[Rezension] Angela Stoll – Tante Hetty. Ingwer und Intrige

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„Was sollte nur aus ihm werden, mutterlos und ohne Vater? Nun hatte er nur noch diese Tante, die ihm ziemliche Angst einjagte.“

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.8)

Tante Hetty konnte mich schon auf den ersten Blick von sich überzeugen. Das Cover ist wunderbar stimmungsvoll, die Frauensilhouette elegant und eine Spur arrogant zugleich. Als ich dann noch den Klappentext gelesen habe, wusste ich es: Diesen Roman muss ich unbedingt lesen.

Auf einen Blick:

Titel: Tante Hetty. Ingwer und Intrige
Autorin: Angela Stoll
Verlag: Verlag ohneohren
Seiten: 80
Format: E-Book
Preis: 1,49€
Erscheinungsdatum: 24. Juni 2017
Genre: Steampunk
Bildrechte liegen beim Verlag

 

 

 

Klappentext
Rauch aus den Schornsteinen der Eisenhütten verfinstern die Stadt. Ebenfalls düster sieht es für einen ihrer Bewohner aus. Rupert ist zehn Jahre alt und allein. Als unehelich geborenes Kind vertraut er auf die Fürsorge von Tante Hetty, einer Frau, die seiner kürzlich verstorbenen Mutter sehr nahestand. Ihm bleibt keine Zeit zum Trauern, denn die Tante entpuppt sich als perfide Betrügerin.

Als der verlassene Junge einsam durch die Straßen stolpert und einer Geisterfrau begegnet, eröffnen sich für Rupert neue Welten: die Bedrohung durch mechanische Wächter, der Ruß der Stadt und die Obhut einer starken Frau. All dies vermischt sich mit dem allgegenwärtigen Geschmack von Tantes Hettys Ingwerbonbons – und dem einer Intrige. (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Die Zahnräder auf dem Cover verraten es schon: Tante Hetty ist ein Steampunk-Kurzroman. Wer nichts mit dem Begriff Steampunk anfangen kann, den kann ich beruhigen: Die Elemente sind sparsam eingesetzt und tragen dazu bei, die besondere Atmosphäre des Romans zu vertiefen.

Schon auf den ersten Seiten konnte Tante Hetty mich für sich gewinnen – das liegt nicht allein an ihrem einnehmenden Wesen, vielmehr an der Erzählstimme. Mit unvergleichlichem Charme, süffisanten, bitterbösen und amüsanten Kommentaren hat mich die Erzählung langsam in ihre Welt eintauchen lassen, beinahe als lausche man einem Geschichtenerzähler.

Im Zentrum des Romans steht der Zehnjährige Rupert, der sich nach dem Tod seiner Mutter in Tante Hettys Obhut befindet. Das währt allerdings nur so lange, bis Ruperts Mutter unter der Erde ist und die vermeintliche Hetty sich mit den Ersparnissen der Toten über alle Berge machen kann.

Der Junge hat Glück im Unglück, denn Bella, eine junge Lady, die das Sonnenlicht aufgrund einer Krankheit meiden muss, findet ihn. Auf ihrem Anwesen in der Stadt nimmt sie sich der Kinder an, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, weil sie äußerlich anders sind. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich ein bisschen an Ransom Riggs Insel der besonderen Kinder erinnert, obwohl die Kinder in Tante Hetty nichts mit dem Übernatürlichen am Hut haben.

Angela Stoll beweist ein Händchen für ihre Figuren. Die Charaktere sind allesamt unverwechselbar und gut ausgearbeitet. Sie alle sind skurril bis kauzig – und Kochen ihr eigenes Süppchen. Am meisten hat mich Tante Hetty fasziniert. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Ingwer und Intrigen, die im Untertitel erwähnt werden. Munter wechselt sie ihre Tarnidentitäten, ist gierig, gerissen und skrupellos.

„Liebe gab es nicht. Das war nur eine Lüge, mit der den Dummen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.“ 

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.48)

Hetty geht über Leichen – am liebsten über die ihrer betagten, gut betuchten und plötzlich verstorbenen Gatten, denn sie ist hinter Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es macht großen Spaß, von solch einer Figur zu lesen – ihre Selbstgefälligkeit ist einfach herrlich. :)

Rupert verbringt einige glückliche Jahre auf dem Anwesen – doch dann droht eine neue Intrige Tante Hettys Bellas Lebenstraum zu zerstören. Die Kinder wollen das um alles in der Welt verhindern und versuchen, Tante Hetty auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass alles und jeder in dieser Geschichte irgendwie miteinander verbunden sind.

Wenn der Roman ein Manko hat, dann seine Kürze. Ich hätte gern noch mehr Zeit auf Bellas Anwesen verbracht und in der wundervollen Sprache geschwelgt. Für eine Bus-/Zugfahrt ist das Buch aber perfekt.

Fazit
Mit einer unterhaltsamen, spannenden Erzählung voller skurriler Charaktere, einer ungleich charmanten Erzählstimme und einer Tante Hetty, die ihresgleichen sucht, bietet der Roman ein kurzes, aber großes Lesevergnügen. Perfekt geeignet für den kleinen Lesehunger zwischendurch – und macht Lust auf kandierten Ingwer. :)

3 Gedanken zu “[Rezension] Angela Stoll – Tante Hetty. Ingwer und Intrige

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