Der Junge, der überlebte – und mir die Welt der Magie zeigte

[unbezahlte Werbung]

„Setzt mich nur auf, ich sag euch genau,
wohin ihr gehört – denn ich bin schlau.
(…)
Nun los, so setzt mich auf, nur Mut,
habt nur Vertrauen zum Sprechenden Hut!“

(J. K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen, S. 130 f.)

20 Jahre Harry Potter – 20 Jahre voller Magie. Der wohl berühmteste Zauberlehrling feiert in diesem Jahr sein großes Jubiläum. Um das gebührend zu würdigen, hat der Carlsen Verlag der Romanreihe nicht nur ein wunderschönes neues Gewand spendiert, sondern auch zu einer Blogparade aufgerufen. (Weitere Infos findet ihr *hier*.)

Wenn ihr mögt, dann nehme ich euch mit auf eine Zeitreise in meine Kindheit. Zu dem Moment, in dem Harry mir zum ersten Mal begegnete. Muggel, seid gewarnt, denn ich werde euch das Tor zu einer magischen Welt öffnen, die ihr nie wieder verlassen wollt.

Alohomora!

Harry Potter. Kaum ein Name ist mit so vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden wie der des Zauberlehrlings mit der Blitznarbe. Ein Name, den wohl jeder schon mal gehört hat. Ich kenne kaum jemanden, der Harrys Geschichte nicht kennt – egal ob er sie durch die Bücher, Hörbücher oder Filme entdeckt hat und egal, wie alt er ist.

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit ihm. Es muss im Jahr 2002 gewesen sein, jedenfalls war ich in der Grundschule und alle meine Freunde redeten über Harry und seine magischen Abenteuer. Damals bin ich mit meinem hart zusammengesparten Taschengeld in den Buchladen gegangen. Wenn ich die Augen schließe sehe ich sie immer noch vor mir: Vier Bände neben Blöcken, Druckbleistiften und bunten Radiergummis. Die Buchliebhaberin in mir hat sofort zum Feuerkelch gegriffen – schließlich gab es da am meisten Buch fürs Geld. ^^

Weil ich nicht gut genug lesen konnte, um so einen Wälzer allein zu bewältigen hat, hat meine Mama mir vorgelesen. Natürlich haben wir rasch bemerkt, dass es keine gute Idee war, mit dem vierten Band einzusteigen. Deshalb kamen die anderen nach und nach zu mir – und konnten sogar meinen lesemuffeligen Vater begeistern. Harry Potter ist für mich dieses Gefühl, im Dämmerlicht der Schreibtischlampe und unter meine Bettdecke gekuschelt meiner Mama beim Vorlesen zu lauschen.

Harry Potter und der Stein der Weisen war auch der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. In einem kleinen, gemütlichen in der Nachbarstadt. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich die Titelmelodie der Filme höre.

Mein Grundschul-Ich war nicht weniger fasziniert von Harrys Welt als ich es heute bin.  Meine Liebe zu dieser ganz besonderen Geschichte ist ungebrochen, eher noch stärker geworden. Das Wutschen und Wedeln mit den Zauberstäben habe ich eifrig geübt, aber leider zu meinem 11. Geburtstag keine Einladung für die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei bekommen. Die Enttäuschung war groß, aber es gab ja immer noch die Bücher, meinen persönlichen Portschlüssel nach Hogwarts.

In einer Zeit, in der wir noch keinen Internetanschluss hatten (heute undenkbar) habe ich die Buchhändlerin meines Vertrauen regelmäßig damit gelöchert, wann denn endlich Harrys nächstes Abenteuer erscheint. Ich habe zwar nie vor dem Laden kampiert, aber vorbestellt, hingefiebert und in jeder freien Minute gelesen, wenn ich es endlich – endlich ! – in den Händen hielt. So eine Begeisterung konnte nur noch Christopher Paolinis Eragon bei mir auslösen.

Lumos!

Schlage ich heute einen Harry Potter-Band auf – egal welchen – und lese ein bisschen, fühlte es sich an, wie nach Hause zu kommen. Der Fuchsbau, Hogwarts und der Verbotene Wald sind mir so vertraut, als bräuchte ich nicht mal die Karte des Rumtreibers, um mich zurechtzufinden.

Harry, Ron und Hermine sind für mich mehr als Romanfiguren. Im Laufe der Jahre sind sie zu echten Freunden geworden. Mit ihnen bin ich groß geworden. Freundschaft, Mut und der Umgang mit Tod und Verlust – all das haben wir gemeinsam erlebt. Mit ihnen habe ich gelacht, geschwärmt und gebangt. An ihrer Seite habe ich Dinge fürs Leben gelernt. Dass es okay ist, anders zu sein. Dass jeder mit etwas Dunklem in sich kämpfen muss. Dass es Menschen gibt, die zu einem stehen.

Ich weiß noch, dass mich die Bücher regelmäßig zum Weinen gebracht haben. Nach dem Finale des Halbblutprinzen konnte ich mich kaum beruhigen. Es war so schlimm, dass mein Papa besorgt meinte, ich solle nicht mehr lesen, wenn mich das so aufwühlt.

Bei den Heiligtümern des Todes – dem allerletzten Abenteuer – musste ich ständig weinen. Vor allem als es zu Ende war, fühlte ich mich so … leer und gleichzeitig so erfüllt. Harrys Geschichte war auserzählt – und damit schloss sich auch ein Kapitel meines Lebens.

Expecto patronum!

Harry Potter ist eine Buchreihe, in die ich mich immer wieder aufs Neue verliebe. Schwer zu sagen, was die Magie von Harry Potter ausmacht, die Millionen von Lesern weltweit in ihren Bann schlägt. J. K. Rowling erzählt eine wundervolle, magische, fesselnde und auch düstere Geschichte, die voller Weisheit steckt. Was sie für mich zu etwas ganz Besonderem macht, sind die Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde.

Harry Potter ist mein Patronus gegen den tristen grauen Alltag. Ich glaube, selbst Menschen, die ungern lesen, werden irgendetwas in dieser Geschichte finden, mit dem sie sich identifizieren können, das sie tief berührt. Harrys Welt ist dabei so faszinierend, lebendig und stimmig ausgearbeitet, dass ich die Hoffnung nicht aufgebe, wirklich nur ein unwissender Muggel zu sein und all das – Hogwarts und die Magie – real sind.

Danke, Harry, dass ich an deiner Seite Abenteuer bestehen und erwachsen werden durfte.

Und ein noch größerer Dank an J. K. Rowling, dass ihre Geschichten seit mittlerweile 20 Jahren Magie in unser Leben bringen – und mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Advertisements

Weihnachtszeit – mal wieder ganz nostalgisch und besinnlich

Meine lieben Buchwichtel und – wichtelinnen,
nicht mehr ganze eine Woche, dann ist schon wieder Weihnachten. Die Einkaufsstraßen und Weihnachtsmärkte werden von Tag zu Tag voller, die Menschen wirken gestresst, gehetzt, auf der Suche nach den perfekten Geschenken, der perfekten Deko, dem perfekten Baum …

In diesem Jahr vergeht die Adventszeit gefühlt so rasch wie ein Wimpernschlag. Auch wenn ich noch nicht ganz alle Geschenke beisammen habe: Stressen lassen möchte ich mich nicht. Die Weihnachtszeit sollte doch eigentlich besinnlich sein. Heimelig, mit ihren warmen Lichtern, dem Duft nach Tannengrün und frisch gebackenen Keksen … Eine Zeit, einmal inne zuhalten, durchzuatmen. Und ja, irgendwie auch eine Zeit, um nostalgisch zu werden. Wie sang schon Bing Crosby (und so viele andere):

„I’m dreaming of a white Christmas with every Christmas card I write …“

Weiß wird Weihnachten vermutlich wieder nicht – aber meine Weihnachtsgrüße verschicke ich in diesem Jahr – ganz altmodisch – von Hand geschrieben und per Post. In Zeiten des Internets, von WhatsApp, E-Mails und Co. ist es ein Leichtes, mal eben Weihnachtsgrüße ins Handy zu tippen – und mit einem Klick an alle aus der Kontaktliste zu schicken (ich übertreibe hier bewusst).

Ein paar handgeschriebene Zeilen sind viel persönlicher. Sie zeigen, dass man den Empfänger wertschätzt, sich wirklich Gedanken gemacht hat. Während mein absoluter Lieblingsweihnachtssoundtrack im Hintergrund lief, habe ich mich um meine Weihnachtspost gekümmert. In diesem Jahr schicke ich Karten an Menschen, denen ich gern etwas von der Freude, die sie mir gemacht haben, zurückgeben möchte.

Zwei ganz besonderen Menschen – Freunde aus dem Norden, die ich wegen der Entfernung maximal einmal im Jahr sehen kann – habe ich sogar ein kleines Päckchen mit einigen Überraschungen gepackt. (Inklusive eines Briefes aus der Feder eines Weihnachtswichtels – dabei habe ich mich ein bisschen von Tolkiens Briefen vom Weihnachtsmann inspirieren lassen.) Um ihnen zu zeigen, wie sehr sie mir am Herzen liegen. Um ihnen Danke zu sagen, dass sie trotz der vielen Kilometer, die zwischen uns liegen, für mich da sind.

Vielleicht gibt es in eurem Leben ja auch einen lieben Menschen, dem ihr eine kleine Freude machen wollt. Eine Freundin, die ihr aus den Augen verloren habt, die nette Nachbarin … Auch wenn es jetzt eventuell schon zu spät ist, einen Brief zur Post zu bringen, damit er noch pünktlich zu Weihnachten seinen Empfänger erreicht: Ein paar liebe, handgeschriebene Zeilen kommen auch nach Weihnachten gut an. :)

Eine besinnliche (Rest-)Adventszeit wünscht euch
Eure Anna :)

PS: Wie haltet ihr es mit den Weihnachtsgrüßen? Schreibt ihr Karten oder gibt es jemanden, der euch alle Jahre wieder welche schreibt?

[Veröffentlichung] Des Herzens finsteres Begehren (Kurzgeschichte)

[Werbung]

Ihr Lieben,
als ich vor ein paar Tagen eine Büchersendung aus dem Postkasten geangelt habe, war ich ziemlich überrascht – ich hatte (ausnahmsweise ^^) gar nichts bestellt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich gemerkt habe, dass es mein Belegexemplar für die Anthologie Auf düsteren Wegen. Horrorgeschichten aus dem Mittelalter war. :)

Hier sind einmal die Eckdaten zur Anthologie auf einem Blick:

 

Titel: Auf düsteren Wegen. Horrorgeschichten aus dem Mittelalter
Herausgeber: Detlef Klewer
Verlag: Burgenwelt Verlag
Seiten: 324
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 13, 90€/ 4,99€
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2017
Genre: historische Horror-Anthologie

Bildrechte liegen beim Burgenwelt Verlag

Klappentext

Das Mittelalter … Kaum eine andere Epoche bringt so schauerliche Geschichten hervor! Eine Zeit, in der Aberglaube und Furcht vor Magie die Vorstellungskraft befeuerten, die Grenze zwischen Erklärbarem und Übernatürlichem im Nebel lag und grauenhafte Geschehnisse schweigsamere Zeugen fanden als heute.

Unaussprechliches lauert in den zwielichtigen Tavernen, den finsteren Burgen, den schummerigen Gassen, die allesamt Schauplätze der Geschichten in diesem Buch sind. Wir begegnen dämonischen Kindern, grausigen Wesen, sind Zeuge magischer Rituale – 16 Autorinnen und Autoren überschreiten die Grenze von Albtraum und Realität. Doch Achtung: Manchmal versteckt sich das Böse auch hinter einem menschlichen Antlitz!

Nach der erfolgreichen ersten Horror-Anthologie des Burgenwelt Verlages (»Auf finsteren Pfaden«) gibt es nun unter der Herausgeberschaft von Detlef Klewer eine erlesene Auswahl neuer schauriger Erzählungen, frisch zwischen zwei Buchdeckel gebannt.

Mit Geschichten von:
Anton Vogel | Anke Elsner | Christine Jurasek | Bernd Schmitt | Anna Eichenbach | Matthias Ernst | Tanja Brink | Alvar Borgan | Daniel Stögerer | Detlef Klewer | Philipp Bügel | Erik Huyoff | Olaf Stieglitz | Ute Zembsch | Nina Casement | Manfred Lafrentz

(Quelle: Burgenwelt Verlag)

Nach dem Erfolg der ersten Horror-Anthologie Auf finsteren Pfaden, die 2015 erschien, hat sich der Burgenwelt Verlag in diesem Jahr erneut auf die Suche nach Geschichten gemacht, die Geheimnisvolles und Schauerliches erzählen. Die Herausgeberschaft hat diesmal Detlef Klewer übernommen, der sich nicht nur für das grandiose Cover und die detailverliebten Illustrationen, die auf die jeweilige Geschichte abgestimmt sind, verantwortlich zeigt, sondern selbst einen Text zur Sammlung beigesteuert hat.

Für mich ist es das nunmehr dritte Mal, dass eine Kurzgeschichte aus meiner Feder für eine Burgenwelt-Anthologie ausgewählt wurde – und das, obwohl Horror mir eigentlich nicht liegt und sich die Geschichte beim Schreiben lange Zeit mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, auf Papier gebannt zu werden. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag war wieder herrlich – vielen lieben Dank an dieser Stelle! Weiter an meinem Text feilen zu dürfen hat mir unglaublich viel Spaß gemacht – und durch das intensive Lektorat konnte ich Einiges dazulernen.

Aber was wäre dieser Post, wenn ich euch nicht wenigstens einen kleinen Einblick in meine Geschichte gewähren würde – so als kleiner Appetithappen? :)

Darum geht es in Des Herzens finsteres Begehren:

„Wulfric, es gibt … Mächte, die zu groß sind, als dass ein Mensch sie beherrschen könnte. Geheimnisse, die zu gefährlich sind, als dass er sie lüften sollte. Ein solches hast du entdeckt.“

(aus: Anna Eichenbach, Des Herzens finsteres Begehren, in: Auf düsteren Wegen (Burgenwelt Verlag), S. 106)

Ein Mann. Ein seltsames Artefakt. Und der Reiz, alles zu haben, was das Herz begehrt. Wulfric bekommt es mit einem Geheimnis zu tun, das sein Freund aus dem Heiligen Land mitgebracht hat. Doch umso mehr sich Wulfrics sehnlichste Wünsche erfüllen, umso mehr verfällt er dem Zauberbann des Artefakts, das nie hätte geschaffen werden dürfen.

Meine Kurzgeschichte sollte düster werden, im Erzählton einer alten Sage oder eines finsteren Märchens. Ob mir das gelungen ist und meine Erzählung beim Lesen einen wohligen Schauder erzeugt – das zu beurteilen überlasse ich meinen Lesern. Heute hat mich über Twitter jedenfalls schon das wundervolle Lob eines Lesers erreicht, der meine Geschichte zu seinem Favoriten aus der Sammlung erkoren hat. Da schlägt das Autorenherz gleich höher. :)

Vielleicht konnte ich euch ja ein bisschen neugierig auf die Anthologie machen.

Eure Anna :)

 

 

 

[Kurzvorstellung] Martin Luther – Aus dem Leben einer Legende (Reformation III)

[Werbung]

Liebe Zeitenwanderer,
anlässlich des großen Jubiläums 500 Jahre Reformation, das in diesem Jahr gefeiert wird (und sogar einen Feiertag wert ist :) ), möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch ein Buch vorzustellen, das sich dem Mythos Martin Luther aus verschiedenen literarischen Perspektiven in fiktiven Erzählungen annähert.

Auf einen Blick

 

Titel: Martin Luther – Aus dem Leben einer Legende
Herausgeberin: Jana Hoffhenke
Verlag: Burgenwelt Verlag
Seiten: 230
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 13, 90€/ 3,99€
Erscheinungsdatum: März 2017
Genre: historische Anthologie

Bildrechte liegen beim Burgenwelt Verlag

Klappentext

Für die einen ein Heiliger, für andere ein Ketzer – Martin Luther erschütterte im 16. Jahrhundert die Grundfesten der katholischen Kirche, die er mit der Verbreitung seiner Ansichten herausforderte. 500 Jahre ist Martin Luthers berühmter Thesenanschlag her, der den Stein ins Rollen brachte. Die Geschichten über sein Leben und seinen Glauben sind bis heute fesselnd und brisant.
17 Autorinnen und Autoren haben für diese Anthologie die Feder geschwungen und Überlieferungen aufgegriffen, weitergesponnen und zuweilen höchst kreativ ausgeschmückt. Folgen Sie mit dieser Sammlung kurzweiliger Erzählungen der Spur Luthers und den prägenden Erlebnissen seines Lebens, beginnend in seiner Kindheit bis hin zu seinem Tod und dem, was er der Nachwelt hinterließ.

(Quelle: Burgenwelt Verlag)

Die Anthologie

Im vergangenen Jahr hat der Bremer Burgenwelt Verlag Autorinnen und Autoren dazu aufgerufen, dem Mythos Luther auf den Grund zu gehen und die ein oder andere Facette des Reformators aufzudecken, die so nicht in den Geschichtsbüchern überliefert ist. Herausgekommen ist dabei eine abwechslungsreiche Anthologie, die auf Luthers Spuren wandelt – und zu der ich eine Erzählung beisteuern durfte. Die 17 Geschichten sind dabei teils aus seiner Sicht erzählt, teils kommen aber auch Weggefährten wie seine Frau Katharina zu Wort, die Überraschendes über den Reformator offenbaren.

Der historische Kontext – Luthers Ziele

In letzter Zeit waren Luther und die Reformation in den Medien omnipräsent. Die meisten Darstellungen zeichnen Luther jedoch als Revolutionär, der einen völligen Umsturz des Kirchensystems erreichen wollte. Das stimmt so nicht.

Wie der Begriff der „Re-formation“ (lat. reformare, wiederherstellen) schon verrät, wollte Luther zurück. Zurück zur alten Kirche, deren Repräsentanten noch gemäß des christlichen Armutsideals lebten. Dass seine Thesen dabei so viel Anklang fanden, verdankt sich vor allem der Erfindung des Buchdrucks, der es ermöglichte, Luthers Flugschriften im ganzen Land zu verbreiten.

Vorgänger und Wegbegleiter

Oft wird auch vergessen, dass Luthers Thesen nicht aus dem Nichts kamen. Schon in den letzten beiden Monaten habe ich hier Luthers Vorgänger vorgestellt – John Wyclif und Jan Hus – deren Ideen sicherlich auch den Wittenberger Reformator beeinflusst haben. Doch nicht minder wichtig sind Luthers Weggefährten, die sich unermüdlich an seiner Seite für die Reformation einsetzen. Einen von ihnen, Philipp Melanchthon, lasse ich in meiner Kurzgeschichte Von Bauern, Ochsen und einem Schwan zu Wort kommen.

„Philipp Melanchthon hatte sich einen Namen gemacht. Er hatte sich
Respekt verdient. Vielleicht auch, weil er Umgang mit einem Mann
pflegte, der die Gemüter der Menschen wie kein zweiter bewegte.
Im Guten wie im Schlechten, dachte er, nicht ohne eine Spur von
Besorgnis.“

(Anna Eichenbach, Von Bauern, Ochsen und einem Schwan, in: Martin Luther – Aus dem Leben einer Legende, S. 202)

Die Erzählung spielt im Wittenberg des Jahres 1525 – einer politisch unruhigen Zeit. Angeregt durch eine Fehlinterpretation einer der Schriften Luthers erheben sich die Bauern in den sog. „Bauernkriegen“ gegen die Herrscher. Luther selbst befindet sich in einer brenzligen politischen Situation – und beschließt trotz der Kriegswirren die entflohene Nonne Katharina von Bora zu heiraten, sehr zum Missfallen seines Freundes Philipp.

Vor diesem historischen Hintergrund unterhalten sich Melanchthon und Luther über die aktuelle politische Situation, die Hoffnungen, die sie an ihre Glaubensbewegung knüpfen – und streiten herrlich bibelfest über Sinn und Unsinn der Ehe.

Ein derartiger Dialog zwischen Luther und Melanchthon (der nebenbei bemerkt Luther zu seiner Bibelübersetzung angeregt hat) wird wohl nie stattgefunden haben. Dennoch ist es interessant, sich vorzustellen, wie Luthers Weggefährten diesen Mann wahrgenommen haben, der nur seine eigene Meinung gelten ließ – und wie es sich in seinem Schatten lebte.

Mit Von Bauern, Ochsen und einem Schwan wollte ich gern einen anderen Blick auf Luther eröffnen, von dem es in vielen Quellen heißt, dass er ein schwieriger Zeitgenosse gewesen sei. Philipp Melanchthon, der Praeceptor Germaniae, stritt noch bis zu seinem eigenen Tod für die Reformation. Damit war er der einzige Reformator, der die Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrem Ende miterlebte.

Nun zurück zur Anthologie:

Neben dem umwerfenden Cover aus der Kreativschmiede von Detlef Klever punktet auch das Layout mit viel Liebe zum Detail. Besonders freue ich mich auch darüber, dass Erik Huyoff von Zwischen Buchdeckeln in der Anthologie vertreten ist. In seiner Geschichte Heilige Anna, hilf! widmet er sich dem Ereignis, das Luther dazu bewegt, ins Kloster einzutreten – sehr lesenswert.

Die verschiedenen Kurzgeschichten sind insgesamt chronologisch angeordnet, so dass sie sich zu einer (fiktiven) Biographie ergänzen – angefangen bei Erlebnissen aus Luthers frühster Kindheit über seine Bekehrung bis hin zu seinem Tod.

[Zeitreise] Jan Hus – Die Reformation in Böhmen (Reformation II)

Liebe Zeitreisende,
herzlich willkommen zum mittleren Teil meines kleinen historischen Specials zur Reformation – ein Thema, an dem man in diesem Jahr kaum vorbeikommt, so omnipräsent sind Luther und sein Thesenanschlag. 500 Jahre Reformation. Vielleicht habt ihr ja Lust, euch auf diese kleine Zeitreise einzulassen.

Als angehende Historikerin, Leserin und Autorin interessiere ich mich dafür, wie unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit umgeht – sei es in Medien wie Romanen, Filmen, Zeitschriften und dergleichen, Museen oder Gedenktagen. All dies sind Puzzlestücke unseres kulturellen Gedächtnisses. Auch wenn wir manche historischen Inhalte nur nebenbei wahrnehmen, halten sie dennoch unser Bewusstsein für die Vergangenheit wach.

Luthers Ideen kamen nicht aus dem Nichts. In England und Böhmen gab es bereits im 14./15. Jahrhundert Männer, die die Kirche zu reformieren versuchten. Bis zum 31. Oktober – dem Reformationstag – möchte ich euch gern jeden Monat einen dieser Männer vorstellen.

Letzten Monat ist diese Reihe mit John Wyclif aus England gestartet. Heute blicken wir nach Europa, genauer gesagt nach Böhmen, wo Jan (bzw. Johann) Hus wirkte. Den Abschluss dieser Reihe wird – sicher nicht überraschend – Martin Luther bilden (und dafür habe ich mir schon etwas einfallen lassen, womit ihr bestimmt nicht rechnet ^^).

Jan Hus (1369-1415) – ein Reformator in Böhmen

Jan Hus (Quelle)

Schon nachdem Hus zum Priester geweiht worden war, kritisierte er den Verfall der Kirche und den Reichtum der Geistlichkeit. Sein Denken und wurde dabei deutlich von einigen Positionen John Wyclifs beeinflusst. Dessen Lehren verteidigte er mit einigen Anhängern gegen die kirchliche Obrigkeit und fand einen Unterstützer in König Wenzel.

 

Einige Kerngedanken seiner Lehre:

  • Die Heilige Schrift ist die einzige Quelle für die christliche Lehre.

Diese These vertrat schon Wyclif. Ebenso wie der Engländer setzte sich auch Hus dafür ein, dass die Bibel aus dem Lateinischen übersetzt werden sollte, um ihren Inhalt einer breiteren Schicht zugänglich zu machen. Zudem schrieb er Auslegungen zu einigen Bibeltexten, u.a. zu den Zehn Geboten.

  • Das Gesetz Gottes steht über den weltlichen Gesetzen.

Hus lehnte die kirchliche Hierarchie ab – eine Idee, die auf Wyclifs These der Herrschaft in Gottes Gnade fußt. Dadurch, dass er die göttlichen über die weltlichen Gesetze stellte, ergab sich als Konsequenz, dass Christen keinen Befehlen oder Handlungen der Herrschenden Folge leisten mussten, sofern sie sich nicht im Einklang mit dem Gesetz Gottes befanden. (Später ging aus diesen Überlegungen die Lehre vom notwendigen Ungehorsam der Christen hervor).

 

Quelle: Pixabay

Auch Hus wurde vor das Konzil von Konstanz geladen, das Wyclif posthum zum Ketzer verurteilte. Der böhmische Reformator war der Überzeugung, seine Thesen vor dem Konzil verteidigen zu können, wurde jedoch schon nach den ersten Verhören inhaftiert. Da er sich weigerte, die Sätze seiner Schriften, die als ketzerisch verurteilt worden waren, zu widerrufen, wurde er als Ketzer verbrannt.

Seine Anhänger verehrten ihn als Märtyrer, so dass Böhmen bald nach Hus‘ Tod Zeuge der Hussitenbewegung wurde. Zumal der Reformator in seinem Wirken auch tschechisch-nationale Strömungen berücksichtigt hatte, gilt er bis heute als Symbolfigur für ein Streben nach Wahrheit und Freiheit. Neben Wyclif wurde er so auch zu einem Wegbereiter für das, was Luther um 1517 zu verwirklichten suchte – aber dazu kommen wir im Oktober. ^^

 

Vielen Dank, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast. :) War das Maß an historischen Informationen okay oder zu viel? Über Kommentare würde ich mich freuen.


* Ein Hinweis in eigener Sache: Obwohl ich die dem Beitrag zugrunde liegenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe, ist diese Seite alles andere als zitierfähig.

[Zeitreise] John Wyclif, die Papstkirche und die englische Krone (Reformation I)

Achtung: Der folgende Beitrag enthält historischen Content.^^ Wer jetzt mit Schrecken an seinen Geschichtsunterricht in der Schule zurückdenkt, an staubtrockene Daten und Fakten, den möchte ich trotzdem bitten, diesem Beitrag eine Chance zu geben. Vielleicht ist er ja doch nicht so langweilig und trocken, wie ihr vermutet. ;)

Unser Umgang mit der Vergangenheit

Als angehende Historikerin, Leserin und Autorin interessiere ich mich dafür, wie unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit umgeht – sei es in Medien wie Romanen, Filmen, Zeitschriften und dergleichen, Museen oder Gedenktagen. All dies sind Puzzlestücke unseres kulturellen Gedächtnisses. Auch wenn wir manche historischen Inhalte nur nebenbei wahrnehmen, halten sie dennoch unser Bewusstsein für die Vergangenheit wach.

In diesem Jahr ist ein Thema omnipräsent – so präsent, dass ich es selbst kaum mehr sehen/hören/lesen kann: Luther und sein Thesenanschlag. 500 Jahre Reformation.
Warum Luther es dann trotzdem auf diesen Blog schafft? Weil oft übersehen wird, dass Luthers Ideen nicht aus dem Nichts kamen.

In England und Böhmen gab es bereits im 14./15. Jahrhundert Männer, die die Kirche zu reformieren versuchten. Bis zum 31. Oktober – dem Reformationstag – möchte ich euch gern jeden Monat einen dieser Männer vorstellen. Angefangen bei John Wyclif, um den sich dieser Artikel drehen soll, über Jan (bzw. Johann) Hus bis wir schließlich doch noch bei Luther landen – aber anders, als ihr jetzt vielleicht vermutet. *

John Wyclif (1330-1384) – ein Reformator in England

John Wyclif (Quelle: fromoldbooks.org)

Im Gegensatz zu Europa, das im 14. Jahrhundert die Ausbreitung verschiedener häretischer Bewegungen erlebte, blieb es in England lange Zeit relativ ruhig, was die englische Kirche auch ihrer straffen Organisation verdankte. Erst, als im Land mehr Geistliche ausgebildet wurden, als man tatsächlich benötigte, begannen die Kleriker, ihre Dienste zu verkaufen – sehr zum Unmut der Bevölkerung. In dieser Zeit begann auch John Wyclif, der in Oxford Theologie studiert hatte und auch dort unterrichtete, die Verweltlichung der Kirche zu bekämpfen.

Einige Kerngedanken seiner Lehre:

  • Für die christliche Lehre und den Kult ist allein die Heilige Schrift maßgeblich.

Eine ähnliche Forderung formuliert gut 150 Jahre später auch Luther, für den es keine andere Offenbarung des Willen Gottes gab außer der Bibel. Für Wyclifs Lehre und seinen Glauben war diese Überzeugung so zentral, dass er die Heilige Schrift um 1380 ins Englische übersetzte.

  • Herrschaft gibt es nur in (Gottes) Gnade.

Obwohl Herrschaft an sich und die menschliche Rechtsordnung unmittelbar von Gott stammten, sei die menschliche Herrschergewalt erst nach dem Sündenfall entstanden. Dadurch, und weil die von Menschen erlassenen Gesetze oft kleinere Vergehen – oder Sünden – zuließen, um größere zu verhindern, sei jede Ausübung von menschlicher Herrschaft sündhaft.

So weit, so gut. Aber was hat das mit Gottes Gnade zu tun?

Ganz einfach: Diese ist für Wyclif die Bedingung, um überhaupt über Herrschergewalt verfügen zu können. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass ein Mensch, der sündigt – also gegen Gottes Willen handelt – die Gnade des Herrn verliert und damit gleichzeitig das Recht, irgendeine Form der Herrschaft auszuüben.

Daher sollte insbesondere der Papst, das Oberhaupt der Kirche, auf seine weltliche Herrschaft verzichten, da diese mit sündhaften Handeln verbunden sei, um Gottes Gnade nicht zu verlieren.

  • Die Kirche muss zur christlichen Armut zurückfinden.

In Wyclifs Augen nahm die Geistlichkeit eine Vermittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen ein. Durch ihre Predigten und eine vorbildliche Lebensweise , die dem entsprach, was sie predigten, sollten sie den Menschen zeigen, wie sie zur Seligkeit gelangen konnten – ihnen also als gutes Beispiel vorangehen.

Als Nachfolger Christi in seiner menschlichen Natur sollten die Geistlichen – und ganz besonders der Papst – sich an der Armut Christi orientieren, die Wyclif zu einem Ideal erhob, das es nach Möglichkeit zu erreichen galt.

Quelle: Pixabay

Wyclif hat während seines Wirkens eine ganze Reihe an Schriften veröffentlicht, aber als kleiner Einblick in sein Denken sollte das genügen. Seine Ideen hatten große soziale, vor allem aber auch religiöse Sprengkraft. Schon früh hat der Oxforder Theologe das Papsttum auf sich aufmerksam gemacht. Gregor der XI. sah die Kirche und die weltliche Macht durch Wyclifs Herrschafts- und Eigentumstheorie bedroht – und fürchtete in erster Linie um seine eigene Position.

Das Papsttum unternahm mehrere Versuche, die Ausbreitung seiner Lehren einzudämmen oder diese als ketzerisch zu verurteilen, doch ohne großen Erfolg: Viele Schriften entstanden während des großen abendländischen Schismas (die Zeit von 1378-1417, in der es zwei Päpste gab, einen in Rom und einen in Avignon). Die Päpste waren viel zu sehr mit ihren eigenen Rivalitäten beschäftigt, um härter gegen Wyclif vorzugehen.

Noch dazu waren ihm die Unterstützung und der Schutz durch die englische Krone sicher. Wyclifs Ideen eröffneten dem König die Möglichkeit einer Kirchenreform durch Enteignung. Gerade in Zeiten klammer Kassen (der Hundertjährige Krieg mit Frankreich verschlang Unsummen), kam das wie gerufen.

Die Thesen des Theologen wurden immer radikaler– er verwarf u.a. die kirchliche Hierarchie, das Zöllibat, den Ablass und die Abendmahlslehre – erfuhren zugleich aber auch immer größeren Zuspruch aus der Bevölkerung. Seinen Anhängern, die sich selbst Lollarden nannten, sagte der Klerus rasch nach, an der Entstehung des Bauernaufstandes im Sommer 1381 beteiligt gewesen zu sein. Obwohl Wyclif diesen scharf verurteilte, weil Widerstand gegen die bestehende soziale Ordnung mit seiner Lehre nicht vereinbar war (Ähnliches geschah auch bei Luther), wurde Wyclif für die Krone untragbar und er verlor seinen weltlichen Schutzherren.

In der Folge war es für die Geistlichkeit leichter, Wyclifs Thesen zu verurteilen und ihre Ausbreitung einzudämmen, obwohl der Theologe erst posthum als Ketzer verurteilt wurde. Trotz aller Bemühung seitens der Kirche besaßen Wyclifs Lehren jedoch weit über England hinaus Bedeutung – aber das ist eine Geschichte, die ich ein andern Mal erzähle.^^

Vielen Dank, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast. :) War das Maß an historischen Informationen okay oder zu viel? Über Kommentare würde ich mich freuen.


* Ein Hinweis in eigener Sache: Obwohl ich die dem Beitrag zugrunde liegenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe, ist diese Seite alles andere als zitierfähig.