[Rezension] Elea Brandt – Opfermond

[unbezahlte Werbung]

„Der Tod war ein ständiger Begleiter im Sha-Quai. Er lauerte in schimmligen Brot, in eitrigen Ausschlägen und in beißendem Hunger. Manchmal kam er schleichend, manchmal unvorhergesehen.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.8)

Thriller sind eigentlich nicht so mein Genre. Umso froher bin ich, dass ich mich auf Elea Brandts Opfermond eingelassen habe – einen Dark-Fantasy-Thriller der Extraklasse.

Auf einen Blick:

 

Titel: Opfermond
Autorin: Elea Brandt
Verlag: Mantikore-Verlag
Seiten: 330
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 13, 95€/ 9,99€
Erscheinungsdatum: 11. September 2017
Genre: Dark Fantasy/Thriller

Bildrechte liegen beim Mantikore-Verlag

 

Klappentext

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein  Blutopfer verlangt … (Quelle: Mantikore-Verlag)

Das Buch

Opfermond ist ein vielschichtiger Roman, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Elea Brandt entführt ihre Leser in ihrem Debütroman in ein orientalisches Setting: In Ghor-el-Chras gibt es nur einen einzigen Gott, Chras, den Blutigen. Die Stadt ist in mehrere Bezirke unterteilt, die den verschiedenen Gesellschaftsschichten zugeordnet sind. Ein überwiegender Teil der Geschichte spielt im Armenviertel, dem Sha-Quai.

„Man musste hart werden, wenn man im Sha-Quai überleben wollte.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.29)

 

Ungeschönt und in teils drastischen Worten zeichnet die Autorin ein beklemmendes Bild von Elend, Not, Armut und Betrug, die das Leben der Bewohner dieses Viertels prägen – und ihren Charakter. Auch die Hure Idra, eine der Protagonistinnen, schimpft das Sha-Quai ihr Zuhause. Idra hat früh gelernt, sich durchzuschlagen und zu sehen, wo sie bleibt.

„[Idra] trug ihren Kopf aufrecht und sie konnte sich immer noch in die Augen sehen, ohne vor Scham im Boden zu versinken. In diesem Loch eine echt große Leistung.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.30)

Durch Zufall wird sie Zeugin eines Mordes, dessen Tragweite sie sich erst bewusst wird, als immer mehr Menschen in ihrer Umgebung an einer seltsamen Krankheit sterben. Idra ist eine Heldin wider Willen. Das einzige, das sie anfangs interessiert, ist ihr eigenes Überleben. Dies ändert sich erst, als Varek in ihr Leben tritt. Dieser soll den mysteriösen Mord an einem Alchemisten klären – und kommt dabei bald einem grausamen Kult auf die Spur, der seiner Göttin im Untergrund mehr als nur Blutopfer darbringt.

Beide Protagonisten – Varek und Idra – sind vielschichtig und tief. Desillusioniert von den Grausamkeiten des Lebens sind sie rau, hart und ruppig geworden. Allen voran Varek, der als Unbestechlicher Morde im Auftrag der Priesterschaft des Blutigen Gottes verübt, wirkt auf den ersten Blick abgebrüht, vermisst jedoch sein altes Leben und wird von seinem Gewissen geplagt.

Alle Figuren, denen Varek im Laufe seiner Ermittlungen begegnet, oder mit denen Idra Kontakt hat, scheinen etwas zu verbergen zu haben. Sie sind allesamt grau. Genau wie Varek weiß man als Leser nicht, ob man dem Glauben schenken kann, was sie berichten. Die vielen orientalisch angehauchten Namen haben es mir anfangs schwer gemacht, die einzelnen Charaktere auseinanderzuhalten. Mit steigender Seitenzahl gelingt das immer besser.

Der Thrillerplot ist geschickt und komplex angelegt. Die Figuren sind eng miteinander verflochten, so dass es scheint, dass jeder jeden kennt oder auf irgendeine Weise miteinander zu tun hat. Elea Brandt streut nur vereinzelte, dezente Hinweise und überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Varek stößt bei seinen Ermittlungen auf einen alten Kult. Die Legende der Käferkönigin, die in den dunklen Gängen unter der Stadt lauert, verleiht Opfermond Züge eines Mysterythrillers. Einige Szenen sind ganz schön gruselig. Morde, Sex und … Riten des Kultes werden explizit dargestellt – definitiv nichts für schwache Nerven (oder Mägen). Sprachlich passen die Beschreibungen aber immer zur Lebenswelt des Sha-Quai und zu den Figuren, wodurch der Roman an Authentizität gewinnt. Es wird geflucht, gemordet, Intrigen und Ränke geschmiedet.

Aber auch die kritische Sicht auf die Gesellschaft kommt nicht zu kurz: So geht es unter anderem auch um die Rolle der Frau, die weder im Sha-Quai, noch in den höher gestellten Familien wirklich frei sein kann.

Hinzu kommt eine fiebrige Atmosphäre, das Gefühl, dass da etwas Bedrohliches unter der Oberfläche der Stadt, aber auch hinter jedem einzelnen Menschen, lauert und nur darauf wartet, hervorzubrechen. Im Laufe der Handlung wird die Atmosphäre immer düsterer, packender, bis sich Opfermond zu einem fulminanten Finale steigert, das alle zuvor geschürten Erwartungen sogar noch übertreffen kann.

Fazit

Opfermond ist ein verschlungener Fantasy-Thriller, der überraschende Wendungen nimmt und sein Tempo steigert. Packend und atmosphärisch dicht erzählt, mit grandios gezeichneten Figuren, deren Abgebrühtheit und Tiefe überzeugen können.

 Wissenswertes über die Autorin

Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich das Glück, Elea Brandt persönlich treffen zu dürfen. Sie ist nicht nur supersympathisch, sondern als Autorin ganz schön umtriebig:

  • als Mia Neubert veröffentlicht sie Kurzgeschichten verschiedener Genres
  • im nächsten Jahr wird sie mindestens einen weiteren Roman veröffentlichen (der jetzt schon auf meiner Wunschliste steht ^^)

und auf ihrem Blog erscheinen regelmäßig außergewöhnliche Interviews, in denen sich Charaktere aus unterschiedlichen Romanen auf ihre Couch wagen und sich ihren Fragen stellen. Unter anderem hat ihr auch schon Varek aus Opfermond Rede und Antwort gestanden. Ein Blick auf ihre Seite lohnt sich also. :)

 

Advertisements