[Rezension] John Christopher – The Guardians

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„There are two worlds, with a barrier between them. The barrier may not be strong in the physical sense but in people’s minds it’s enormous.“

(John Christopher, The Guardians)

Zwar ist The Guardians von John Christopher bereits 1970 erschienen, aber die Dystopie, die mit dem Guardian-Award für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. (Anmerkung: Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Ausgabe).

Auf einen Blick:
Titel: The Guardians
Autor: John Christopher
Verlag: Aladdin
Seiten: 288
Format: Taschenbuch
Preis: 8,99€
Erscheinungsdatum: November 2014 (Original: 1970)

Bildrechte liegen beim Verlag

 

Inhalt
England in einer fiktiven Zukunft: The Barrier – ein hoher Zaun – teilt das Land in zwei Regionen: Die Conurb für die Arbeiterklasse und die County, das ländliche England für die Oberschicht. Als Rob Randall nach dem mysteriösen Tod seines Vaters aus der Stadt flieht, wird er von einer Familie in der County „adoptiert“. Er passt sich dieser für ihn neuen Welt an, bis er eines Tages bemerkt, dass auch in der vermeintlich so idyllischen County dunkle Gefahren lauern.

Die Gesellschaft lebt in zwei verschiedenen Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In der Conurb wird die Arbeiterklasse – ganz im Stil des Imperium Romanum – mit Brot und Spielen ruhig und zufrieden gestellt. Trotz der zahlreichen Ablenkungen, die es dort gibt (z.B. das Holovision, das unserem Fernsehen entspricht) gärt Unzufriedenheit unter der Oberfläche, die sich ab und an in Straßenschlägereien bahn bricht.

Das Leben in der County wirkt hingegen, als hätten die Uhren irgendwann während der Kolonialzeit aufgehört, sich zu drehen. Die Oberschicht lebt in prächtigen Landhäusern mit Scharen von Bediensteten, nutzt Pferdekutschen und geht elitären Vergnügungen nach, trifft sich auf Gartenpartys – Bespaßung durch das sinnbefreite Holovison gibt es für die Bewohner der County nicht.

Als Rob, der Protagonist, die Grenze überquert und von Mikes Familie aufgenommen wird, betritt er eine völlig neue Welt. Zunächst bereitet es ihm Schwierigkeiten, sich den Gepflogenheiten der County anzupassen, doch er lernt sein neues Leben rasch zu schätzen. Ganz im Gegensatz zu Mike: Er wirkt von Beginn an getrieben, auf der Suche nach dem „Mehr“, das das Leben zu bieten hat.

Dem Autor gelingt es, mit großem Einfühlungsvermögen das Innenleben seiner Charaktere zu porträtieren und die Tiefe ihrer Gedanken auszuloten. Für eine Dystopie ist es – zumindest in meinen Augen – ungewöhnlich, dass der Protagonist das bestehende System kaum hinterfragt und es eine der Nebenfiguren ist, die mit der Welt hadert. Dadurch wird auch die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt.

Der Roman ist spannend geschrieben. Der Schreibstil liest sich auch im Original angenehm und flüssig. Wer also nicht davor zurückschreckt, englische Bücher zu lesen, der sollte unbedingt zur Originalversion greifen.

In seinen Beschreibungen der Conurb und der County bleibt Christopher ausgewogen, so dass es dem Leser überlassen wird, sich gemeinsam mit Rob ein eigenes Bild von beiden Lebenswelten zu machen und sich ein Urteil zu bilden, obwohl rasch der Eindruck entsteht, dass die vermeintliche Idylle in der County trügerisch ist.

The Guardians greift zudem viele Themen auf, die gerade heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz eingebüßt haben: Muss man die bestehenden Verhältnisse als gegeben hinnehmen? Welcher Handlungsspielraum bleibt für jeden einzelnen in einem System, das ihm seine Postion zuweist und starren Regeln folgt?

Fazit
The Guardians ist eine lesens- und empfehlenswerte Dystopie, die – obwohl sie schon älteren Datums ist – immer noch hochaktuell ist. Ein spannendes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt.