Writing Friday Special – Das Kristallherz

 

Hohoho …

… und herzlich Willkommen zu einer ganz besonderen Edition des Writing Friday!
Schon das ganze Jahr über hat Elizzy von Read Books and Fall in Love uns wundervolle Schreibanlässe geliefert. Für die Adventszeit hat sie sich auch etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Einen Geschichtenadventskalender mit 24 weihnachtlich-winterlichen Erzählungen, um einem kleinen Mädchen eine große Freude zu machen, wie ihr ***hier*** nachlesen könnt. Gestern öffnete sich das 17. Türchen auf Sakuyas Blog.  Bevor es morgen bei Melanie Carafa weitergeht, macht es euch doch bei mir gemütlich. Ich möchte euch gern eine Geschichte erzählen.


Das Kristallherz

It’s beginning to look a lot like Christmas …

Samtweich füllte die Stimme den Raum, brachte etwas tief in Emma zum Klingen. Mit den ersten Tönen des Liedes breitete sich eine Wärme in ihrem Magen aus, die mit jedem Herzschlag weiter und weiter durch ihren Leib strömte, bis sie eine tiefe Ruhe erfüllte. Ein Lächeln auf den Lippen bog sie die Zweige der Kunsttanne in Form, die ihr etwa bis zur Hüfte reichte. Summte leise mit, als sie schwungvoll den Staub von einer großen Kiste wischte. Auf den ersten Blick mochte sie unscheinbar scheinen, doch für Emma bargen ihre leicht eingedrückten Ecken, ihr Geruch nach altem Papier und Tannengrün einen ganz besonderen Zauber. Erinnerungen an ihre Kindheit, prasselndes Kaminfeuer, Lebkuchen, wolligweiche Kuscheldecken und geflüsterte Geschichten erwachten in ihrem Gedächtnis zum Leben.
Mit pochendem Herzen hob Emma den Deckel an. Funkelnd und blitzend erwachte der Inhalt der Kiste vom Sonnenlicht wach geküsst aus seinem Dornröschenschlaf. Da war eine fingergroße Ballerina, ein pinselstrichdünnes, erwartungsvolles Lächeln auf den Porzellanlippen. Ein ebensogroßer Nussknacker, die Wangen vor Tatendrang gerötet. Ein alter Zinnsoldat, aufrecht wie eh und je und bereit, für die Tage, die vor ihm lagen. Ein Schaukelpferd, dass ungeduldig mit den Kufen scharrte. Ein Teddy, der sich im Licht nach der langen Dunkelheit wohlig streckte.
Sie alle schienen Emma so lebendig wie an den längst vergangenen Weihnachtstagen ihrer Kindheit. Ein verträumtes Lächeln erhellte ihre Züge. Mit Mitte zwanzig sollte sie es eigentlich besser wissen, aber … ein Teil von ihr glaubte immer noch an die Magie, den Zauber der Weihnacht – auch wenn er mit jedem Jahr, das ins Land zog, schwieriger zu entdecken war. Weihnachten würde nie wieder so sein, wie sie es als Kind erlebt hatte. Die Vorfreude. Das ungeduldige Warten. Der festlich geschmückte Weihnachtsbaum, der so hoch war, dass sie den Kopf in den Nacken legen musste, um seine Spitze sehen zu können. Der glitzernde Himmelsstaub auf dem Boden (der sich später als Frost herausstellen sollte), wenn das Christkind von Haus zu Haus zog … Manchmal wünschte sie sich, den heiligen Abend noch einmal so erleben, so betrachten zu können, wie damals: Mit den staunenden Augen eines Kindes.
Emma schüttelte den Kopf. So sentimental war sie sonst nie. Doch wann, wenn nicht in der Adventszeit, war sonst Zeit, sentimental zu sein?
Rasch befreite sie die alten Gefährten so vieler Weihnachtsfeste aus ihrer Starre. Zu jedem von ihnen hätte sie eine – ach, abertausende – Geschichten erzählen können. Jeder einzelne von ihnen schien unter ihrer behutsamen Berührung zu vibrieren, als könne es ihm gar nicht rasch genug gehen, einen Platz mitten im Tannengrün zu ergattern. Tatsächlich schienen sie alle zufriedener, als Emma sie mit einigem Abstand betrachtete, wie sie von den Zweigen baumelten.
„Fehlt nur noch eines“, wisperte sie, zufrieden mit ihrer bisherigen Arbeit. Neben der Kiste sank sie auf die Knie. Mit beiden Händen barg sie schließlich einen schwarzen Samtbeutel von ihrem Grund. Schwer und kühl schmiegte er sich an ihre Haut.
Mit spitzen Fingern zupfte sie an der Schleife, die das Säckchen verschlossen hielt, bis es seinen Inhalt offenbarte. Behutsam glitt ein Herz auf Emmas geöffnete Handfläche. Es war ganz und gar aus klarem Kristall. Das Licht brach sich funkelnd in seinen geschliffenen Facetten, malte Myriaden winziger Regenbögen auf die Haut des Mädchens, ließ sie über den Weihnachtsbaum und die Wände tanzen. Eine Aufhängung aus schwerem Bauernsilber, geformt wie der Kelch eines Schneeglöckchens, hielt das Kristallherz.
Wie einen Schatz barg Emma es an der Brust, als sie sich erhob. Und genau das war es auch: Ein Schatz, der mit Geld nicht aufzuwiegen war. Niemand mochte mehr zu bestimmen, wie lange sich das Kristallherz schon im Besitz ihrer Familie befand. Es hatte Hungerwinter er- und überlebt. Flucht und Vertreibung. Schlaflose Nächte im Bombenhagel, als die Welt am Abgrund stand. Von Generation zu Generation, von Hand zu Hand war es weitergegeben worden – und mit ihm die Erinnerungen vieler Leben.
In jedem Jahr zu Weihnachten hatten Oma und Mama ihr ein Kapitel seiner Geschichte erzählt, wie sie es von ihrer Mutter und Oma gehört hatten, damit es nie in Vergessenheit geriete.
„Und das wird es nicht“, wisperte Emma, als sie das Kristallherz an die Spitze des Weihnachtsbaumes hing. „Ich werde dich vermissen, aber nicht vergessen, Oma.“


Fall euch meine Geschichte gefallen hat, dann lasst es mich ruhig in den Kommentaren wissen. :) Ich wünsche euch allen eine fröhliche und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

Wir lesen uns,
Eure Anna

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[Veröffentlichung] Feuerfunken | Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018

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Minh unterdrückte ein Gähnen, während sie mit einer langen Pinzette Steinsplitter aus einem Metallkasten fischte, der vor ihr auf dem Tisch stand. Über die Arbeitsfläche ergossen sich Schrauben und Zahnräder in allen nur erdenklichen Größen, lagen Skizzen und Pläne ausgebreitet. Es grenzte an ein Wunder, dass das Mädchen den Überblick in dem Chaos behielt.“

(aus: Anna Eichenbach, Feuerfunken, in: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018 (Verlag Torsten Low), S. 231)

Ihr Lieben,
bereits im Oktober wurden ihm Rahmen des BuCon in Dreieich nicht nur die Sieger der Storyolympiade 2017/2018 gekürt, sondern auch die Anthologie vorgestellt, in der die besten 25 Geschichten des Wettbewerbs versammelt sind. Darunter auch eine Kurzgeschichte aus meiner Feder.

Hier sind einmal die Eckdaten zur Anthologie auf einem Blick:

 

Titel: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018
Herausgeber: Martin Witzgall, Felix Woitkowski
Verlag: Verlag Torsten Low
Seiten: 306
Format: Taschenbuch
Preis: 13, 90€
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2018
Genre: Science Fiction/Fantasy Anthologie

Bildrechte liegen beim Verlag Torsten Low

Darum geht’s

Wenn die Antwort lautet: 0 oder 1. Was war die Frage?
Für Maschinen ist das einfach, entweder an oder aus. Doch ist das wirklich alles? – Sein oder nicht sein! Denn wie real ist unsere Gegenwart eigentlich? Oder könnte die von uns wahrgenommene Realität nur virtuell sein? Und wenn sie virtuell wäre, wer oder was lenkt und steuert uns? Wie fühlt sich wohl ein Bot im »Deathmatch«? Und was machen er und seine Kumpels, wenn kein Spieler mehr da ist? Was treibt die Welt an? Kernreaktionen, Strom oder Dampf? Und wer oder was wartet eigentlich die Mechanismen? Kann Bewusstsein transferiert werden? Und ist es dann Maschinenbewusstsein oder menschliches Bewusstsein? Was macht uns menschlich und ist das wirklich so erstrebenswert?

All diese Fragen und noch viel mehr beantworten die 25 von der Jury ausgewählten AutorInnen der Storyolympiade nicht nur mit 0 oder 1, sondern mit viel Phantasie, Philosophie, aber auch Horror und Mystik durch ihre Kurzgeschichten in diesem Buch.

(Quelle: Verlag Torsten Low)

Über die Storyolympiade

1999 ins Leben gerufen, richtet sich die Storyolympiade vorwiegend an junge Autorinnen und Autoren – also jung gemessen an der Dauer ihres Autorenlebens, nicht an ihrem biologischen Alter. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass man noch keinen Roman veröffentlicht hat. Neben der Nachwuchsförderung ist es aber vor allem ihr Auswertungssystem, das die Storyolympiade zu einer Ausschreibung macht, wie ich keine zweite kenne. Jeder eingereichte Beitrag erhält eine fortlaufende Nummer – und dann geht der Spaß erst richtig los. Denn währen sich eine Vorjury durch alle Geschichten schmökert, werden auf der Homepage des Wettbewerbs regelmäßig Zwischenstände veröffentlicht, wessen Geschichte sich Hoffnungen auf einen Sprung auf die Longlist machen kann. Dann auf die Shortlist – und schließlich auf einen Platz in der Siegeranthologie oder sogar auf dem Siegertreppchen.

Darauf haben es sich diesmal meine geschätzten Autorenkolleginnen und Kollegen Johannes Gebhardt (1. Platz), Thomas Heidemann (2. Platz) und Renée Engel (3. Platz) bequem gemacht. Zurecht, wie ich finde. Ihre Erzählungen kann ich euch allesamt nur wärmstens ans Herz legen.

Insgesamt 175 Autoren haben sich daran gewagt, das Thema Maschinen aus unterschiedlichen Perspektiven – sei es mit einer Prise Philosophie, Horror oder anderem gewürzt – anzunähern. 25 Erzählungen haben es schließlich zwischen zwei Buchdeckel geschafft – und ich bin unendlich stolz darauf, dass meine Kurzgeschichte Feuerfunken den 20. Platz erreicht hat.

Für mich war es nicht die erste Teilnahme an der Storyolympiade. Schon beim Durchgang 2015/2016 habe ich es zum Thema Labyrinthe versucht. Damals hatte ich das Gefühl, noch nie eine so gute Geschichte geschrieben zu haben. Dementsprechend enttäuscht war ich auch, dass mein Beitrag nicht einmal die Vorrunde überstanden hatte.

Diesmal wollte ich wenigstens das schaffen. Dass es für die Feuerfunken dann noch so viel weiter ginge, damit hatte ich im Leben nicht gerechnet. Ich bin unglaublich dankbar für die wundervolle Zusammenarbeit mit meiner Lektorin Tatjana Stöckler und dem Verleger Torsten Low. (Und ehrlich gesagt geht mit der Veröffentlichung in seinem Verlag ein lang gehegter Traum von mir in Erfüllung. :) )

Darum geht es in Feuerfunken

Die Idee zu Feuerfunken begleitete mich schon seit einer geraumen Weile. Ursprünglich hatte ich die Geschichte der jungen Ingenieurin Minh für eine andere Ausschreibung geplant. Damals war die Idee kaum ausgereift, sodass ich sie nicht zu Papier bekam. Die Storyolympiade war die perfekte Gelegenheit, sie endlich zu erzählen.

Anders als das Ausschreibungsthema nahelegen mag, habe ich mich bewusst dagegen entschieden, eine SciFi-Geschichte zu schreiben. Feuerfunken ist eine klassische Fantasy-Erzählung, die einige Steampunk-Elemente enthält (und für diese Genrewahl wurde ich sogar im Lektorat gelobt^^).

In der Kurzgeschichte begleiten wird Minh, eine junge Ingenieurin, die aufgrund ihrer geschickten Hände als Priesterin ausgewählt wird. Eigentlich eine Ehre, wäre sie als Einsame von Gon Da nicht dazu verpflichtet, allein in der Stille der Tempelanlage den Reparaturen nachzugehen, die sie für die Priesterschaft zu erledigen hat, ganz ohne Kontakt zur Außenwelt. Doch neben ihrem Schicksal gibt es noch mehr, mit dem Minh hadert …

„Ein Grollen wie Donner hallte von den Berghängen wider, als sich der Gott auf Drachenschwingen in die Dunkelheit erhob. Als die Flammen noch immer an den Sternen leckten, waren die Priester längst schon fortgezogen. Minh hatte auf dem Boden gesessen, von stummen Schluchzern geschüttelt in die flammende Nacht gestarrt, während sich der Klang der Gongschläge allmählich in der Ferne verlor.“

(aus: Anna Eichenbach, Feuerfunken, in: Maschinen. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018 (Verlag Torsten Low), S. 236)

Wer herausfinden möchte, was genau das ist, mit dem Minh hadert, der wird wohl einen Blick in die Anthologie werfen müssen. Freunde der Science Fiction werden unter den Beiträgen sicher Geschichten ganz nach ihrem Geschmack finden.

Vielleicht konnte ich euch ja ein bisschen neugierig auf die Anthologie machen.

Eure Anna :)

[Monatsrückblick] Schreibfieber, Book Haul & Adventsausblick

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Hallo Weltenbummler,
nun ist er also angebrochen, der letzte Monat des Jahres. Im November war es hier in der Welt aus Tinte und Papier ruhiger als sonst. Das lag vor allem daran, dass ich mich mit Feuereifer in den NaNoWriMo und mein historisches Romanprojekt Sturmsang (***klick***) gestürzt habe. Wie es mir dabei ergangen ist, werde ich euch bald in einem neuen Tintenfässchen-Beitrag verraten. Jetzt wird es erstmal Zeit, darauf zu schauen, was im November noch so los war. :)

Nevernight und der Black-Friday-Book-Haul

Nach einer langen Rezensionsflaute konnte ich euch endlich wieder einen Roman vorstellen. Dabei handelte es sich um keinen geringeren als Nevernight – Die Prüfung, den Auftakt einer auf ganzer Linie außergewöhnlichen Fantasy-Trilogie aus der Feder von Jay Kristoff. Ehrlich gesagt hatte ich das Buch schon im Frühjahr ausgelesen, mich allerdings nicht an die Besprechung gewagt, weil … weil ich befürchtete habe, dem Roman nicht gerecht werden zu können. Nevernight gehört definitiv zu den besten und ungewöhnlichsten Titeln, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Warum, das verrate ich euch ***hier***.

Nicht unterschlagen möchte ich euch auch die Namen derer, die bereits im Oktober mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurden. Eine Übersicht der Gewinner in allen Kategorien findet ihr ***hier***.

Dann gab es im November auch noch den alljährlichen Shopping-Wahnsinn am Black Friday. Was soll ich sagen? Bei 20% Rabatt auf englischsprachige Bücher konnte ich einfach nicht widerstehen. Folgende Schätzchen sind neu in meinem Buchregal eingezogen:

Da hätten wir zum einen Stardust, von Neil Gaiman, das schon seit der wunderbaren Verfilmung Der Sternenwanderer weit oben auf meiner Wunschliste steht. Historisch wird es in Fools and Mortals von Bernard Cornwell (dt: Narren und Sterbliche, erschienen bei Rowohlt 2018), in dem es um niemand geringeren als Richard Shakespeare geht, den Bruder des berühmten Barden. Ein ganz besonderes Highlight ist allerdings Robert Dinsdales The Toymakers, eine wirklich magische Erzählung, die wunderbar in die Adventszeit passt (auf deutsch erschienen unter dem Titel Die kleinen Wunder von Mayfair).

Und darum geht es:

It is 1917, and while war wages across Europe, in the heart of London, there is a place of hope and enchantment.

The Emporium sells toys that capture the imagination of children and adults alike: patchwork dogs that seem alive, toy boxes that are bigger on the inside, soldiers that can fight battles of their own. Into this family business comes young Cathy Wray, running away from a shameful past. The Emporium takes her in, makes her one of its own.

But Cathy is about to discover that the Emporium has secrets of its own…

 

Ausblick auf die Adventszeit

Im Dezember wartete etwas ganz Besonderes auf euch: Die Special Edition des #Writing Friday. 24 Blogger*innen haben sich zusammengefunden und einen weihnacht-winterlichen Geschichtenadventskalender gestaltet. Los ging es am bei Elizzy von read books and fall in love mit einer herzerwärmenden Eröffnungsgeschichte (***klick***). Schaut gern bei ihr und den anderen vorbei. :) Mein Beitrag erwartete euch dann am 18. Dezember.

Wir lesen uns,
Eure Anna

[Rezension] Jay Kristoff – Nevernight. Die Prüfung | Ein Buch wie eine Naturgewalt

[unbezahlte Werbung]

„Du wirst ein Gerücht sein. Ein Flüstern. (…) Das Letzte, was du in dieser Welt je sein wirst, Mädchen, ist ein Held für irgendwelche Leute.“

(Jay Kristoff, Nevernight. Die Prüfung, S. 25)

Vor einiger Zeit schon habe ich Die Prüfung, den Auftakt zu Jay Kristoffs High Fantasy Trilogie Nevernight verschlungen. Doch bis heute weiß ich nicht, ob meine Rezension diesem außergewöhnlichen Buch auch nur ansatzweise gerecht werden kann.

Auf einen Blick:

 

Titel: Nevernight. Die Prüfung
Reihe: Nevernight, Band 1
Autorin: Jay Kristoff
Verlag: Fischer TOR
Seiten: 704
Format: Taschenbuch/E-Book
Preis: 22,99 €/ 16,99€
Erscheinungsdatum: 24.  August 2017
Genre: Dark/High Fantasy

 

Darum geht’s

Sie ist keine Heldin. Sie ist eine Frau, die Helden fürchten.

In einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

(Quelle: Fischer TOR)

Das Buch

Kein anderer Roman war im Buchherbst 2017 so präsent wie der erste Band der Nevernight-Trilogie. Zumindest fiel mir keiner so deutlich ins Auge. Das Buch entdeckte ich zuerst bei Nicci von Trallafitti Books, die es wunderschön atmosphärisch in Szene gesetzt hatte. Ich war schockverliebt und wusste: Diese Geschichte muss ich unbedingt lesen!

„Die letzte Tochter einer entehrten Familia. Auf dem Weg zur besten Assassinenschule der ganzen Republik. Hast du vielleicht vor, nach deinem Abschluss ein paar Rechnungen zu begleichen?“ 

(Jay Kristoff, Nevernight. Die Prüfung, S. 97)

In Nevernight begleiten wir die 16-jährige Mia Corvere, die sich zu einer tödlichen Assassine ausbilden lässt, um sich an den drei mächtigsten Männern der itreyanischen Republik für den Verlust ihrer Familie zu rächen. Mia ist tough, gnaden- und erbarmungslos. Beinahe herzlos mag sie scheinen, wie sie Mord um Mord begeht, um ihrem großen Ziel näher zu kommen. Selten nur lässt sie Schwäche zu – sei es bei anderen oder bei ihr selbst. Immer treu an ihrer Seite: Eine Schattenkatze, die sie furchtlos macht und ihr ungebeten (oft sarkastische) Ratschläge gibt. Denn Mia hat ein besonderes Talent: Sie kann Schatten weben.

Das ist aber nur ein Aspekt, der die Faszination ausmacht, die Nevernight auf mich ausübt.

Nevernight ist düster.
Nevernight ist blutig.
Nevernight ist wie eine Naturgewalt, die dich mitreißt und atemlos zurücklässt.

„Mia gönnte es ihm von Herzen, dass wer den ganzen Ruhm erhielt. Es war immer besser, unterschätzt zu werden.“

(Jay Kristoff, Nevernight. Die Prüfung, S. 526 )

Der Autor erschafft ein Setting, das treffend zu bezeichnen der Begriff „komplex“ zu wenig ist. Die Ausgestaltung der itreyanischen Republik ist an Venedig und das antike Rom angelehnt. Jeder Ort auf der wunderschön gestalteten Landkarte hat eine Geschichte. Eine Geschichte, die bis ins letzte Detail ausgearbeitet wurde und dem Leser in Fußnoten präsentiert wird.

Was Nevernight so außergewöhnlich macht und wodurch sich der Roman von all den anderen Büchern, die ich bisher gelesen habe, abhebt, ist seine Erzählweise. Kristoff lässt einen Erzähler zu Wort kommen, der uns schon im Prolog davor warnt, dass die Geschichte, die er zu berichten hat, blutig und düster wird. Immer wieder streut er in Fußnoten teils ausschweifende Hintergrundinformationen zum Setting ein oder kommentiert süffisant das Geschehen. Obwohl manche der Erklärungen nerven, weil sie von der Haupthandlung ablenken, machen sie doch einen großen Teil des Charmes dieses Buches aus.

„Dennoch bin ich mir sicher, sie fände eine Möglichkeit, mich umzubringen, wenn sie wüsste, dass ich diese Worte zu Papier bringe.“

(Jay Kristoff, Nevernight. Die Prüfung, S. 9)

Die Prüfung konzentriert sich im Wesentlichen auf Mias Ausbildung im Stillen Berg – einem Berg voller Mörder, in dem sich die Frage stellt: Wem kann man überhaupt vertrauen? Die anderen Akolythen sind ebenso kompromisslos wie die Unterrichtsmethoden, mit denen sie ausgebildet werden – und die nicht jeder überlebt.

Kristoff zeichnet seine Charaktere lebendig und individuell. Sie sind allesamt grau, verfolgen unterschiedliche Ziele, die alle ihre Berechtigung haben, und handeln skrupellos. Sie agieren innerhalb eines Plots, der mit so vielen überraschenden Wendungen aufwartet, dass einem schwindelig wird.

Außergewöhnlich ist auch Jay Kristoffs Schreibstil. Ich habe eine Weile gebraucht, um mit seinen teils sperrigen Formulierungen zurechtzukommen. Aber wenn man sich erst an seinen Stil gewöhnt hat, weiß der Autor mit intelligenten Vergleichen und bildlichen Beschreibungen zu faszinieren. Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen.

Fazit

Düster, blutig, komplex und ungewöhnlich – Nevernight ist einer der außergewöhnlichsten Romane, den ich in den letzten Jahren entdecken durfte. Ein echtes Highlight.

[Monatsrückblick] Der Deutsche Phantastik Preis und die Frankfurter Buchmesse

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Liebe Weltenbummler,
schon wieder liegt ein Monat hinter uns – und wenn ich in den Kalender schaue, dann ist es ja gar nicht mehr so lang hin, bis das Jahr schon wieder vorbei ist. Höchste Zeit also, auf all die buchigen Highlights im Oktober zurückzublicken.

Der Deutsche Phantastik Preis 2018

Eines der Highlights im letzten Monat – auch was, im ganzen Jahr! – war die Frankfurter Buchmesse. Am Messesamstag habe ich mich auch durch die Hallen geschoben, gründlich in Neuerscheinungen geschmökert und in Verlagsprogrammen gestöbert. Natürlich stand auch die ein oder andere Veranstaltung und das Treffen mit einem befreundeten Autor auf dem Programm. Mehr über meine Erlebnisse auf der FBM erzähle ich euch in meinem * Messebericht. *

Am Wochenende nach der Buchmesse fand die Phantastika im Rahmen der German Comic Con statt. Ehrlich gesagt ist mir das erst Sonntagabend aufgefallen, aber auch nur, weil ich an den Deutschen Phantastik Preis denken musste, der dort verliehen wurde. Erstaunlicherweise habe ich am Tag nach der Verleihung im Internet, weder auf Facebook, noch auf Twitter, Hinweise auf die Sieger gefunden. Wirklich schade, da der DPP in der Szene doch ein gewisses Standing hat. Der Vollständigkeit halber, möchte ich euch die Gewinner in den verschiedenen Kategorien nicht vorenthalten, auf die ich nach längerer Suche gestoßen bin:

Bester internationaler Roman: Das Lied der Krähen – Leigh Bardugo (Knaur Verlag)
Bestes deutsches Romandebüt: Izara – Das ewige Feuer– Julia Dippel (Planet!)
Bester deutscher Roman: Die Krone der Sterne – Kai Meyer (Fischer Tor)
Beste deutsche Kurzgeschichte: Der geheimnisvolle Gefangene – Gerd Scherm (aus: »Reiten wir!«, Edition Roter Drache)
Beste deutsche Anthologie: The U-Files (Talawah-Verlag)
Beste deutsche Serie: Die Phileasson-Saga – Bernhard Hennen und Robert Corvus (Heyne)
Bestes deutsches Hörspiel: Der Totengräbersohn – Sam Feuerbach und Robert Frank
Bestes deutsches Sekundärwerk: Nautilus – Abenteuer & Phantastik
Bester deutscher Grafiker: Lydia Rode für Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr (Knaus)
Bester deutscher Comic: Die Stadt der Träumenden Bücher – Buchhaim – Florian Biege (Knaus)

Auch hier zeichnet sich die Tendenz ab, dass die großen, schon etablierten Autoren das Feld dominieren. Schade, denn der DPP war in den letzten Jahren immer ein Garant dafür, auch kleinere Verlage und unbekanntere Autoren sichtbar zu machen. (Auch wenn das vor der Umstellung auf eine von einer Jury erstellten Longlist des Öfteren dazu geführt hat, dass man den eher unbekannteren Gewinnern vorgeworfen hat, auf Stimmenfang gegangen zu sein. Allen wird man es wohl nie recht machen können.)

Einblicke in den Schreiballtag …

… wird es ab jetzt in der Rubrik Tintenfässchen geben. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich diese Beitragsreihe, mit der ich schon so lange liebäugle, endlich in Angriff genommen habe. Als erstes Thema habe ich mit den * NaNoWriMo * vorgenommen und plaudere ein bisschen aus meinem Tintenfässchen, was ich ganz persönlich aus meiner ersten Teilnahem 2016 mitgenommen habe. Der NaNo ist auch der Grund, warum es hier momentan so ruhig ist. Ich stecke mitten in meinen neuen Romanprojekt Sturmsang (nähere Informationen findet ihr *hier*), das ich im Oktober gründlich geplottet habe.

Ein kurzes Märchen ist im Rahmen des #Writing Friday dennoch entstanden. Darin geh es um einen kleinen Kürbis – und eine ganz besondere Begegnung. Wenn ihr mögt, dann lest gern mal rein. Die Geschichte findet ihr *hier*.

Insgesamt habe ich im Oktober wenig gelesen. Mit dem Beginn des Wintersemesters wird die Zeit knapper. Aber hinter den Kulissen geschehen gerade auch spannende, aufregende Dinge. Mehr darf ich allerdings noch nicht verraten. ;)

Wir lesen uns,
Eure Anna

[Projekt] Sturmsang | Historischer Roman

Bildquelle: Pixabay

Im Tintenfässchen habe ich es schon angekündigt: In diesem Jahr nehme ich wieder am NaNoWriMo teil. In den nächsten Tagen werde ich mich auf meine zweite Reise in die Zeit der Wikinger begeben. Sturmgepeitschte Überfahrten, blutige Schlachten und weitreichende Intrigen: Die Nordmänner stechen in See!

Das Projekt im Überblick:

Arbeitstitel: Sturmsang
Genre: Historischer Roman
Setting: Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert; fiktive Dörfer in Nordjütland (Dänemark) und Hordaland (Norwegen)
Geschätzter Umfang: 60.000 Wörter
Perspektive: Personaler Erzähler, 5 Persepektivträger

Darum geht es:

Eine Schildmaid, die auf Rache sinnt.
Ein Mann, der aus Liebe und Ehrgeiz alles wagt.
Und ein Krieger, der zwischen Freundschaft und Loyalität wählen muss.

Halveig ist die Einzige, die den brutalen Überfall auf ihr Dorf überlebt. Getrieben von dem Verlangen, ihre Liebsten zu rächen, setzt sie alles daran, den Mann ausfindig zu machen, der ihr alles genommen hat.
Jahre vergehen, bis sie auf einer Víking eben der Gruppe von Männern gegenüber steht, die ihr Dorf in Schutt und Asche gelegt haben. Ihrer Rache so nah, geraten beide Kriegsbanden in einen Hinterhalt. Halveig muss sich entscheiden: Nimmt sie Rache oder setzt sie alles daran, ihren Freund, dem sie ihr Leben verdankt, zu retten und gemeinsam mit dem ihr verhassten Krieger einen Weg zu finden, in ihre Heimat zurückzukehren?

Ich freue mich jetzt schon darauf, erneut in die Welt der rauen Wikinger zu reisen, an Bord ihrer prächtigen Schiffe über die See zu fahren und noch tiefer in ihre Mythologie einzutauchen.

Wir lesen uns
Eure Anna

Tintenfässchen – NaNoWriMo bedeutet für mich …

 

Herzlich Willkommen zum ersten Tintenfässchen!
Das Tintenfässchen ist die Beitragsreihe rund um alles, was mit dem Schreiben zu tun hat. Hier findet ihr nicht nur Handwerkszeug und Tipps, sondern erhaltet auch einen Einblick in mein ganz persönliches Tintenfässchen. Seid jedoch gewarnt: Ich kenne kein Patentrezept dafür, aus guten Ideen gute Geschichten zu machen (wobei „gut“ ja sowieso Definitionssache ist). Alle Beiträge des Tintenfässchens sind daher als Anregungen gedacht. Vielleicht könnt ihr aus ihnen ja auch etwas für euren ganz eigenen Schreibprozess und eure Geschichten mitnehmen.

Mein erstes Thema ist eines, das mir als Autorin sehr am Herzen liegt: der NaNoWriMo. Dies kryptisch scheinende Abkürzung steht für den National Novel Writing Month. 1999 ins Leben gerufen, stellen sich seitdem Schreiberlinge weltweit im November der Herausforderung, einen Roman (im Umfang von 50.000 Wörtern) innerhalb eines Monats zu schreiben. Im vergangenen Jahr kam der NaNo für mich leider nicht in Frage. (Warum könnt ihr *hier* nachlesen) deshalb freue ich mich nun aber umso mehr darauf, mich im November in das Abenteuer NaNo zu stürzen.

Das Motto in diesem Jahr lautet „NaNoWriMo is …“. Passend dazu habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was der NaNo für mich bedeutet – und was jeder Autor dabei lernen kann.

Der NaNo bringt mich an meine Grenzen. 50.000 Wörter sind auf den ersten Blick ganz schön einschüchternd. Schön, wenn man das Ziel erreicht. Aber darum geht es nicht. Im NaNo geht es in erster Linie darum, Spaß beim Schreiben zu haben. Sich allzu verbissen an Wortziele zu klammern, verdirbt das unvergleichliche NaNo-Feeling. Und dieses Kampfschreiben ist auch nicht jedermanns Sache.

Wenn man sich vom Worcount, seinem inneren Lektor und dem eigenen Ehrgeiz lösen kann, wird man feststellen, dass …

… man mehr schafft, als man sich zunächst zutraut. Bei meinem ersten vollwertigen NaNo war ich überrascht, wie viel ich tatsächlich geschrieben hatte – deutlich mehr als in „normalen“ Monaten.

… das, was man zu Papier bringt, besser ist, als gedacht. (Die Überarbeitung sollte man sich dennoch nie – nie! – sparen.^^)

… es in jeder Woche erstaunlich viel Zeit zum Schreiben gibt – man muss sie nur entdecken.

Der NaNo ist für mich ein Monat, in dem ich mir neben all meinen Verpflichtungen bewusst Zeit zum Schreiben nehme. Er ist eine intensive Erfahrung, bei der ich nicht nur Neues über das Schreiben lerne, sondern auch über mich als Autorin. Ich überwinde Grenzen, Plotlöcher, Motivationstiefs, entdecke neue Genres – und wachse mit meinem Projekt.

Was den NaNo noch zu einem unvergesslichen Erlebnis macht, ist das Gemeinschaftsgefühl. Schreiben kann mitunter sehr einsam sein. Im NaNo schreibt man nicht allein. Zu Wissen, dass Millionen Autoren auf der ganzen Welt an ihren Projekten arbeiten, hat mich ganz schön beflügelt. Natürlich kommt dabei auch der Austausch nicht zu kurz: Auf Twitter oder Instagram findet man den ganzen November über eine Vielzahl an Motivations- oder Fortschritts-Posts.

Vielleicht habt ihr ja auch Lust bekommen, mitzumachen. Ihr habt keinen Plot? Kein Problem! Es ist mindestens genau so spannend und spaßig, erst beim Schreiben zu schauen, wohin euch die Reise führt. Wenn ihr offiziell Teilnehmen wollt, solltet ihr euch allerdings noch bis zum 31.10. auf der offiziellen Seite nanowrimo.org registrieren.

Spätestens Anfang November werde ich euch dann auch verraten, mit welchem Projekt ich mich in diesem Jahr an den NaNo wage.

Allen Naniten, die zufällig über diesen Beitrag stolpern, wünsche ich einen wundervollen NaNo, viel Inspiration und ganz viel Spaß mit euren Projekten. Auf das der November ein wortreicher Monat wird!

Wir lesen uns,
Eure Anna

PS: *Hier* findet ihr alle Informationen über mein Projekt Sturmsang.

Im Paradies für Bücherwürmer | Frankfurter Buchmesse 2018

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Die Frankfurter Buchmesse ist zwar schon eine Weile her, aber dennoch möchte ich euch meine Messeimpressionen nicht vorenthalten. :)

Stimmengewirr, verstopfte Gänge und Bücher, so weit das Auge reicht:  Samstags habe ich die heiligen Hallen der Frankfurter Buchmesse unsicher gemacht. Zum bereits 70. Mal öffnete die Veranstaltung vom 10.-14. Oktober ihre Pforten und präsentierte nicht nur die Herbstneuerscheinungen, sondern bot auch eine Vielzahl interessanter Veranstaltungen an.

Trotz des frühen Aufstehens und der langen Fahrt im Reisebus, die ich hinter mir hatte, strahlte meine Laune mit der Sonne um die Wette, als ich das Messegelände gegen 10 Uhr erreichte. In Halle 3.0, wo sich die großen Publikumsverlage tummeln, war es zu dieser Zeit schon recht voll. Mit einer halben Stunde Verspätung erreichte ich dann endlich die Selfpublishing Area und den ersten meiner Programmpunkte. Laura Newman, Monika Pfundmeier (Gewinnerin des DSPP-2018) und Charlotte Larat (Literaturagentin) sprachen  über den Aufbau von Autorenmarken. Sicherlich hätte ich Einiges mehr aus dem interessanten Gespräch mitnehmen können, hätte ich nicht die erste Hälfte davon verpasst. So bleibt mir nicht nur die Erkenntnisse, dass es bei der Veröffentlichung von Titeln im Selfpublishing nicht nur auf das richtige Timing ankommt, sondern auch, dass ein gründliches Lektorat und ein gutes Cover unerlässlich sind.

Wo wir schon beim Thema Cover sind: Nach dem Vortrag zog es mich zum Stand des Sternensand Verlags, der seine literarischen Schätzchen wirklich schön in Szene gesetzt hat. Schmucke Cover so weit das Auge reicht. *.* wirklich traumhaft – und verlockend, in einen Kaufrausch zu verfallen. Ein Sternchen, mit dem ich schon eine Weile geliebäugelt habe, habe ich mir dann doch gegönnt: Elayne – Rabenkind von Jessica Bernett.

Nachdem ich dann am Stand von Papyrus Autor vorbeischaute und mir die Vorzüge
der neusten Version präsentieren ließ, an den Ständen vom Mantikore Verlag stöberte und beim Talawah und Zeilengold Verlag vorbeischaute, war es bereits Zeit für eine liebgewonnene Messetradition: Ein Treffen mit Erik, dem sympathischen und talentierten Autor und Blogger, der hinter Zwischen Buchdeckeln steckt. Wir haben lange miteinander gequatscht, aufregende Neuigkeiten und spannende Messeerlebnisse miteinander geteilt und die spätsommerlichen Temperaturen auf der Agora genossen. Natürlich ließ ich es mit nicht nehmen, mir von Erik die Luther-Anthologie (*klick*) und die Düsteren Wege (*klick*) signieren zu lassen, zu denen wir beide eine Kurzgeschichte beigesteuert haben. Schaut unbedingt mal auf Eriks Blog vorbei, dort gibt es viele tolle Buchempfehlungen zu entdecken.

Anschließend besuchte ich mein erstes Bloggertreffen. Der Brunnen Verlag hatte drei seiner Autoren eingeladen, die uns ihre Bücher vorstellten. Auf das größte Interesse stieß jedoch Tim Tichatzkis Debütroman Roter Herbst in Chortitza, ein historischer Roman, der in der Sowjetunion spielt. Mit diesem Buch nimmt sich der Autor der schweren Aufgabe an, gegen das Vergessen anzuschreiben. Denn die Handlung des Romans basiert zu großen Teilen auf den Erlebnissen seiner Schwiegermutter. Tichatzki gewährte uns Einblicke in den Entstehungsprozess des Roten Herbsts, stellte sich unseren neugierigen Fragen und war wirklich sehr sympathisch. Nach der Vorstellung weiterer Titel aus dem Verlagsprogramm habe ich mich sehr darüber gefreut, den Roten Herbst in meiner Goodiebag zu entdecken.

Meinen restlichen Messebesuch verbrachte ich damit, mich nochmal in Ruhe umzuschauen – sofern man sich bei den Menschenmassen in Ruhe umsehen kann. Am Stand der Greenlight Press nahm sich Luzia Pfyl während ihrer Signierstunde auch Zeit für ein kurzes Gespräch mit mir. Ihre Steampunk-Serie Forst & Payne ist eine klare Leseempfehlung (mehr dazu *hier*)und Luzia war – obwohl sie schon einen echten, anstrengenden Messemarathon hinter sich hatte – immer noch gut drauf.

Dann stand mein letzter Programmpunkt an: Die Signierstunde von Timur Vermes, dem Autor von Er ist wieder da, der auch in seinem neuen Roman Die Hungrigen und die Satten nicht davor zurückscheut, hochaktuelle, tagespolitische, brisante Themen anzusprechen. Am Stand von Thalia, wo die Veranstaltung stattfinden sollte, war es brechend voll (allerdings nicht so schlimm wie bei der Signierstunde von Laura Kneidel bei Piper. Das war Wahnsinn!) Zum Glück stellte sich heraus, dass die meisten nur ein Lesezeichen machen wollten – und somit landete ich an der zweiten Stelle in der Signierschlange.

Danach war es schon wieder an der Zeit, die Halle zu verlassen und die Rückreise anzutreten. Der Tag auf der Messe war schön, aber auch anstrengend. Auch wenn die Buchmesse für mich in jedem Jahr ein Highlight ist, muss ich doch sagen, dass es mir 2017 insgesamt besser gefallen hat.  Vielleicht täusche ich mich, aber ich hatte das Gefühl, dass es insgesamt weniger Veranstaltungen gab, die mich interessiert haben – und die Zahl an neuen Fantasytiteln bei den großen Publikumsverlagen deutlich geschrumpft ist.

Wir lesen uns,
Eure Anna

#Writing Friday – Nicht besonders

Es war einmal ein Kürbis. Kein besonders großer Kürbis. Etwa so groß, dass er in meine Handflächen passt, wenn ich sie zu einer Mulde aneinanderlege. Nicht perfekt gerundet. Zum Stiel hin, der sich in einem sanften Bogen wölbte, schlanker. Nein, auf den ersten Blick mochte dieser Kürbis nicht besonders scheinen, wie er fernab von aller Aufmerksamkeit auf dem überwucherten Komposthaufen vor sich dahin wuchs.
Doch der Anschein trügte.
Jeden Tag besuchte seine Freundin Spitzmaus den kleinen Kürbis. Erzählte ihm von ihrem Tag, den Dingen, die sie bei den Menschen gesehen und erlebt hatte. Eines Herbstabends, als die Sonne sank und ihre Glut den Kürbis in sanftgoldenen Schimmer hüllte, da kam sie aufgeregt zu ihm gelaufen.
„Kürbis!“ Quiekte sie, als sie über seinen gewundenen Stiel schlitterte, wie sie es für gewöhnlich zu tun pflegte. Sie schoss auf eines der Blätter, das sich unter ihrem Gewicht neigte und sie sanft auf dem Boden absetzte. „Kürbis“, keuchte sie ganz außer Atem, „du glaubst ja nicht, was ich gesehen habe.“
„Nun beruhig dich erstmal.“ Der kleine Kürbis wackelte mit den Blättern. „Wir haben noch den ganzen Abend Zeit zu erzählen.“
Spitzmaus holte tief Luft, hüpfte aufgeregt vor ihm auf und ab. „Da … da war ein Kürbis. So einer wie du.“
„Wie ich?“, fragte der kleine Kürbis hoffnungsvoll.
„Ja! Ja!“ Spitzmaus setzte sich auf die Hinterbeine. „Eine Fee hat ihn besucht und – stell dir nur vor! – sie hat ihn in eine Kutsche verwandelt.“ Aufgeregt erzählte Spitzmaus weiter. Von einer Prinzessin. Einem Ball. Der kleine Kürbis glaubte, eine Spur Stolz in ihrem Tonfall zu hören, als sie ihm von den Mäusen berichtete, die die Fee in Pferde verwandelte, damit sie die Kürbiskutsche zogen. „Ist das nicht aufregend?“ Mit ihren winzigen Pfoten klopfte sie sacht an seine Schale.
„Ja“, seufzte der kleine Kürbis und ließ die Blätter hängen. In seinem Leben gab es keine Feen, die ihn in eine Kutsche verwandelten. In seinem Leben gab es nicht mal einen anderen Kürbis. Nur diesen Komposthaufen – und seine treue Freundin Spitzmaus.
„Kleiner Kürbis?“, fragte sie leise. „Ist alles in Ordnung.“
Er nickte tapfer.
„Ich … ich wollte dich nicht traurig machen.“ Eng schmiegte sie sich an ihn. Das Gefühl ihrer Wärme an seiner Schale war tröstlich. „Ich wusste nicht …“
„Gräm dich nicht, Spitzmaus. Das ist eine wundervolle Geschichte, von der wir beide heute Nacht träumen können.“
Eine Geschichte, dachte der kleine Kürbis traurig, mehr auch nicht.

„Dideldidumm, dideldidai.“
Seltsame Geräusche schreckten den kleinen Kürbis aus dem Schlaf. Der Garten lag in Silberlicht getaucht. Doch da! Näherten sich da nicht kleine Funken über den Rasen?
Der kleine Kürbis mochte seinen Augen nicht trauen, als die schwirrenden Lichtpunkte auf ihn zuhielten.
„Ah“, begrüßte ihn eine glockenhelle Stimme, „kleiner Kürbis, hast du ausgeschlafen?“
„Aus-“
„Ja, ja“, erklärte eine zierliche Frau, die mit hauchzarten, schillernden Flügeln vor ihm schwirrte. „Du musst doch ausgeschlafen sein für das große Fest.“
„Welches Fest?“ Der kleine Kürbis betrachtete sie näher. Erinnerte sich an die Erzählung der Spitzmaus. „Bist du … bist du etwa … eine gute Fee?“ Seine Blätter raschelten vor Aufregung. „Verwandelst du mich in eine Kutsche?“
Die Fee schenkte ihm ein irritiertes Lächeln. „Eine Kutsche? Das hier ist doch kein Märchen.“ Sie warf das lange Haar über die Schulter zurück.
„Nicht?“ Der kleine Kürbis versuchte, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.
„Papperlapapp. Was wir mit dir vorhaben, ist viel viel schöner! Aber zuerst …“ Geschäftig zog sie einen Zauberstab aus ihrer Tasche. „Momenten mal.“ Sie umschwirrte ihn, musterte ihn prüfend. „Ah, ja, jetzt weiß ich es.“ Sacht stupste sie ihn mit dem Stab an.
Zunächst spürte der kleine Kürbis nichts. Allmählich breitete sich ein wohligwarmes Kribbeln in seinem Innern aus. Dann spürte er ein leichtes Ziehen und Zerren, als sich seine Gestalt veränderte. Die Krümmung seines Halses verschwand. Er wurde dicker. Seine Schale färbte sich herbstorange.
„Was geht hier nur vor?“, wisperte der kleine Kürbis, ergriffen von dem Wunder, das die Fee ihm schenkte.
„In diesem Augenblick beginnt dein neues Leben, kleiner Kürbis“, erklärte die Fee sanft. „Ich werde dich und deine Freundin Spitzmaus mitnehmen an einen Ort, an dem es noch mehr Kürbisse gibt: Große und kleine, dicke und dünne.“
Die Vorstellung, bald mit anderen seiner Art sprechen zu können, machte den kleinen Kürbis ganz kribbelig.
„Weißt du, bei der Hexe Agatha wird es dir gut gehen.“
„Du … du bringst mich zu einer echten Hexe?!“
„Sorg dich nicht, kleiner Kürbis. Agatha wird dir ein Lächeln schenken. Und dieses Lächeln wirst du anderen schenken.“
Ja, dachte der kleine Kürbis, das ist ein Leben, das mir gefallen könnte.


Der #Writing Friday ist eine Aktion von  Elizzy von read books and fall in love. Jeden Freitag veröffentlichen einige Blogger*innen, die das Schreiben genau so lieben wie das Lesen,  einen kurzen Text. Egal ob Geschichte oder Gedicht, erfunden oder mit persönlichem Bezug – Hauptsache kreativ. 

Wenn ihr selbst noch nach Themen sucht, über die ihr schreiben könnt, oder einfach ein bisschen schmökern wollt, dann schaut doch mal bei Elizzy vorbei. Dort findet ihr eine Übersicht aller Teilnehmer, über die Regeln des #Writing Friday sowie die aktuellen Schreibthemen.  Die anderen würden sich sicher freuen, wenn ihr ihren lesenswerten Blogs einen Besuch abstattet. :)

Thema heute: Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.

Meinen letzten Beitrag zum #Writing Friday findet ihr * hier *. Darin geht es um ein besonderes Haustier und den Wert der Freiheit.  Wer noch mehr schmökern möchte: Bitte * hier * entlang.

[Monatsrückblick] Magie, freie Zeit und Schreibzeit

[Beitrag kann Spuren von Werbung enthalten]

Hallo liebe Weltenbummler,
wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich sie schon: Die sich langsam verfärbenden Blätter, die den Herbst ankündigen. Für mich gibt es keine schönere Jahreszeit. :) Ich liebe es, mich bei Regen und Sturm mit einem guten Buch unter meiner Kuscheldecke zu verkriechen und es mir so gemütlich zu machen. Wenn der Regen aufs Dach prasselt, macht es mir gleich noch mal so viel Spaß, in den Welten aus Tinte und Papier zu versinken oder in die Tasten zu hauen und meine eigenen Geschichten zu erzählen. Zwei Romane, die wunderbar in den Herbst passen, habe ich euch im September vorgestellt.

Von Hexen und Zauberern

Eine ganz besondere Geschichte hat euch Ily Romansky in Blutrabe zu erzählen. Der Auftakt ihrer Mysteryreihe rund um die junge Gouvernante Zara Nesbit, der im Selfpublishing erschienen ist, konnte mich auf ganzer Linie begeistern. Nicht nur das historische Setting ist stimmig und stimmungsvoll. Der Autorin gelingt es meisterhaft, eine Gänsehaut-Atmosphäre zu kreieren, die an die Erzählungen von Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft erinnert. Ich könnte euch noch stundenlang von Blutrabe vorschwärmen – oder euch einfach auf meine Rezension hinweisen, die ihr *** hier *** findet.

Auch bei der zweiten Buchempfehlung wird es magisch. Es geht um eine Jugendbuchreihe und einen Zauberlehrling, den wohl nahezu jeder von uns kennt: Harry Potter. Kaum zu glauben, dass es tatsächlich schon 20 Jahre her ist, seit das erste Abenteuer von Harry, Ron und Hermine erschien – und die Herzen von Millionen Muggeln eroberte. Von meiner ersten Begegnung mit dem Jungen, der mir die Welt der Magie zeigte, und den zauberschönen Erinnerungen, die ich mit Harry Potter verbinde, erzähle ich euch *** hier ***.

Ein Monat voller Autorenleben

Na gut, das stimmt nicht ganz. In der ersten Septemberwoche habe ich endlich das Großprojekt „Bachelorarbeit“ beendet – und mir danach eine ordentliche Portion Schreibzeit gegönnt. Da traf es sich auch hervorragend, dass ich am Tag nach Abgabe der Arbeit eine Mail mit einer Zusage im Postfach hatte. Im Frühjahr wird eine historische Kurzgeschichte in einer Anthologie des Burgenwelt Verlags erscheinen. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf, zum mittlerweile vierten Mal mit dem Verlag zusammenarbeiten zu dürfen.

Im September bin ich aber noch einen weiteren Schritt in Richtung der Zukunft meiner Träume gegangen. Zum allerersten Mal habe ich einem Verlag ein Manuskript angeboten. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufgeregt ich war, als ich endlich auf Senden geklickt habe. Zurzeit wird mein Projekt eingehend geprüft – und immer, wenn ich mein Mailpostfach öffne, rast mein Herz wie verrückt, weil ich eine Antwort haben könnte. Die Verlagsbewerbung ist ein wirklich großer, aufregender Schritt – und ich hoffe und bange, dass sie ein positives Ende nimmt.

Mit Feuereifer habe ich mich auch daran gemacht, mein Romanprojekt aus dem NaNo 2016 umzuschreiben. (Zur Erklärung: Jedes Jahr im November stellen sich Autoren weltweit der Herausforderung, im NaNoWriMo einen Roman von 50.000 Wörtern Länge innerhalb eines Monats zu schreiben.) Nachdem ich einiges umgeplottet habe, habe ich das Gefühl, dass die Erzählung insgesamt runder wird. Dabei habe ich mich von Neuem in Setting, Figuren und die Geschichte an sich verliebt. Hach ja, mein Herbstie …

Wie ihr seht, habe ich im September richtig fleißig geschrieben. Dabei ist auch wieder ein Beitrag für den #Writing Friday entstanden. Diesmal geht es um Freiheit, Größe und das Gefühl, Zuhause zu sein. Reinschnuppern könnt ihr *** hier ***.

Oktoberausblick

Was bei einem Ausblick auf den nächsten Monat nicht fehlen darf, ist die Frankfurter Buchmesse – auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich in diesem Jahr hinfahren werde. Parallel dazu findet am 13. 10 in Dreieich die BuCon statt, auf der sich eine bunte Mischung von Verlagen und Autoren der Phantastikszene tummeln wird. An diesem Tag erscheint auch die Anthologie mit den Siegergeschichten der Storyolympiade 2017/2018, in der auch meine Kurzgeschichte Feuerfunken abgedruckt wird. Mehr dazu verrate ich euch bald. Nur so viel für den Moment: Beim Verlag Torsten Low könnt ihr das Buch noch bis zum 12. 10 zum Subskriptionspreis *** vorbestellen *** und ordentlich sparen.

Im nächsten Monat möchte ich auch endlich eine Beitragsreihe umsetzen, die ich schon lange plane. Im Tintenfässchen wird sich vieles ums Schreiben im Allgemeinen, aber auch um konkrete Projekte drehen. Ich bin gespannt, wie das bei euch ankommen wird. :)

Wir lesen uns,
Anna