#Writing Friday – Nicht besonders

Es war einmal ein Kürbis. Kein besonders großer Kürbis. Etwa so groß, dass er in meine Handflächen passt, wenn ich sie zu einer Mulde aneinanderlege. Nicht perfekt gerundet. Zum Stiel hin, der sich in einem sanften Bogen wölbte, schlanker. Nein, auf den ersten Blick mochte dieser Kürbis nicht besonders scheinen, wie er fernab von aller Aufmerksamkeit auf dem überwucherten Komposthaufen vor sich dahin wuchs.
Doch der Anschein trügte.
Jeden Tag besuchte seine Freundin Spitzmaus den kleinen Kürbis. Erzählte ihm von ihrem Tag, den Dingen, die sie bei den Menschen gesehen und erlebt hatte. Eines Herbstabends, als die Sonne sank und ihre Glut den Kürbis in sanftgoldenen Schimmer hüllte, da kam sie aufgeregt zu ihm gelaufen.
„Kürbis!“ Quiekte sie, als sie über seinen gewundenen Stiel schlitterte, wie sie es für gewöhnlich zu tun pflegte. Sie schoss auf eines der Blätter, das sich unter ihrem Gewicht neigte und sie sanft auf dem Boden absetzte. „Kürbis“, keuchte sie ganz außer Atem, „du glaubst ja nicht, was ich gesehen habe.“
„Nun beruhig dich erstmal.“ Der kleine Kürbis wackelte mit den Blättern. „Wir haben noch den ganzen Abend Zeit zu erzählen.“
Spitzmaus holte tief Luft, hüpfte aufgeregt vor ihm auf und ab. „Da … da war ein Kürbis. So einer wie du.“
„Wie ich?“, fragte der kleine Kürbis hoffnungsvoll.
„Ja! Ja!“ Spitzmaus setzte sich auf die Hinterbeine. „Eine Fee hat ihn besucht und – stell dir nur vor! – sie hat ihn in eine Kutsche verwandelt.“ Aufgeregt erzählte Spitzmaus weiter. Von einer Prinzessin. Einem Ball. Der kleine Kürbis glaubte, eine Spur Stolz in ihrem Tonfall zu hören, als sie ihm von den Mäusen berichtete, die die Fee in Pferde verwandelte, damit sie die Kürbiskutsche zogen. „Ist das nicht aufregend?“ Mit ihren winzigen Pfoten klopfte sie sacht an seine Schale.
„Ja“, seufzte der kleine Kürbis und ließ die Blätter hängen. In seinem Leben gab es keine Feen, die ihn in eine Kutsche verwandelten. In seinem Leben gab es nicht mal einen anderen Kürbis. Nur diesen Komposthaufen – und seine treue Freundin Spitzmaus.
„Kleiner Kürbis?“, fragte sie leise. „Ist alles in Ordnung.“
Er nickte tapfer.
„Ich … ich wollte dich nicht traurig machen.“ Eng schmiegte sie sich an ihn. Das Gefühl ihrer Wärme an seiner Schale war tröstlich. „Ich wusste nicht …“
„Gräm dich nicht, Spitzmaus. Das ist eine wundervolle Geschichte, von der wir beide heute Nacht träumen können.“
Eine Geschichte, dachte der kleine Kürbis traurig, mehr auch nicht.

„Dideldidumm, dideldidai.“
Seltsame Geräusche schreckten den kleinen Kürbis aus dem Schlaf. Der Garten lag in Silberlicht getaucht. Doch da! Näherten sich da nicht kleine Funken über den Rasen?
Der kleine Kürbis mochte seinen Augen nicht trauen, als die schwirrenden Lichtpunkte auf ihn zuhielten.
„Ah“, begrüßte ihn eine glockenhelle Stimme, „kleiner Kürbis, hast du ausgeschlafen?“
„Aus-“
„Ja, ja“, erklärte eine zierliche Frau, die mit hauchzarten, schillernden Flügeln vor ihm schwirrte. „Du musst doch ausgeschlafen sein für das große Fest.“
„Welches Fest?“ Der kleine Kürbis betrachtete sie näher. Erinnerte sich an die Erzählung der Spitzmaus. „Bist du … bist du etwa … eine gute Fee?“ Seine Blätter raschelten vor Aufregung. „Verwandelst du mich in eine Kutsche?“
Die Fee schenkte ihm ein irritiertes Lächeln. „Eine Kutsche? Das hier ist doch kein Märchen.“ Sie warf das lange Haar über die Schulter zurück.
„Nicht?“ Der kleine Kürbis versuchte, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.
„Papperlapapp. Was wir mit dir vorhaben, ist viel viel schöner! Aber zuerst …“ Geschäftig zog sie einen Zauberstab aus ihrer Tasche. „Momenten mal.“ Sie umschwirrte ihn, musterte ihn prüfend. „Ah, ja, jetzt weiß ich es.“ Sacht stupste sie ihn mit dem Stab an.
Zunächst spürte der kleine Kürbis nichts. Allmählich breitete sich ein wohligwarmes Kribbeln in seinem Innern aus. Dann spürte er ein leichtes Ziehen und Zerren, als sich seine Gestalt veränderte. Die Krümmung seines Halses verschwand. Er wurde dicker. Seine Schale färbte sich herbstorange.
„Was geht hier nur vor?“, wisperte der kleine Kürbis, ergriffen von dem Wunder, das die Fee ihm schenkte.
„In diesem Augenblick beginnt dein neues Leben, kleiner Kürbis“, erklärte die Fee sanft. „Ich werde dich und deine Freundin Spitzmaus mitnehmen an einen Ort, an dem es noch mehr Kürbisse gibt: Große und kleine, dicke und dünne.“
Die Vorstellung, bald mit anderen seiner Art sprechen zu können, machte den kleinen Kürbis ganz kribbelig.
„Weißt du, bei der Hexe Agatha wird es dir gut gehen.“
„Du … du bringst mich zu einer echten Hexe?!“
„Sorg dich nicht, kleiner Kürbis. Agatha wird dir ein Lächeln schenken. Und dieses Lächeln wirst du anderen schenken.“
Ja, dachte der kleine Kürbis, das ist ein Leben, das mir gefallen könnte.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Thema heute: Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday findet ihr * hier *. Darin geht es um ein besonderes Haustier und den Wert der Freiheit.  Wer noch mehr schmökern möchte: Bitte * hier * entlang.

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[Monatsrückblick] Magie, freie Zeit und Schreibzeit

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Hallo liebe Weltenbummler,
wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich sie schon: Die sich langsam verfärbenden Blätter, die den Herbst ankündigen. Für mich gibt es keine schönere Jahreszeit. :) Ich liebe es, mich bei Regen und Sturm mit einem guten Buch unter meiner Kuscheldecke zu verkriechen und es mir so gemütlich zu machen. Wenn der Regen aufs Dach prasselt, macht es mir gleich noch mal so viel Spaß, in den Welten aus Tinte und Papier zu versinken oder in die Tasten zu hauen und meine eigenen Geschichten zu erzählen. Zwei Romane, die wunderbar in den Herbst passen, habe ich euch im September vorgestellt.

Von Hexen und Zauberern

Eine ganz besondere Geschichte hat euch Ily Romansky in Blutrabe zu erzählen. Der Auftakt ihrer Mysteryreihe rund um die junge Gouvernante Zara Nesbit, der im Selfpublishing erschienen ist, konnte mich auf ganzer Linie begeistern. Nicht nur das historische Setting ist stimmig und stimmungsvoll. Der Autorin gelingt es meisterhaft, eine Gänsehaut-Atmosphäre zu kreieren, die an die Erzählungen von Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft erinnert. Ich könnte euch noch stundenlang von Blutrabe vorschwärmen – oder euch einfach auf meine Rezension hinweisen, die ihr *** hier *** findet.

Auch bei der zweiten Buchempfehlung wird es magisch. Es geht um eine Jugendbuchreihe und einen Zauberlehrling, den wohl nahezu jeder von uns kennt: Harry Potter. Kaum zu glauben, dass es tatsächlich schon 20 Jahre her ist, seit das erste Abenteuer von Harry, Ron und Hermine erschien – und die Herzen von Millionen Muggeln eroberte. Von meiner ersten Begegnung mit dem Jungen, der mir die Welt der Magie zeigte, und den zauberschönen Erinnerungen, die ich mit Harry Potter verbinde, erzähle ich euch *** hier ***.

Ein Monat voller Autorenleben

Na gut, das stimmt nicht ganz. In der ersten Septemberwoche habe ich endlich das Großprojekt „Bachelorarbeit“ beendet – und mir danach eine ordentliche Portion Schreibzeit gegönnt. Da traf es sich auch hervorragend, dass ich am Tag nach Abgabe der Arbeit eine Mail mit einer Zusage im Postfach hatte. Im Frühjahr wird eine historische Kurzgeschichte in einer Anthologie des Burgenwelt Verlags erscheinen. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf, zum mittlerweile vierten Mal mit dem Verlag zusammenarbeiten zu dürfen.

Im September bin ich aber noch einen weiteren Schritt in Richtung der Zukunft meiner Träume gegangen. Zum allerersten Mal habe ich einem Verlag ein Manuskript angeboten. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufgeregt ich war, als ich endlich auf Senden geklickt habe. Zurzeit wird mein Projekt eingehend geprüft – und immer, wenn ich mein Mailpostfach öffne, rast mein Herz wie verrückt, weil ich eine Antwort haben könnte. Die Verlagsbewerbung ist ein wirklich großer, aufregender Schritt – und ich hoffe und bange, dass sie ein positives Ende nimmt.

Mit Feuereifer habe ich mich auch daran gemacht, mein Romanprojekt aus dem NaNo 2016 umzuschreiben. (Zur Erklärung: Jedes Jahr im November stellen sich Autoren weltweit der Herausforderung, im NaNoWriMo einen Roman von 50.000 Wörtern Länge innerhalb eines Monats zu schreiben.) Nachdem ich einiges umgeplottet habe, habe ich das Gefühl, dass die Erzählung insgesamt runder wird. Dabei habe ich mich von Neuem in Setting, Figuren und die Geschichte an sich verliebt. Hach ja, mein Herbstie …

Wie ihr seht, habe ich im September richtig fleißig geschrieben. Dabei ist auch wieder ein Beitrag für den #Writing Friday entstanden. Diesmal geht es um Freiheit, Größe und das Gefühl, Zuhause zu sein. Reinschnuppern könnt ihr *** hier ***.

Oktoberausblick

Was bei einem Ausblick auf den nächsten Monat nicht fehlen darf, ist die Frankfurter Buchmesse – auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich in diesem Jahr hinfahren werde. Parallel dazu findet am 13. 10 in Dreieich die BuCon statt, auf der sich eine bunte Mischung von Verlagen und Autoren der Phantastikszene tummeln wird. An diesem Tag erscheint auch die Anthologie mit den Siegergeschichten der Storyolympiade 2017/2018, in der auch meine Kurzgeschichte Feuerfunken abgedruckt wird. Mehr dazu verrate ich euch bald. Nur so viel für den Moment: Beim Verlag Torsten Low könnt ihr das Buch noch bis zum 12. 10 zum Subskriptionspreis *** vorbestellen *** und ordentlich sparen.

Im nächsten Monat möchte ich auch endlich eine Beitragsreihe umsetzen, die ich schon lange plane. Im Tintenfässchen wird sich vieles ums Schreiben im Allgemeinen, aber auch um konkrete Projekte drehen. Ich bin gespannt, wie das bei euch ankommen wird. :)

Wir lesen uns,
Anna

Der Junge, der überlebte – und mir die Welt der Magie zeigte

[unbezahlte Werbung]

„Setzt mich nur auf, ich sag euch genau,
wohin ihr gehört – denn ich bin schlau.
(…)
Nun los, so setzt mich auf, nur Mut,
habt nur Vertrauen zum Sprechenden Hut!“

(J. K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen, S. 130 f.)

20 Jahre Harry Potter – 20 Jahre voller Magie. Der wohl berühmteste Zauberlehrling feiert in diesem Jahr sein großes Jubiläum. Um das gebührend zu würdigen, hat der Carlsen Verlag der Romanreihe nicht nur ein wunderschönes neues Gewand spendiert, sondern auch zu einer Blogparade aufgerufen. (Weitere Infos findet ihr *hier*.)

Wenn ihr mögt, dann nehme ich euch mit auf eine Zeitreise in meine Kindheit. Zu dem Moment, in dem Harry mir zum ersten Mal begegnete. Muggel, seid gewarnt, denn ich werde euch das Tor zu einer magischen Welt öffnen, die ihr nie wieder verlassen wollt.

Alohomora!

Harry Potter. Kaum ein Name ist mit so vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden wie der des Zauberlehrlings mit der Blitznarbe. Ein Name, den wohl jeder schon mal gehört hat. Ich kenne kaum jemanden, der Harrys Geschichte nicht kennt – egal ob er sie durch die Bücher, Hörbücher oder Filme entdeckt hat und egal, wie alt er ist.

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit ihm. Es muss im Jahr 2002 gewesen sein, jedenfalls war ich in der Grundschule und alle meine Freunde redeten über Harry und seine magischen Abenteuer. Damals bin ich mit meinem hart zusammengesparten Taschengeld in den Buchladen gegangen. Wenn ich die Augen schließe sehe ich sie immer noch vor mir: Vier Bände neben Blöcken, Druckbleistiften und bunten Radiergummis. Die Buchliebhaberin in mir hat sofort zum Feuerkelch gegriffen – schließlich gab es da am meisten Buch fürs Geld. ^^

Weil ich nicht gut genug lesen konnte, um so einen Wälzer allein zu bewältigen hat, hat meine Mama mir vorgelesen. Natürlich haben wir rasch bemerkt, dass es keine gute Idee war, mit dem vierten Band einzusteigen. Deshalb kamen die anderen nach und nach zu mir – und konnten sogar meinen lesemuffeligen Vater begeistern. Harry Potter ist für mich dieses Gefühl, im Dämmerlicht der Schreibtischlampe und unter meine Bettdecke gekuschelt meiner Mama beim Vorlesen zu lauschen.

Harry Potter und der Stein der Weisen war auch der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. In einem kleinen, gemütlichen in der Nachbarstadt. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich die Titelmelodie der Filme höre.

Mein Grundschul-Ich war nicht weniger fasziniert von Harrys Welt als ich es heute bin.  Meine Liebe zu dieser ganz besonderen Geschichte ist ungebrochen, eher noch stärker geworden. Das Wutschen und Wedeln mit den Zauberstäben habe ich eifrig geübt, aber leider zu meinem 11. Geburtstag keine Einladung für die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei bekommen. Die Enttäuschung war groß, aber es gab ja immer noch die Bücher, meinen persönlichen Portschlüssel nach Hogwarts.

In einer Zeit, in der wir noch keinen Internetanschluss hatten (heute undenkbar) habe ich die Buchhändlerin meines Vertrauen regelmäßig damit gelöchert, wann denn endlich Harrys nächstes Abenteuer erscheint. Ich habe zwar nie vor dem Laden kampiert, aber vorbestellt, hingefiebert und in jeder freien Minute gelesen, wenn ich es endlich – endlich ! – in den Händen hielt. So eine Begeisterung konnte nur noch Christopher Paolinis Eragon bei mir auslösen.

Lumos!

Schlage ich heute einen Harry Potter-Band auf – egal welchen – und lese ein bisschen, fühlte es sich an, wie nach Hause zu kommen. Der Fuchsbau, Hogwarts und der Verbotene Wald sind mir so vertraut, als bräuchte ich nicht mal die Karte des Rumtreibers, um mich zurechtzufinden.

Harry, Ron und Hermine sind für mich mehr als Romanfiguren. Im Laufe der Jahre sind sie zu echten Freunden geworden. Mit ihnen bin ich groß geworden. Freundschaft, Mut und der Umgang mit Tod und Verlust – all das haben wir gemeinsam erlebt. Mit ihnen habe ich gelacht, geschwärmt und gebangt. An ihrer Seite habe ich Dinge fürs Leben gelernt. Dass es okay ist, anders zu sein. Dass jeder mit etwas Dunklem in sich kämpfen muss. Dass es Menschen gibt, die zu einem stehen.

Ich weiß noch, dass mich die Bücher regelmäßig zum Weinen gebracht haben. Nach dem Finale des Halbblutprinzen konnte ich mich kaum beruhigen. Es war so schlimm, dass mein Papa besorgt meinte, ich solle nicht mehr lesen, wenn mich das so aufwühlt.

Bei den Heiligtümern des Todes – dem allerletzten Abenteuer – musste ich ständig weinen. Vor allem als es zu Ende war, fühlte ich mich so … leer und gleichzeitig so erfüllt. Harrys Geschichte war auserzählt – und damit schloss sich auch ein Kapitel meines Lebens.

Expecto patronum!

Harry Potter ist eine Buchreihe, in die ich mich immer wieder aufs Neue verliebe. Schwer zu sagen, was die Magie von Harry Potter ausmacht, die Millionen von Lesern weltweit in ihren Bann schlägt. J. K. Rowling erzählt eine wundervolle, magische, fesselnde und auch düstere Geschichte, die voller Weisheit steckt. Was sie für mich zu etwas ganz Besonderem macht, sind die Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde.

Harry Potter ist mein Patronus gegen den tristen grauen Alltag. Ich glaube, selbst Menschen, die ungern lesen, werden irgendetwas in dieser Geschichte finden, mit dem sie sich identifizieren können, das sie tief berührt. Harrys Welt ist dabei so faszinierend, lebendig und stimmig ausgearbeitet, dass ich die Hoffnung nicht aufgebe, wirklich nur ein unwissender Muggel zu sein und all das – Hogwarts und die Magie – real sind.

Danke, Harry, dass ich an deiner Seite Abenteuer bestehen und erwachsen werden durfte.

Und ein noch größerer Dank an J. K. Rowling, dass ihre Geschichten seit mittlerweile 20 Jahren Magie in unser Leben bringen – und mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

#Writing Friday – So viel größer

Das warmgoldene Licht der sinkenden Herbstsonne flutete durch das Bogenfenster, malte goldene Flecken auf den Steinboden. Bücher quetschten sich in deckenhohe Regale, schraubten sich zu wackligen Türmen gestapelt in schwindelerregende Höhen, wenn sie keinen Raum auf den durchhängenden Brettern fanden. Seltsame Apparaturen und kuriose Artefakte hatten sich ihren Platz zwischen ihnen erstritten. Eine Eule thronte auf dem wuchtigen Schreibtisch, auf dem sich das Chaos nahtlos fortsetzte, die Flügel ausgebreitet als sei sie mitten in der Bewegung eingefroren. Als hätte jemand die Zeit angehalten, um diesen Moment für die Ewigkeit zu bannen. Gwenn lehnte den Kopf an die golden schimmernden Gitterstäbe. Die Welt war so viel größer als ihr Käfig. Größer als dieses Zimmer oder die Burg, die sie gelegentlich zu Gesicht bekam.
Gwenn seufzte. Manchmal wünschte sie sich, Amandus nähme sie öfter mit hinaus. Wenn sie auf seiner Schulter saß, sich in sein zerzaustes Haar schmiegte und ihr die Welt zu Füßen lag, da wusste sie, wie es sich anfühlte, dieses Gefühl, das man Glück nannte. Der Alte zeigte ihr Wunder, die ihren Augen sonst verborgen blieben. Weckte Sehnsüchte in ihr, die sie nicht kannte. Und wenn sie dann in ihren Käfig zurückkehrte, wusste sie zu schätzen, welch großes Geschenk ihr Amandus gemacht hatte: Ein Leben, das nicht vielen vergönnt war. Ein Leben, das der Käfig schützte.
Knarrend schwang die Tür auf. Ein Lächeln huschte über ihre Züge, als der Alte eintrat. Haar und Bart zerzaust wie immer und ein unbestimmtes Funkeln in den Augen, hielt er aufgeregt auf sie zu.
„Ah, meine liebe, liebe Gwenn.“ Zuneigung lag in seinem Blick, als er einen Schlüssel unter der nachtblauen Robe hervorzog und den Käfig öffnete.
Zufrieden kletterte sie auf seine ausgestreckte Handfläche. „Weiß du“, erklärte er sanft, als er sie vor seine Augen hob, „ich bin bald so weit.“ Zärtlich strich er über ihre Porzellanhaut. „Bald wirst du nicht mehr so einsam sein.“ Die Worte des Zauberers ließen die Zahnrädchen in ihrem Innern sich schneller drehen. „Schon sehr bald.“ Gwenns mechanisches Herz mochte vor Freude beinahe zerspringen.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Thema heute: Schreibe aus der Sicht deines Haustiers. (Wenn du keines hast, erfinde eine Geschichte dazu.)

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday findet ihr * hier *. Darin bedanke ich mich bei jemandem, der das Leben jedes Bücherwurms bereichert.  Wer noch mehr schmökern möchte: Bitte * hier * entlang.

[Monatsrückblick] Zeit mit Freunden, das Meer und eine Reise ins Mittelalter

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Hallo Weltenbummler,
Hach, der September ist zwar schon zur Hälfte rum, aber ich habe euch noch gar nicht erzählt, was ich alles im August erlebt habe. Dabei bekomme ich jetzt noch glänzende Augen, wenn ich mich daran zurückerinnere. *.* Aber lest am besten selbst.

Meeresgold und Märengestalten

Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

Zu Beginn des Monats habe ich euch *** ein Buch vorgestellt ***, das für mich jetzt schon zu meinen Jahreshighlights zählt: Der Verfluchte, der Auftakt zu Bernhard Hennens neuer Trilogie Die Chroniken von Azuhr. Hennen ist für mich ein unvergleichlicher Geschichtenerzähler – und zählt zurecht zu meinen Lieblingsautoren. In seinem ersten Soloroman nach der Elfen-Ära entführt er uns erneut in eine phantastische Welt voller Magie, in der Märengestalten lebendig werden. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, dass im September mit Die weiße Königin endlich die *** Fortsetzung *** von Milans Geschichte erscheint.

Dann war da noch Meeresgold. Versprechen der See. Ein Buch, bei dem mich Titel und Cover sofort gecatched haben – leider konnte der Inhalt nicht damit mithalten. Mit Meeresgold hat Katelyn Erikson eine historische Abenteuerromanze geschrieben, deren Plot vorhersehbar, oft belanglos und von Piratenklischees gespickt ist. Dass an der Geschichte nicht alles schlecht ist und was mir daran gefallen hat, verrate ich euch in meiner *** Rezension ***.

Sonne, Strand und … Ritter?!

Kennt ihr diese ganz besonderen Herzmenschen, die ihr ein Jahr oder länger nicht mehr gesehen habt, bei denen es sich aber anfühlt, als wärt ihr nur kurz weg gewesen, wenn ihr sie endlich wieder trefft? Genau solche habe ich im August besucht. Zwei Menschen, die ich ohne mein Autorenleben nie kennengelernt hätte. Ich bin so dankbar dafür, dass sie Teil meines Lebens sind und es täglich bereichern, auch wenn uns fast 600 km trennen.

Impressionen aus dem Mittelalter.

Jedenfalls habe ich eine Woche bei ihnen an der Ostsee verbracht, die Seele baumeln lassen, Kraft und Inspiration getankt – und die Bachelorarbeit einfach mal Bachelorarbeit sein lassen. ^^ Wir haben so viel unternommen, so viel gesehen, dass ich damit mehr als einen Blogbeitrag füllen könnte (und vielleicht mache ich das auch noch). Ein ganz besonderes Highlight, das mein Autorenherz hat höher schlagen lassen, war der Ausflug nach Dänemark, den wir unternommen haben. Nach Dänemark, das Land der Wikinger, in dem ein Großteil meines aktuellen Romanprojekts spielt. :)

Wir sind rauf nach Nikobing gefahren und haben dort einen Tag im Mittelalterzenter, einem living history Museum verbracht. Wirklich beeindruckend, mit wie viel Liebe zum Detail dort die Vergangenheit wieder zum Leben erweckt wird. Von Belagerungsmaschinen über den ganz normalen Dorfalltag bis hin zu einem Ritterturnier mit Tjost oder eine Wanderung durch einen verwunschenen Wald gab es viel zu entdecken und zu bestaunen. Wirklich großartig – und absolut inspirierend.

Märchen, Aliens und Wikinger …

… klingen nach einer sonderbaren Mischung, fassen aber treffend zusammen, was mich in diesem Monat beim Schreiben beschäftigt hat. Ein Märchen der besonderen Art, das mir sehr am Herzen liegt, habe ich für den #Writing Friday geschrieben. Vielleicht mögt ihr euch ja auch von Fräulein Luna und der Glanz der Sterne verzaubern lassen. Falls ihr die Geschichte nicht kennt, folgt mir bitte *** hier entlang. *** Zudem ist auch noch eine Danksagung an mein treues *** Buchregal *** entstanden, das meinen SuB ohne zu Murren trägt.

Dann waren da noch die Aliens bzw. eine für meine Verhältnisse wirklich … abgedrehte SiFi-Kurzgeschichte, die ich bei einer Ausschreibung eingereicht habe. Daneben ist aber auch die Überarbeitung meines Manuskripts nicht zu kurz gekommen. Erste, mehr oder minder erfolgreiche Versuche, den Plot in ein Exposé zu bannen, habe ich auch unternommen. Die sind allerdings noch ausbaufähig. ^^

Septemberausblick

Tja, was soll ich sagen? Sobald die Bachelorarbeit anfang des Monats abgegeben ist, gönne ich mir eine ganze Menge Schreibzeit. Darauf freue ich mich jetzt schon.

Wir lesen uns,
Eure Anna

[Rezension] Ily Romansky – Zara Nesbit. Blutrabe | atmosphärischer Mysteryroman

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„Neugier ist gefährlich für jene, die nicht damit umgehen können, was sie finden. Schon manch einem Blutraben ist seine Mahlzeit nicht bekommen.“

(Ily Romansky, Blutrabe, Ebook S. 45)

Magie, Intrigen und eine stimmungsvolle Schaueratmosphäre entspinnen sich in Blutrabe zu einem packenden Auftakt der Mysteryreihe rund um Zara Nesbit.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Blutrabe
Reihe: Zara Nesbit, Band 1
Autorin: Ily Romansky
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 437
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: ??? €/ 1, 49€
Erscheinungsdatum: 9. August 2018
Genre: Mystery

 

Darum geht’s

Ein abgelegenes Dorf in Warwickshire. Der Fluch einer Hexe. Eine junge Gouvernante im Kampf gegen dunkle Mächte.
England, 1557. Magie ist aus ihrem tausendjährigen Schlaf erwacht. Ungehindert fließt sie über das Land. Wer ihr begegnet, findet den Tod, oder schlimmer, wird selbst zu einem Magus – gejagt von der Inquisition.
Zara Nesbit, eine unerfahrene Gouvernante, wird in das einsame Dörfchen Blackby geschickt, um die Tochter des Barons Wycliff vor Magie zu beschützen. Schnell stellt sie jedoch fest, dass dunkle Mächte bereits im alten Gemäuer lauern. Als auch noch eine junge Magd unter mysteriösen Umständen stirbt und der Verdacht auf Zaras Schützling fällt, muss sie selbst den Mörder finden, bevor es zu spät ist. Denn der Fluch der Hexe ist noch nicht gebrochen – und der Blutrabe kreist weiter hungrig über ihren Köpfen.

Das Buch

In ihrem Romandebüt entführt Ily Romanski ihre Leser ins England der Regierung Queen Marys. Eine Zeit, die von konfessionellen Gegensätzen geprägt ist und in der die Königin mit unerbittlicher Hand die letzten Keime des Protestantismus auszumerzen versucht. Zugleich ist es aber auch eine Zeit, in der Menschen in der Angst vor etwas leben, das ihren Alltag viel stärker und unmittelbarer beeinflusst als das Königshaus: Magie.

„Es gab keinen Ort (…), der frei von Magie geblieben war. Überall trat sie aus dem Boden und floss in unsichtbaren Flüssen über das Land und wo sie ein geeignetes Opfer fand, riss sie Tier und Mensch gleichermaßen in ihren Bann.“ 

(Ily Romansky, Blutrabe, EBook S.17)

Ily Romanski verwebt die phantastischen Elemente ihrer Erzählung so nahtlos mit dem gut recherchierten historischen Hintergrund, dass ich ihr jedes einzelne Wort davon abgekauft habe. Sie schafft eine gelungene Illusion und kreiert zudem eine Atmosphäre, die an Schauererzählung der alten Schule a la Poe und Lovecraft erinnert.

Der Schreibstil der Autorin ist ein Genuss. Er ist angenehm altertümlich, manchmal etwas sperrig, passt aber wunderbar zu der Art von Schauer- und Mysterygeschichte, die sie erzählt. Mehr noch verblüfft sie mich immer wieder mit intelligenten Assoziationen und Beschreibungen, die den Figuren noch mehr leben einhauchen.

„Die Hebamme fixierte sie mit einem so aufrichtigen Blick, dass Zara tatsächlich über den Mann nachdachte, vor dem sie floh. Sein Name war Tod und nein, sie mochte ihn nicht.“


(Ily Romansky, Blutrabe, EBook, S. 10)

Neben der dichten, stimmungsvollen Atmosphäre, die schon nach wenigen Sätzen entsteht, hat mich von Beginn an auch die starke Zeichnung der Figuren in den Bann geschlagen. Es braucht nur wenige Sätze, um ein ganzes Leben zu skizzieren. Eine Kostprobe gefällig? Dann kann ich euch den Blog der Autorin ans Herz legen. Hier findet ihr das *** erste Kapitel als Leseprobe.***

Im Mittelpunkt des Romans steht Zara Nesbit, eine junge Gouvernante, die eine neue Anstellung ins vermeintlich idyllische Blackby verschlägt. Sie ist eine starke, gebildete Protagonistin mit einem Hang zur Neugierde, der sie gern mal in Konflikt zu den Herren der Geschichte bringt. Zara hat ihren eigenen Kopf, ist dabei ihrer Zeit jedoch nicht voraus. Auch die anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und lebendig. Zwar bedient sich die Autorin einiger Stereotype, bricht diese aber klug auf und hält ihnen den Spiegel vor. Kurz nach ihrer Ankunft in Blackby ereignet sich ein mysteriöser Mord – klar, dass Zaras Neugierde sie zu eigenen Ermittlungen antreibt.

„Entmutigung beschlich Zara wie die Nacht das Land. (…) Sie hatte York verlassen, um der Magie zu entkommen und war ihr geradewegs in die Arme gelaufen.“

(Ily Romansky, Blutrabe, EBook S.27)

Doch es bleibt nicht bei einem Mord. Seltsame Dinge geschehen in Blackby, die Bedrohung durch die Magie – und den Mörder – sorgt für konstante Spannung. Angst, Wahn und falsche Anschuldigungen greifen um sich, bis niemand mehr sicher zu sein scheint. Und welches bedrohliche Geheimnis hütet Zara? Die Figuren und ihre Motive sind allesamt undurchschaubar, an jeder Ecke gibt es falsche Fährten, die den Leser in diesem Verwirrspiel in die Irre führen. Das ist unterhaltsam und spannend geschildert, allerdings waren manche Plottwists so sprunghaft, dass ich Mühe hatte, ihnen zu folgen.

Blutrabe macht einen tollen Gesamteindruck. Von Beginn an konnte ich in der Geschichte und der wundervollen Atmosphäre versinken. Ich bin wirklich begeistert. Wer klassische Schauermärchen und Mysterygeschichten mag, der wird an diesem Roman seine Freude haben. Zara, das Setting und die Geschichte an sich bergen großes Potential für weitere Abenteuer. Eine Fortsetzung ist sehnlichst erwünscht.

Fazit

Mord, Magie und Mystery – Zara Nesbit. Blutrabe hält, was der Untertitel verspricht. Stark gezeichnete Figuren, ein spannender Plot, ein überzeugendes Setting und eine Atmosphäre, die an klassische Schauergeschichten erinnert, sorgen für gute Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein empfehlenswerter Roman, der Lust macht auf mehr.

Vielen Dank an Ily Romansky die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. :)

 Über die Autorin

Ily Romansky wurde 1986 an den Ausläufern des Tian Shan Gebirges geboren, in einer Stadt so obskur und unbedeutend, dass die Erwähnung nicht lohnt. Sie studierte Film und Englisches Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main und Aberystwyth, Wales. Blutrabe ist ihr Debütroman und der erste Band der Zara Nesbit Reihe. Ily Romansky lebt und arbeitet in Berlin, außer sie treibt sich gerade irgendwo anders herum in der Welt.

Einblick in ihren Schreibprozess und viele weitere interessante Informationen zu Blutrabe und der Reihe um Zara Nesbit findet ihr auf dem *** Blog *** der Autorin. Ein Besuch lohnt sich.

[Rezension] Katelyn Erikson – Meeresgold. Versprechen der See | historische Abenteuerromanze

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„Der Duft von Meerwasser stieg mir in die Nase. Warmer Atem strich über meinen Nacken (…). Zitternd schloss ich meine Augen und wusste, dass es vorbei war. Mein Leben war zu Ende, noch ehe es richtig beginnen konnte.“ 

(Katelyn Erikson, Meeresgold, Ebook S.16)

Piraten, der Ozean, Abenteuer und Romantik – all das sind die Zutaten, aus denen Katelyn Erikson ihren Roman Meeresgold. Versprechen der See strickt.

Auf einen Blick:

 

 

Titel: Meeresgold. Versprechen der See
Autorin: Katelyn Erikson
Verlag: Eisermann Verlag
Seiten: 320
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 12,90 €/ 3, 99€
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2018
Genre: historischer Liebesroman

 

Darum geht’s

Heiraten, Kinder kriegen und die brave Gattin spielen – unter der strengen Hand ihrer Eltern hat Lucia es nicht leicht. Gefangen in den Zwängen der Gesellschaft soll sie einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Als mitten in der Zeremonie Piraten die Hochzeit überfallen, findet die junge Braut sich im Auge des Sturmes wieder.

Entführt von den Feinden ihres Vaters steht Lucia nur der Sohn des Käptn’s zur Seite. Benjamin soll ihr Leben schützen, während er zwischen blutigen Kämpfen und der tosenden See seine eigenen Pläne verfolgt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Schlüssel zu seiner Rache sein Herz im Sturm erobert …

(Quelle: Eisermann Verlag)

Das Buch

Wenn ich Katelyn Eriksons Schreibstil beschreiben sollte, dann würde ich ihn am ehesten als locker, gefällig und humorvoll beschreiben. Genau richtig also für eine Abenteuerromanze, wie sie sie in Meeresgold erzählt.

Im Fokus des Romans steht die Ich-Erzählerin Lucia. Sie ist die Tochter eines einflussreichen Gouverneurs, doch ihr Leben ist nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Zu ihren Eltern pflegt sie ein schwieriges, unterkühltes Verhältnis, fühlt sich von ihren Erwartungen unter Druck gesetzte und in einen goldenen Käfig gesperrt. Da kommt es ihr eigentlich gar nicht so ungelegen, dass sie ausgerechnet am Tag ihrer arrangierten Hochzeit von Piraten entführt wird.

„Es war ihnen schwer gefallen, einen Mann zu finden, der auf eine Mitgift verzichtete und stattdessen gewillt war, eine angemessene Brautgabe für mich zu leisten. Alles andere hatte keine Relevanz, schließlich wollte der hohe Lebensstandard meiner Eltern bezahlt werden.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.5)

Unter ihnen ist auch Ben, der Sohn des Kapitäns und weiterer Perspektivträger. Dass er dazu verdonnert wird, auf Lucia aufzupassen, schmeckt ihm ganz und gar nicht. Mit ihm stellt die Autorin ein Love Interest vor, bei dem schmachtende Leserinnen garantiert sind. Daher braucht es gar nicht viele Seiten bis klar wird: Zwischen Ben und Lucia wird es ordentlich funken.

Und das tut es auch – aber nicht nur im romantischen Sinne. Mit der Zeit an Deck entwickelt sich Lucia mehr und mehr zu einer toughen, selbstbewussten Frau. Zu einer Piratin, die auch unter der Crew Anerkennung findet – und Ben Paroli bietet. Wie es sich für eine gute Romanze gehört, brauchen Ben und Lucia ewig bis sie sich eingestehen können, dass sie für den anderen mehr empfinden als gut für sie und ihnen lieb ist. Es knistert und funkt. Man hasst sich, zankt sich und kommt sich näher. Das alles schildert die Autorin zwar charmant, aber das ein oder andere Geplänkel wirkt dann doch etwas bemüht.

„Ich bin ein Pirat, ein Freibeuter. Mein Herz gehört der See und nicht irgendeinem dahergelaufenen Weib.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.70)

Bemüht wirken auch die Versuche, Lucias Lage vor allem am Anfang als besonders bedrohlich darzustellen. Erikson greift dabei auf einige altgediente Motive zurück, die man typischerweise mir Piraten verbindet. Da ist die Möglichkeit einer drohenden Vergewaltigung, die nahezu in jedem Kapitel angeschnitten wird und irgendwann ihren Schrecken verliert. Da sind die saufenden, raufenden, stinkenden und hurenden Piraten, die Lucia als bloßes Objekt ihrer Begierden betrachten. Außer Ben und seine Männer natürlich. Denn Ben ist es auch, der Lucia wie ein Held in strahlender Rüstung zu Hilfe eilt. Und das nicht nur einmal. Für meinen Geschmack auch etwas zu oft.

„Schwäche war mein Grab, Selbstmitleid der Untergang.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.43)

Die Charaktere bleiben – einschließlich Lucia – blass und agieren entweder schablonenhaft oder überzogen. Dennoch gelingt es dem Roman, einen Sog zu entwickeln, der mich nicht mehr losgelassen hat. Das Hin und Her der Gefühle und die Geschichte drumherum sind durchaus spannend, wenn auch absolut vorhersehbar. Die ein oder andere Kampfszene sorgt für Nervenkitzel.

Neben der Vorhersehbarkeit der Handlung gibt es für mich noch zwei weitere handwerkliche Schnitzer, die den Gesamteindruck des Romans für mich deutlich getrübt haben. Nicht nur, dass Motive  wiederholt werden, auch Begriffe oder ganze Sätze werden wiederholt. (Dabei sollte es auffallen, wenn binnen fünf Zeilen mindestens genau so oft das Wort „reißen“, „Arme“ und „Rücken“ wiederholt wird.) Ziemlich ermüdend.  Zudem scheint die Autorin den Wunsch verspürt zu haben, die Rauheit der Piraten an einigen Stellen durch besonders derbe Formulierungen und zu charakterisieren. Diese heben sich leider negativ ab, da sie absolut unpassend und gewollt scheinen.

„So ungern ich es auch zugab, so sehr sich dieses Verhalten auch nicht schickte, ich genoss es. Tatsächlich stellte dieses Neue und Unsittliche eine interessante Erfahrung dar.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, E-Book, S. 67)

Zum anderen nutzt die Autorin Begriffe, die aus der Zeit fallen. Vor allem im ersten Kapitel verwendet Erikson viel Mühe darauf, mittels Details und Wortwahl eine stimmige Atmosphäre zu kreieren, die den Geist der Zeit der Piraten wunderbar einfängt. Wenn dann Gefühle plötzlich „Achterbahn fahren“ oder jemand „trainiert“ ist, dann zerstört das die historische Illusion – und die Atmosphäre.

Für Atmosphäre sorgen jedoch die detailverliebten Zeichnungen, die in unregelmäßigen Abständen Szenen aus dem Roman in Bildern bannen. Und das so stimmungsvoll, dass das Herz jedes Bibliophilen höherschlägt. Stimmungsvoll ist auch die finale Szene des Romans. Ihre Magie und Poesie hätte ich mir für den ganzen Roman gewünscht.

Fazit

Meeresgold. Versprechen der See ist eine historische Abenteurromanze, die das Genre nicht neu erfindet. Ein blasses Heldenpaar zwischen dem die Chemie stimmt inmitten eines vorhersehbaren, oft uninspirierten Plots, der mit gängigen Piratenklischees gespickt ist. Dennoch unterhaltsam geschrieben.

 Vielen Dank an den Eisermann Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und mir die Teilnahme an der Leserunde auf Lovelybooks ermöglicht hat. :)

#Writing Friday – Bretter, die die Welt bedeuten

Weißt du eigentlich, wie dankbar ich dir bin? Ich sage es dir viel zu selten, aber ich schätze dich sehr. Dich und deine Geduld. Dich und deine Ausdauer. Ohne zu Murren beherbergst du schon seit Jahren, was ich anschleppe. Die dicken Wälzer, staubigen Flohmarktfunde, Mängelexemplare. All die nach Druckerschwärze duftenden Seiten. Ganze Welten, Universen und Leben.
Danke, dass du ihr Gewicht so genügsam erduldest.
Danke, dass du ein Blickfang bist, mich zum Lächeln bringst, wenn ich dich und deine Schätze ansehe. Wenn ich mit den Fingern über die Buchrücken streiche und anfange zu träumen. Von Abenteuern. Exotischen Orten. Magischen Wesen.
Nein, deinen Anblick möchte ich nicht missen. Vor allem nicht den dieses einen ganz besonderen Faches. Du weiß schon, das mit den Büchern von Kleinverlagen und Selfpublishern. Das, in dem auch die Anthologien stehen, in denen meine Kurgeschichten in Tinte und Papier gebannt wurden.
Ein bisschen habe ich ja schon aussortiert, um die Last auf deinen Brettern zu mindern. Damit du mir noch lange erhalten und treu bleibst. Ich freue mich auf die nächsten Jahre mit dir. Auf die neuen Entdeckungen, die auf deinen Brettern einziehen werden. Auf die Abenteuer, denen du ein zuhause gibst. Und auf jedes Lächeln, das du mir auf die Lippen zauberst.
An jedem einzelnen Tag.
Immer.
Danke.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Thema heute: Schreibe eine Danksagung an dein Buchregal.

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday findet ihr* hier *. Darin erzähle ich euch ein poetisches, magisches Märchen.  Wer noch mehr schmökern möchte: Bitte * hier * entlang.

#Waiting on Wednesday #3 – Bernhard Hennen: Die weiße Königin (Die Chroniken von Azuhr II)

[unbezahlte Werbung]

Bildrechte liegen beim Verlag.

Meine lieben Weltenbummler,
ich habe eine Schwäche für Geschichten. Vor allem für solche, mit Magie und Intrigen, in denen Gefahren spürbar hinter jedem Absatz lauern. Und für Geschichten, die bildhaft und poetisch erzählt werden. All das trifft auf Der Verfluchte, den Auftakt zu Bernhard Hennens Trilogie Die Chroniken von Azuhr zu.

Der Roman hat mich – trotz seines schwachen Anfangs – wirklich begeistert, was nicht zuletzt an den faszinierenden Mären liegt, die der Autor in die Erzählung einwebt. (Zu meiner Rezension gelangt ihr *** hier ***). Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich im Herbstprogramm von Fischer Tor die Ankündigung für Die weiße Königin entdeckt habe.

Darum wird es gehen:

Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?

Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben. Erst allmählich begreift Milan, wie er dieser magischen Wesen Herr werden – und die Wirklichkeit verändern kann.

(Quelle: Fischer Tor Verlag)

Klingt wirklich spannend, oder? Jedenfalls hibble ich der Veröffentlichung am 26. September 2018 schon jetzt freudig entgegen. :)

Wir lesen uns,
Eure Anna


#Waiting on Wednesday ist eine Aktion, die von Breaking the Spine gehostete wird – und eine wunderbare Gelegenheit, ganz (un)geduldig auf persönliche Buchhighlights hinzufiebern. Wann immer es sich anbietet, werde ich euch hier also Bücher vorstellen, deren Veröffentlichung ich kaum mehr abwarten kann. Wer weiß, vielleicht könnt ihr so ja auch noch den ein oder anderen Roman entdecken, der es sich auf eurer Wunschliste gemütlich machen möchte. :)

[Monatsrückblick] Bloggeburtstag, Blutmond und Orientflair

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Hallo Weltenbummler,
Willkommen zum Rückblick auf den sonnen- und ereignisreichen Juli. Der Monat begann für mich so buchig, wie es nur geht: mit dem Geburtstag dieses Blogs. Seit einem Jahr darf ich euch nun schon durch die Welt aus Tinte und Papier begleiten – und möchte keinen einzigen Tag davon missen. In meinem *** Geburtstagsartikel *** blicke ich auf die vergangenen zwölf Monate und meine ersten Schritte in der Blogwelt zurück – dabei darf eine große Portion Selbstironie natürlich nicht fehlen.

 

Orientflair, Steampunk-Rapunzel und ein astronomisches Jahrhundertereignis

In diesem Jahr gibt sich der Sommer wirklich Mühe, uns ordentlich ins Schwitzen zu

Sand & Wind

bringen. Als ob es draußen nicht schon heiß genug wäre, habe ich mich von Elea Brandt in die Wüste entführen lassen: In die rote Wüste, die voller Legenden und uralter Magie steckt. Ihr Roman Sand & Wind ist ein unterhaltsames, gut gemachtes Fantasyabenteuer voller sprühendem Witz und orientalischem Flair. Der Autorin gelingt es immer wieder, mich mit ihren vielschichtigen, einzigartigen Charakteren und ihrem genialen Schreibstil zu begeistern. Bei Sand & Wind war das nicht anders. Was mir so gut an der Geschichte gefallen hat, erfahrt ihr in meiner *** Rezension ***.

Dann war da noch der Blutmond. Bei den lauen Temperaturen habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, mir die totale Mondfinsternis anzuschauen. Wirklich faszinierend und beeindruckend. Was das mit Büchern zu tun hat? Na, in der Woche vor dem astronomischen Jahrhundertereignis haben sich einige Blogger Zeit genommen, um im Rahmen der Aktionswoche zu Opfermond von Elea Brandt den Mythen rund um den Blutmond und einigen anderen spannenden Themen auf den Grund zu gehen.

Ein Buch, das mich wegen seiner ungewöhnliche Idee fasziniert hat, ist Tropfen der Ewigkeit, das mitte des Monats erschienen ist. Im mittlerweile 13. Band der Märchenspinnerei erzählt Eva-Maria Obermann die Geschichte von Rapunzel neu – in einem Steampunk-Setting. Passend zum Release hat die Märchenspinnerei Postkarten mit einer persönlichen Nachricht der Autorin verlost.

Eine davon hat auch mich erreicht. :)

Hin – oder doch wieder zurück? Die Phantastika 2018

In meinem Beitrag zur Longlist des Deutschen Phantastik Preises musste ich leider darauf hinweisen, dass die Phantastika, die eigentlich Anfang September in Oberhausen hätte stattfinden sollen, abgesagt wurde. Damit stand auch die Verleihung des DPP auf der Kippe – was für die Phantastikszene und die nominierten Autoren mehr als schade gewesen wäre.

Nun hat Mike Hillenbrand ein *** Interview *** gegeben und überraschend verkündet: Die Phantastika findet doch statt. Nicht in Oberhausen, sondern als Teil der German Comic Con in Berlin am 20. und 21. Oktober. So weit so gut. Was mich stutzig gemacht hat, ist die Aussage, dass die Phantastika als Literaturmesse konzipiert und abgesagt worden sei, da sich so wenige Verlage angemeldet hätten. Im vergangenen Jahr, als die Veranstaltung ihre Premiere feierte, war allerdings noch die Rede von den fünf Welten der Phantastik, die neben dem Lesen auch Spiele und andere phantastische Medien in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken sollten. (Dass der Schwerpunkt der Aussteller tatsächlich aus der Literaturszene kam, sei dahingestellt.) Sehr seltsam. Hat da etwa jemand sein Konzept oder seine Prinzipien über Bord geworfen?

Impression von der Phantastika 2017 – damals in Oberhausen.

Ich bin skeptisch, ob die Zusammenlegung mit der Comic Con wirklich eine gute Idee ist. Der Termin liegt nah am BuchCon und der Frankfurter Buchmesse. Fraglich, ob viele (Klein)Verlage den zusätzlichen finanziellen Aufwand und die höheren Standgebühren stemmen können – und wollen. Für alle Beteiligten hoffe ich, dass die Phantastika und ihre engagierten Organisatoren und Aussteller auch die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Und dass es im nächsten Jahr nicht wieder so ein hin und her gibt – und die Veranstaltung eventuell wieder nach Oberhausen zurückkehrt.

Ausgleich

Zurzeit komme ich leider seltener dazu, mich am Writing Friday zu beteiligen. Ein kurzer Text ist dennoch online gegangen – eine Erzählung über *** den Traum vom Fliegen ***. Ganz bewusst habe ich mir aber neben der Bachelorarbeit, an der ich zurzeit sitze, Zeit genommen, um literarisch zu schreiben. Dabei ist nicht nur eine historische Kurzgeschichte für einen Wettbewerb entstanden, sondern auch die Überarbeitung meines Romanes ist ein gutes Stück vorangekommen. Ich habe mal wieder gemerkt, wie viel mir das Schreiben gibt. Es ist mein Ausgleich, auch wenn es mich manchmal (positiv) stresst. Etwas, das ich – genau wie das Bloggen – nicht missen möchte.

Wir lesen uns,
Eure Anna