[Zeitreise] Jan Hus – Die Reformation in Böhmen (Reformation II)

Liebe Zeitreisende,
herzlich willkommen zum mittleren Teil meines kleinen historischen Specials zur Reformation – ein Thema, an dem man in diesem Jahr kaum vorbeikommt, so omnipräsent sind Luther und sein Thesenanschlag. 500 Jahre Reformation. Vielleicht habt ihr ja Lust, euch auf diese kleine Zeitreise einzulassen.

Als angehende Historikerin, Leserin und Autorin interessiere ich mich dafür, wie unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit umgeht – sei es in Medien wie Romanen, Filmen, Zeitschriften und dergleichen, Museen oder Gedenktagen. All dies sind Puzzlestücke unseres kulturellen Gedächtnisses. Auch wenn wir manche historischen Inhalte nur nebenbei wahrnehmen, halten sie dennoch unser Bewusstsein für die Vergangenheit wach.

Luthers Ideen kamen nicht aus dem Nichts. In England und Böhmen gab es bereits im 14./15. Jahrhundert Männer, die die Kirche zu reformieren versuchten. Bis zum 31. Oktober – dem Reformationstag – möchte ich euch gern jeden Monat einen dieser Männer vorstellen.

Letzten Monat ist diese Reihe mit John Wyclif aus England gestartet. Heute blicken wir nach Europa, genauer gesagt nach Böhmen, wo Jan (bzw. Johann) Hus wirkte. Den Abschluss dieser Reihe wird – sicher nicht überraschend – Martin Luther bilden (und dafür habe ich mir schon etwas einfallen lassen, womit ihr bestimmt nicht rechnet ^^).

Jan Hus (1369-1415) – ein Reformator in Böhmen

Jan Hus (Quelle)

Schon nachdem Hus zum Priester geweiht worden war, kritisierte er den Verfall der Kirche und den Reichtum der Geistlichkeit. Sein Denken und wurde dabei deutlich von einigen Positionen John Wyclifs beeinflusst. Dessen Lehren verteidigte er mit einigen Anhängern gegen die kirchliche Obrigkeit und fand einen Unterstützer in König Wenzel.

 

Einige Kerngedanken seiner Lehre:

  • Die Heilige Schrift ist die einzige Quelle für die christliche Lehre.

Diese These vertrat schon Wyclif. Ebenso wie der Engländer setzte sich auch Hus dafür ein, dass die Bibel aus dem Lateinischen übersetzt werden sollte, um ihren Inhalt einer breiteren Schicht zugänglich zu machen. Zudem schrieb er Auslegungen zu einigen Bibeltexten, u.a. zu den Zehn Geboten.

  • Das Gesetz Gottes steht über den weltlichen Gesetzen.

Hus lehnte die kirchliche Hierarchie ab – eine Idee, die auf Wyclifs These der Herrschaft in Gottes Gnade fußt. Dadurch, dass er die göttlichen über die weltlichen Gesetze stellte, ergab sich als Konsequenz, dass Christen keinen Befehlen oder Handlungen der Herrschenden Folge leisten mussten, sofern sie sich nicht im Einklang mit dem Gesetz Gottes befanden. (Später ging aus diesen Überlegungen die Lehre vom notwendigen Ungehorsam der Christen hervor).

 

Quelle: Pixabay

Auch Hus wurde vor das Konzil von Konstanz geladen, das Wyclif posthum zum Ketzer verurteilte. Der böhmische Reformator war der Überzeugung, seine Thesen vor dem Konzil verteidigen zu können, wurde jedoch schon nach den ersten Verhören inhaftiert. Da er sich weigerte, die Sätze seiner Schriften, die als ketzerisch verurteilt worden waren, zu widerrufen, wurde er als Ketzer verbrannt.

Seine Anhänger verehrten ihn als Märtyrer, so dass Böhmen bald nach Hus‘ Tod Zeuge der Hussitenbewegung wurde. Zumal der Reformator in seinem Wirken auch tschechisch-nationale Strömungen berücksichtigt hatte, gilt er bis heute als Symbolfigur für ein Streben nach Wahrheit und Freiheit. Neben Wyclif wurde er so auch zu einem Wegbereiter für das, was Luther um 1517 zu verwirklichten suchte – aber dazu kommen wir im Oktober. ^^

 

Vielen Dank, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast. :) War das Maß an historischen Informationen okay oder zu viel? Über Kommentare würde ich mich freuen.


* Ein Hinweis in eigener Sache: Obwohl ich die dem Beitrag zugrunde liegenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe, ist diese Seite alles andere als zitierfähig.

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