[Zeitreise] Jan Hus – Die Reformation in Böhmen (Reformation II)

Liebe Zeitreisende,
herzlich willkommen zum mittleren Teil meines kleinen historischen Specials zur Reformation – ein Thema, an dem man in diesem Jahr kaum vorbeikommt, so omnipräsent sind Luther und sein Thesenanschlag. 500 Jahre Reformation. Vielleicht habt ihr ja Lust, euch auf diese kleine Zeitreise einzulassen.

Als angehende Historikerin, Leserin und Autorin interessiere ich mich dafür, wie unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit umgeht – sei es in Medien wie Romanen, Filmen, Zeitschriften und dergleichen, Museen oder Gedenktagen. All dies sind Puzzlestücke unseres kulturellen Gedächtnisses. Auch wenn wir manche historischen Inhalte nur nebenbei wahrnehmen, halten sie dennoch unser Bewusstsein für die Vergangenheit wach.

Luthers Ideen kamen nicht aus dem Nichts. In England und Böhmen gab es bereits im 14./15. Jahrhundert Männer, die die Kirche zu reformieren versuchten. Bis zum 31. Oktober – dem Reformationstag – möchte ich euch gern jeden Monat einen dieser Männer vorstellen.

Letzten Monat ist diese Reihe mit John Wyclif aus England gestartet. Heute blicken wir nach Europa, genauer gesagt nach Böhmen, wo Jan (bzw. Johann) Hus wirkte. Den Abschluss dieser Reihe wird – sicher nicht überraschend – Martin Luther bilden (und dafür habe ich mir schon etwas einfallen lassen, womit ihr bestimmt nicht rechnet ^^).

Jan Hus (1369-1415) – ein Reformator in Böhmen

Jan Hus (Quelle)

Schon nachdem Hus zum Priester geweiht worden war, kritisierte er den Verfall der Kirche und den Reichtum der Geistlichkeit. Sein Denken und wurde dabei deutlich von einigen Positionen John Wyclifs beeinflusst. Dessen Lehren verteidigte er mit einigen Anhängern gegen die kirchliche Obrigkeit und fand einen Unterstützer in König Wenzel.

 

Einige Kerngedanken seiner Lehre:

  • Die Heilige Schrift ist die einzige Quelle für die christliche Lehre.

Diese These vertrat schon Wyclif. Ebenso wie der Engländer setzte sich auch Hus dafür ein, dass die Bibel aus dem Lateinischen übersetzt werden sollte, um ihren Inhalt einer breiteren Schicht zugänglich zu machen. Zudem schrieb er Auslegungen zu einigen Bibeltexten, u.a. zu den Zehn Geboten.

  • Das Gesetz Gottes steht über den weltlichen Gesetzen.

Hus lehnte die kirchliche Hierarchie ab – eine Idee, die auf Wyclifs These der Herrschaft in Gottes Gnade fußt. Dadurch, dass er die göttlichen über die weltlichen Gesetze stellte, ergab sich als Konsequenz, dass Christen keinen Befehlen oder Handlungen der Herrschenden Folge leisten mussten, sofern sie sich nicht im Einklang mit dem Gesetz Gottes befanden. (Später ging aus diesen Überlegungen die Lehre vom notwendigen Ungehorsam der Christen hervor).

 

Quelle: Pixabay

Auch Hus wurde vor das Konzil von Konstanz geladen, das Wyclif posthum zum Ketzer verurteilte. Der böhmische Reformator war der Überzeugung, seine Thesen vor dem Konzil verteidigen zu können, wurde jedoch schon nach den ersten Verhören inhaftiert. Da er sich weigerte, die Sätze seiner Schriften, die als ketzerisch verurteilt worden waren, zu widerrufen, wurde er als Ketzer verbrannt.

Seine Anhänger verehrten ihn als Märtyrer, so dass Böhmen bald nach Hus‘ Tod Zeuge der Hussitenbewegung wurde. Zumal der Reformator in seinem Wirken auch tschechisch-nationale Strömungen berücksichtigt hatte, gilt er bis heute als Symbolfigur für ein Streben nach Wahrheit und Freiheit. Neben Wyclif wurde er so auch zu einem Wegbereiter für das, was Luther um 1517 zu verwirklichten suchte – aber dazu kommen wir im Oktober. ^^

 

Vielen Dank, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast. :) War das Maß an historischen Informationen okay oder zu viel? Über Kommentare würde ich mich freuen.


* Ein Hinweis in eigener Sache: Obwohl ich die dem Beitrag zugrunde liegenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe, ist diese Seite alles andere als zitierfähig.

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Mystery Blogger Award

Hallo ihr Lieben,
wie ihr wisst, ist die (Buch)Blogger-Szene bunt und vielseitig. Überall gibt es eine Menge toller Seiten und Beiträge zu entdecken – und dabei soll unter anderem auch der Mystery Blogger Award helfen. Okoto Enigma, seine Schöpferin, beschreibt die Ziele des Mystery Blogger Awards wie folgt:

WHY DID I CREATE THE AWARD?
I created the award because there are a lot of amazing blogs out there that haven’t been discovered, yet. And, most of these blogs deserve recognition. For that reason, I decided to create my own award; and nominate people who can also nominate others; and so on. This is one of the best ways to create a friendly community and build a link between bloggers in the blogosphere; as everyone gets nominated and they too can spread the fun by nominating more people for the award.

(Okoto Enigma)

Eine tolle Sache, wie ich finde. Daher habe ich mich auch sehr darüber gefreut, dass mich Sarah von sarahsbookblogxo vor kurzem für diesen Award nominiert hat (mein allererster übrigens und daher etwas ganz Besonderes für mich). Also: Vielen lieben Dank, Sarah! Es lohnt sich auch, einen Blick auf ihre Seite zu werfen, denn sie hat sich wirklich interessante Antworten auf die Fragen einfallen lassen. :)

Kommen wir nun aber zu den Spielregeln des Awards:

  • Nenne den Schöpfer des Awards und setze einen Link auf den Blog.
  • Platziere das Award Logo oder Bild in Deinen Post.
  • Danke der Person, die Dich nominiert hat und verlinke ihren Blog in Deinem Post.
  • Erzähle Deinen Lesern 3 Dinge von Dir selbst.
  • Beantworte die Fragen des Nominierenden.
  • Nominiere selbst 10-20 Blogger.
  • Frage Deine Nominierten 5 originelle Fragen Deiner Wahl.
  • Teile 5 Links zu Deinen besten Blogposts.
  • Benachrichtige Deine Nominierten, indem Du in Ihrem Blog kommentierst.

Über mich – in drei Antworten

1. Bücher umgeben mich den ganzen Tag. Als Studentin verbringe ich sehr viel Zeit in der Bibliothek und lese vor allem wissenschaftliche Publikationen. Ich mag die ruhige Atmosphäre und den Geruch der alten Bücher. Dann kann ich mich meistens viel besser konzentrieren und schaffe auch mehr. Trotzdem lese ich auch nach der Uni sehr gern, um mich zu entspannen.

2. Seit Mai habe ich einen E-Reader. Obwohl ich immer gedacht habe, dass ich mich nie nie niemals mit elektronischen Büchern anfreunden könnte, muss ich zugeben, dass so ein Gerät doch ganz schön praktisch ist. Allein schon die vielen Kleinverlagsbücher, die man als E-Book um ein Vielfaches günstiger kaufen kann … so habe ich schon einige tolle Autoren für mich entdeckt. Trotzdem mag ich richtig schön gestaltete Hardcover oder Taschenbücher immer noch lieber. Das Rascheln des Papiers hat einfach einen ganz eigenen Zauber, den ein E-Reader einfach nicht imitieren kann. :)

3. Ich bin nicht nur Leserin, sondern auch Autorin. Momentan stecke ich mitten in der Überarbeitung eines Romanmanuskriptes – und hoffe, dass ich noch in diesem Jahr den Mut finde, mich damit zum ersten Mal bei einem Verlag zu bewerben.


Sarahs Fragen

1. Kannst du etwas mit Buchfanartikeln anfangen? Wenn ja, was besitzt du in dieser Hinsicht?

Oh ja. :) Ich habe zwei Zauberstäbe aus dem Harry Potter-Universum (Hermine und Voldemort). Ansonsten bin ich auch ein großer und leidenschaftlicher Herr der Ringe und Hobbit Fan, habe jedes Jahr einen Kalender mit Bildern aus den Filmen und sogar ein HdR Monopoly. Was mir noch fehlt, sind diese superniedlichen Funkos.

2. Wonach sortierst du dein Bücherregal?

Nach Buchreihen und Autoren. Sofern es der Platz zulässt stelle ich eine Buchreihe in ein Fach – bei den Elfen-Romane von Bernhard Hennen sind es mittlerweile schon zwei. Ansonsten gibt es noch ein Fach speziell für englische Bücher und zwei Fächer mit Mängelexemplaren. Die sind mittlerweile so zahlreich, dass sie zweireihig stehen und einige Bücher über den anderen liegen.

3. Liest du lieber Reihen oder Einzelbände?

Obwohl mein Buchgeschmack breit gefächert ist, sind die meisten Bücher, die ich besitze, Teil einer Reihe – mindestens einer Trilogie, wenn nicht sogar mehr. Kein Wunder, da ich vor allem High Fantasy lese.

4. Mit welchem Buchcharakter würdest du auf der Stelle als Pärchen zusammenkommen wollen?

Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Meistens schlägt mein Herz eher für die Nebencharaktere (die in nahezu 99,9 % aller Fälle sterben).
Eine Figur, die mich wegen ihres hin und her gerissenen Charakters schon immer fasziniert hat ist Murtagh aus der Eragon-Reihe. Oder aber Athanor, leicht überheblicher Prinz und letzter Überlebender des Menschengeschlechts, aus David Falks Der letzte Krieger.

5. Welcher ist dein Lieblings YouTuber, der nichts mit Büchern zu tun hat?

Ehrlich gesagt schaue ich mir nur selten Videos auf YouTube an und kann daher keinen nennen.


Meine Fragen

1. Welches Buch hast du zuletzt hauptsächlich wegen seines Covers gekauft?
2. Welches Buch ist (bis jetzt) dein Jahreshighlight 2017?
3. Den ersten Satz welches Buches kannst du nicht vergessen, weil er dich so überrascht/gepackt/verzaubert etc. hat?
4. Welches Buch hättest du gern selbst geschrieben und warum?
5. Welcher Buchcharakter wärst du gerne?


Ich nominiere folgende Blogs für den Mystery Blogger Award (ich hoffe, ich erwische niemanden, der schon nominiert wurde):

Vielleicht habt ihr ja Lust, meine Fragen zu beantworten. Ich würde mich freuen.  :)

Liebe Grüße und viel Spaß beim Stöbern auf den anderen tollen Blogs,
Eure Anna

[Rezension] Norman Doderer – Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn

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„Sie kommen zurück. Es hat bereits begonnen. Schwarze Wolken ziehen von Osten her auf und werden Tyr erneut in Dunkelheit hüllen“

(Norman Doderer, der Weg nach Aeswyn, S.26 E-Book )

Habt ihr Lust auf eine Reise durch eine epische Fantasywelt, bei der nicht weniger auf dem Spiel steht, als das Fortbestehen derselbigen? Ja? Dann begleitet mit mir den Elfenprinzen Aladriel auf seinem gefährlichen Weg nach Aeswyn.

Auf einen Blick:

Titel: Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn
Reihe: Ja, Band 1
Autor: Norman Doderer
Verlag: Talawah Verlag
Seiten: 268
Format: E-Book
Preis: 1,99€
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2017
Genre: High Fantasy

Bildrechte liegen beim Verlag

 

 

Klappentext
Tyr, das einst große und stolze Reich der Elfen, ist nach einem schrecklichen Krieg in drei Königreiche zerfallen und seither durch Mauern getrennt. Getrieben von Misstrauen und Argwohn haben die Könige von Mag Môr, Tawhar und Aeswyn jegliche Beziehungen zueinander abgebrochen. Doch ein alter gemeinsamer Feind wirft abermals seine dunklen Schatten gen Tyr..
Aladriel, der junge Prinz Tawhars, macht sich gegen den Willen seines Vaters auf, um in Aeswyn um Beistand zu bitten. Wird es dem jungen Waldelfen gelingen, das Reich gegen diese Bedrohung erneut zu einen? Oder besiegeln unüberwindbare Differenzen zwischen den drei Elfenvölkern ihr gemeinsames Schicksal? Eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse beginnt … (Quelle: Talawah Verlag)

Das Buch
Ich liebe High Fantasy. Egal ob Elfen, Zwerge oder Trolle: Von solchen Romanen kann ich nur schwer die Finger lassen. Kein Wunder also, dass mich der Klappentext von Die Legende von Tyr – der Weg nach Aeswyn sofort zum Kauf verführt hat.

Obwohl es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gelingt es Norman Doderer, den Leser behutsam in den Kosmos seiner Erzählung einzuführen. Der Weltenbau ist – ebenso wie die Geschichte des Elfenreiches – stimmig und gut durchdacht: Die drei Königreiche Mag Môr, Tawahr und Aeswyn unterscheiden sich ebenso wie die Bräuche und Lebensweise der verschiedenen Elfenvölker. Doch eines ist ihnen trotz ihrer tiefwurzelnden Feindschaft gemein: Sie alle werden durch eine alte Gefahr bedroht, die längst besiegt schien.

Für Aladriel, den Prinzen der Waldelfen, steht außer Frage, dass das Reich nur durch eine Allianz von Tawahr und Aeswyn geschützt werden kann – und so begibt er sich mit seinem Freund Lorin und seinem Wolfsgefährten auf den langen und beschwerlichen Weg nach Aeswyn.

Eine alte, fast vergessene Bedrohung, die verzweifelte Suche nach Hilfe und eine Reise – das alles sind Zutaten, die viele High Fantasy-Romane beinhalten. Insbesondere die lange Reise eröffnet dem Leser die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Erzählung einzutauchen – so auch hier. Der Autor nutzt nahezu jede sich bietende Gelegenheit, neue Details und Charakteristika der Romanwelt vorzustellen. Besonders die Erklärungen über Religion und Gesellschaftsordnung haben es mir angetan. Solche Exkurse sind faszinierend und tragen dazu bei, dass die Welt plastisch und authentisch wirkt, sie geraten allerdings oft etwas ausufernd und scheinen manchmal fehl am Platze.

Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Aladriels Begleiter Lorin hat es mir angetan. Er ist sarkastisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und erinnert seinen Freund immer wieder daran, dass es manchmal besser ist, erst nachzudenken und dann zu handeln.

Mit Aladriel, dem Perspektivträger, habe ich mich etwas schwerer getan. Ohne Frage ist er sympathisch und folgt seinen Idealen. Aber in manchen Situationen kommt er auf seltsame Ideen, die er erst nach Lorins Mahnung verwirft und dann erst seine vorherige Entscheidung überdenkt. Mich hat es gerade zu Anfang ungemein gestört, dass Aladriel das Denken Lorin zu überlassen scheint. Viele Konflikte zwischen den beiden entwickeln sich sprunghaft oder Interessantes wird nur angedeutet. So hat Lorin zum Beispiel dem alten Glauben abgeschworen, dies wird jedoch nicht weiter thematisiert und bleibt auch im weiteren Verlauf der Handlung ohne Konsequenzen.

Natürlich werden die beiden auf ihrer Reise verfolgt, müssen sich gegen die Witterung, ein Gebirge und zahllose wilde Tiere behaupten. Einige dieser Szenen wirken wie Lückenfüller und bringen den Plot kaum voran. Wieder andere Szenen – insbesondere die Kampfszenen, wenn Aladriel gegen andere Elfen antritt – konnten mich packen. Das waren die Momente, in denen ich wirklich mit dem Elfen mitgefiebert habe.

Sprachlich stechen einige Bilder und Vergleiche wirklich heraus, weil sie farbig und neu sind. Sehr oft werden allerdings auch ganze Formulierungen wiederholt und ich hatte das Gefühl, dass sich Dinge gedoppelt haben.

Während manche Passagen der Reise nur so dahinplätschern, endet der Roman jedoch mit einem wahren Paukenschlag – und einem Cliffhanger, der mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.

Fazit
Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn ist ein solider Auftaktroman. Obwohl sich das Buch eher wie ein Prolog liest, liegt seine Stärke dennoch in der sehr gut ausgearbeiteten Welt, die mich komplett überzeugt hat.

Ein Buchpaket und ein Dankeschön :)

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Hallo Buchfreunde,

dieses tolle Paket, das ihr auf dem Foto unten seht, hat mich gestern erreicht. Höchste Zeit, also, meinem geschätzten Blogger- und Autorenkollegen Erik Huyoff

Danke

zu sagen. :) Vor ein paar Wochen hat Erik nämlich ein Gewinnspiel anlässlich seines zweiten Blogggeburtstags veranstaltet. Dazu hat er seine Leser aufgefordert, einen Namen für die Gefährtin seines Einhorns Konrad vorzuschlagen.

Unter all den tollen Ideen hat er sich schließlich für meine entschieden – und ein bezauberndes Gewinnpaket gepackt. :) Darin waren …

  • Tee – passt perfekt zu einem stürmischen Herbsttag, einer kuscheligen Decke und einem guten Buch ^^
  • Süßigkeiten
  • Lesezeichen und andere Buchgoodies
  • eine persönliche Nachricht auf einer Postkarte

und der Hauptgewinn:

  • der Roman Das Päckchen  von Jacqueline Vellguth – inklusive eines super niedlichen Eulen-Lesezeichens von Lovelybooks.

Ein bisschen habe ich schon in den Roman reingeschnuppert, bevor er vorübergehend auf meinen SUB zieht – ich denke, das Buch könnte mir gefallen.

An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an Erik!

Liebe Grüße
Anna

 

[Rezension] Angela Stoll – Tante Hetty. Ingwer und Intrige

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„Was sollte nur aus ihm werden, mutterlos und ohne Vater? Nun hatte er nur noch diese Tante, die ihm ziemliche Angst einjagte.“

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.8)

Tante Hetty konnte mich schon auf den ersten Blick von sich überzeugen. Das Cover ist wunderbar stimmungsvoll, die Frauensilhouette elegant und eine Spur arrogant zugleich. Als ich dann noch den Klappentext gelesen habe, wusste ich es: Diesen Roman muss ich unbedingt lesen.

Auf einen Blick:

Titel: Tante Hetty. Ingwer und Intrige
Autorin: Angela Stoll
Verlag: Verlag ohneohren
Seiten: 80
Format: E-Book
Preis: 1,49€
Erscheinungsdatum: 24. Juni 2017
Genre: Steampunk
Bildrechte liegen beim Verlag

 

 

 

Klappentext
Rauch aus den Schornsteinen der Eisenhütten verfinstern die Stadt. Ebenfalls düster sieht es für einen ihrer Bewohner aus. Rupert ist zehn Jahre alt und allein. Als unehelich geborenes Kind vertraut er auf die Fürsorge von Tante Hetty, einer Frau, die seiner kürzlich verstorbenen Mutter sehr nahestand. Ihm bleibt keine Zeit zum Trauern, denn die Tante entpuppt sich als perfide Betrügerin.

Als der verlassene Junge einsam durch die Straßen stolpert und einer Geisterfrau begegnet, eröffnen sich für Rupert neue Welten: die Bedrohung durch mechanische Wächter, der Ruß der Stadt und die Obhut einer starken Frau. All dies vermischt sich mit dem allgegenwärtigen Geschmack von Tantes Hettys Ingwerbonbons – und dem einer Intrige. (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Die Zahnräder auf dem Cover verraten es schon: Tante Hetty ist ein Steampunk-Kurzroman. Wer nichts mit dem Begriff Steampunk anfangen kann, den kann ich beruhigen: Die Elemente sind sparsam eingesetzt und tragen dazu bei, die besondere Atmosphäre des Romans zu vertiefen.

Schon auf den ersten Seiten konnte Tante Hetty mich für sich gewinnen – das liegt nicht allein an ihrem einnehmenden Wesen, vielmehr an der Erzählstimme. Mit unvergleichlichem Charme, süffisanten, bitterbösen und amüsanten Kommentaren hat mich die Erzählung langsam in ihre Welt eintauchen lassen, beinahe als lausche man einem Geschichtenerzähler.

Im Zentrum des Romans steht der Zehnjährige Rupert, der sich nach dem Tod seiner Mutter in Tante Hettys Obhut befindet. Das währt allerdings nur so lange, bis Ruperts Mutter unter der Erde ist und die vermeintliche Hetty sich mit den Ersparnissen der Toten über alle Berge machen kann.

Der Junge hat Glück im Unglück, denn Bella, eine junge Lady, die das Sonnenlicht aufgrund einer Krankheit meiden muss, findet ihn. Auf ihrem Anwesen in der Stadt nimmt sie sich der Kinder an, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, weil sie äußerlich anders sind. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich ein bisschen an Ransom Riggs Insel der besonderen Kinder erinnert, obwohl die Kinder in Tante Hetty nichts mit dem Übernatürlichen am Hut haben.

Angela Stoll beweist ein Händchen für ihre Figuren. Die Charaktere sind allesamt unverwechselbar und gut ausgearbeitet. Sie alle sind skurril bis kauzig – und Kochen ihr eigenes Süppchen. Am meisten hat mich Tante Hetty fasziniert. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Ingwer und Intrigen, die im Untertitel erwähnt werden. Munter wechselt sie ihre Tarnidentitäten, ist gierig, gerissen und skrupellos.

„Liebe gab es nicht. Das war nur eine Lüge, mit der den Dummen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.“ 

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.48)

Hetty geht über Leichen – am liebsten über die ihrer betagten, gut betuchten und plötzlich verstorbenen Gatten, denn sie ist hinter Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es macht großen Spaß, von solch einer Figur zu lesen – ihre Selbstgefälligkeit ist einfach herrlich. :)

Rupert verbringt einige glückliche Jahre auf dem Anwesen – doch dann droht eine neue Intrige Tante Hettys Bellas Lebenstraum zu zerstören. Die Kinder wollen das um alles in der Welt verhindern und versuchen, Tante Hetty auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass alles und jeder in dieser Geschichte irgendwie miteinander verbunden sind.

Wenn der Roman ein Manko hat, dann seine Kürze. Ich hätte gern noch mehr Zeit auf Bellas Anwesen verbracht und in der wundervollen Sprache geschwelgt. Für eine Bus-/Zugfahrt ist das Buch aber perfekt.

Fazit
Mit einer unterhaltsamen, spannenden Erzählung voller skurriler Charaktere, einer ungleich charmanten Erzählstimme und einer Tante Hetty, die ihresgleichen sucht, bietet der Roman ein kurzes, aber großes Lesevergnügen. Perfekt geeignet für den kleinen Lesehunger zwischendurch – und macht Lust auf kandierten Ingwer. :)

Phantastika 2017 [Messebericht]

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Das Herz der Phantastik-Szene schlug an diesem Wochenende in Oberhausen – zumindest hatte ich das Gefühl, als ich gestern zwischen Steampunkern, Staartroopern und anderen Cosplayern über die allererste Phantastika geschlendert bin.

Trotz anfänglicher Skepsis, weil die Anzahl der Aussteller doch … recht überschaubar war, gab es an den Ständen und auf den Wegen vieles zu Bestaunen und zu Entdecken: Bücher, Schmuck, LARP-Waffen und und und.

Der Lesebus (Foto: privat)

Das Gebäude ist allerdings so verwinkelt, dass einige Stände sehr versteckt und somit ungünstig lagen.
Die fünf Themenwelten, die schon im Vorfeld der Veranstaltung groß beworben wurden (vgl. dazu meinen Vorbericht *hier*), fanden sich auf der Messe unterschiedlich gut repräsentiert. So standen dem Phantastischem Spielen nur einige wenige Tische zur Verfügung – an denen ich mehrfach vorbeigelaufen bin, ohne zu bemerken, dass sie zur Themenwelt gehörten. Auch die groß angekündigte Ausstellung der Deutschen Tolkien Gesellschaft, bei der man ins Auenland eintauchen könne, blieb hinter meinen Erwartungen zurück. Ich hätte mich auch darüber gefreut, wenn im Vorfeld der Veranstaltung deutlicher kommuniziert worden wäre, dass man keine Getränke – nicht einmal eine Flasche Wasser – mit auf das Gelände nehmen darf (was ja sogar auf der Frankfurter Buchmesse erlaubt ist).

Von Büchern, Lesungen und Weltenschöpfern

Das Hauptaugenmerk lag eindeutig auf dem Phantastischen Lesen: Vor allem die Kleinverlagsszene präsentierte ihr buntes Programm, das neben Steampunk, Romantasy, Sci-Fi und Co. nahezu alle Spielarten der Phantastik abdeckt. Wer sich also gerne von spannenden Geschichten in fantastische Welten entführen lässt, konnte auf jeden Fall fündig werden.

In eine fantastische Welt der ganz anderen Art konnte man sich am Stand des Talawah Verlags entführen lassen. Dort gab es die Möglichkeit, eine Virtual Reality Brille auszuprobieren und eine alte Elfenzitadelle zu durchstreifen. Ganz schön ungewohnt, aber auch verdammt cool (ich möchte nur nicht wissen, wie amüsant das ausgesehen haben muss^^). Norman Doderer vom Verlag stand auch für ein bisschen Buchgeplauder zur Verfügung – und hat mich schon neugierig auf einige Titel gemacht, die bald im Verlag erscheinen werden.

Mein persönliches Highlight war ohne Frage die Begegnung mit Tom Daut am Stand des Papierverzierer Verlags. Tom schreibt eine wahnsinnig geniale Dystopie – die Anno Salvatio 423-Reihe – und ist ein Autor, der sein Handwerk versteht und mitreißende, lebendige Lesungen gestaltet. (Bevor ich aber noch mehr über seine Bücher schwärme, sollte ich demnächst lieber mal eines hier besprechen.) Er war super sympathisch und hat mir meine alte Sinistra-Ausgabe signiert – inklusive einer richtig tollen Widmung. :)

Dann war es auch schon Zeit für einen Workshop bei Robert Corvus zum Thema phantastische Welten erschaffen. Ursprünglich hätte die Veranstaltung von ihm und Bernhard Hennen betreut werden sollen, doch letzterer musste seine Teilnahme an der Phantastika leider aus gesundheitlichen Gründen absagen. Mit Witz und Lockerheit hat Robert Corvus den interessierten Teilnehmern einige Kernpunkte des Weltenschöpfens vermittelt – und diese an den Welten seiner eigenen Romane verdeutlicht, ehe wir selbst in Kleingruppen aktiv werden durften. Im Nachhinein betrachtete hat sich der Workshop für mich nicht wirklich gelohnt, weil ich wenig Neues daraus mitgenommen habe.

Unmittelbar daran hat sich eine Lesung der wundervollen Fabienne Siegmund

Fabienne Siegmund vor der Lesung aus dem Herbstbringer (Foto: privat)

angeschlossen, die ihren Roman Die Blätter des Herbstbringers (erschienen im Verlag ohneohren) vorstellte. Was soll ich sagen? Ich war hin und weg von der faszinierenden Figur des Herbstbringers und dem poetisch-melancholischem Schreibstil der Autorin. Für sie hätte ich mir gewünscht, dass mehr Leute gekommen wären, um ihr zu lauschen. Nach einer halben Stunde hat sie an ihre Kolleginnen Jacqueline Mayerhofer und Melanie Vogeltanz abgegeben, die kurze Teaser aus ihren Kurzgeschichten aus der für den Deutschen Phantastik Preis nominierten Anthologie Heimchen am Schwert (ebenfalls aus dem Verlag ohneohren) gelesen haben.

Natürlich konnte ich die Phantastika nicht verlassen, ohne nicht wenigstens ein Buch gekauft zu haben. Bei all den tollen Titeln ist mir die Wahl dennoch nicht so schwer gefallen, weil ich mich einfach in den Herbstbringer verliebt habe. Ein weiterer Neuzugang ist Eramus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé (Art Skript Phantastik Verlag) aus der Feder von Katharina Fiona Bode. (Beide Bücher und ein paar Goodies könnt ihr auf dem Foto unten bewundern.)

Fazit
Mein Besuch auf der Phantastika hat sich definitiv gelohnt. Das Programm war bunt und abwechslungsreich ebenso wie die Aussteller, auch wenn ich nichts gegen den ein oder anderen Stand mehr einzuwenden hätte. :) Alles in allem eine gelungene Veranstaltungspremiere.

Phantastische Grüße,
Eure Anna

 

Errungenschaften von der Phantastika

 

 

Follow Friday #49 – Sternevergabe bei Rezensionen

Hallo Buchperlentaucher,
als ich vor zwei Monaten mit dem Bloggen begonnen habe, hat mich die schiere Anzahl an Blogaktionen ganz schön verwirrt. Mit Begriffen wie der Montagsfrage oder dem Mittendrin Mittwoch konnte ich ehrlich gesagt wenig anfangen. Höchste Zeit also, das zu ändern und etwas Neues auzuprobieren. Wie an jedem Freitag hat FiktiveWelten  auch heute wieder eine Frage für den Follow Friday gestellt:

Sternenvergabe bei Rezensionen – Sinn oder Unsinn?

Es ist gar nicht so lange her, dass ich mir diese Frage selbst gestellt habe. Als ich mir überlegt habe, wie ich meine Rezensionen gestalten möchte, ging es mit vor allem um eines:

Wie hilft mir die Vergabe von Sternen (oder Punkten) als Leserin bei der Entscheidung für oder gegen ein Buch?

Sternebewertungen auf Plattformen wie Lovelybooks oder Goodreads oder auch in den Onlineshops haben einen klaren Vorteil: Ich kann auf einen Blick erkennen, wie beliebt ein Buch ist – und wie breit gefächert die Reaktionen sind, die es hervorruft.

Da wären wir auch schon beim ersten Problem der kleinen, gelben Sterne: Ihre Vergabe ist absolut subjektiv. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Nur weil ein Buch einen wahren Berg an Fünf-Sterne-Bewertungen bekommen hat, heißt das noch lange nicht, dass es mir auch gefallen muss.

Sehe ich nur die Sternebewertung, kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen, welche ein Rezensent bei der Vergabe der Sterne angelegt hat. Die Bewertung eines Buches mit solch einem System setzt immer voraus, dass es schon ein anderes Buch gibt, verglichen mit dem der aktuelle Lesestoff besser oder schlechter ist. Das heißt auch, dass ich mindestens zwei oder drei andere Rezensionen des Bewertenden gelesen haben sollte, um die Bewertung in ein Verhältnis setzen zu können.

Genauso wenig kann ich auf den ersten Blick erkennen, welche Bedeutung eine bestimmte Sternenanzahl für den jeweiligen Rezensenten hat (es sei denn,

Für gute Bücher soll es Sterne regnen? (Quelle: geralt/Pixabay)

es gibt irgendwo eine Legende, die das aufdröselt, so wie sie einige Blogger haben). Manche sind sparsamer mit ihren Fünf-Sterne-Bewertungen als andere. (Obwohl ich in letzter Zeit immer wieder das Gefühl habe, dass alle Bewertungen unter fünf Sternen von Verlagen oder Autoren als schlecht empfunden werden. Und dass viele Rezensenten generell davor zurückschrecken, „schlechte“ Sternebewertungen zu vergeben, aber das ist ein anderes Thema).

Solche Bewertungssysteme empfinde ich eher als starres Korsett. Um die Wirkung, die eine Geschichte auf mich hatte, in einer Bewertung einfangen zu können, brauche ich eine breitere und vor allem viel differenziertere Skala. Sobald es aber an die ,5 oder ,025 Sterne geht, wird das ganze wieder unübersichtlich. Ein schriftliches Fazit bietet mir viel mehr Möglichkeiten, eine begründete Empfehlung auszusprechen.

Wichtiger als die Sternenvergabe ist für mich der Inhalt der Rezension. Wenn ein Buch ausführlich besprochen wird und der Rezensent seine Meinung gut begründet, hilft mir das am meisten. Die Sterne/Punkte/was-auch-immer schaue ich mir oft gar nicht mehr an. Deshalb habe ich mich (für den Moment) dagegen entschieden, Sterne auf meinem Blog zu vergeben (obwohl ich es auf Lovelybooks tue).

Bloggen ist ja auch ein bisschen so, wie mit Freunden über Bücher plaudern. Und wer würde seinen Freunden schon ein Buch empfehlen mit den Worten: „Das musst du unbedingt lesen, dem habe ich fünf Sterne gegeben“?