[Rezension] Alex M. Schwarze – Cróthpall. Glut der Schatten

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„Er war dabei, sich anzupassen. Warum konnten das die anderen Hexenmeister nicht? Warum trauerten sie immer noch den alten Zeiten hinterher? Ihr Abkommen war nichtig. Ein Versprechen aus vergangenen Tagen, um den Frieden zu wahren. Doch diese Zeiten waren vorbei …“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Im NaNoWriMo 2018 hatte ich das große Glück, durch einen Wink des Schicksals nicht nur die Selfpublisherin Alex M. Schwarze, sondern auch ihre faszinierenden Romanwelten kennenzulernen. Die Schnipsel aus ihrem damaligen Projekt waren so düster-romantisch und atmosphärisch, dass ich mich Ende November gar nicht mehr davon lösen mochte. Zum Glück für mich hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits Cróthpall – Glut der Schatten, veröffentlicht – den Auftakt zu einer düsteren Fantasy-Trilogie, der mit ebendieser Welt verknüpft ist, in die ich mich so verliebt habe.

Auf einen Blick:

 

Titel: Cróthpall – Glut der Schatten
Reihe: Cróthpall, Band 1 (von 3)
Autorin: Alex M. Schwarze
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 464
Format: E-Book
Preis: 4,99€
Erscheinungsdatum: 21.  März 2018
Genre: Dark Fantasy/Romantasy

 

Darum geht’s

Als das magische Zeitalter vorübergeht, schließen die letzten Hexenmeister einen Pakt, der sie am Leben hält, aber sie einen Teil ihrer Fähigkeiten beraubt. Seitdem leben sie unerkannt unter den Menschen. Erst wenn einer der Hexenmeister mit einem Kristallschwert getötet wird, bricht der Pakt und der Krieg entbrennt erneut. Und der Tag steht kurz bevor.

Das Buch

Dass ein Buch mit einem Prolog beginnt, ist nicht ungewöhnlich. Doch Alex M. Schwarze stellt Glut der Schatten gleich zwei Prologe voran: Im ersten erleben wir eine beklemmend düstere Vision. Im zweiten Lernen wir eine der Hauptfiguren kennen – und zumindest ich bin ihrem Charme prompt erlegen (dazu später mehr).

Die Handlung von Cróthpall spielt zu unserer Zeit, vornehmlich in den schottischen Highlands – ein wildromantisches Setting, in dem es gar nicht schwer fällt zu glauben, dass es Mächte auf der Welt gibt, die unsere bloße Vorstellungskraft übersteigen: die Welt der Magie. Und genau dort nimmt die Geschichte ihren Ausgang:

Catriona war eine Ordensschwester von Cróthpall, sie dienten der Zeit, dem Schicksal und dem Wohl aller.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Dieser Orden befindet sich abgeschieden von der Welt und vor den Blicken der Menschen verborgen in dichten Nebeln. Wer sich hier an Die Nebel von Avalon erinnert fühlt: Mir erging es da nicht anders. Doch die friedliche Idylle gerät spätestens dann ins Wanken, als Catriona auf einen verwundeten Mann stößt. Ihr gutes Herz (und ihr ausgeprägtes Helfersyndrom) lassen ihr keine andere Wahl, als sich um den Fremden zu kümmern, zumal sie sich zur Heilerin berufen fühlt. Sie verbirgt ihn vor ihren Schwestern, obwohl sie damit gegen die Regeln des Ordens verstößt, doch kümmert sich hingebungsvoll um ihn.

Zum Dank entführt er sie prompt aus Cróthpall, sobald er wieder bei Kräften ist. Denn eine Schwester wie Catriona könnte der Schlüssel zu dem sein, wonach er sich am meisten sehnt: Der Schlüssel zur Rache.

„Um endgültig frei zu sein, musste er den Pakt brechen, an den er gebunden war. (…) Er würde sich von den Hexenmeistern befreien und sich rächen. Und er würde sie töten, bevor sie ihn töteten.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Das Zitat verrät schon ziemlich gut, wonach unser Hexenmeister Kincaid strebt. Er ist machtgierig, gerissen und düster. Und ja, das macht ihn auf gewisse Weise auch unverschämt attraktiv. Die Passagen, die aus seiner Perspektive geschrieben waren, haben mir am allerbesten gefallen. Ich weiß auch nicht, irgendwie konnte ich mich seinem dunklen Bann nicht entziehen.

Ebenso erging es mir mit den meisten anderen männlichen Charakteren. Da hätten wir zum Beispiel noch den prinzipientreuen Raghnall, zu dem Catriona sich hingezogen fühlt, obwohl sie eine Schwester von Cróthpall ist und sich ihm eigentlich nicht hingeben darf und … seufz

Zwischen den beiden funkt es von ihrer ersten Begegnung an. Sie treiben das Spiel aus Nähe und Distanz zu wahrer Meisterschaft, bis man sich beim Lesen denkt: Mensch, wann kriegen sich die beiden denn endlich?

Und da liegt für mich eine Schwäche des Romans. Die Autorin erklärt in ihrer Vita düstere Geschichten mit einem Hauch Romantik zu schreiben, aber für meinen Geschmack steht das Wann-kriegen-sie-sich-endlich? zu stark im Fokus – und das nicht nur in Catrionas-Handlungsstrang. Dass Kincaid drauf und dran ist, die Welt ins Chaos zu stürzen, scheint da oft nebensächlich.

Alex M. Schwarze zeichnet ihre Charaktere plastisch und vor allem die männlichen Protagonisten waren mir sehr sympathisch. Nur mit den Frauen habe ich mich schwer getan – dabei erzählt der Roman überwiegend aus ihrer Sicht. Catriona ist für mich über weite Strecken einfach nur nervig und naiv gewesen. Klar, die Welt, aus der sie kommt, ist behütet und friedvoll. Ganz anders, als die Welt, in die Kincaid sie entführt. Aber … ich glaube ein Zitat illustriert besser, was ich meine:

„‚Du fürchtest dich scheinbar vor allem‘, bemerkte er abfällig. Und dann wollte sie die Welt sehen, in der es nichts als Grausamkeiten gab? Er schüttelte den Kopf. Was sollte er auch anderes von einer Schwester von Cróthpall erwarten? Sie waren hilflose, zerbrechliche Frauen.“

aus: Alex M. Schwarze, Cróthpall – Glut der Schatten

Zu Catrionas Ehrenrettung muss ich sagen, dass sie sich im Verlauf der Handlung entwickelt und eine Stärke gewinnt, die ich ihr anfangs gar nicht zugetraut habe. Ganz anders als Kenzi, die tough und bisweilen rücksichtslos ist – und damit in gewisserweise der Gegenentwurf zu Catriona. Von dem, was Letzterer an Selbstbewusstsein und Stärke fehlte, hatte Kenzi manchmal etwas zu viel. Auch mit ihr bin ich nicht richtig warm geworden.

Trotzdem – und da dürfen die kleinen Kritikpunkte nicht drüber hinwegtäuschen – hat mir Glut der Schatten unheimlich gut gefallen. Der Roman ist unterhaltsam geschrieben und wirft einen bedrohlichen Konflikt auf, auf dessen Lösung ich wirklich gespannt bin. Zudem versteht es Alex M. Schwarze, ihre Leser*innen mit ihrer bildhaften Sprache in den Bann zu ziehen. Und zuletzt ist auch der düstere Charme des Antagonisten nicht ganz unschuldig daran, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Fazit

Cróthpall – Glut der Schatten ist ein gelungener Trilogieauftakt, in dem Alex M. Schwarze ihre Leser in die faszinierende Welt von Cróthpall entführt. Vor allem für Freunde dunkler Romantik bedenkenlos zu empfehlen.

 


Die Geschichte geht weiter …
  • Cróthpall – Flammen der Schatten (August 2018)
  • Cróthpall – Feuer der Schatten  (Januar 2018)

 

Ein Gedanke zu “[Rezension] Alex M. Schwarze – Cróthpall. Glut der Schatten

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