[Rezension] Elea Brandt – Unter einem Banner

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„‚Passt doch‘, knurrte Reykan und spie seinen Frust aus. ‚Ein nutzloser Leibwächter und ein nutzloser König. Ich schätze, wir verdienen einander.‘“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, Ebook S.132)

In Unter einem Banner, ihrem zweiten Roman, schickt Elea Brandt ein unwiderstehliches Heldenpaar auf eine abenteuerliche Reise. Dass sich Reykan und Benrik nicht ausstehen können, sorgt dabei für einige grandiose Lesemomente.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Unter einem Banner
Autorin: Elea Brandt
Verlag: Dead Soft Verlag
Seiten: 440
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 13, 95€/ 6,99€
Erscheinungsdatum: 28. Januar 2018
Genre: Low Fantasy/Gay

Bildrechte liegen beim Dead Soft Verlag

 

 

Darum geht’s

Blutroter Schnee. Brennende Zelte. Sterbende Kameraden.

Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen. Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern.

(Quelle: Dead Soft Verlag)

Das Buch

Mit Unter einem Banner habe ich mich literarisch auf einen Ausflug in für mich eher unbekannte Gefilde eingelassen. Der Klappentext deutete es bereits an: Reykan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, fühlt sich zu Männern hingezogen. Bislang habe ich eher selten Romane mit homosexuellen Protagonisten gelesen. Aber im Grunde genommen sollte die sexuelle Orientierung eines Charakters eine untergeordnete Rolle spielen, viel wichtiger ist wie er selbst und seine Gesellschaft damit umgehen – und wie sie die Geschichte beeinflusst, die er zu erzählen hat.

Und Reykans Geschichte ist eine packende. Eine Geschichte voller Verrat, widerstreitender Gefühle, Gewissensbisse, traumatischer Erinnerungen – und der Frage, wie weit seine Loyalität als Soldat seiner Majestät reicht.

Reykan ist ein Bastard, dem es gelungen ist, sich im Heer bis zum Hauptmann hochzuarbeiten. Als seine Heimat Serin mit Skarat im Krieg liegt, muss er tatenlos mit zusehen, wie sein König gute Männer aus falschem Stolz in den Tod schickt. Reykan hat viel durchgemacht – und viel verloren. Was er auf dem Schlachtfeld erlebt hat, verfolgt ihn bis in seine Träume, lässt ihn nicht mehr los. Dennoch binden ihn sein Schwur und sein Pflichtgefühl an den serinischem König, dem er trotz allem loyal ergeben ist.

„Er ertrug es nicht, die Schreie der Sterbenden zu hören, sobald er die Augen schloss. Die Bilder aus Notia hatten sich tief in seinen Verstand gebrannt.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.38)

Von Beginn an war mir Reykan sympathisch. Er ist ein Protagonist mit Prinzipien, mit Ehrgefühl und ja, man kann ihn getrost als ritterlich bezeichnen. Er ringt mit den Schrecken der Vergangenheit, mit seinem Verlust. Obwohl er den Glauben an das, was er tut, längst verloren hat, kann er sich nur schwer dazu durchringen, dem Leben als Soldat den Rücken zu kehren.

Doch als der König einem Komplott zum Opfer fällt, nimmt er Reykan noch im Sterben den Schwur ab, seinen Sohn zu beschützen. Ein Soldat, der nicht mehr kämpfen will, als Leibwächter für einen verzogenen Kronprinzen? Das klingt nicht nur nach einer explosiven Mischung, das ist sie auch. Prinz Benrik entspricht nämlich so gar nicht den Vorstellungen, die Reykan sich von einem künftigen König macht. Er ist verzogen, ein Lebemann, der Genuss und Ausschweifung über die Pflicht stellt. Im Gegensatz zu Reykan, der unnötiges Gerede vermeiden will, lebt Benrik hingegen seine Homosexualität offen aus – was nicht bei allen Untertanen auf Toleranz stößt.

Schon von ihrer ersten Begegnung an ist klar: Hier prallen zwei starke, starrköpfige Charaktere aufeinander. Und dann ist es ausgerechnet an Reykan, den verwöhnten Benrik in Sicherheit zu bringen.

„Das würden die längsten zwei Wochen seines Lebens werden, so viel stand jetzt schon fest. Und er hoffte inständig, dass er den Prinzen nicht irgendwann aus einer Laune heraus erschlagen würde.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.97)

 

Beiden gelingt es zunächst nur schwer, sich mit einander zu arrangieren. Prinz und Leibwächter geraten oft aneinander – und ihre oft unheimlichen witzigen Wortgefechte haben mich das ein oder andere mal zum Schmunzeln gebracht. Doch je länger ihre Reise dauert, umso mehr raufen sie sich zusammen – und Reykan erhascht allmählich einen Blick hinter die Fassade des verzogenen Prinzleins.

Zwischen Reykan und Benrik gibt es von Beginn an diese ganz besondere Dynamik. Ein Knistern, dass zwischen Ablehnung und Faszination schwankt. Ein Zögern, sich die eigenen Gefühle einzugestehen. Beide – aber auch sämtliche Nebenfiguren – sind plastisch gezeichnet und allesamt außergewöhnlich. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, direkt ins Leben der Figuren zu springen, und nicht, dass sie erst während des Lesens lebendig werden.

Auch die Handlung konnte mich absolut überzeugen. Reykan, der Benrik vor den Attentätern in Sicherheit bringen muss. Die Gefahren, die auf ihrer Reise lauern. Die Suche nach Verbündeten, damit Benrik seinen Thron zurückgewinnen kann – und nicht zuletzt die Entwicklung ihrer Beziehung, die mit der Zeit immer enger, immer vertrauter wird.

„Die grauen Augen des Prinzen fesselten ihn und das Feuer, das darin loderte, raubte ihm schier den Atem. Wie wildes Sturmmeer, dessen Sog ihn nicht mehr losließ.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.153)

Eine Prise Erotik kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie packende Kampfszenen. Unter einem Banner spielt in einem mittelalterlichen Low Fantasy Setting. Der Weltenbau, der geschickt in die Erzählung eingeflochten wird, ist komplex und scheint bis ins Detail durchdacht. Dadurch werden die Geschichte und die Figuren noch lebendiger. Hinzu kommt noch Elea Brandts fesselnder Schreibstil, die grandiosen Dialoge und stimmungsvollen Beschreibungen. Die Autorin braucht nicht viele Worte, um mich so tief in den Roman versinken zu lassen, dass ich alles andere um mich herum ausgeblendet habe.

Fazit

Unter einem Banner trumpft mit einem Heldenpaar auf, dessen Charme man sich einfach nicht entziehen kann. Große Intrigen, unzählige Gefahren und packende Kampfszenen. Wer militärische Low Fantasy mag und obendrein gern erlebt, wie sich Charaktere und ihre Beziehung weiterentwickeln, dem kann ich diesen Roman nur ans Herz legen.

Vielen Dank an Elea Brandt und den Dead Soft Verlag, die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. :)

 Über die Autorin

Im vergangenen Jahr hat Elea Brandt mit ihrem Debüt Opfermond, einem Dark Fantasy Thriller, nicht nur die Herzen der Leser, sondern im Februar 2018 auch die Phantastik-Bestenliste von PAN e. V. und Literaturschock erobert. Wie mir der Roman gefallen hat, das könnt ihr * hier * nachlesen. So viel kann ich euch aber jetzt schon verraten: Sand & Wind, das im Sommer im Verlag ohneohren erscheinen wird, steht jetzt schon auf meiner Wunschliste.

Mehr über die Autorin, ihre aktuellen Projekte sowie spannende Beiträge rund um verschiedene literarische Themen findet ihr auch auf Eleas Blog – reinschnuppern lohnt sich!

 

 

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Elea Brandt – Unter einem Banner

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