#Writing Friday – Ein Brief an die Vergangenheit

Liebe Anna,
wenn du diese Zeilen liest, dann ist es mir wohl tatsächlich gelungen, das Raum-Zeit-Kontinuum irgendwie zu überwinden und dir diesen Brief zu schicken.

Halt!

Leg den Brief jetzt bitte nicht weg. Ich weiß, es klingt verrückt, aber: Ich bin tatsächlich du – nur älter, inzwischen 23, wenn du es genau wissen willst.

Vielleicht hältst du diese Nachricht für einen schlechten Scherz. Da ich zufällig sehr gut weiß, dass du etwas für Magie und das Unmögliche übrig hast, hoffe ich eher darauf, dass du dich über diesen Brief freust. Vielleicht erhoffst du dir auch den ein oder anderen Rat von mir oder einen Ausblick auf das, was dich in den kommenden Jahren erwartet. Da muss ich dich leider enttäuschen, denn ich habe …

1. weder die Weisheit mit Löffeln gefressen, um dir auch nur ansatzweise gute Lebenstipps zu geben und …
2. keine Lust, meine Zukunft zu verändern, in dem ich dir zu viel verrate.

Nicht, dass du nachher andere Entscheidungen triffst, weil du so versessen darauf bist, das wahr zu machen, was ich dir verraten habe. Man kennt das ja aus diesen ganzen Zeitreiseromanen, obwohl … mit 15 hast du ja noch nicht so viele davon gelesen.

Lass mich dir nur so viel mit auf den Weg geben: Das Leben ist kostbar.

Du wirst manche deiner Entscheidungen verfluchen, aber wenn ich heute zurückblicke, dann kann ich nur sagen, dass jede von ihnen auf ihre Art goldrichtig war. Manchmal musst du einen Umweg in Kauf nehmen, bevor du ans Ziel gelangst. Aber jeder Schritt ist wichtig – nur so kannst du Erfahrungen sammeln, die dich stärker machen, dich wachsen lasse. Aus deinen Fehlern lernen und auf einen Schatz an Erfahrungen zurückgreifen, der dir oft nützen wird.

Sicher möchtest du wissen, ob du glücklich bist. Ja, du wirst glücklich sein. Nicht immer, aber wer ist das schon? Doch im großen und ganzen sitze ich jetzt gerade hier, am 26. Januar 2018, und kann mit gutem Gewissen behaupten, dass ich ganz zufrieden bin mit dem, was das Leben bislang für mich bereit gehalten hat.

Aber – und jetzt möchte ich ehrlich zu dir sein – es wird eine Phase in deinem Leben geben, in der es nicht immer leicht sein wird, deine Zuversicht zu bewahren. Du wirst lieben – und lernen, dass das allein manchmal nicht genügt. Aber du wirst daran wachsen – und kannst auf deine Menschenkenntnis vertrauen.

Wenn ich dir eines raten möchte, dann das: Hab den Mut, an deinen Traum zu glauben. Aber bleib bitte realistisch. Nur weil du 15 bist und dir vornimmst, einen Roman zu schreiben, bist du noch lange nicht wie Paolini. Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen muss. Das klappt aber nur, wenn man es auch regelmäßig tut. Halt bitte daran fest. Geschichten zu erzählen ist ein Ausgleich, den du brauchst. Du kannst nicht ohne – und ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann in der Zukunft ohne das Schreiben leben zu können. Außerdem kommst du mit jedem Wort deinem Traum ein Stück näher. Auch wenn der Weg weit ist und mit Rückschlägen gepflastert – gehe ihn weiter, dann verspreche ich dir, dass auch ich fortsetzen werde, was du nun begonnen hast.

So, das dürfte kryptisch genug sein. Jetzt möchte ich dich auch nicht weiter dabei stören, dein bzw. mein Leben weiter zu leben. Aber … du dürftest dir ruhig etwas mehr zutrauen!

Deine Anna


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday – ein Gedicht zum Thema Freiheit – findet ihr * hier *.

 

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10 Gedanken zu “#Writing Friday – Ein Brief an die Vergangenheit

  1. Hallo :)
    Da hast du deinem 15-jährigen Ich ja mal eine wirklich schöne und wertvolle Botschaft vermittelt. Ich würde sogar sagen, dass wir alle uns diese Botschaft in jeder Lebenslage vor Augen halten sollen, denn du hast recht, das Leben ist kostbar und sollte daher genossen werden.

    Alles Liebe,
    Smarty

  2. Pingback: [Monatsrückblich] Von Leseflauten, inkonsistenten Charakteren und fernen Welten | Welt aus Tinte und Papier

  3. Ach dir ging es ja ähnlich wie mir. Ich wollte letztendlich auch nicht zu viel verraten.
    Und das mit den Umwegen ist mehr als wahr – aber sie sind es auch meistens wert. :-)

  4. Pingback: #Writing Friday – Meine Kindheit in 25 Wörtern | Welt aus Tinte und Papier

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