#Writing Friday – Perlweiß

Perlweiß

Sehr geehrter Herr Ottomar Heinsius von Mayenburg,

meine gründliche und höchst seriöse Wikipedia-Recherche hat ergeben, dass sie schon vor geraumer Zeit verschieden sind – mich würde nicht wundern, wenn es mit einem blitzsauberen Lächeln auf den Lippen geschah. Dennoch verfasse ich diese Zeilen, da ich nicht weiß, wohin sonst mit meinem tief empfundenen, überbordenden Dank, den ich Ihnen gegenüber empfinde.

Ihr Erfindergeist und Ideenreichtum haben nicht nur mein Leben revolutioniert, sondern das der gesamten Menschheit. Es gibt wohl kaum ein Ereignis, das solch große historische Bedeutung besitzt, wie die Geburtsstunde der Zahnpasta. (Außer vielleicht die Mondlandung oder die Erfindung des Internets).

Die pfefferminzig schäumende Creme ist fester Bestandteil meiner täglichen Routine. An dieser Stelle fällt mir auf, dass ich als Nächstes einen Brief an den Erfinder der Zahnbürste verfassen sollte. Kaum auszudenken, wenn wir den letzten Krümel aus der Zahnpastatube auf ein Stöckchen quetschen müssten, um uns damit die Beißerchen zu reinigen!

Ihnen verdanken wir es, dass wir stets aus dem Mund duften wie ein Pfefferminzbeet. Gespräche gestalten sich so viel angenehmer (sofern unser Gegenüber Ihre Erfindung ebenfalls für sich entdeckt hat). Keine aufdringlichen Gerüche vom Fisch oder den Zwiebeln, die Bestandteil der letzten Mahlzeit waren. Kein widerlich süßlicher Fäulnisgeruch verrottender Zähne.

Hätten Sie jemals zu träumen gewagt, dass man ihre Erfindung weiterentwickeln würde? Heutzutage gibt es so viele verschiedene Sorten Zahnpasta: Mit Fluorid und ohne. Mit Geschmack und ohne. Rosafarbene mit Glitzer und Erdbeergeschmack (wer sich das ausgedacht hat, gehört bestraft!). Mit Kariesschutz und … – ach, sie wissen schon.

Dank Superduperschneeweißzahncremes strahlt manches Lächeln heller als eine 100-Watt-Glühbirne. Mich würde es nicht wundern, wenn bald eine Zahnpasta auf den Markt käme, die die Zähne im Dunklen zum Leuchten brächte. Stellen Sie sich nur vor, dann bräuchte man keine Taschenlampen mehr! Auch beim Fahrradfahren wäre das sicher praktisch, sollte mal das Licht ausfallen.

Ihretwegen braucht sich niemand mehr seines Lächelns zu schämen. Nur schade, dass wir es anderen Menschen so selten schenken.

Hochachtungsvoll,
Ihre Ihnen in großer Dankbarkeit verbundene Anna


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Mein Schreibaufgabe heute: Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday , in dem ich in die Haut eines Obdachlosen schlüpfe,  findet ihr * hier *.

 

12 Gedanken zu “#Writing Friday – Perlweiß

  1. Schön geschrieben, liebe Anna! :)
    Erstens muss ich loswerden: Was ist das eigentlich für ein abgefahrener Name? Ottomar Heinsius von Mayenburg! So heißt wirklich nicht jeder! :D Und zum zweiten bin ich auch mehr als froh, dass sich jemand (hallo, Ottomar!) die Mühe gemacht hat, die Zahnpasta zu erfinden und unseren Alltag damit zu bereichern. Auch wenn es mir manchmal schleierhaft ist, warum jemand seine Zähne mit rosa Glitzerpartikel-Zahnpasta mit Erdbeergeschmack putzen wollen würde. :D Aber gut, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. ;D
    Liebste Grüße,
    Ida

    • Danke, Ida :)
      Als ich den guten Herrn gegoogelt habe, habe ich bei seinem Namen auch ganz schön gestaunt. Von rosafarbener Zahnpasta mit Erdbeergeschmack kann ich jedem nur dringend abraten! Als Kind „durfte“ ich die mal ausprobieren, weil die Sorte, die ich sonst genommen habe, ausverkauft war. Keine schöne Erinnerung …
      Viele Grüße,
      Anna

      • An diese Zahnpasta kann ich mich auch noch erinnern… das war dann eine kleine Ausnahme, und danach gings dann zum Glück wieder zurück zur ganz normalen Minz-Zahnpasta. :D Aber wenn man sich heute mal in der Drogerie umschaut, dann ist das schon ganz schön seltsam, was einem da alles unterkommt. Irgendwann gibts bestimmt Zanhpasta die glitzernde Zähne macht oder solche mit Streifen oder nettem Karomuster… Gott bewahre! :D

  2. Huhu,

    na da kann sich der Erfinder der Zahnpasta ja nur freuen, über so einen poetischen Brief. Vielleicht gibt es ja auch an dem Ort an dem er jetzt ist Internet. Zu wünschen wäre es auf jeden Fall! :)
    Diese Erdbeerzahnpasta hatte ich glaube ich tatsächlich mal als Kind. Und für eine Zeit fand ich die auch richtig cool, bis ich sie eines Tages nicht einmal mehr riechen konnte. Irgendwie war es ab da nur noch eklig. Das meiner Mutter zu erklären, die gerade eine neue Packung gekauft hatte, war auch lustig :D

    Liebe Grüße
    Lee.

    • Hallo Lee,
      wer weiß, vielleicht sitzt der gute Ottomar jetzt wo auch immer er ist und liest diesen Brief tatsächlich. ^^ Diese Sorte habe ich auch mal ausprobiert – damit kann man mich jagen. Einfach scheußlich.
      Liebe Grüße,
      Anna

  3. Liebe Anna, ein wundervoller Brief! Ich bin mir sicher, wenn er all unsere Briefe lesen könnte wäre er sehr glücklich und würde ebenfalls zurück lächeln!
    Hab ein tolles Wochenende!

  4. Hey Anna,
    was für ein toller Brief! Der gute Ottomar wäre sicherlich geschmeichelt, könnte er deinen Brief lesen :)
    Ich wüsste auch nicht, was ich ohne seine Erfindung machen würde… Vor allem wenn ich daran denke, was passiert, wenn man sich die Zähne nicht putzt :o
    Liebe Grüße und dir ein fantastisches Wochenende,
    Janika

  5. Hallo Anna,
    ja, auch ich hatte Ottomar von…tatsächlich für eine literarische Figur gehalten, die deiner Fantasie entsprungen ist. Umso überraschter war ich, als ich ihn tatsächlich als eine, vor über achtzig Jahren verstorbene historische Person im Netz entdeckte (das konnte natürlich nicht unrecherchiert bleiben. :-) Dank deines humorvollen Briefes sind meine Zähne nicht nur `Chlorodont-Weiß´, sondern auch sichtbar geworden. Ich habe herzlich gelacht. Danke dafür.

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