[Rezension] Janna Ruth – Im Bann der zertanzten Schuhe

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„Klar, du bist nur ein Prinz und eine Hexe hat dich verflucht. Und nun fesselt dich ein Turntable an einen Luxusschuppen. (…) Ich habe wirklich keine Ahnung, warum du mir solche Märchen auftischst.“

(Janna Ruth, Im bann der zertanzten schuhe, Ebook S.32)

Heute wird es märchenhaft: Mit Im Bann der zertanzten Schuhe legt Janna Ruth eine erfrischend moderne Märchenadaption vor. Treibende Bässe, der Zauber der Musik – und viel mehr Tiefe, als ich erwartet hätte.

Auf einen Blick:

 

Titel: Im Bann der zertanzten Schuhe
Autorin: Janna Ruth
Selfpublishing: Märchenspinnerei
Seiten: 316
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12, 95€/ 3,99€
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2017
Genre: moderne Märchenadaption/Romance

Bildrechte liegen bei der Märchenspinnerei

 

Darum geht’s

Ein verborgener Hain
Ein verfluchter Prinz
Ein Paar zertanzter SchuheVor drei Jahren ist Jonas aus dem Krieg heimgekehrt und doch scheint es, als wäre er nie zuhause angekommen. Ziellos durch die Straßen schweifend, trifft er einen alten Mann, der ihm von den Wundern des DeModie erzählt, einem verwunschenen Reich im Herzen des Nachtlebens. Unzählige Reichtümer und Schätze erwarten ihn dort, doch, was Jonas wirklich verzaubert, ist die lebensfrohe Tänzerin Sophie, die ihn mit ihrem Lachen ansteckt. Jede Nacht tanzt Sophie mit ihrem Prinzen und jede Nacht zerreißen ihre Schuhe ein klein wenig mehr, und mit ihnen das Geheimnis, welches das DeModie und seine Bewohner umgibt.
Die zertanzten Schuhe mal anders. Im Bann eines verzauberten Tanzes spinnt die Autorin Janna Ruth märchenhafte Elemente der Brüder Grimm zu einer modernen Fabel über das glitzernde Nachtleben, zerbrochene Träume und verlorene Seelen.
5. Band der Märchenspinnerei

(Quelle: Märchenspinnerei)

Das Buch

Im Bann der zertanzten Schuhe ist ein Roman aus der Märchenspinnerei, einer Gruppe von Autorinnen, die sich zusammengetan und im vergangenen Jahr damit begonnen haben, nahezu monatlich eine neue Märchenadaption zu veröffentlichen. Vorlage für Janna Ruths Erzählung ist das Märchen von den zertanzten Schuhen, das ich bislang noch nicht kannte. Über die Herausforderungen, die eine Adaption eines solchen Stoffes mit sich bringt, und darüber, welche Elemente des Märchens es schließlich in den Roman geschafft haben, gibt die Autorin in * diesem Artikel * Auskunft.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt. Da ist zum einen Sophie, eine leidenschaftliche Balletttänzerin, die ihren Traum von der großen Bühne nach einem schweren Schicksalsschlag an den Nagel gehängt hat. Tanzen, sich völlig der Musik hinzugeben, ist ihre Leidenschaft – und ihr gehören auch die titelgebenden zertanzten Schuhe, zu denen sie eine ganz besondere Verbindung hat.

Zum anderen begleiten wir auch Jonas, einen ehemaligen Soldaten, dem nach seinem Einsatz in Afghanistan eine posttraumatische Belastungsstörung schwer zu schaffen macht. Da Sophie jede Nacht verschwindet, ist ihr Vater in großer Sorge. Deshalb beauftragt er Jonas damit, herauszufinden, wo sich seine Tochter nachts herumtreibt.

Und dem Ort, dessen besonderen Zauber Sophie erlegen ist, konnte auch ich mich nicht entziehen.

„‚Was ist das für ein Club?‘ (…)

‚Oh, der schönste Ort auf Erden, reicher als jede Schatzkammer und voller Freuden.‘ Sehnsüchtig sah der Mann zu dem Club, bevor er ihm den Blick wieder zuwandte. ‚Und der kälteste.‘“

(Janna Ruth, im bann der zertanzten schuhe, EBook S.10)

Die Rede ist vom DeModie, einem ganz besonderen und wahrhaft märchenhaften Club. In schwelgerischen Bildern gelingt es Janna Ruth, das DeModie vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Die Beschreibungen und die ganz besondere Atmosphäre, die dort herrscht, hat mich von der ersten Silbe an in ihren Bann geschlagen. Doch im Laufe der Erzählung wandelt sich der Eindruck, den das DeModie erweckt. Die Atmosphäre wird düsterer, bedrohlicher. Nach und nach beginnt der Club eine beinahe schon morbide Faszination auszustrahlen.

Dort begegnet Sophie einem waschechten verwunschenen Prinzen. Einem Prince Charming, wie er im Buche steht: Attraktiv und galant, der nur Augen für sie zu haben scheint.

„Ihre Liebe war das, wovon sie schon immer geträumt hatte: Die einzig wahre, für die es sich lohnte, alle Strapazen auf sich zu nehmen.“

(Janna Ruth, im bann der zertanzten schuhe, EBook S.84)

Sophie ist völlig hingerissen von ihrem Prinzen, mit dem sie die Nächte durchtanzt. Manchmal hätte ich sie gern packen und schütteln wollen, denn sie treibt nicht nur sich durch ihre Blindheit und Naivität bis zum Äußersten, sondern bemerkt nicht einmal, wie sehr sie die Menschen um sich herum mit ihrem Verhalten verletzt. Auch Jonas.

Einfühlsam und beklemmend zugleich schildert Janna Ruth, wie Jonas mit seiner Krankheit zu kämpfen hat und mit allem, was er aus dem Kriegseinsatz wieder mitbrachte. In diesen Szenen, den schrecklichen Visionen, den Erinnerungen, die ihn nicht mehr loslassen wollen, gewinnt der Roman eine Tiefe, mit der ich nicht gerechnet habe. Anfangs habe ich mir von dieser Märchenadaption nette Unterhaltung versprochen, etwas, das beim Lesen ein gutes Gefühl macht. Doch Im Bann der zertanzten Schuhe ist so viel mehr als nur eine nette Geschichte.

Die Figuren – allen voran Jonas – überzeugen durch ihre authentische Zeichnung. Ich war nicht die ganze Zeit über ein Fan von Sophie, habe aber immer darum gebangt, dass es wenigstens für Jonas gut ausgeht.

Auch sprachlich konnte mich der Roman auf ganzer Linie überzeugen. Die Autorin schreibt so schwärmerisch, so flüssig … vor allem die Beschreibungen der Klänge und Melodien sind so unglaublich gelungen, dass ich mich oft gefühlt habe, als spiele die Musik zwischen den Zeilen.

„Die Klänge waren nahezu ätherisch, aber jeder Ton schlug eine andere Saite in ihm an und brachte seine Nerven zum Vibrieren. Der Bass dröhnte in seinem Magen und er konnte sich kaum des Drangs erwehren mitzuwippen.“

(Janna Ruth, im Bann der zertanzten schuhe, EBook S.23)

Der Roman konnte mich wirklich begeistern. Er ist defintiv eine Empfehlung für Janna ruht und die Märchenspinnerei – und völlig zurecht auf der Longlist des Seraph, des Phantastikpreises der Leipziger Buchmesse, der in diesem Jahr zum ersten Mal auch in der Kategorie Bester Independent-Titel vergeben wird.

Fazit

Im Bann der zertanzten Schuhe ist eine zauberhafte moderne Märchenadaption. Eine Geschichte über die Liebe zur Musik und zum Tanzen, die nicht nur zum Träumen einlädt, sondern auch mit viel Tiefe und Fingerspitzengefühl überraschen kann.

 Über die Autorin

Im vergangenen Jahr ist neben Im Bann der zertanzten Schuhe auch Janna Ruths Debütroman Tanz der Feuerblüten erschienen. Mit diesem konnte sie bei der Übersinnlich-Ausschreibung des Ueberreuter Verlags einen Platz auf dem Siegertreppchen ergattern.

 

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#Writing Friday – Im Takt ihres schlagenden Herzens

Im Takt ihres schlagenden Herzens

Muffig und abgestanden schmeckt die Finsternis, die mich von allen Seiten bedrängt. Ich kann mich kaum daran erinnern, wann zum letzten Mal ein Sonnenstrahl diesen schwarzen Vorhang zerriss, der hauchzart und zugleich bleischwer auf mir lastet. Mir ist kalt. Schon so lange kalt, dass die Wärme kaum mehr als ein Schatten am Rande meiner Erinnerung ist.

Unendlich lang scheint es her, dass ihre zarten Finger liebevoll über mein poliertes Holz strichen, mich bis in meinen Klangkörper wohlig erschaudern ließen. Zu lang ist es her. Meine Welt besteht nur noch aus der Dunkelheit innerhalb dieses Koffers, dieses Gefängnisses, von dem ich nicht weiß, ob ich es jemals wider verlassen werden. Ob sich überhaupt noch jemand daran erinnert, dass es mich gibt.

Einzig die Kälte, die meine Saiten verzerrt, und meine Erinnerungen leisten mir Gesellschaft. Manchmal erlaube ich mir, tief in ihnen, in meiner eigenen Vergangenheit zu versinken. Sie wärmt mich von innen, füllt mich aus. Ganz so wie die Melodien es einst taten. Die Melodien, die sie mir entlockte.

Ich genoss, liebte jeden Moment mit ihr. Wenn sie den Bogen über meine Saiten gleiten ließ, brachte mich ihre zarte Berührung zum Klingen, meine Stimme zum Singen. Das leichte Kleid, das ihre Beine umfloss. Ihre gelockten Haarspitzen, die mich kitzelten, wenn sie sich ganz der Musik hingab. Dem Zauber, der sich vom ersten Ton an zwischen uns entspann. Ich spürte ihren Herzschlag durch mich vibrieren, nahm ihn auf und ließ ihn widerhallen. Im Takt ihres schlagenden Herzens, des Basses, der unser Spiel untermalte, verschmolzen wir, bis sich jeder Unterschied zwischen uns auflöste.
Sie machte mich lebendig. Ich verlieh den Empfindungen, die sie tief in ihrer Seele barg, eine Stimme.

Mal riss die Musik uns fort – eine Urgewalt, gleich einem Sommersturm, dem sich nichts entgegenzustellen wagt.
Mal durchströmte sie uns – ein reinigendes Gewitter, nachdem man frei durchatmen kann.
Dann wieder zart und zerbrechlich, als sei jeder Ton aus Glas gesponnen. Kaum lauter als ein Wispern, wenn wir ihr kleines Mädchen in den Schlaf wiegten. Sein glückseliges Lächeln wertvoller als der tosende Applaus der Welt.
Diese Momente waren mir die Liebsten: Nur wir beide vor dem hohen Fenster, durch das das Licht der Morgensonne sanfte Muster aufs Parkett zeichnete. Das Scheinwerferlicht genossen wir – gebraucht haben wir es nicht. Wir brauchten nur einander – und den Zauber der Musik.

Manchmal ist es gefährlich, sich zu erinnern. Manche Erinnerungen bringen Dunkelheit und Kälte, statt sie zu vertreiben.
Mir entging das Beben ihrer Finger nicht. Als Erster bemerkte ich die gehetzten Achtel, wenn ihr Herzschlag für einen Augenblick aus dem Takt geriet. Beides verbarg sie hinter ihrem Lächeln, das an den Frühling erinnerte.
Seltener versanken wir im Zauberbann. Doch immer, wenn sie den Raum betrat, galt ihr erster Blick mir. Im geöffneten Koffer, der Bogen neben mir, wartete ich – bereit, mich ihr sofort hinzugeben. Sie musste nur die Hand ausstrecken …
Seltener wehte ihr Frühlingslachen durchs Haus. Gleichmäßiges Piepen und Klacken begleiteten es. Ihr Blick wehmütig, wenn sie neben mir saß, die Hände in ihrem Schoß barg, damit ihr Zittern nicht so arg auffiele. Ihren Fingern fehlte die Kraft, den Bogen zu halten. Ich war ihr zu schwer geworden, fürchtete selbst, ich könne zerbrechen, was die grässliche Krankheit von ihr übrig gelassen hatte.Eines Tages verstummten das Klacken und Piepen. Was blieb, war stille. Bleiern. Gespenstig.
Erst nach ein paar Wochen fiel auf, dass ich noch immer da war, wartete. Mein Anblick raubte ihm die Kraft. Oder vielmehr waren es die Erinnerungen an ihr Spiel – so lebendig, leidenschaftlich, lebenshungrig – die er nicht ertrug. Die Wunde zu frisch, die ihr Verlust in unsere Herzen riss.
Selbst meine Stimme raute der Kummer an, verzerrte sie, als er beinahe reumütig an meinen Seiten zupfte, mein Holz polierte. Dann schloss er mich in die samtene Umarmung der Dunkelheit.

Stille. Ab und an knarren die Dielen.
Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Vielleicht wird es irgendwann jemanden geben, der meinem Leben wieder einen Sinn gibt. Der mich spielt – denn dazu wurde ich geschaffen. Ob ich jemals wieder diesen Zauber, diese Verbindung spüre? Sie war einzigartig. Nicht die Erste, mit der ich sang, doch niemand brachte mich so zum Klingen.

Die Tür quietscht in den Angeln. Leichte Schritte auf dem Boden. Mein Herz macht einen Satz, als der Koffer ein Stück nach vorn ruckt. Staubflocken wirbeln in bizarren Bahnen im Sonnenlicht, dessen ungewohnter Anblick mich schmerzt.
Sacht erschaudere ich, als jemand prüfend über meine verstimmten Seiten, mein Holz streicht. Das Lächeln, das dem ihren so gleicht, nur jünger, vertreibt die Kälte.

 


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Mein Schreibaufgabe heute: Ein vernachlässigtes Cello erzählt.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday – 25 Begriffe, die Dinge aus meiner Kindheit beschreiben – findet ihr * hier *.

 

#Writing Friday – Meine Kindheit in 25 Wörtern

 

Hast du Lust, mich auf eine kurze Reise in meine Kindheit zu begleiten? Ja? Na, dann kann es ja direkt losgehen mit meinen 25 Wörtern, die Dinge aus meiner Kindheit beschreiben.

25 Wörter sollten einfach zu finden sein, das mache ich mit Links, dachte ich. Pustekuchen! Schon nach dreizehn Begriffen geriet ich ins Stocken – und was ich bis dahin zusammengetragen hatte, kratzte bloß an der Oberfläche all der wundervollen Erinnerungen, die ich an meine Kindheit habe.

Also nochmal von vorne (so viel zum Thema spontan^^).

Ich habe die Augen geschlossen und sie mir vorgestellt: Die wunderbaren Sommernachmittage zwischen Gänseblümchen und Gras und all die anderen Bilder, die ich auf ewig in meinem Herzen bewahren werde. Herausgekommen ist dabei eine kunterbunte Begriffssammlung. Einige von ihnen sind Neuschöpfungen, andere haben für mich eine ganz spezielle Bedeutung. Ich verzichte bewusst darauf, meine Auswahl zu begründen und zu erklären, was sich hinter den einzelnen Worten verbirgt. Das ist mir zum Teil doch eine Spur zu persönlich. :)

Die folgende Liste ist für mich nicht weniger als eine kleine Zeitmaschine. Was am Ende bleibt ist dieses glücklich-melancholische Gefühl, das die schönsten Erinnerungen mit sich bringen – und der Wunsch, meine Kindheit für alle Zeit festhalten zu können.

Hühnerei
Pokémon
Witzlied
Wald
Ben
Schaukel
Gänseblümchen
Buti
Kuscheln
Besucherritze
Frühlingsfrosch
Memory
Oma
Apfelkuchen
Johannisbeeren
Geborgenheit
Nestwärme
Zauberschule
Kuscheltiere
Budebauen
Geschichten-von-früher
Seifenblasen
Heuwägelchen
Aristocats
Dalli

Alles Liebe,
Eure Anna


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Mein Schreibaufgabe heute: Sammle spontan 25 Wörter, die Dinge aus deiner Kindheit beschreiben.

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday – einen Brief an mein 15-jähriges Ich, findet ihr * hier *.

 

[Rezension] Elea Brandt – Unter einem Banner

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„‚Passt doch‘, knurrte Reykan und spie seinen Frust aus. ‚Ein nutzloser Leibwächter und ein nutzloser König. Ich schätze, wir verdienen einander.‘“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, Ebook S.132)

In Unter einem Banner, ihrem zweiten Roman, schickt Elea Brandt ein unwiderstehliches Heldenpaar auf eine abenteuerliche Reise. Dass sich Reykan und Benrik nicht ausstehen können, sorgt dabei für einige grandiose Lesemomente.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Unter einem Banner
Autorin: Elea Brandt
Verlag: Dead Soft Verlag
Seiten: 440
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 13, 95€/ 6,99€
Erscheinungsdatum: 28. Januar 2018
Genre: Low Fantasy/Gay

Bildrechte liegen beim Dead Soft Verlag

 

 

Darum geht’s

Blutroter Schnee. Brennende Zelte. Sterbende Kameraden.

Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen. Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern.

(Quelle: Dead Soft Verlag)

Das Buch

Mit Unter einem Banner habe ich mich literarisch auf einen Ausflug in für mich eher unbekannte Gefilde eingelassen. Der Klappentext deutete es bereits an: Reykan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, fühlt sich zu Männern hingezogen. Bislang habe ich eher selten Romane mit homosexuellen Protagonisten gelesen. Aber im Grunde genommen sollte die sexuelle Orientierung eines Charakters eine untergeordnete Rolle spielen, viel wichtiger ist wie er selbst und seine Gesellschaft damit umgehen – und wie sie die Geschichte beeinflusst, die er zu erzählen hat.

Und Reykans Geschichte ist eine packende. Eine Geschichte voller Verrat, widerstreitender Gefühle, Gewissensbisse, traumatischer Erinnerungen – und der Frage, wie weit seine Loyalität als Soldat seiner Majestät reicht.

Reykan ist ein Bastard, dem es gelungen ist, sich im Heer bis zum Hauptmann hochzuarbeiten. Als seine Heimat Serin mit Skarat im Krieg liegt, muss er tatenlos mit zusehen, wie sein König gute Männer aus falschem Stolz in den Tod schickt. Reykan hat viel durchgemacht – und viel verloren. Was er auf dem Schlachtfeld erlebt hat, verfolgt ihn bis in seine Träume, lässt ihn nicht mehr los. Dennoch binden ihn sein Schwur und sein Pflichtgefühl an den serinischem König, dem er trotz allem loyal ergeben ist.

„Er ertrug es nicht, die Schreie der Sterbenden zu hören, sobald er die Augen schloss. Die Bilder aus Notia hatten sich tief in seinen Verstand gebrannt.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.38)

Von Beginn an war mir Reykan sympathisch. Er ist ein Protagonist mit Prinzipien, mit Ehrgefühl und ja, man kann ihn getrost als ritterlich bezeichnen. Er ringt mit den Schrecken der Vergangenheit, mit seinem Verlust. Obwohl er den Glauben an das, was er tut, längst verloren hat, kann er sich nur schwer dazu durchringen, dem Leben als Soldat den Rücken zu kehren.

Doch als der König einem Komplott zum Opfer fällt, nimmt er Reykan noch im Sterben den Schwur ab, seinen Sohn zu beschützen. Ein Soldat, der nicht mehr kämpfen will, als Leibwächter für einen verzogenen Kronprinzen? Das klingt nicht nur nach einer explosiven Mischung, das ist sie auch. Prinz Benrik entspricht nämlich so gar nicht den Vorstellungen, die Reykan sich von einem künftigen König macht. Er ist verzogen, ein Lebemann, der Genuss und Ausschweifung über die Pflicht stellt. Im Gegensatz zu Reykan, der unnötiges Gerede vermeiden will, lebt Benrik hingegen seine Homosexualität offen aus – was nicht bei allen Untertanen auf Toleranz stößt.

Schon von ihrer ersten Begegnung an ist klar: Hier prallen zwei starke, starrköpfige Charaktere aufeinander. Und dann ist es ausgerechnet an Reykan, den verwöhnten Benrik in Sicherheit zu bringen.

„Das würden die längsten zwei Wochen seines Lebens werden, so viel stand jetzt schon fest. Und er hoffte inständig, dass er den Prinzen nicht irgendwann aus einer Laune heraus erschlagen würde.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.97)

 

Beiden gelingt es zunächst nur schwer, sich mit einander zu arrangieren. Prinz und Leibwächter geraten oft aneinander – und ihre oft unheimlichen witzigen Wortgefechte haben mich das ein oder andere mal zum Schmunzeln gebracht. Doch je länger ihre Reise dauert, umso mehr raufen sie sich zusammen – und Reykan erhascht allmählich einen Blick hinter die Fassade des verzogenen Prinzleins.

Zwischen Reykan und Benrik gibt es von Beginn an diese ganz besondere Dynamik. Ein Knistern, dass zwischen Ablehnung und Faszination schwankt. Ein Zögern, sich die eigenen Gefühle einzugestehen. Beide – aber auch sämtliche Nebenfiguren – sind plastisch gezeichnet und allesamt außergewöhnlich. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, direkt ins Leben der Figuren zu springen, und nicht, dass sie erst während des Lesens lebendig werden.

Auch die Handlung konnte mich absolut überzeugen. Reykan, der Benrik vor den Attentätern in Sicherheit bringen muss. Die Gefahren, die auf ihrer Reise lauern. Die Suche nach Verbündeten, damit Benrik seinen Thron zurückgewinnen kann – und nicht zuletzt die Entwicklung ihrer Beziehung, die mit der Zeit immer enger, immer vertrauter wird.

„Die grauen Augen des Prinzen fesselten ihn und das Feuer, das darin loderte, raubte ihm schier den Atem. Wie wildes Sturmmeer, dessen Sog ihn nicht mehr losließ.“

(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.153)

Eine Prise Erotik kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie packende Kampfszenen. Unter einem Banner spielt in einem mittelalterlichen Low Fantasy Setting. Der Weltenbau, der geschickt in die Erzählung eingeflochten wird, ist komplex und scheint bis ins Detail durchdacht. Dadurch werden die Geschichte und die Figuren noch lebendiger. Hinzu kommt noch Elea Brandts fesselnder Schreibstil, die grandiosen Dialoge und stimmungsvollen Beschreibungen. Die Autorin braucht nicht viele Worte, um mich so tief in den Roman versinken zu lassen, dass ich alles andere um mich herum ausgeblendet habe.

Fazit

Unter einem Banner trumpft mit einem Heldenpaar auf, dessen Charme man sich einfach nicht entziehen kann. Große Intrigen, unzählige Gefahren und packende Kampfszenen. Wer militärische Low Fantasy mag und obendrein gern erlebt, wie sich Charaktere und ihre Beziehung weiterentwickeln, dem kann ich diesen Roman nur ans Herz legen.

Vielen Dank an Elea Brandt und den Dead Soft Verlag, die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. :)

 Über die Autorin

Im vergangenen Jahr hat Elea Brandt mit ihrem Debüt Opfermond, einem Dark Fantasy Thriller, nicht nur die Herzen der Leser, sondern im Februar 2018 auch die Phantastik-Bestenliste von PAN e. V. und Literaturschock erobert. Wie mir der Roman gefallen hat, das könnt ihr * hier * nachlesen. So viel kann ich euch aber jetzt schon verraten: Sand & Wind, das im Sommer im Verlag ohneohren erscheinen wird, steht jetzt schon auf meiner Wunschliste.

Mehr über die Autorin, ihre aktuellen Projekte sowie spannende Beiträge rund um verschiedene literarische Themen findet ihr auch auf Eleas Blog – reinschnuppern lohnt sich!

 

 

[Monatsrückblich] Von Leseflauten, inkonsistenten Charakteren und fernen Welten

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Schon wieder Freitag – aber in dieser Woche werde ich keinen neuen Text zum #Writing Friday veröffentlichen (obwohl die Februarthemen absolut großartig sind, wirklich!). Nachdem ich meine kreativen Reserven in den letzten Tagen ganz schön strapaziert habe, möchte ich vielmehr die Gelegenheit nutzen, auf den Januar zurückzublicken – und euch den ein oder anderen Blogpost ans Herz zu legen (und damit auch einen meiner Neujahrsvorsätze einzuhalten).

Leseflaute

Vielleicht ist es euch aufgefallen: Meine letzte richtige Rezension habe ich Anfang Dezember gepostet. Das liegt vor allem daran, dass ich momentan in einer Leseflaute stecke, obwohl letzten Monat * einige Bücher bei mir eingezogen sind *. Ich habe zwar Janna Ruths Im Bann der zertanzten Schuhe gelesen, aber noch keine Zeit gefunden, diesen wirklich tollen Roman zu rezensieren.

Ganz besonders freue ich mich, dass Unter einem Banner von Elea Brandt, das ich euch bei * #Waiting on Wednesday * vorgestellt habe, bereits als E-Book erschienen ist – und das viel früher als erwartet. Ich habe mich auch direkt auf Reykans Geschichte gestürzt … wirklich genial! :)

[Hype] Im Januar schien mir ein Buch auf den Blogs, die ich lese, besonders präsent zu sein: Laura Kneidels Berühre mich. Nicht. Jill von Letterheart und ihre Mädels haben richtig davon geschwärmt. Bei ihrem gemeinsamen Treffen sind sie sofort in einen Buchladen gestürmt, um sich die neu erschienene Fortsetzung Verliere mich. Nicht. zu kaufen. Deshalb fand ich es besonders schade, dass der Roman Jills Erwartungen nicht erfüllen konnte. Sie hat eine * sehr ehrliche Rezension geschrieben *, in der sie ihre Bewertung – und Enttäuschung – ausführlich und sachlich begründet. Erfrischend, auch mal eine negative Rezension zu lesen.

Schreibvorsätze

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, jeden Tag an meinen eigenen Texten zu arbeiten. Wie es sich für waschechte Neujahrsvorsätze gehört, habe ich das natürlich nicht den ganzen Monat durchgehalten, aber schon deutlich mehr geschrieben als sonst. Eine ganze Kurzgeschichte für eine Ausschreibung ist es geworden, die ich so oft gekürzt und umgeschrieben habe, dass ich sie am Ende nicht mehr sehen konnte. Drückt mir die Daumen, dass es nicht wieder eine Absage wird so wie zu Beginn des Monats. :)

Dann habe ich im Januar auch den #Writing Friday für mich entdeckt, eine Aktion, die Elizzy von Read Books and fall in Love ins Leben gerufen hat. Ich habe meinen persönlichen Begriff von * Freiheit * in einem Gedicht verarbeitet und einen mehr oder weniger lebensklugen * Brief an mein 15-jähriges Ich * verfasst.

Aber auch die Beiträge der anderen Schreiberlinge sind wirklich lesenswert. Eine richtige Gänsehaut hat mir * Idas Freiheitsgedicht * beschert – und Gabriela lädt unter anderem zu einer * irrwitzigen Fahrt in einem Weidenkörbchen * ein. Hach ja, Träume sind schon seltsam …

[Charakterisierung] Lesenswert ist auch Evanesca Feuerbluts * Reflexion über inkonsistente Charaktere *. In ihrem Artikel beantwortet sie unter anderem die Frage, was Kylo Ren aus Star Wars und ein Regenbogeneinhorn mit einander zu tun haben. Auch wenn es auf den ersten Blick recht wenig zu sein scheint, wird euch ihre Antwort überraschen. Ich finde, dass es gerade die Eigenschaften eines Charakters sind, die vermeintlich nicht zusammenpassen, die ihm Tiefe und Authentizität verleihen. Beim Schreiben geht es ja im Grunde genommen um das Menschsein in all seinen schillernden Facetten, die jeden von uns einzig- und eigenartig (im besten Sinne des Wortes) machen.

…. und was nächsten Monat kommt

Richtige Pläne für den Februar habe ich noch nicht – außer die beiden Romane aus dem Januar zu rezensieren und regelmäßig für den #Writing Friday zu schreiben. Nächsten Monat beginnt auch die heiße Phase meiner Klausurvorbereitung. Mal schauen, wie viel ich nebenbei noch zum Lesen und Schreiben kommen werde.

Damit wünsche ich euch erstmal einen lesereichen, wundervollen Februar – und möchte euch nochmal daran erinnern, dass ihr noch bis zum 19.2. Gelegenheit habt, für den * Vincent Preis * abzustimmen.

Nun würd mich noch interessieren: Habt ihr eure guten Vorsätze für 2018 schon über den Haufen geworfen, oder haltet ihr noch eisern daran fest?