Tintenfässchen | Der unbändige Drang, Geschichten zu erzählen – Eine (persönliche) Liebeserklärung ans Schreiben

 

Meine lieben Weltenbummler,
heute möchte ich euch im Tintenfässchen eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte übers Geschichtenerzählen – und darüber, warum es sich lohnt, an dem, was man liebt, festzuhalten.

Es war einmal Mädchen, das Bücher liebte. Immer und immer wieder verschlang sie ihre Lieblingsgeschichten, tauchte in lieb gewonnene Welten ein und bestand Abenteuer an der Seite von Charakteren, die sie längst alte Freunde nannte. Eines Tages hatte sei eine dieser Geschichten – Eragon, von Christopher Paolini – von Neuem begonnen. Doch dieses selige Gefühl, dass sie sonst beim Lesen empfand, wollte sich nicht mehr einstellen.
Vielmehr erschienen ihr viele Formulierungen ungeschliffen, die Erzählung unbeholfen. Sie wusste, dass ein sehr junger Autor diese Geschichte gewoben hatte. Das kann ich auch!, dachte sie voller Enthusiasmus und verschrieb ihr Herz seit diesem Tage ganz und gar dem Geschichtenerzählen …

So oder ähnlich würde wohl der Beginn des Märchens lauten, das sich darum dreht, wie ich zum Schreiben gefunden habe – oder das Schreiben zu mir. Und dieses Märchen erzähle ich euch nicht ohne Grund: Heute, auf den Tag genau, begleitet mich das Schreiben seit nunmehr 10 Jahren (und mein Blog schon seit zweien!). Ein Jubiläum, das ich zum Anlass nehme für meine ganz persönliche Liebeserklärung an die für mich schönste Beschäftigung auf der Welt: Das Geschichtenerzählen.

The first draft of anything …

is shit! …  wusste schon Ernest Hemingway. Mein 15-jähriges-Ich allerdings nicht.Voller Stolz und Feuereifer habe ich mich an besagtem Tag daran gemacht, einen Roman zu schreiben. Ach, was sage ich einen Roman: Eine Trilogie sollte es sein – was denn sonst? Fantasy – selbstverständlich!

Die ganzen Sommerferien über habe ich mich in die Erzählung verstrickt, die ich spinnen wollte. Habe zum ersten Mal die kostbare Magie gespürt, die beim Schreiben nur selten entsteht. Das Gefühl, eins mit der Geschichte, mit den Figuren zu sein. So sehr, dass man alles um sich herum vergisst. Bis man diesen sonderbaren Zustand erreicht, der irgendwo zwischen Schweben und einem Bewusstsein für das, was man grade tut, anzusiedeln ist. Einen Flow, den man nur schwer in Worte kleiden kann.

So schön das auch klingen mag: Aller Anfang ist schwer. Das gilt fürs Schreiben genau so wie fürs Erlernen eines Instruments oder einer Sportart. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass ich am ersten Tag meines Autorenlebens eine geschlagene Stunde am ersten Satz der Geschichte gefeilt habe. Und wie Hemingway so treffend festgestellt hat: The First draft of anything is shit!

Das einzusehen ist wohl die wichtigste Erkenntnis, die ich über das Geschichtenerzählen gewonnen habe. Ebenso wie die, dass Schreiben ein Handwerk ist, das man nur auf eine Weise zu beherrschen lernt: Schreiben, schreiben, schreiben!

Wie war das noch mit dem Meister und dem Himmel?

Ohne euch spoilern zu wollen: Mein Herzensprojekt habe ich tatsächlich zu Ende geschrieben. Zumindest den ersten Band. Und der war so schlecht, dass ich ihn nochmal neu geschrieben habe: Diesmal mit allen handwerklichen Tricks, die ich bis dahin gelernt hatte. Heute vegetiert die Idee zu besagter Fantasy-Trilogie neben einigen anderen in meiner Ideenschublade vor sich hin. Ich fühle mich noch nicht dazu in der Lage, die Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdient. Vielleicht werde ich das auch niemals.

Aber bis dahin werde ich weiter Schreiben. Werde Geschichten erzählen und an ihnen wachsen. Weiter an mir arbeiten. Denn zu Schreiben ist eine Leidenschaft, die mich seit nunmehr 10 Jahren nicht mehr loslässt. Heute macht es mich stolz, mich daran zu erinnern, wie alles begonnen hat – und zu sehen, wie viel ich seitdem erreicht habe. Damit meine ich nicht nur die Kurzgeschichten, die ich veröffentlichen durfte oder der Release meines Romandebüts, der noch dieses Jahr – ausgerechnet im Jahr meines Schreibjubiläums – ansteht. Sondern auch, dass ich nicht aufgegeben habe.

Schreiben erfüllt mich

Ganz egal, wie störrisch manche Figuren sind oder wie sehr ich um Worte ringen muss, um ein Setting zu beschreiben, das auf dem Papier niemals auch nur annährend an das herankommt, was ich mir vor meinem geistigen Auge vorgestellt habe: Der Drang, Geschichten zu erzählen, ist zu groß, als dass ich ihn für längere Zeit ignorieren kann.

Schreiben ist anstrengend. Auch emotional. Aber ich liebe es, den (seltenen) Flow zu erleben, wie ich ihn oben beschrieben habe. Diese Momente, in denen dich die Geschichte auf eine Art mitreißt, die du nicht erwartet hast.

Um diese Augenblicke zu erleben, schreibe ich.


Und ich schreibe, weil ich Geschichten zu erzählen habe, die niemand sonst erzählen kann. Geschichten, die ich selbst gern lesen würde. Geschichten, die vielleicht sogar andere gern lesen.

Flow, der Wille, an sich zu arbeiten, sich zu verbessern: Alls das sind Dinge, die nicht nur fürs Schreiben gelten, sondern auch für andere Hobbys. Hobbys, die für einige von uns solch eine Bedeutung gewonnen haben, dass man sich nicht vorstellen kann, sie aufzugeben.

Ohne die man sich nicht vollständig fühlen würde.

Ich bin froh, das Schreiben für mich entdeckt zu haben. Dadurch (und durchs Bloggen) sind so viele tolle Menschen in mein Leben getreten, die ich auf andere Weise wohl nie kennengelernt hätte und die mein Leben bereichern.

Zum Schluss möchte ich dich daher dazu ermutigen, an deinen eigenen Träumen festzuhalten. Ganz gleich, was es ist – egal ob Schreiben, ein Instrument spielen, eine Sportart zu betreiben oder Ähnliches: Halte an dem fest, was dich glücklich macht und lass es dir nicht von anderen schlecht reden!

Wir lesen uns,
Eure Anna


Das Tintenfässchen ist die Beitragsreihe rund ums Schreiben. Hier findet ihr nicht nur Handwerkszeug und Tipps, sondern erhaltet auch einen Einblick in mein persönliches Tintenfässchen. Alle Beiträge sind als Anregungen gedacht. Vielleicht könnt ihr aus ihnen ja auch etwas für euren eigenen Schreibprozess und eure Geschichten mitnehmen. :)

Im letzten Beitrag dieser Reihe ging es um die Frage: Kann ein Roman ohne Liebe funktionieren?

3 Gedanken zu “Tintenfässchen | Der unbändige Drang, Geschichten zu erzählen – Eine (persönliche) Liebeserklärung ans Schreiben

  1. Liebste Anna,
    was für eine wunderschöne Liebeserklärung ans Geschichtenerzählen! <3 Ich glaube, diesen Beitrag lege ich mir neben den Laptop – und wann immer es während des Schreib-Julis zur Motivations-Talfahrt kommen sollte, habe ich etwas, das mich daran erinnert, warum man so gerne Geschichten erzählt, warum man oft stundenlang auf ein weißes Blatt starrt und nur einen einzigen Satz zustande bekommt, den man am Schluss oft wieder löscht. :D Ich danke dir dafür und wünsche dir einen erfolgreichen Camp-NaNoWriMo-Juli! <3
    Ida

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