[Zeitreise] John Wyclif, die Papstkirche und die englische Krone (Reformation I)

Achtung: Der folgende Beitrag enthält historischen Content.^^ Wer jetzt mit Schrecken an seinen Geschichtsunterricht in der Schule zurückdenkt, an staubtrockene Daten und Fakten, den möchte ich trotzdem bitten, diesem Beitrag eine Chance zu geben. Vielleicht ist er ja doch nicht so langweilig und trocken, wie ihr vermutet. ;)

Unser Umgang mit der Vergangenheit

Als angehende Historikerin, Leserin und Autorin interessiere ich mich dafür, wie unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit umgeht – sei es in Medien wie Romanen, Filmen, Zeitschriften und dergleichen, Museen oder Gedenktagen. All dies sind Puzzlestücke unseres kulturellen Gedächtnisses. Auch wenn wir manche historischen Inhalte nur nebenbei wahrnehmen, halten sie dennoch unser Bewusstsein für die Vergangenheit wach.

In diesem Jahr ist ein Thema omnipräsent – so präsent, dass ich es selbst kaum mehr sehen/hören/lesen kann: Luther und sein Thesenanschlag. 500 Jahre Reformation.
Warum Luther es dann trotzdem auf diesen Blog schafft? Weil oft übersehen wird, dass Luthers Ideen nicht aus dem Nichts kamen.

In England und Böhmen gab es bereits im 14./15. Jahrhundert Männer, die die Kirche zu reformieren versuchten. Bis zum 31. Oktober – dem Reformationstag – möchte ich euch gern jeden Monat einen dieser Männer vorstellen. Angefangen bei John Wyclif, um den sich dieser Artikel drehen soll, über Jan (bzw. Johann) Hus bis wir schließlich doch noch bei Luther landen – aber anders, als ihr jetzt vielleicht vermutet. *

John Wyclif (1330-1384) – ein Reformator in England

John Wyclif (Quelle: fromoldbooks.org)

Im Gegensatz zu Europa, das im 14. Jahrhundert die Ausbreitung verschiedener häretischer Bewegungen erlebte, blieb es in England lange Zeit relativ ruhig, was die englische Kirche auch ihrer straffen Organisation verdankte. Erst, als im Land mehr Geistliche ausgebildet wurden, als man tatsächlich benötigte, begannen die Kleriker, ihre Dienste zu verkaufen – sehr zum Unmut der Bevölkerung. In dieser Zeit begann auch John Wyclif, der in Oxford Theologie studiert hatte und auch dort unterrichtete, die Verweltlichung der Kirche zu bekämpfen.

Einige Kerngedanken seiner Lehre:

  • Für die christliche Lehre und den Kult ist allein die Heilige Schrift maßgeblich.

Eine ähnliche Forderung formuliert gut 150 Jahre später auch Luther, für den es keine andere Offenbarung des Willen Gottes gab außer der Bibel. Für Wyclifs Lehre und seinen Glauben war diese Überzeugung so zentral, dass er die Heilige Schrift um 1380 ins Englische übersetzte.

  • Herrschaft gibt es nur in (Gottes) Gnade.

Obwohl Herrschaft an sich und die menschliche Rechtsordnung unmittelbar von Gott stammten, sei die menschliche Herrschergewalt erst nach dem Sündenfall entstanden. Dadurch, und weil die von Menschen erlassenen Gesetze oft kleinere Vergehen – oder Sünden – zuließen, um größere zu verhindern, sei jede Ausübung von menschlicher Herrschaft sündhaft.

So weit, so gut. Aber was hat das mit Gottes Gnade zu tun?

Ganz einfach: Diese ist für Wyclif die Bedingung, um überhaupt über Herrschergewalt verfügen zu können. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass ein Mensch, der sündigt – also gegen Gottes Willen handelt – die Gnade des Herrn verliert und damit gleichzeitig das Recht, irgendeine Form der Herrschaft auszuüben.

Daher sollte insbesondere der Papst, das Oberhaupt der Kirche, auf seine weltliche Herrschaft verzichten, da diese mit sündhaften Handeln verbunden sei, um Gottes Gnade nicht zu verlieren.

  • Die Kirche muss zur christlichen Armut zurückfinden.

In Wyclifs Augen nahm die Geistlichkeit eine Vermittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen ein. Durch ihre Predigten und eine vorbildliche Lebensweise , die dem entsprach, was sie predigten, sollten sie den Menschen zeigen, wie sie zur Seligkeit gelangen konnten – ihnen also als gutes Beispiel vorangehen.

Als Nachfolger Christi in seiner menschlichen Natur sollten die Geistlichen – und ganz besonders der Papst – sich an der Armut Christi orientieren, die Wyclif zu einem Ideal erhob, das es nach Möglichkeit zu erreichen galt.

Quelle: Pixabay

Wyclif hat während seines Wirkens eine ganze Reihe an Schriften veröffentlicht, aber als kleiner Einblick in sein Denken sollte das genügen. Seine Ideen hatten große soziale, vor allem aber auch religiöse Sprengkraft. Schon früh hat der Oxforder Theologe das Papsttum auf sich aufmerksam gemacht. Gregor der XI. sah die Kirche und die weltliche Macht durch Wyclifs Herrschafts- und Eigentumstheorie bedroht – und fürchtete in erster Linie um seine eigene Position.

Das Papsttum unternahm mehrere Versuche, die Ausbreitung seiner Lehren einzudämmen oder diese als ketzerisch zu verurteilen, doch ohne großen Erfolg: Viele Schriften entstanden während des großen abendländischen Schismas (die Zeit von 1378-1417, in der es zwei Päpste gab, einen in Rom und einen in Avignon). Die Päpste waren viel zu sehr mit ihren eigenen Rivalitäten beschäftigt, um härter gegen Wyclif vorzugehen.

Noch dazu waren ihm die Unterstützung und der Schutz durch die englische Krone sicher. Wyclifs Ideen eröffneten dem König die Möglichkeit einer Kirchenreform durch Enteignung. Gerade in Zeiten klammer Kassen (der Hundertjährige Krieg mit Frankreich verschlang Unsummen), kam das wie gerufen.

Die Thesen des Theologen wurden immer radikaler– er verwarf u.a. die kirchliche Hierarchie, das Zöllibat, den Ablass und die Abendmahlslehre – erfuhren zugleich aber auch immer größeren Zuspruch aus der Bevölkerung. Seinen Anhängern, die sich selbst Lollarden nannten, sagte der Klerus rasch nach, an der Entstehung des Bauernaufstandes im Sommer 1381 beteiligt gewesen zu sein. Obwohl Wyclif diesen scharf verurteilte, weil Widerstand gegen die bestehende soziale Ordnung mit seiner Lehre nicht vereinbar war (Ähnliches geschah auch bei Luther), wurde Wyclif für die Krone untragbar und er verlor seinen weltlichen Schutzherren.

In der Folge war es für die Geistlichkeit leichter, Wyclifs Thesen zu verurteilen und ihre Ausbreitung einzudämmen, obwohl der Theologe erst posthum als Ketzer verurteilt wurde. Trotz aller Bemühung seitens der Kirche besaßen Wyclifs Lehren jedoch weit über England hinaus Bedeutung – aber das ist eine Geschichte, die ich ein andern Mal erzähle.^^

Vielen Dank, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast. :) War das Maß an historischen Informationen okay oder zu viel? Über Kommentare würde ich mich freuen.


* Ein Hinweis in eigener Sache: Obwohl ich die dem Beitrag zugrunde liegenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe, ist diese Seite alles andere als zitierfähig.

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[Rezension] Cornelia Funke – Die Feder eines Greifs (Drachenreiter Band 2)

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„Drachenreiter, -freund, -gefährte. Kein Wort konnte wirklich ausdrücken, was den Jungen und den Drachen verband.“

(Cornelia Funke, Die Feder eines Greifs, S.91)

Die Feder eines Greifs erzählte im letzten Herbst ein neues Kapitel der Geschichte von Ben und dem Silberdrachen Lung aus Drachenreiter – ein Buch, das für mich wie kein zweites mit vielen Kindheitserinnerungen verknüpft ist.

Auf einen Blick:
Titel: Die Feder eines Greifs
Reihe: Drachenreiter Band 2
Autor: Cornelia Funke
Verlag: Dressler Verlag
Seiten: 416
Format: Buch/E-Book
Preis: 18,99€/13,99€
Erscheinungsdatum: September 2016
Genre: Fantasy (ab 10)
Bildrechte liegen beim Verlag

Klappentext
Der Drachenreiter kehrt zurück!

In der Abgeschiedenheit Norwegens erreicht Ben eine schreckliche Nachricht: Die letzten drei Pegasusfohlen werden vermutlich nie schlüpfen und mit ihnen werden die geflügelten Pferde für alle Zeit aus dieser Welt verschwinden. Um sie zu retten, machen sich Ben und Barnabas mit einem äußerst ungewöhnlichen Expeditionsteam auf den weiten Weg nach Indonesien, um dort eins der gefährlichsten Fabelwesen der Welt zu finden. Denn nur die Sonnenfeder eines Greifs kann die Fohlen noch vor dem Tode bewahren. Doch Greife hassen Pferde, und das Wesen, das sie als ihren ärgsten Feind betrachten, ist Bens bester Freund – ein Drache. (Quelle: Dressler Verlag)

Die Erzählung setzt zwei Jahre nach den Ereignissen aus Drachenreiter ein, doch um seine Freude an Die Feder eines Greifs zu haben, muss man den ersten Band nicht gelesen haben. Mittlerweile wurde Ben von den Wiesengrunds adoptiert, die in Norwegen eine Schutzstation für Fabelwesen aufgebaut haben. Ein im wahrsten Sinne des Wortes magischer Ort, der ebenso wie seine – teils skurrilen, aber in allen Fällen liebenswerten – Bewohner, die mit viel Phantasie und Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden.

Auf Ben und seine Freunde wartet diesmal eine gefährliche Mission: Damit die letzten drei Pegasusfohlen schlüpfen können, müssen sie die Feder eines Greifs besorgen, die diesen nur aufgrund besonderer Tapferkeit wächst – und ihnen bliebt dafür nicht viel Zeit. Als wäre das nicht schon dramatisch genug, sind Drachen und Greife Erzfeinde. Weil Ben Lung nicht in Gefahr bringen will, belügt er seinen Freund über das Ziel ihrer Reise.

Ben und sein kunterbunter, manchmal leicht chaotischer Expeditionstrupp erleben im Urwald Indonesiens viele Abenteuer. Sie begegnen einer Reihe faszinierender Fabelwesen und anderen Tieren, deren Charaktere allesamt rund und plastisch ausgearbeitet sind. Am beeindruckendsten waren für mich die Darstellung und Charakterisierung der Greife und ihrer Lebenswelt.

Natürlich darf auch das Stammpersonal aus dem ersten Band nicht fehlen. Eine echte Überraschung war für mich Fliegenbein, der letzte Homunkulus. Sein Charakter ist so vielschichtig und tief und mit seinen teils hochphilosophischen Gedanken hat er sich zu meinem heimlichen Helden gemausert.

Allerdings ist es schade, dass Lung und Ben gut die Hälfte des Romans getrennt sind – worunter beide leiden. Funke gelingt es aber gerade durch diese räumliche Trennung, das Besondere ihrer Freundschaft einzufangen, das man kaum in Worte fassen kann.

Wenn man eines sagen kann, dann, dass es der Autorin nicht an Kreativität mangelt. Wie schon im Vorgänger hat sie den Text selbst liebevoll illustriert. Noch dazu beginnt jedes Kapitel mit einem kurzen, aber passenden Zitat – von Puh der Bär über die Frau des Zeitreisenden und Unten am Fluss sind viele Klassiker der Literatur vertreten.

Die Geschichte ist tempo- und wendungsreich, sprüht vor Ideen und Einfallsreichtum und findet die perfekte Balance zwischen Witz und Ernst. Arten-, Umwelt- und Naturschutz werden thematisiert . Manchmal mit etwas zu stark erhobenem Zeigefinger, doch die Botschaft ist klar: Die Welt ist voller Wunder, die wir achten und bewahren sollten, statt sie rücksichtslos zu zerstören.

Insgesamt hat mir die Fortsetzung zu Drachenreiter gut gefallen. Sie ist kurzweilig zu lesen, spannend, amüsant und unterhaltsam. Die Erzählung hat mich so tief in ihre faszinierende Welt abtauchen lassen, dass ich es schade fand, dass das Buch schon vorbei war – auch wenn der letzte Satz förmlich nach einer Fortsetzung schreit.

Fazit
Auch wer Drachenreiter nicht kennt, sollte dieses Buch lesen – oder am besten beide. :) Ein wunderbares Jugendbuch.

Ausblick:
Eine Fortsetzung ist tatsächlich in Sicht :) Voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheint mit Die Vulkan-Mission ein Spin-Off, in dessen Zentrum Fliegenbein, Lola Grauschwanz und Schwefelfell stehen – zunächst als Hörbuch, im nächsten Frühjahr dann auch im Print.

 

[Rezension] Cornelia Funke – Drachenreiter (Drachenreiter Band 1)

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„Der Drache träumte von den Bergen, von Steinzwergen, die seinen Schwanz hinaufkletterten, und von dem schmutzigen Kanal, der durch die große Menschenstadt floss.“

(Cornelia Funke, Drachenreiter, 2. Auflage 2002, S.111)

Wenn es ein Buch gibt, das mich zu einem Bücherjunkie und einer Leseratte gemacht hat, dann ist es wohl Cornelia Funkes Drachenreiter, das mir schon als Grundschülerin in die Hände fiel. Der Roman ist mittlerweile nicht nur in einem neuen Gewand erschienen, sondern hat im vergangenen Jahr auch eine lang ersehnte Fortsetzung bekommen – aber dazu nächste Woche mehr. :)

Auf einen Blick:
Titel: Drachenreiter
Reihe: Drachenreiter Band 1
Autor: Cornelia Funke
Verlag: Dressler Verlag
Seiten: 448
Format: Buch/E-Book
Preis: 18,99€/9,99€
Erscheinungsdatum: 1. Auflage 1997, Neuauflage 2011
Genre: Fantasy (ab 10)

 

Klappentext
Eine abenteuerliche Reise liegt vor Lung, dem silbernen Drachen, und seinen Begleitern, dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Waisenjungen Ben. Sie sind auf der Suche nach einem sicheren Ort für Lungs Artgenossen, für die es in der Menschenwelt keinen Platz mehr zu geben scheint. Lung setzt seine ganze Hoffnung auf den sagenumwobenen „Saum des Himmels“. Dort, irgendwo zwischen den Gipfeln des Himalaya versteckt, soll die ursprüngliche Heimat der Drachen liegen. Noch ahnen die drei jedoch nicht, dass es etwas viel Bedrohlicheres als die Menschen gibt – Nesselbrand den Goldenen, das gefährlichste Drachen jagende Ungeheuer, das die Welt je gesehen hat. Und er ist ihnen auch schon auf der Spur … (Quelle: Dressler Verlag)

Um das Überleben seiner Art zu sichern und eine neue Heimat zu finden, macht sich der Silberdrache Lung auf den weiten und beschwerlichen Weg von Schottland bis zum Himalaya, auf der Suche nach dem „Saum des Himmels“. Dabei ist er zum Glück nicht auf sich allein gestellt: Schwefelfell, ein Koboldmädchen, das Pilze liebt, schnell Heimweh bekommt und ab und an ungeniert schimpft und flucht, ist seine treue Begleiterin. Bei einem Zwischenstopp in Deutschland begegnen die beiden dem Waisenjungen Ben – und beschließen, ihn mit auf ihre Reise zu nehmen.

Wie das ungleiche Trio erste zarte Bande der Freundschaft knüpft, beschreibt Cornelia Funke herzerwärmend und bezaubern. Die Autorin entführt uns in eine Welt, in der Fabelwesen und Menschen nebeneinander wohnen, in der Zauber in jedem Winkel zu finden ist – solange man mit offenen Augen und ganz bewusst durch die Welt geht. Das Setting des Romans mutet oft märchenhaft an, die Geschichte wurde von Funke selbst liebevoll illustriert.

Auf der Reise zum „Saum des Himmels“ müssen Lung, Ben und Schwefelfell einige Abenteuer bestehen, treffen andere Geschöpfe und Menschen, denen das Wohl der Fabelwesen am Herzen liegt und die sich für ihren Schutz einsetzen. Doch nicht jede Begegnung auf ihrem Weg gestaltet sich friedlich, denn nicht jeder ist dem Silberdrachen wohlgesonnen.

Drachenreiter ist ein Buch, das einen schmunzeln lässt, das aber auch zum Nachdenken darüber anregt, wie wir Menschen mit der Welt und den Geschöpfen, mit denen wir uns die Erde teilen, umgehen. In der Geschichte steckt auch Vieles, das Erwachsene anspricht: Die zeitlosen Werte von Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und Toleranz.

Fazit
Drachenreiter ist ein gelungenes Jugend-/Kinderbuch, das ich jedem – egal welchen Alters – wärmstens ans Herz legen kann. Wer seinen Träumen silberne Drachenschwingen verleihen möchte, der sollte diesen Roman unbedingt lesen.

Welches Buch habt ihr denn in eurer Kindheit immer und immer wieder verschlungen?

[Rezension] Maya Shepherd – 50 Tage: Der Sommer meines Lebens

[unbezahlte Werbung]

„Mit dir ist jeder Tag wie ein Kapitel in einem Buch, das noch lange nicht vorbei ist. (…) Es ist die Geschichte des besten Sommers meines Lebens.“

(MaYA Shepherd, 50 Tage – der Sommer meines Lebens, S. 115)

Die Route 66. Grenzenlose Freiheit. Der Duft von Abenteuer. Und ein Roadtrip, der nicht nur ein Leben verändert. Das alles steckt in 50 Tage – Der Sommer meines Lebens – und noch viel mehr.

Auf einen Blick:
Titel: 50 Tage – Der Sommer meines Lebens
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Sternensand Verlag
Seiten: 472
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12,95€/6,99€
Erscheinungsdatum: 30.6.2017
Genre: Romance, Young Adult (empfohlen ab 12)

Bildrechte liegen beim Verlag

 

Klappentext
Der Sommer 1965 ist der letzte vor Jades 18. Geburtstag. Die Beatles regieren die Charts, Blue Jeans erobern den Modehimmel und Jade erwischt ihren Freund dabei, wie er ihre beste Freundin Katie küsst. Ihre Welt zerspringt in tausend Teile und der Sommer scheint ins Wasser zu fallen. Jades Eltern haben überhaupt kein Verständnis für den Liebeskummer ihrer Tochter und bestehen darauf, dass sie trotz allem gemeinsam mit Katie in das bereits gebuchte Feriencamp fährt. Doch Jade schmiedet eigene Pläne. Sie lässt sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip ein, um vor ihren Problemen davonzulaufen. Nicht ahnend, dass die große Liebe bereits an der nächsten Kreuzung auf sie wartet. Ein Sommer voller Träume, Hoffnungen und Herzklopfen entlang der Route 66 beginnt, bis sich ihr das Schicksal mit aller Macht in den Weg stellt …  (Quelle: Sternensand Verlag)

Schon im Prolog spürt man diese ganz besondere Atmosphäre, die dem legendären Highway der Route 66 zu eigen ist, diesem Sehnsuchtsort, der für viele der Inbegriff grenzenloser Freiheit ist.

Entlang dieser Straße führt auch der Weg der Ich-Erzählern Jade, die uns mitnimmt auf eine Reise, die nicht nur ihr Leben für immer verändern wird. Per Anhalter geht es für sie quer durch die USA, zu den Amish, auf eine Farm, ins schillernde Las Vegas – das alles gepaart mit einem wahnsinnig charmanten Sixties-Flair.

Die besondere Stimmung des Romans hat mich sofort für sich gewonnen. Auch wenn der Prolog andeutet, wie Jades und Jasons Reise enden wird, ist der Roman bittersüß, federleicht, sehnsüchtig, manchmal melancholisch und zugleich lebensbejahend.

In einem lockerleichten, amüsanten, aber auch ernsten Ton versteht die Autorin es, Jades Geschichte zu erzählen. Jade ist eine sympathische Protagonistin und ich muss gestehen, dass ich mich in vielerlei Hinsicht in ihr wiedererkannt habe.

Zwischen Jason und ihr stimmt die Chemie, auch wenn es am Anfang Reibereien gibt (aber gerade das macht die Liebe doch so spannend, oder?). Auf den ersten Blick ist der Typ mit dem schwarzen Mustang Cabrio ein Bad Boy, ein waschechter Draufgänger, doch er hat einen nicht minder weichen Kern.

Maya Shepherd gelingt es, Jades Gefühle nachvollziehbar und nachempfindbar zu machen. Man lacht, bangt und weint mit ihr. Liebe, Angst, Verletztheit, Unsicherheit, Zweifel – die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen steckt in Der Sommer meines Lebens. Manchmal hätte es für meinen Geschmack aber ruhig etwas weniger kitschig und tränenreich sein dürfen, obwohl eine Sommerlektüre an einigen Stellen gern auch mal seicht(er) sein darf. ^^

Der Sommer meines Lebens ist ein Roman über das Erwachsenwerden. Darüber mutig zu sein und darüber, aus seinen starren Vorstellungen auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Maya Shepherd wirft zwischen den Zeilen Fragen auf, die sich wohl jeder von uns stellt: Habe ich den richtigen Weg eingeschlagen? Was bedeutet Glück für mich? Und was will ich wirklich? Der Roman hat etwas Besonderes geschafft: Beim Lesen habe ich auch viel über mich gelernt.

Fazit
Der Sommer meines Lebens ist eine angenehme Sommerlektüre. Flirrend wie die Sommerhitze, belebend wie warmer Sommerregen. Manchmal driftet die Geschichte in seichte Gewässer ab, aber der unbeschwerte Schreibstil der Autorin und die sympathischen Charaktere machen das locker wett. Sehr lesenswert.

In diesem Sinne: Seid mutig und packt das Leben mit beiden Händen! :)

PS: Weiterer Lesestoff von Maya Shepherd ist schon in Sicht: unter anderem erscheint schon am 25. August mit Über alle Grenzen ein weiterer Roman von ihr im Sternensand Verlag. Der Roman ist jetzt schon vorbestellbar – und 1€ pro verkauftem Buch geht an eine Organisation, die Flüchtlinge unterstützt.

Vorfreude – Phantastika 2017

Hallo ihr Weltentdecker! :)

Nur noch ein Monat, dann ist es so weit: Am Wochenende vom 2. und 3. September öffnet zum ersten Mal die Phantastika in Oberhausen ihre Pforten. Eine waschechte Premiere also. Und wie bei so vielen anderen neuen Dingen auch stellt sich vor allem eine Frage: Was erwartet mich?

Auf einen Blick:

Veranstaltung: Phantastika- das Festival der Phantastik
Wann?    2. und 3. September 2017
Wo?         Congresszentrum Oberhausen
Düppelstraße 1
46045 Oberhausen
Öffnungszeiten: Samstag 10-19 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr
Ticketpreise: Tageskarte 18€, ermäßigt 14€
Mehr Infos findet ihr auch auf der offiziellen Homepage.

Schon in der Vorankündigung haben die Veranstalter erklärt, dass sie gern eine Messe auf die Beine stellen wollen, deren Stargast die Phantastik ist. In insgesamt vier Themenwelten – Phantastisches Lesen, Phantastisches Hören, Phantastisches Sehen und Phantastisches Spielen – sowie den Bereichen Phantastische Technik und Perry Rhodan kann sich das Genre in all seinen Facetten und von seinen besten Seiten zeigen.

Mich reizt natürlich ganz besonders das Phantastische Lesen.^^ Einige namhafte Autoren der deutschen Phantastikszene haben sich bereits angekündigt, darunter unter anderem Markus Heitz und Bernhard Hennen (auf den ich mich als bekennender Fan der Elfen-Romane schon wahnsinnig freue :) ).

Neben den „Großen“ werden auch einige Kleinverlage da sein und ihr buntes Programm vorstellen. Ich freue mich schon darauf, ein bisschen beim Verlag ohneohren, dem Art Skript Phantastik Verlag und all den anderen zu stöbern – auch wenn ich mein Sparschwein schon leise weinen höre. Die Chancen stehen also nicht schlecht, auch dem ein oder anderem Autor über den Weg zu Laufen.

Neben Lesungen werden aber auch Workshops zu den verschiedenen Themenbereichen angeboten. Einige davon sind kostenlos, andere kosten extra. Ganz wichtig: Wenn ihr euch überlegt, zur Phantastika zu fahren und an einem Workshop teilnehmen wollt, dann empfiehlt es sich, ein Ticket für den Workshop vorzubestellen, da die Teilnehmerzahlen zum Teil begrenzt sind. Ihr könnt auch jetzt schon die Tickets für die Veranstaltung über die Seite der Phantastika bestellen (das geht ganz easy und problemlos).

Zu sehen geben wird es aber noch mehr: Bei der Deutschen Tolkien Gesellschaft wird man in die Welt von Mittelerde reisen können, aber auch Steampunker und Whovians werden auf ihre Kosten kommen.

Ein besonderes Highlight ist mit Sicherheit auch die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises am Samstag, die zum ersten Mal seit Jahren nicht auf dem BuchCon in Dreieich stattfindet.

Hört sich an, als gäbe es eine Menge zu entdecken. Nachdem mir die Uni in diesem Jahr meine Messe- und Conplanung ganz schön verhagelt hat, werde ich mir einen Besuch in Oberhausen auf keinen Fall nehmen lassen. :)

Habt ihr für diese Jahr auch noch einen Besuch auf einer Buchmesse oder Convention geplant? Oder geht ihr sogar zur Phantastika?

Voller Vorfreude,
Eure Anna