume, in Erfüllung geht: Mein erster Roman erscheint. Damit darf ich mich nun ganz offiziell veröffentlichte Romanautorin nennen.

Was sich dadurch ändert?
Gar nichts.
Aber vom Gefühl her eine ganze Menge.

Wellensang begleitet mich schon eine ganze Weile. Es war auf den Tag genau am 1. November 2015, dass ich das erste Wort von Turids Geschichte niederschrieb (meine Verlegerin hätte sich also kein besseres Erscheinungsdatum aussuchen können, wenn es nach mir geht.) Für die Rohfassung habe ich fast ein Jahr gebraucht.

Und dann kamen die Zweifel.

Ich hatte nie zuvor einen historischen Roman geschrieben – nur Kurzgeschichten. Von denen hatte ich auch die ein oder andere in Anthologien des Burgenwelt Verlags veröffentlichen dürfen. Auch die Meereswolf – die Geschichte, aus der sich nach einem sachten Stupser in die richtige Richtung durch Jana Hoffhenke mein Debütroman entspinnen sollte.

Da saß ich also mit einem rohen Manuskript und hatte keinen blassen Schimmer davon, wie man so einen Roman überhaupt überarbeitet. Wusste auch nicht, ob die Idee gut genug war, um sie überhaupt einem Verlag vorzustellen.

Die Zweifel haben mich gelähmt. Fast ein Jahr lang habe ich kaum an Projekten gearbeitet, die Überarbeitung immer weiter vor mir hergeschoben. Maximal Kurzgeschichten geschrieben – und einige in Anthologien unterbringen können.

Irgendwann hat es klick gemacht.

Ich wusste, dass ich nichts zu verlieren habe – nur eine Chance, die ich ungenutzt verstreichen lassen würde. 2018 begann ich also, Wellensang gründlich zu überarbeiten – mit der unermüdlichen Hilfe meines Betalesers. Nahm mir Zeit, meine Verlagsbewerbung vorzubereiten. Brachte die Zweifel zum Verstummen – und fasste den Mut, mein Projekt dem Burgenwelt Verlag vorzustellen.

Gefühlsachterbahn

Der Weg zur Veröffentlichung war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich bewundere jede Autorin und jeden Autor, die das Wagnis eingeht, ihre/seine Figuren auf die Reise in die weite Buchwelt zu entsenden. Genau so kann ich jede oder jeden verstehen, der diesen Schritt (noch) nicht gehen möchte.

Veröffentlichen heißt, die Fäden aus der Hand zu geben. Mit einem mal ist man nicht mehr allein dafür verantwortlich, was mit der Geschichte, in der so viel Herzblut steckt, geschieht.
Da sind Verlegeri*innen.
Da sind Lektor*innen.
Da sind Coverdesigner*innen.
Auch wenn man den Weg übers Selfpublishing geht, arbeitet man mit anderen zusammen.

Ich kann von Glück sagen, dass ich in Jana Hoffhenke eine engagierte Verlegerin, in Juliane Stadler eine unglaubliche Lektorin und in Detlef Klewer einen talentierten Designer an meiner Seite wusste, bei denen mein Wellensang in guten Händen war.

Jetzt heißt es loslassen. Ich bin gespannt darauf, wie meine Nordmänner bei euch ankommen werden. Aber gleichzeitig habe ich auch ein bisschen Angst vor euren Reaktionen. Davor, dass der Roman in der Luft zerrissen wird – oder gar keine Aufmerksamkeit bekommt.

Wisst ihr was? Was auch immer geschehen wird: Ich lasse es auf mich zukommen.

Denn eines kann mir niemand mehr nehmen: dieses unbeschreibliche Gefühl, als ich vor einer Weile meine Printexemplare in Empfang nehmen durfte. Der Moment, in dem ich den Karton öffnete und ein Taschenbuch herausnahm. Den Einband unter meinen Fingern spürte. Den Geruch frisch gedruckter Bücher atmete. Meinen Namen auf dem Cover las – und die unglaublich hübschen kleinen Raben auf dem Buchrücken entdeckte. Ich war in diesem Augenblick so unsagbar stolz und glücklich, aber auch aufgeregt und ein bisschen wehmütig. (Und ja: Es sind auch Freudentränen geflossen.)

All die Zeit und Arbeit und Leidenschaft, die in Turids Geschichte stecken, sind nun zwischen Buchdeckel gebannt. Meine Reise als Autorin ist – zumindest was diese Erzählung anbelangt – vorbei.

Wenn ich jetzt in mein Buchregal blicke und meinen Roman dort stehen sehe (und er macht sich dort wirklich ausgesprochen gut!), kann ich es immer noch nicht so richtig glauben.

Wir lesen uns,
Eure Anna


Das Tintenfässchen ist die Beitragsreihe rund ums Schreiben. Hier findet ihr nicht nur Handwerkszeug und Tipps, sondern erhaltet auch einen Einblick in mein persönliches Tintenfässchen. Alle Beiträge sind als Anregungen gedacht. Vielleicht könnt ihr aus ihnen ja auch etwas für euren eigenen Schreibprozess und eure Geschichten mitnehmen. :)

Im letzten Beitrag dieser Reihe ging es um die Frage: Kann ein Roman ohne Liebe funktionieren?

[Projekt] Darf ich vostellen? Projekt „Herbstie“ | herbstlich-verwunschene Fantasy

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Hallo Weltenbummler!
Bald ist wieder November – und damit bricht die Zeit des Jahres an, in der Autor*innen wie verrückt in die Tasten hauen, um einen Roman von 50k Wörtern innerhalb von 30 Tagen zu Papier zu bringen. Was die Faszination NaNoWriMo für mich ausmacht, erkläre ich euch im Tintenfässchen.

Obwohl ich Sturmsang, mein NaNoProjekt aus dem vergangenen Jahr, noch nicht beendet habe (die Rohfassung ist so gut wie fertig und hat deutlich mehr Wörter als die angepeilten 60.000), wage ich mich mit einer neuen Romanidee an meinen mittlerweile dritten NaNo. Na gut, ganz neu ist die Idee nicht. Vielmehr gebe ich meinem Projekt aus dem NaNo 2016 eine zweite Chance: Meinem „Herbstie“ – und kehre damit auch zu meinen literarischen Wurzeln, der Fantasy, zurück.

Das Projekt im Überblick:

Arbeitstitel: Herbstie
Genre: märchenhafte Fantasy mit einer Prise Romantik
Setting: ein herbstlich-verwunschener Wald
Geschätzter Umfang: 70.000 Wörter
Perspektive: Personaler Erzähler, 2 Persepektivträger

Darum geht es:

Ein Königreich gefangen in Trauer.
Ein verschollener Prinz, der zur Legende wurde.
Die einzige Hoffnung: Ein Mädchen mit einer besonderen Gabe.

Ja, ich weiß. Sonderlich viel verrate ich nicht grade über den Inhalt. Aber Geschichtenerzähler geben sich gern geheimniskrämerisch – da bilde ich keine Ausnahme. Vor allem dann nicht, wenn es um Romanprojekte geht. ^^

Eines kann ich euch aber verraten: 2016 war der Plot noch nicht ausgereift genug. Ich habe viel Zeit in die Ausarbeitung der Geschichte und des Settings gesteckt, die Figuren noch besser kennen gelernt. Durch die intensive Arbeit an Wellensang im Laufe des Jahres habe ich das Gefühl, mich als Autorin enorm weiterentwickelt zu haben. Das sind gute Voraussetzungen für meinen Herbstie und mich, es im November besser zu machen als damals. :)

Ich freue mich jetzt schon darauf, Ava und Owen wieder zu begegnen, ihnen auf neue Pfade zu folgen und wieder in die verwunschene, herbstliche Atmosphäre des Romans einzutauchen.

Wenn ihr wissen möchtet, wie es mir im NaNo ergeht, ob ich gut vorankomme oder schon am Rande der Verzweiflung tanze, schaut gern mal auf meinem Instagram-Account (@welt_aus_tinte_und_papier) vorbei. Dort werde ich euch regelmäßig auf dem Laufenden halten – und vielleicht sogar ein paar Schnipsel aus dem Manuskript mitbringen.

Nehmt ihr eigentlich auch am NaNo teil? Falls ja wünsche ich euch tolle kreative Momente und ganz viel Spaß mit euren Projekten!

Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – All Hallows Eve | Halloween Special

 

Hallo Weltenbummler,
In den letzten Wochen habe ich euch hier auf dem Blog in die Welt von Wellensang entführt, meines historischen Romans, der Anfang November im Burgenwelt Verlag erscheinen wird. Heute wird es zur Abwechslung wieder mal Zeit für den Writing Friday!

Der Oktober ist für mich traditionell der Monat, in dem es schaurig zugeht. Deshalb steht auch der heutige Writing Friday ganz im Zeichen des Schaurigen. Wer Lust auf noch mehr Gänsehaut hat, dem empfehle ich die Kurzgeschichte In den Nebeln versunken. Zartbesaiteten lege ich ein Märchen über einen kleinen Kürbis ans Herz, das letztes Jahr vor Halloween entstanden ist: Nicht besonders.

Nun wünsche ich euch aber erst mal viel Spaß mit All Hallows Eve!


All Hallows Eve

Der flackernde Lichtkegel der Laterne, die Fletscher ausgestreckt vor sich hielt, entriss der Dunkelheit kaum mehr als wenige Schritt des Bodens rund um seine abgewetzten Stiefel. Er überzog das gusseiserne Tor mit dem Glanz flüssigen Goldes.
Fletschers gichtkranke Finger schlossen sich mit einer Kraft, die er längst verloren zu haben glaubte, um eine der Streben. So fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Leicht, kaum stärker als ein Windhauch, der durchs Laub streicht, drückte er dagegen. Leise quietschend schwang einer der Torflügel auf, als habe er nur auf Fletschers Berührung gewartet. Sie herbeigesehnt, war er doch der einzige, der dem Tor und dem, was hinter ihm lag, Aufmerksamkeit schenkte.
Nur in einer einzigen Nacht.

All Hallows Eve.

Seufzend zog Fletscher den Hut tiefer in die Stirn, hob die Laterne höher und tat einen Schritt nach vorn. Dunkle Schemen hoben sich tiefschwarz vor dem dämmerblauen Horizont ab, ragten aus dem Erdreich empor gleich abgebrochenen Zähnen. In seiner Jugend hatte er sich ausgemalt, es wären die Zähne eines Ungeheuers, das vor Äonen zu Stein erstarrte und nun in den Eingeweiden der Erde vergraben auf seine Erweckung warte.
Heute, im Winter seines Lebens, wusste er es besser. Wusste, dass es keine Ungeheuer gab. Dass die Schatten, die im Mondlicht tanzten, nichts weiter waren als Schatten.
Nur in einer einzigen Nacht nicht.

All Hallows Eve.

Gebeugt unter der Last der Jahre und der Verantwortung, die auf seinen Schultern lastete, schlurfte er weiter. Folgte dem ausgetretenen, schmalen Pfad vorbei an Grabsteinen und Kreuzen. Vorbei an Inschriften und Jahreszahlen, Stein gewordenen Erinnerungen, die älter waren als er Jahre zählte. Dennoch waren sie im Laufe der Zeit auch zu seinen Erinnerungen geworden. Erinnerungen, die ihm in dieser Nacht Gesellschaft leisteten – bis er seine Pflicht erfüllt hätte.
Mondlicht marmorierte die Wolkendecke, zeichnete ihre Konturen rötlich fahl nach. Der Wind frischte auf, trieb die Wolken weiter, bis sie den Blick auf den Mond freigaben, der rund und voll und wie von frischem Blut überzogen am Himmel stand. Beinahe schien es, als throne er in der Krone der Trauerweide, die ihre langen Zweige sacht im Wind wiegte.

Blutmond an All Hallows Eve.

Fletscher trat näher. Efeu rankte sich um den Stamm, so fest, als wolle er den Baum erdrosseln. Er legte eine Hand an die raue Rinde. Begrüßte die Weide wie einen alten Freund. Denn das waren sie in all den Jahren, in denen er hierherkam, geworden: Freunde. Der Schrei eines Kauzes löste sich aus der Stille der Nacht.
Ein Lächeln umspielte Fletschers pergamentdünne Lippen. Behutsam stellte er die Laterne auf einen flachen Stein. Schloss die Blende grade so weit, dass noch ein schmaler Streifen Licht hindurch sickerte, der sich in die Dunkelheit und auf den Pfad ergoss, auf dem er hergekommen war.
Dann setzte er sich selbst zu Füßen der Weide, lehnte sich an sie. Sie würden kommen. Das taten sie immer. Seit tausenden von Jahren. Und auch in tausenden von Jahren würden sie kommen. Doch dann, so dachte Fletscher nicht ohne einen Anflug von Wehmut, bin ich längst nicht mehr hier.
Dann gäbe es jemand anderen, der hierher auf den Friedhof käme. Hierher käme und wartete, bis sie kämen. Der über sie wachte, sie sicher wieder auf die andere Seite geleitete, hätten sich die Tor erst geöffnet.
In einer Nacht wie dieser.
An All Hallows Eve.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Thema heute: Schreibe eine Geschichte und verwende folgende Begriffe: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meinem letzten Beitrag zum Writing Friday ging es um weise Worte: Das Motto meines Autorenlebens.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des #Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.

Sunshine Blogger Award #2

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Hallo Weltenbummler,
vor ein paar Tagen hat die wundervolle Ida von Ida’s Bookshelf mir ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Sie hat für etwas Sonnenschein in meinem tristen Alltag gesorgt. Wie ihr das gelungen ist? Indem sie mich für den Sunshine Blogger Award nominiert hat – und das schon zum zweiten Mal. Vielen Dank, dass du an mich gedacht hast, Ida, obwohl ich das Bloggen in letzter Zeit so sträflich vernachlässigt habe! Da nehme ich mir doch gerne Zeit, deine wundervoll-kreative Fragen zu beantworten. :)

Der Sunshine Blogger Award ist übrigens für all diejenigen Bloger*innen, die mit ihren kreativen, inspirierenden und positiven Beiträgen für ein bisschen mehr Sonnenschein in unserem tristen, grauen Alltag sorgen – so wie Ida.

Die Regeln des Awards auf einen Blick:

  • Danke dem Blogger, der dich getagged hat und markiere ihn mit seinem Link
  • Beantworte die 11 Fragen, die der Blogger dir gestellt hat
  • Nominiere 11 neue Blogger für den Award und stelle 11 Fragen
  • Liste die Regeln auf und verwende das Logo / Beitragsbild des Sunshine Blogger Awards in deinem Beitrag.

Viel Spaß mit meinen Antworten auf Idas Fragen. :)


1. Was muss eine Geschichte haben, damit sie dich von sich überzeugen kann?

Ganz klar: Atmosphäre! Ich liebe Romane, die mich mit ihrer Sprache in den Bann ziehen. Wenn sie verschnörkelt und poetisch ist, Figuren und Welten mit feinen Pinselstrichen zeichnet und ihnen Leben einhaucht. Solange es einer Geschichte gelingt, mich in diesen besonderen Zauber einzuweben, sehe ich auch gern mal über die ein oder andere Schwäche im Plot hinweg. Autorinnen und Autoren, denen es wirklich meisterlich gelingt, sind für mich Bernhard Hennen (Die Elfen), Fabienne Siegmund (Die Blätter des Herbstbringers), Elea Brandt (Unter einem Banner) oder auch Jay Kristoff (Nevernight). Auch bei meinen eigenen Erzählungen bemühe ich mich darum, diesen Zauber zu erschaffen. Ob es mir gelingt, müssen allerdings andere beurteilen.


2. Verschnörkelt, golden glänzend, schön schlicht oder knallig bunt: Welche Art von Cover spricht dich am meisten an?

Ich mag schlichte Cover, denen es gelingt, die Stimmung des Buches zu transportieren. Am liebsten in einer Farbgruppe gehalten, gern auch ein bisschen verspielt und edel. Eines meiner absoluten Lieblingscover ist z.B. das zur Staubchronik von Lin Rina (Drachenmond Verlag), das Marie Graßhoff designt hat.

Bildrechte liegen beim Drachenmond Verlag

 


3. Es gibt so viele wunderbare Genres in der Bücherwelt. Welches Genre findet sich kaum in deinem Regal, würdest du aber gerne mal ausprobieren?

In meinem Bücherregal dominieren eindeutig die (High) Fantasy-Titel und historische Romane. Da ich offen für Vieles bin und es liebe, neue Autoren und Genres zu entdecken, findet sich eine bunte Genre-Mischung in meinem Regal. Nicht so häufig vertreten sind allerdings Thriller, Erotik, reine Liebesromane ohne Fantasyanteil, queere Literatur (davon könnte ich ruhig mehr lesen) und Young Adult-Romane.


4. Stell dir vor, du wärst ein Gestaltwandler. In wen oder was würdest du dich am liebsten verwandeln?

Puh, die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Vermutlich würde ich mich in einen Vogel verwandeln. Vielleicht in einen majestätischen Bussard oder – doch eher eine Nummer kleiner und knuffiger – in einen Zaunkönig. Dann würde ich den halben Tag lang durch die Lüfte fliegen. Den Wind in meinem Gefieder spüren. Die Freiheit unter meinen Flügeln – und die Welt von oben betrachten.


5. Gibt es einen Autor/ eine Autorin, die du in diesem Jahr für dich entdeckt hast?

In diesem Jahr habe ich bis jetzt erschreckend wenig gelesen, weil ich viel Zeit in die im Herbst anstehende Veröffentlichung meines Debütromans und meine eigenen Schreibprojekte investiere. Eine wirkliche Entdeckung ist für mich allerdings die Selfpublisherin Alex M. Schwarze. Über ihren Roman sind wir online ins Gespräch gekommen und tauschen uns seitdem rege über das Schreiben und alles mögliche andere aus. Eine wirkliche Bereicherung! Den Auftaktband ihrer Cróthpall-Trilogie werde ich euch auf jeden Fall noch vorstellen. :)

Bildrechte liegen bei Alex M. Schwarze


6. Hand auf’s Herz: Welche Marotten von Buchprotagonisten kannst du gar nicht leiden?

Ich hasse es, wenn Protagonisten schwer von Begriff sind. Wenn es schon zu Beginn der Geschichte einen total offensichtlichen Hinweis darauf gibt, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird oder wer der Antagonist ist, die Hauptfigur aber die einzige ist, die das nicht versteht, könnte ich … mich dezent aufregen. ^^ Genau so geht es mir bei Protagonisten, die ununterbrochen über ein und dieselbe Sache jammern (z.B. Bella in Bis(s) zur Mittagsstunde). Oder – und das ist noch schlimmer, weil es mir immer passiert – wenn sich eine Figur, die in einem Liebesdreieck steckt, nicht für die Person entscheidet, die ich favorisiere.


7. Liest du lieber Mehrteiler oder alleinstehende Bücher?

Da ich überwiegend Fantasy lese, sind die meisten Bücher, die ich besitze, Teil einer Reihe. Momentan bereitet es mir wirklich Probleme, bei den aktuellen Reihen, die in diesem Herbst abgeschlossen werden, den Anschluss nicht zu verlieren (z.B. Nevernight, Die Chroniken von Azuhr). Bei in sich abgeschlossenen Büchern kann das zwar nicht passieren. Schön finde ich, wenn der Autor oder die Autorin sich die Möglichkeit offen lässt, einen Einzelroman doch noch fortzusetzen. So halte ich es momentan auch bei meinen eigenen Romanprojekten.


8. Erzähl uns von einer Protagonistin/ einem Protagonisten, den du liebend gern als besten Freund hättest!

Ganz klar: Hermine Granger! Ich meine, sie ist klug, strebsam, selbstbewusst und eine loyale Freundin. Da ich sowieso den halben Tag über mit meiner Nase in irgendwelchen (Lehr)Büchern stecke, könnten wir auch eine Lerngruppe bilden. Aber auch abseits des Büffelns hätten wir sicher eine Menge Spaß zusammen. (Mit Hermine befreundet zu sein, würde übrigens sicher auch die Chancen erhöhen, Harry und Ron kennen zu lernen.)


9. Der Sommer neigt sich dem Ende zu: Welches war das beste Buch, das du diesen Sommer gelesen hast?

Meine traurige Sommerlesebilanz verzeichnet (sieht man mal von den Sachbüchern ab, die ich für meine Hausarbeiten lesen musste) sage und schreibe ein (!) Buch, das ich gelesen habe: Die Anthologie Virtuelle Welten, die im Mystic Verlag  erschienen ist. Die Sience Fiction Geschichten, die Christoph Grimm zusammengestellt hat, könnten unterschiedlicher nicht sein. Wie es bei solchen Sammlungen immer ist, hat nicht jede Erzählung meinen Geschmack zu einhundert Prozent getroffen. Aber ich habe einige tolle Autoren für mich entdecken können – und werde die Anthologie auch noch für euch rezensieren.


10. Nach Büchern stöbern – machst du das lieber vor Ort in einer Buchhandlung, oder online bei verschiedenen Verlagen, bei anderen Bloggern, oder ähnlichem?

Beides. Es gibt Verlage – vor allem Kleinverlage – auf deren Seiten ich mich gezielt über Neuerscheinungen informiere, denn viele von ihnen sind im stationären Buchhandel gar nicht präsent. Grade in der Phantastik gibt es eine sehr lebendige, bunte Kleinverlagsszene, die alle möglichen Nischen bedient und mit wirklich tollen Titel aufwarten kann. Ich denke hier vor allem an den Verlag Torsten Low oder den Verlag ohneohren (u.a. Sand & Wind, Tante Hetty, Die Blätter des Herbstbringers).

Klar beeinflussen mich auch die Buchblogs und Bookstagrammer, denen ich folge. Bei der Vielzahl an Büchern, die jedes Jahr neu erscheinen, ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Blogger liefern mir da oft eine gute Orientierung, bei welchem Titel sich ein zweiter Blick lohnen könnte. Aber trotzdem geht doch nichts über das gemütliche Stöbern in einer Buchhandlung. :)


11. Wenn du für eine kurze Zeit ins Leben einer bestimmten Buchfigur schlüpfen könntest, welche wäre das und warum?

Ist es unkreativ, wenn ich jetzt wieder Hermine nenne? Harry Potter ist eine Reihe, die mich seit meiner Kindheit begleitet hat. Ich habe das Gefühl, jeden Winkel von Hogwarts in- und auswendig zu kennen. Damals habe ich gemeinsam mit meinen Freundinnen jedem neuen Band entgegengefiebert – und bei uns im Garten haben wir einige der Abenteuer von Harry, Ron und Hermine nachgespielt.

Ich würde wirklich gern in Hermines Leben schlüpfen, die Welt und die anderen Charaktere, die sich für mich so vertraut anfühlen, durch ihre Augen betrachten und mit ihnen interagieren. Das wäre wirklich … magisch.


Was ich von euch wissen möchte:

1. Auf welche Neuerscheinung im Bücherherbst 2019 freust du dich am meisten?
2. Schwarze Augen, großer Kopf: In nahezu jedem Bücherregal finden sich momentan Funko Pops. Kannst du den kleinen Figuren oder Buch-Merch im allgemeinen etwas abgewinnen?
3. Eine Tasse Tee oder dein Lieblingsleseplatz: Gibt es etwas, das beim Lesen auf gar keinen Fall fehlen darf?
4. Dein Must-Read: Welches Buch würdest du jedem empfehlen? Warum?
5. Hast du ein Lieblingsbuchzitat? Wenn ja: Wie lautet es?
6. Wessen Buchempfehlungen sind für dich Gold wert?
7. Liest du eher EBooks oder Printbücher?
8. Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage: Bevorzugst du Bücher mit einem Happy End oder kann es für dich gar nicht schlimm genug ausgehen?
9. Greifst du lieber zu Büchern aus Publikumsverlagen oder gibst du auch Kleinverlagsautoren/Selfpublishern eine Chance?
10. Welche Romanfigur ist die unsympathischste, der du je zwischen zwei Buchdeckeln begegnet bist?
11. Welches Buch hast du dir noch nicht gekauft, obwohl es schon seit einer ganzen Weile auf deiner Wunschliste steht?


Ich nominiere …

… jeden, der Zeit und Lust hat, meine Fragen zu beantworten. :)


Ich hoffe, der kleine Einblick in mein Bücherregal und meine Lesegewohnheiten hat euch gefallen. Falls ihr noch ein bisschen weiter stöbern möchtet, schaut gern mal bei meinen Antworten zum letzten Sunshine Blogger Award von Anfang 2018 vorbei. :)

Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – Weise Worte

 

Hallo Weltenbummler,
lang lang ist er her, mein letzter Beitrag zum Writing Friday. Mir hat es ganz schön gefehlt, Teil der Aktion zu sein. Ich hoffe, dass ich jetzt wieder regelmäßiger dazu kommen werde, mich den tollen Schreibthemen von Elizzy zu widmen.

 

… das würde wohl auf einer Postkarte mit Lebensweisheiten stehen, wenn ich eine entwerfen würde. Ganz schön lang, ich weiß. Aber seit ich diesem Zitat von William Faulkner vor Jahren begegnet bin, lässt es mich nicht mehr los.

Ich muss zugeben, dass ich ein ehrgeiziger Mensch bin – in einem gesunden Rahmen. Klar schaue ich nach links und rechts, was andere Autoren oder Blogger schon Bewundernswertes erreicht haben. Dann bin ich beeindruckt – und manchmal auch ein bisschen neidisch.

Doch in solchen Situationen erinnere ich mich an das Zitat von Faulkner. Dann weiß ich: Letzten Endes kommt es gar nicht darauf an, besser zu sein als die anderen. Viel wichtiger ist es, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten das Beste aus mir herausgeholt und mich bemüht habe, über meine Grenzen hinauszugehen. Denn nur so kann ich mich weiterentwickeln.

Wir lesen uns,
Eure Anna


Der #Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Thema heute: Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf. Was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meinem letzten Beitrag zum Writing Friday hat mein Blog das Ruder in die Hand genommen – und sich unter anderem darüber beschwert, dass es hier in letzter Zeit so ruhig ist.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des #Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.

Tintenfässchen | Der unbändige Drang, Geschichten zu erzählen – Eine (persönliche) Liebeserklärung ans Schreiben

 

Meine lieben Weltenbummler,
heute möchte ich euch im Tintenfässchen eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte übers Geschichtenerzählen – und darüber, warum es sich lohnt, an dem, was man liebt, festzuhalten.

Es war einmal Mädchen, das Bücher liebte. Immer und immer wieder verschlang sie ihre Lieblingsgeschichten, tauchte in lieb gewonnene Welten ein und bestand Abenteuer an der Seite von Charakteren, die sie längst alte Freunde nannte. Eines Tages hatte sei eine dieser Geschichten – Eragon, von Christopher Paolini – von Neuem begonnen. Doch dieses selige Gefühl, dass sie sonst beim Lesen empfand, wollte sich nicht mehr einstellen.
Vielmehr erschienen ihr viele Formulierungen ungeschliffen, die Erzählung unbeholfen. Sie wusste, dass ein sehr junger Autor diese Geschichte gewoben hatte. Das kann ich auch!, dachte sie voller Enthusiasmus und verschrieb ihr Herz seit diesem Tage ganz und gar dem Geschichtenerzählen …

So oder ähnlich würde wohl der Beginn des Märchens lauten, das sich darum dreht, wie ich zum Schreiben gefunden habe – oder das Schreiben zu mir. Und dieses Märchen erzähle ich euch nicht ohne Grund: Heute, auf den Tag genau, begleitet mich das Schreiben seit nunmehr 10 Jahren (und mein Blog schon seit zweien!). Ein Jubiläum, das ich zum Anlass nehme für meine ganz persönliche Liebeserklärung an die für mich schönste Beschäftigung auf der Welt: Das Geschichtenerzählen.

The first draft of anything …

is shit! …  wusste schon Ernest Hemingway. Mein 15-jähriges-Ich allerdings nicht.Voller Stolz und Feuereifer habe ich mich an besagtem Tag daran gemacht, einen Roman zu schreiben. Ach, was sage ich einen Roman: Eine Trilogie sollte es sein – was denn sonst? Fantasy – selbstverständlich!

Die ganzen Sommerferien über habe ich mich in die Erzählung verstrickt, die ich spinnen wollte. Habe zum ersten Mal die kostbare Magie gespürt, die beim Schreiben nur selten entsteht. Das Gefühl, eins mit der Geschichte, mit den Figuren zu sein. So sehr, dass man alles um sich herum vergisst. Bis man diesen sonderbaren Zustand erreicht, der irgendwo zwischen Schweben und einem Bewusstsein für das, was man grade tut, anzusiedeln ist. Einen Flow, den man nur schwer in Worte kleiden kann.

So schön das auch klingen mag: Aller Anfang ist schwer. Das gilt fürs Schreiben genau so wie fürs Erlernen eines Instruments oder einer Sportart. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass ich am ersten Tag meines Autorenlebens eine geschlagene Stunde am ersten Satz der Geschichte gefeilt habe. Und wie Hemingway so treffend festgestellt hat: The First draft of anything is shit!

Das einzusehen ist wohl die wichtigste Erkenntnis, die ich über das Geschichtenerzählen gewonnen habe. Ebenso wie die, dass Schreiben ein Handwerk ist, das man nur auf eine Weise zu beherrschen lernt: Schreiben, schreiben, schreiben!

Wie war das noch mit dem Meister und dem Himmel?

Ohne euch spoilern zu wollen: Mein Herzensprojekt habe ich tatsächlich zu Ende geschrieben. Zumindest den ersten Band. Und der war so schlecht, dass ich ihn nochmal neu geschrieben habe: Diesmal mit allen handwerklichen Tricks, die ich bis dahin gelernt hatte. Heute vegetiert die Idee zu besagter Fantasy-Trilogie neben einigen anderen in meiner Ideenschublade vor sich hin. Ich fühle mich noch nicht dazu in der Lage, die Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdient. Vielleicht werde ich das auch niemals.

Aber bis dahin werde ich weiter Schreiben. Werde Geschichten erzählen und an ihnen wachsen. Weiter an mir arbeiten. Denn zu Schreiben ist eine Leidenschaft, die mich seit nunmehr 10 Jahren nicht mehr loslässt. Heute macht es mich stolz, mich daran zu erinnern, wie alles begonnen hat – und zu sehen, wie viel ich seitdem erreicht habe. Damit meine ich nicht nur die Kurzgeschichten, die ich veröffentlichen durfte oder der Release meines Romandebüts, der noch dieses Jahr – ausgerechnet im Jahr meines Schreibjubiläums – ansteht. Sondern auch, dass ich nicht aufgegeben habe.

Schreiben erfüllt mich

Ganz egal, wie störrisch manche Figuren sind oder wie sehr ich um Worte ringen muss, um ein Setting zu beschreiben, das auf dem Papier niemals auch nur annährend an das herankommt, was ich mir vor meinem geistigen Auge vorgestellt habe: Der Drang, Geschichten zu erzählen, ist zu groß, als dass ich ihn für längere Zeit ignorieren kann.

Schreiben ist anstrengend. Auch emotional. Aber ich liebe es, den (seltenen) Flow zu erleben, wie ich ihn oben beschrieben habe. Diese Momente, in denen dich die Geschichte auf eine Art mitreißt, die du nicht erwartet hast.

Um diese Augenblicke zu erleben, schreibe ich.


Und ich schreibe, weil ich Geschichten zu erzählen habe, die niemand sonst erzählen kann. Geschichten, die ich selbst gern lesen würde. Geschichten, die vielleicht sogar andere gern lesen.

Flow, der Wille, an sich zu arbeiten, sich zu verbessern: Alls das sind Dinge, die nicht nur fürs Schreiben gelten, sondern auch für andere Hobbys. Hobbys, die für einige von uns solch eine Bedeutung gewonnen haben, dass man sich nicht vorstellen kann, sie aufzugeben.

Ohne die man sich nicht vollständig fühlen würde.

Ich bin froh, das Schreiben für mich entdeckt zu haben. Dadurch (und durchs Bloggen) sind so viele tolle Menschen in mein Leben getreten, die ich auf andere Weise wohl nie kennengelernt hätte und die mein Leben bereichern.

Zum Schluss möchte ich dich daher dazu ermutigen, an deinen eigenen Träumen festzuhalten. Ganz gleich, was es ist – egal ob Schreiben, ein Instrument spielen, eine Sportart zu betreiben oder Ähnliches: Halte an dem fest, was dich glücklich macht und lass es dir nicht von anderen schlecht reden!

Wir lesen uns,
Eure Anna


Das Tintenfässchen ist die Beitragsreihe rund ums Schreiben. Hier findet ihr nicht nur Handwerkszeug und Tipps, sondern erhaltet auch einen Einblick in mein persönliches Tintenfässchen. Alle Beiträge sind als Anregungen gedacht. Vielleicht könnt ihr aus ihnen ja auch etwas für euren eigenen Schreibprozess und eure Geschichten mitnehmen. :)

Im letzten Beitrag dieser Reihe ging es um die Frage: Kann ein Roman ohne Liebe funktionieren?

[Monatsrückblick] April/ Mai 2019 | Camp NaNo & Coverenthüllung

[Der folgende Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Meine lieben Weltenbummler,
zwei anstrengende und aufregende Monate liegen hinter mir. Deshalb war es hier auch sehr ruhig – beinahe schon gespenstisch still. Darüber hat sich mein Blog auch ausführlich in einem Beschwerdebrief für den Writing Friday beklagt. Zum Glück zeigt er aber auch ein bisschen Verständnis dafür, dass andere Dinge momentan einfach wichtiger sind als das Bloggen – ganz gleich, wie viel Freude ich daran habe.

Camp NaNo-Schreibfieber

Der April stand für mich ganz im Zeichen meines aktuellen historischen Romanprojekts Sturmsang. 10.000 Wörter wollte ich im Camp NaNo, dem kleinen Bruder des NaNoWriMo zu Papier bringen. Stolze 18.000 sind es geworden – eine Zahl, die ich sonst selbst in sehr guten Schreibmonaten nicht erreiche. Das Camp hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Zu sehen, wie der Pfeil auf meiner Zielscheibe immer näher an die Mitte rückte, war eine tolle zusätzliche Motivation. Das erklärt vielleicht auch, warum ich deutlich weniger geschrieben habe, nachdem ich mein Ziel erreicht hatte. ^^

Danach waren meine Schreibreserven erst mal aufgebraucht. Zumindest gab es da eine Kurzgeschichte für eine Ausschreibung (historische Mystery) mit Deadline im Juni, der ich mich gewidmet habe. Und die Veröffentlichung meines Debütromans Wellensang rückt auch immer näher. Voller Stolz durfte ich euch im Mai das Cover enthüllen – und es ist wirklich großartig geworden. Momentan arbeite ich die Layoutfassung durch, schreibe eine Danksagung und und und … Bis zum Release ist noch einiges zu tun, aber zeitlich läuft alles nach Plan. :)

Die Rückkehr des Drachenreiters

Neben mir liegt noch ein ganze Stapel an Büchern, die ich euch gern noch vorstellen möchte. Eines, das ich davon befreit und rezensiert habe, war Die Gabel, die Hexe und der Wurm von Christopher Paolini, eine Reise zurück in die Welt von Eragon, die ich lange herbeigesehnt habe. Dennoch hat mich die Kurzgeschichtensammlung mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Warum verrate ich euch in meiner Rezension.

Habt ihr Lust, noch ein bisschen zu stöbern und tolle neue Autorinnen und Autoren kennenzulernen? Dann kann ich euch die Interviewreihe zur historischen Anthologie Der Schatten des Schwarzen Todes (Burgenwelt Verlag) empfehlen. Die insgesamt dreizehn Schriftstellerinnen und Schriftsteller (darunter auch ich^^) haben den Herausgeberinnen Regine D. Ritter und Jana Hoffhenke Rede und Antwort gestanden.
Jeden Freitag geht ein neues Gespräch online – nachzulesen auf der Homepage von Regine oder direkt beim Burgenwelt Verlag.

Juni-Ausblick | Ausschreibungstipp

Im Juni warten zwei Kurzgeschichten-Projekte auf mich. Obwohl ich mich in diesem Jahr eigentlich auf meine Romane konzentrieren wollte, gab es da doch die ein oder andere Anthologie-Ausschreibung, bei der es mir in den Fingern juckt, einen Beitrag zu verfassen.

Da ich ja weiß, dass hier noch ein paar Schreiberlinge mitlesen: Habt ihr schon gesehen, dass die neue Ausschreibung zur Storyolympiade 2019/2020 ausgeschrieben wurde? Thema diesmal: Generationen.

Ich kann euch nur wärmstens empfehlen, an diesem Wettbewerb teilzunehmen! Die Auswertung ist transparent und spannend, ihr könnte tolle Kontakte knüpfen – und mit etwas Glück landet ihr in der finalen Auswahl und damit in einer Anthologie im engagierten Verlag Torsten Low. :) Ich habe meine Teilnahme bei den letzten beiden Runden nicht bereut – und konnte im Durchgang 2017/2018 einen der begehrten Anthologieplätze ergattern. Falls ihr mitmachen wollt: Nähere Informationen zu aktuellen Ausschreibung findet ihr unter anderem auf der Homepage des Verlags Torsten Low oder der Storyolympiade.

Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – Bekenntnisse eines Buchblogs

 

Hallo Weltenbummler,
eben ist mir etwas ungemein Seltsames passiert: Da wollte ich grade einen Beitrag für den heutigen Writing Friday schreiben und stelle verwundert fest, dass tatsächlich schon ein Post geplant war! Verfasst von niemand geringerem als meinem eigenen Blog. :O Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich darüber nicht schlecht gestaunt habe. Noch mehr über das, was er mir in einer Art offenem Brief geschrieben hat, in dem mich an seiner momentanen Gefühlslage Anteil haben lässt.

Wie auch immer ihm gelungen ist, diesen Text zu schreiben – seine Bekenntnisse darf und möchte ich euch nicht vorenthalten. Lest und staunt!


Bekenntnisse eines Buchblogs

Hallo Weltenbummler – und natürlich auch dir hallo, Anna!
Sicherlich wartet ihr schon auf eine neue Geschichte zum Wiriting Friday. Da muss ich euch leider enttäuschen. Heute übernehme ich das Steuer, die Welt aus Tinte und Papier. Aber, hey, so bekommt ihr wenigstens etwas zu lesen. Immerhin besser als gar nichts, denn Anna hätte es heute – so wie in den vergangenen Wochen – sicher wieder nicht geschafft, diese Seite mit Inhalt zu füllen. (Stellt euch hier einfach vor, wie ich mit den Augen rolle. Ich bin ein Blog, ich bin gestaltlos, aber … ach, ist ja auch egal. Stellt es euch einfach vor. *augenroll*)

Hach, ihr ahnt ja gar nicht, wie ich mich fühle. Ich liebe Bücher – egal wie dick oder dünn sie sind, egal ob elektronisch oder gedruckt, Fantasy, Historisch und welche Genres die Literatur noch so zu bieten hat – und deshalb in ich froh, ein Buchblog sein und euch ganz besondere Romane vorstellen zu dürfen. Aber … Anna trübt meine Freude momentan ein bisschen. Stellt euch nur mal vor, die Rezension, die sie in diesem Monat veröffentlicht hat, war die erste seit November. November! (Stellt euch hier einfach vor, dass ich mich empört-genervt anhöre. Könnt ihr das bitte für mich tun, ja?)

Ich meine, ich will mich ja nicht beschweren, aber … ich trage meinen Untertitel „Buch- und Autorenblog“ mit Würde und einem gewissen Stolz. Doch in letzter Zeit höre ich hier die Grillen immer lauter Zirpen (Könnt ihr sie auch hören? Das könnt ihr, oder?) und Pampasgras fegt im heißen Wüstenwind über die verwaisten Seiten, kurz vor dem Showdown in … Oh, da geht wohl die Phantasie ein bisschen mit mir durch.

Jedenfalls habe ich ja Verständnis dafür, dass Anna viel um die Ohren hat. Sie steckt mit ihren Gedanken in ihren Romanprojekten, kniet sich richtig rein und schreibt und schreibt. Und ich … bleibe dabei auf der Strecke. Ich fühle mich momentan einsam und … missachtet. Als hätte sie mich gar nicht mehr so lieb wie früher. Als wäre ich nur noch ein Klotz an ihrem Bein, eine lästige Pflicht, der sie ab und an nachkommen muss. (Habt ihr grade „Ooooohhhh!“ gesagt? Danke für euer Mitgefühl.)

Bevor ihr jetzt Sturm lauft und Annas Mail-Postfach mit Beschwerden flutet: Ich weiß ja, dass dem nicht so ist. Irgendwann kümmert sie sich sicher wieder intensiver um mich. Ich weiß nämlich auch, dass ihr das Bloggen noch immer Spaß macht. Und bis dahin genieße ich die Aufmerksamkeit, die sie mir schenkt, in vollen Zügen. Und eure Likes und Kommentare natürlich auch! Ihr ahnt ja gar nicht, wie wohltuend sie für eine geschundene Blogseele wie meine sind!

Und vielleicht – darauf wage ich tatsächlich zu hoffen – nimmt Anna (Ich weiß, dass du das hier liest!) sich auch endlich die Zeit, mich ein bisschen aufzuhübschen und zu aktualisieren. Über die ein oder andere Seite, die sie zum Beispiel mit ihren Schreibprojekten und Tipps füllen könnte, würde ich mich sehr freuen.

Bis dahin hoffe ich, dass ihr auch im Bestand meiner alten Beiträge etwas zum Stöbern und Verweilen entdeckt.

Wir lesen uns,
Eure Welt aus Tinte und Papier


Der #Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Thema heute: Schreibe über die Gefühle deines Blogs.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meiner letzten Geschichte habe ich euch in die Nebel und damit in ein klassisches Schauermärchen entführt. Hier geht’s zur Kurzgeschichte In den Nebeln versunken.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des #Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.

[Monatsrückblick] März 2019 | Auf Hochglanz poliert

[Der folgende Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Meine lieben Weltenbummler,
verdammt wenig los hier in der Welt aus Tinte und Papier im letzten Monat, obwohl ich in meinem letzten Rückblick doch versprochen hatte, dass sich das im März ändern würde. Doch neben einem Schauermärchen für den Writing Friday habe ich tatsächlich nichts gepostet. Dass es hier so ruhig geblieben ist, hatte einen guten Grund.

Auf Hochglanz poliert

Wie schon der Februar stand auch der vergangene Monat ganz im Zeichen des Lektorats von Wellensang. Der zweite und finale Durchgang war wieder sehr intensiv, aber ich habe das Gefühl, dass meine Lektorin mir wirklich großartig dabei geholfen hat, das Manuskript auf Hochglanz zu polieren. Ihretwegen habe ich mich auch an meinem ersten historischen Nachwort versucht – und wäre beinahe daran verzweifelt. *lach*

Aus der Uni bin ich es ja gewohnt, historische Sachverhalte in eher … wissenschaftlicher Form zu verpacken. Das Nachwort so zu gestalten, dass es sich eben nicht wie eine wissenschaftliche Abhandlung, sondern wie die perfekte Ergänzung zu einem (Unterhaltungs)Roman liest, war gar nicht so leicht. Zum Glück konnte ich mich auf die Hilfe meines kritischsten Betalesers verlassen, der eigentlich so gar nichts mit Geschichte am Hut hat. ^^ Jedenfalls konnte ich alles – Manuskript, Nachwort und sogar ein Glossar – gegen Ende des Monats abgeben. Die Sachen liegen nun wieder beim Verlag und ich fiebere schon den nächsten Schritten auf dem Weg bis zur Veröffentlichung im Herbst entgegen.

Der SERAPH und die Leipziger Buchmesse

Wie ihr seht hatte ich also ordentlich was zu tun, während sicher auch einige von euch in Leipzig auf der Buchmesse waren. Als Daheimgebliebene habe ich all die tollen Posts und Insta-Stories mit einem lachenden und einem weinenden Auge mitverfolgt. Und dank meines Autoren- und Bloggerkollegen Erik (Zwischen Buchdeckeln), der mal wieder sehr gelungene Messeberichte geschrieben hat, hatte ich beinahe das Gefühl, selbst in Leipzig zu sein.

Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

Besonders schade fand ich, dass ich die Releasepartys der beiden frisch erschienenen Anthologien vom Eridanus und Burgenwelt Verlag verpasst habe, zu denen ich auch eine Geschichte beisteuern durfte (weiter Infos folgen in Kürze *hüstel*). Die Fotos, die ich von beiden Veranstaltung gesehen habe, sprechen allerdings dafür, dass die anderen eine (feucht)fröhliche Zeit hatten. :)

 

Auf der Messe wurde auch der SERAPH, der Literaturpreis für Phantastik verliehen. Über die begehrten Auszeichnungen durften sich in diesem Jahr folgende Bücher freuen:

Die Chroniken von Azuhr – der Verfluchte von Bernhard Hennen als Bester Roman (der auch eines meines Jahreshighlights 2018 war. Eine Rezension findet ihr ***hier***.)

The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung von Kris Brynn als Bestes Debüt.

Das Erbe der Rauhnacht von Birgit Jaeckel als Bester Independent-Titel.

Auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch!

April-Ausblick | Camp NaNoWriMo 

Nach dem Lektorat juckt es mir in den Fingern, endlich wieder zu schreiben. Dass im April das Camp NaNoWriMo stattfindet, kommt mir daher wie gerufen. Anders als beim großen NaNo im November, kann man sich im Camp jedoch ein individuelles Wort- oder sogar Stundenziel setzen.

Ich hoffe, dass ich durch das Camp (trotz des Beginns des neuen Semesters) wieder in eine einigermaßen regelmäßige Schreibroutine finde. 10k Wörter an Sturmsang, meinem NaNo-Roman von 2018, zu schreiben, habe ich mir als Ziel gesetzt. Für manch einen mag das nicht viel sein, aber für mich ist das eine Menge, die ich selbst in guten Monaten nur selten schaffe.

Am Ende ist und bleibt das Wichtigste, Spaß an seinem Projekt und am Schreiben zu haben.

Jedes Wort, das man zu Papier bringt, bringt einen näher ans Ende der Geschichte.

In dem Sinne:
Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – In den Nebeln versunken

 

Hallo Weltenbummler,
in den letzten Wochen ist es hier sehr ruhig geworden. Deshalb freue ich mich umso mehr darüber, euch heute wieder eine Geschichte erzählen zu können. Die Aufgabe, die ich mir heute für den Writing Friday ausgesucht habe, lautet wie folgt:

Beschreibe so genau wie möglich ein altes verlassenes Haus, das sich in einer Moorlandschaft befindet. Versuche dabei, folgende Wörter mit in deinen Text einzubauen: Kaffebohnen, rubinrot, Familiengeheimnis und versunken.

Gut, möglicherweise bin ich … etwas abgeschweift, denn Ediths Geschichte hat sich irgendwie verselbstständigt. Aber lest am besten selbst. Viel Freude!


In den Nebeln versunken

Edith schlug den Kragen gegen den auffrischenden Wind und den Regen, den er in langen Fäden vor sich hertrieb, höher. Kälte kroch mit klammen Fingern unter ihren Mantel, ließ die junge Frau bis in ihr Innerstes erbeben. Eng schlang sie die Arme um den Leib, als könne sie so den letzten Funken Wärme, der ihr geblieben war, daran hindern, sie zu verlassen. Als könne sie so das Unbehagen fernhalten, das sich mit jeder Minute, die verstrich, näher an sie heranpirschte.
Er ist zu spät.
Vor exakt dreiundsiebzig Minuten war sie mit ihrem Koffer aus der Dampflok gestiegen – und anders, als ihr Mrs Heathburn in dem Brief, in dem sie Edith ihre neue Stelle zusicherte und ihr gemeinsam mit dem Fahrschein auch ihre besten Wünsche übermittelte, zugesichert hatte, wartete niemand am kleinen Bahnhof von Oakbridge auf sie. Ganz im Gegenteil schien es ihr, als sei sie die einzige Menschenseele weit und breit, die einsam und verlassen dem Wetter trotzte.
Quälend langsam ruckte der Minutenzeiger der Wanduhr eine Position weiter. Der freundliche Herr, der im Bahnhofshäuschen arbeitete, Fahrkarten verkaufte und Auskunft gab, war schon vor einer Weile nach Hause gegangen. Ihr Zug, hatte er erklärt, sei der letzte, der Oakbridge an diesem Tag ansteuerte. Der nächste käme erst am folgenden Morgen.
Nun stand Edith also einsam und verlassen am Bahnsteig. Einsam bis auf die Spinnenweben, die gleich gesponnenem Nebel zwischen den schweren Balken über ihr baumelten. Ihren ersten Tag als neues Hausmädchen bei den Heathburns hatte sie sich wahrlich anders ausgemalt!
„Miss Edith?“
Überrascht fuhr sie zusammen.
„Verzeiht, dass ich Sie so lange habe warten lassen.“ Ein Mann schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln, das von Herzen kam. Regen rann aus seinem buschigen Schnäuzer, tropfte von der Krempe des Huts, den er unschlüssig in den Händen hielt, vor seine schlammigen Schuhspitzen. Das Wasser hatte seinem Mantel die Farbe dunkler Kaffeebohnen verliehen. „Ich weiß, ich hätte längst hier sein müssen, allerdings ist mir ein Rad an der Kutsche gebrochen.“ Dem armen Kerl, der sich ihretwegen durch das Unwetter gekämpft hatte und nun bis auf die Knochen durchnässt war, stand die Scham ins Gesicht geschrieben.
„Schon gut, Mr ….“
„McDermid.“
„Also, Mr McDermid, nun sind Sie ja hier.“ Edith erwiderte sein Lächeln, als er ihren Koffer nahm und ihr den Arm bot. Bereitwillig hakte sie sich unter und ließ sich von ihm zur Kutsche führen.
„Ich hoffe, Sie dachten nicht, dass ich Sie hier die ganze Nacht über stehen lasse“, lachte er, als er Edith in das Gefährt half.
„Keineswegs, Sir“, flunkerte sie höflich.
„Dann“, er schloss die Tür, schenkte ihr ein tiefes Lächeln, „hätte Mrs Heathburn mir auch ordentlich die Hölle heiß gemacht, dessen können Sie sich gewiss sein.“ Er zwinkerte verschwörerisch.
Hitze kroch in Ediths Wangen, doch Mr McDermid hatte ihr längst den Rücken gekehrt. Polternd erklomm er den Kutschbock. Ruckend setzte sich das Gefährt in Bewegung.
Mit einem erleichterten Seufzen ließ Edith sich ins weiche Polster sinken, das mit rubinrotem Stoff überzogen war. Vor dem Fenster ließ der Regen nach, bis er schließlich ganz aufhörte.
Beruhigt und zugleich aufgeregt wegen dessen, was sie wohl im Anwesen der Heathburns erwarten mochte, betrachtete Edith die verschlafene Landschaft Südenglands, die an ihr vorbeizog. Vereinzelt lockerte die dunkle Wolkendecke auf. Sie schien so bleiern, dass sie beinahe die Wipfel des Wäldchens, auf das Mr McDermid zuhielt, berühren mochte. Die Abendsonne überzog alles mit einem rötlichen Glanz, lud zarte Nebelschleier zum Tanz. In der Ferne grollte Donner.
„Bevor wir in ein weiteres Unwetter geraten“, rief Mr McDermid vom Kutschbock aus nach hinten, „nehme ich die Abkürzung durch den Wald, am alten Haus Rothland vorbei.“
Prickelnd stellten sich die feinen Haare an Ediths Armen auf. Zitterte McDermids Stimme? Oder hatte sie sich das nur eingebildet?
Bald passierte ihr Gefährt den Waldsaum. Sofort wurde es merklich dunkler. Edith fröstelte. Knorrige Äste ragten auf den Pfad, kratzten an der Kutsche entlang. Ihr schien es, als reckten sie sich nach ihr, wollten sie in die Schatten zwischen den Moos bewachsenen Stämmen zerren …
Mit einem Mal lichtete sich der Wald. Die Lippen in Staunen geöffnet, lehnte sich Edith näher ans Fenster. Ein Herrenhaus schälte sich aus den Nebeln, die immer dichter über Mooren und Gräsern tanzten. Blind und dunkel blickten ihr seine unzähligen Fenster entgegen. Die Glut der sinkenden Sonne, die sich einen Weg durch die Wolkendecke brach, nistete in ihnen als seien sie Pforten in die Unterwelt. Efeu erklomm die aus groben Steinen gefügten Wände. Immer näher rückte der Wald an den einst stolzen Wohnsitz heran, dessen frühere Pracht nur noch eine Erinnerung war, die mit jedem Tag mehr und mehr verblasste. Ein seltsamer Schimmer umgab das baufällige Gebäude.
Auch, als die Kutsche längst an dem Anwesen vorbei war, blickte sie noch immer zurück, solange, bis es hinter ihr in den dichten Nebeln versunken war. Edith schluckte ihr Unbehagen herunter. Ein Haus wie dieses erinnerte sie unweigerlich an die Schauermärchen, die sie so gern las – sehr zum Missfallen ihrer Mutter. Und aus den Geschichten wusste sie, dass solche Häuser immer irgendein düsteres Familiengeheimnis bargen.
„Miss Edith?“ Mr McDermid hatte die Kutschtür geöffnet, ohne, dass sie es bemerkt hatte. Erwartungsvoll streckte er ihr die Hand entgegen. „Wir sind da. Willkommen auf dem Anwesen der Heathburns.“ Ein Blitz zuckte über den Himmel. Für einen Herzschlag nahm Mr McDermids verbindliches Lächeln einen beinahe wahnsinnigen Zug an. Der Eindruck verschwand so rasch, dass Edith ihn sich ebenso gut nur eingebildet haben mochte.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen, einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen. Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

In meiner letzten Geschichte habe ich euch von Jack erzählt, der mit einem Magier … nichts als Scherereien hat.

Eine Auswahl an weiteren Kurzgeschichten, die im Rahmen des #Writing Friday entstanden sind, findet ihr ***hier***.